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Der erste serienreife Elektrotraktor kommt aus der Schweiz

Vielerorts rennt heute ein Hersteller mit einem vollelektrischen Traktor offene Türen ein. Denn etliche landwirtschaftliche Betriebe haben damit begonnen, ihren Strom über Dachpaneele selbst zu erzeugen, und nicht wenige Gemeinden stellen darüber hinaus in ihren Werkhöfen langsam auf Elektromobilität um oder haben es bereits getan. Dies, um sich kontinuierlich für eine effiziente Nutzung von Energie, den Klimaschutz sowie für umweltverträgliche Mobilität einzusetzen. Allerdings hat sich das Angebot an solchen Maschinen und Geräten bis anhin eher im überschaubaren Rahmen gehalten. Vor allem bei Traktoren und anderen schweren Multifunktionsfahrzeugen gibt es noch kein grosses Konkurrenzumfeld, und es ist auch keines in Sicht. So hat es sich der Familienbetrieb Rigitrac Traktorenbau AG in Küssnacht (SZ) zur Aufgabe gemacht, einen solchen vollelektrischen Traktor zu entwickeln und zu bauen. Firmengründer Sepp Knüsel hat in den 1970er-Jahren als Einmannbetrieb mit dem Handel von landwirtschaftlichen Fahrzeugen angefangen. Heute arbeiten auch seine Ehefrau, die vier Töchter und 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Betrieb mit. Das innovative Unternehmen hat übrigens als Anerkennung seiner unternehmerischen Leistung und Orientierung an regionalen Kundenbedürfnissen als Dienstleistungs- und Produktionsbetrieb schon einige Preise gewonnen. Knüsel wollte seinen Kundinnen und Kunden einen leistungsfähigen, einsatzsicheren Kompakttraktor für den vielseitigen Ganzjahreseinsatz im kommunalen Bereich, aber auch in landwirtschaftlichen Betrieben anbieten. Kein elektrifizierter Traktor, sondern eine absolute Neuentwicklung mit hohem Nutzwert sollte es sein, also genügend Reichweite, man spricht von vier bis acht Stunden Arbeitszeit, sowie einer anständigen Ladeleistung von zwei Stunden bis 80 Prozent, mit einfachem Zugang zu allen Komponenten und Kontrollstellen. Die Betriebskosten sowie der Wartungsbedarf sollten wie bei allen elektrisch angetriebenen Fahrzeugen gering sein. Und so zeigt sich der SKE40 e-direct heute als vollwertiger Kompakttraktor mit unabhängigem Fahrantrieb mit maximaler Reichweite und Rekuperation. Die 400-V-Lithium-Ionen-Batterie ist zwischen den Achsen angeordnet und garantiert eine perfekte Gewichtsverteilung. Mit dem Ladestecker des Typs 2, das Ladegerät ist in das Fahrzeug integriert, kann an allen Ladestationen geladen werden. In der Kommunalversion ist der Traktor je nach Bereifung 1300 bis 1570 mm breit und findet damit auch bei engen Verhältnissen genügend Platz. Die grosszügig ausgelegte Kabine mit flachem Boden wird für maximalen Komfort mit einer Wärmepumpe geheizt oder gekühlt. Die Bedienung über einen Joystick und ein Display ist einfach und praktisch, der Joystick und ein Drehrad-Controller sind ergonomisch in einer Armlehne angeordnet. Frontseitig findet sich ein Dreipunkt-Fronthubwerk mit 850 kg Hubkraft, die Zapfwelle ist stufenlos von 0 bis 1000 Umdrehungen pro Minute links- oder rechtsdrehend einstellbar. Heckseitig ist ein Dreipunkt-Heckhubwerk mit 1500 kg Hubkraft verbaut, die dortige Zapfwelle arbeitet stufenlos von 0 bis 750 Umdrehungen pro Minute rechtsdrehend. Die Drehrichtung und die Drehzahl der Zapfwellen sind über je einen Elektromotor unabhängig steuerbar. Auf Wunsch sind verschiedene Anhängerkupplungen erhältlich. «Die Entwicklung des Elektrotraktors war ein langer Prozess mit einigen Rückschlägen», erinnert sich Theres Beutler-Knüsel, Geschäftsführerin der Rigitrac Traktorenbau AG. «Als wir 2018 anfingen, waren noch viele der notwendigen Einzelteile gar nicht auf dem Markt und mussten für dieses Nischenprodukt erst geschaffen werden. Aber der Aufwand hat sich gelohnt: Wir können heute unseren Kundinnen und Kunden ein ausgewogenes Produkt in sprichwörtlicher Schweizer Ausführungsqualität mit gutem, schnellem Backoffice anbieten.» 2022 ging der SKE40 mit einer Nennleistung von 40 kW (54 PS) in Serienproduktion und ist heute nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland, Österreich, Dänemark und sogar in Norwegen im Einsatz. Mit dem elektrischen Kompakttraktor spricht Rigitrac vor allem den Vierjahreszeiteneinsatz bei Gemeinden und in Kommunalbetrieben an. Heinz Ammann

Elektrische Strassenkehrmaschinen als sinnvolle Alternativen

Die Frage ist: Können vollelektrische Arbeitsfahrzeuge – hier Strassenkehrmaschinen – mit diesel- oder benzinangetriebenen Modellen von der Leistung her mithalten? Ja, das können Sie durchaus: Sie sind zwar noch um einiges teurer in der Anschaffung, dafür wartungsfreundlicher, leiser, abgasfrei und genauso effizient – vorausgesetzt, sie werden richtig eingesetzt. Aber das ist heute bei modernen Kehrmaschinen mit fortschrittlichen Steuerungssystemen kein Problem. Auch Verbrenner richten sich nach dem Strassenzustand und seinem Verschmutzungsgrad und optimieren so Fahrstrecken und den Treibstoffverbrauch effizient. Bei elektrisch angetriebenen Fahrzeugen müssen Routen anders geplant und an bestehende Ladeinfrastrukturen angepasst werden, damit die Batterien der Fahrzeuge während ihrer Standzeiten schnell und sicher auf die von den Herstellern empfohlenen 80 Prozent aufgeladen werden können. Infrage kommen da zum Beispiel auch zusätzliche hauseigene Fotovoltaikanlagen auf Werkhöfen oder überhaupt verbesserte Lastmanagementsysteme, um die Ladeleistung für eine ständig grösser werdende Anzahl von Elektrofahrzeugen zu optimieren. Sind alle Rahmenbedingungen organisiert und erfüllt, steht der Beschaffung einer vollelektrisch angetriebenen Kehrmaschine nichts im Weg. Obwohl die Nachfrage nach professionellen elektrischen Strassenkehrmaschinen gross ist und immer grösser wird, ist das Angebot zurzeit noch recht überschaubar und konzentriert sich auf Kompaktkehrmaschinen mit Behältervolumen um die 2 m 3 . In der Schweiz machen sich vor allem Marken wie Aebi, Boschung, Bucher und Hako, aber auch Dulevo oder Tenax einen guten Namen. Sie garantieren mit leistungsstarken Batteriesystemen und Elektromotoren für einen besseren Wirkungsgrad gegenüber Antrieben mit Verbrennungsmotor und verbrauchen weniger Energie. Emissionsfrei und geräuscharm können sie je nach Jahreszeit mit einer einzigen Stromladung bis zu zehn Stunden am Stück im Einsatz gehalten werden. Im Winter, wenn in der Kabine geheizt wird, sind es etwas weniger. Die Arbeitsfunktion und die hochwertigen Filtersysteme sind dieselben wie bei ähnlichen Maschinen, egal ob Benzin, Diesel oder Gas. Auch beim reichhaltigen Zubehör wie Kamerasystemen, Hochdruckspritzpistolen, Handsaugschlauch, Wildkrautbesen und vielem mehr unterscheiden sie sich nicht. Nur bei den Lärmemissionen. Das Publikum freuts; man hört zwar noch die Wisch- und Sauggeräusche wie eh und je, aber sonst nichts mehr. Vor allem in Fussgängerzonen oder überhaupt in Stadtzentren nerven sich Passanten nicht mehr über Motorenlärm oder beissende Abgase und, wichtig, sie haben das gute Gefühl, dass die Stadtverwaltung ihre Anliegen betreffend Umweltschutz ernst nimmt. Abgesehen davon können und werden sich wohl zukünftige Umweltauflagen auch für solche Geräte eher verschärfen. Aebi Schmidt beispielsweise bietet mit dem eSwingo 200+ eine Maschine mit vollelektrischem Fahrantrieb und einem neuartigen elektrischen Zwei- oder Dreibesenantrieb an. Die geräumige Kabine mit hochwertigen Bedienelementen macht auch längere Arbeitseinsätze zum Kinderspiel: So wird die Kehreinheit über eine Türbedienkonsole gesteuert. Die zuschaltbare Allradlenkung macht extrem enge Wendemanöver möglich. ( www.aebi-schmidt.com ) Der Schweizer Hersteller Boschung präsentiert mit der Urban-Sweeper S2.0 eine ebenfalls vollelektrisch angetriebene, knickgelenkte Kehrmaschine mit 2 m³ Behältervolumen. Das Fahrzeug verfügt über ein intelligentes Batteriemanagementsystem, das für optimale Sicherheit sorgt. Gekehrt wird bei einer Arbeitsbreite von 2300 mm mit zwei Besen (2900 mm mit drittem Besen) bei maximal 18 km/h. ( www.boschung.com ) Die ebenfalls knickgelenkte Bucher CityCat 2020ev ist über ihre Multifunktionsarmlehne in der gut isolierten Komfortkabine mit einer Hand zu bedienen. Die Arbeitsgeschwindigkeit beträgt maximal 15 km/h, die Arbeitsbreite mit drei Besen 2700 mm. Die Kehrgutaufnahme erfolgt über einen schwebenden Saugmund, der an einem patentierten Ausgleichsmechanismus aufgehängt ist. ( www.buchermunicipal.com ) Mit der in die Bedienarmlehne integrierten Einknopfbedienung lassen sich bei der knickgelenkten Hako Citymaster 1650 ZE alle Funktionen einfach per Knopfdruck steuern, ein Display gibt dabei Auskunft über alle für den Betrieb relevanten Informationen. Gekehrt wird mit bis zu 24 km/h. ( www.hako.com ) Die Aufzählung ist selbstredend nicht vollständig, Interessierte finden alle Informationen über Arbeitsleistung, Masse und Gewichte sowie Batteriesysteme auf den Websites der Anbieter. Heinz Ammann

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