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Aktive Filter: Autor: Nadja Sutter Ausgabe: 11 l 2025 Alle Filter entfernen
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Wie Gemeinden Wohnraum schaffen

Die Wohnraumknappheit hat sich in den letzten Jahren drastisch verschärft. Lange Warteschlangen bei Wohnungsbesichtigungen sind in grossen Städten wie Zürich oder Genf schon länger Realität. Nun spitzt sich die Lage aber auch in ländlichen Zentren und besonders in touristischen Berggemeinden zu. Das hat Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft, wenn etwa potenzielle Arbeitskräfte keine Wohnung finden. Und schliesslich fehlen auch junge Familien mit Kindern, welche die Schulen in abgelegenen Regionen am Leben erhalten. Die gesunkene Leerwohnungsziffer hat also ganz konkrete Auswirkungen auf die Gemeinden. Wie diese damit umgehen und welche Lösungsansätze es auf Gemeindeebene gibt, zeigen wir in dieser Ausgabe: zum Beispiel mit dem Generationenhaus in der Walliser Gemeinde Saint Martin oder dem neuen Dorfzentrum mit Wohnraum in Entlebuch (LU). Der Gemeindepräsident von Gonten (AI) erklärt zudem, dass eine Leerwohnungsziffer von 0 nicht bedeuten muss, dass es gar keine freien Wohnungen gibt. Schliesslich haben wir auch auf oberster Ebene nachgefragt: Martin Tschirren, Direktor des Bundesamtes für Wohnungswesen, erläutert, welche Schritte der Bund gegen die Wohnraumknappheit unternimmt und weshalb die Gemeinden dabei eine so wichtige Rolle spielen. Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre! «Die gesunkene Leerwohnungsziffer hat ganz konkrete Auswirkungen auf die Gemeinden.» Nadja Sutter, Chefredaktorin «Schweizer Gemeinde» Nadja Sutter

«Die Wohnungsknappheit dehnt sich auf die Agglomerationen aus»

Das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) ist das Kompetenzzentrum des Bundes für Wohnungsfragen. Seine Tätigkeit gliedert sich in drei Teilbereiche: das Forschungsprogramm zu Wohnthemen, das Mietrecht sowie die Wohnraumförderung, für die der Bundesrat erst Ende September zusätzliche Gelder gesprochen hat. Der Fonds de Roulement zugunsten des gemeinnützigen Wohnungsbaus soll demnach für die Jahre 2030 bis 2034 um 150 Millionen Franken aufgestockt werden. Martin Tschirren ist seit 2020 Direktor des BWO und beantwortet die drängendsten Fragen zur Wohnungsknappheit. Einerseits verzeichnen wir eine stetige Nachfrage nach Wohnungen, andererseits eine schwache Bautätigkeit. Letzteres beobachten wir bereits seit 2018. Gründe dafür sind unter anderem Raumplanungsvorgaben, teureres Bauland, komplexe Verfahren, Einsprachen sowie gestiegene Baukosten. In den grossen Städten ist die Lage schon länger angespannt. Bemerkenswert ist die Verschärfung in touristischen Berggemeinden, wo sich die Leerstände zwischen 2020 und 2023 halbiert haben. Seit ein, zwei Jahren beobachten wir zudem, dass sich die Wohnungsknappheit auch auf die Agglomerationen und kleinere Zentren ausdehnt. Die Wohnungsknappheit führt zu höheren Angebotsmieten. Wer eine neue Wohnung suchen muss und in den Städten keine bezahlbare Option mehr findet, weicht auf die umliegenden Gemeinden aus. Wohnen ist ein menschliches Grundbedürfnis, das uns alle betrifft. Ein ungenügendes Wohnungsangebot hat einerseits soziale Folgen; eine Studie zeigt, dass 28 Prozent der Haushalte in der Schweiz sich den Umzug in eine vergleichbare Wohnung nicht leisten können, weil deren ausgeschriebener Mietzins zu hoch ist. Andererseits hat der Wohnungsmangel auch wirtschaftliche Folgen, wie man derzeit vor allem in den Tourismusgemeinden sieht: Es wird schwierig, Fachkräfte zu finden, wenn diese vor Ort keine Wohnung finden. Staatliche Akteure geben wichtige Rahmenbedingungen für die Bautätigkeit vor, so mit der Raumplanung, den Bauvorschriften oder dem Mietrecht. Der Bund hat auch einen Verfassungsauftrag, den Wohnungsbau zu fördern. Die Gemeinden sind von allen staatlichen Ebenen der Bevölkerung am nächsten. Sie können lenkend einwirken und zum Beispiel in Nutzungsplänen Vorgaben oder Anreize für den Bau von preisgünstigem Wohnraum schaffen. Sie können auch fördern und finanzieren, indem sie etwa die Gründung einer Wohnbaugenossenschaft unterstützen, Land im Baurecht abgeben oder gar Mietzinsbeiträge leisten – das macht zum Beispiel die Stadt Basel. Die Gemeinden haben im Bereich der Raumplanung wichtige Kompetenzen und Aufgaben. Im Aktionsplan sind verschiedene Massnahmen definiert, die in den Zuständigkeitsbereich der Gemeinden fallen. Das Thema Wohnungsbau ist sehr lokal geprägt, passende Lösungen sind lokal zu definieren. Gerade für kleinere Gemeinden geht es auch um die Zukunft: Fehlt der Wohnraum, ziehen junge Familien weg, oder es fehlen Fachkräfte. Konkret nennen kann ich die Arbeitshilfe zur Interessenabwägung oder eine Studie zu Einsprachen und Rekursen mit verschiedenen Vorschlägen auch für Gemeinden. Oder ein geplantes Beratungsangebot für Gemeinden zur Innenentwicklung. Die Umfrage zeigte, dass ungefähr die Hälfte der Massnahmen in Umsetzung ist. Die meisten Massnahmen sind mittel- bis langfristig ausgelegt und zielen auf eine Veränderung der Rahmenbedingungen – deshalb brauchen sie Zeit, um einen Effekt zu zeigen. Wir werden 2026 eine erneute Umfrage durchführen. Aufgrund dieser Resultate werden wir entscheiden, ob es Anpassungen braucht und ob erneut ein runder Tisch zum Thema durchgeführt werden soll. Die Wohnraumförderung direkt ist nicht betroffen, allerdings steht für die Forschung weniger Geld zur Verfügung als ursprünglich geplant. Das wird sich indirekt auf die Wohnungspolitik insgesamt auswirken, weil weniger Datengrundlagen zur Verfügung stehen werden. Nadja Sutter

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