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  • 6 | 2021 1
Aktive Filter: Autor: Dominik Weber Ausgabe: 6 | 2021 Alle Filter entfernen
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Partnerschaft bringt Erfolg für Gesundheitsförderung im Alter

Wussten Sie, dass ältere Menschen zwischen 65 und 84 Jahren doppelt so häufig informelle Hilfe leisten, als dass sie Hilfe empfangen? Oder dass 65- bis 74-Jährige häufiger Freiwilligenarbeit leisten als alle anderen Altersgruppen*? Ältere Menschen leisten auf sehr vielfältige Weise einen unverzichtbaren Beitrag an die Gesellschaft, indem sie Bekannte und Nachbarn unterstützen, Angehörige betreuen, Mentorinnen für jüngere Menschen sind oder als Arbeitende und Konsumentinnen an die Volkswirtschaft beitragen. Ältere Menschen sind auch Partner von Gemeinden. Den Gemeindeverantwortlichen stehen zahlreiche Partnerinnen und Partner zur Seite, um einen Aktionsplan für ein gesundes Altern zu erarbeiten und umzusetzen. Dazu gehören kommunale und kantonale Fachstellen im Gesundheits- und Sozialbereich, NGOs, medizinische Berufsgruppen – und eben auch die älteren Menschen selbst. Vielerorts gestalten ältere Menschen bereits aktiv Angebote zur Gesundheitsförderung mit. Sie sind Schlüsselpersonen in der Konzeption, Umsetzung und Evaluation der Gesundheitsförderung im Alter. Für den aktiven Einbezug von älteren Menschen sprechen gute Gründe, unter anderem die erhöhte Wirksamkeit, Chancengerechtigkeit und Legitimität von Angeboten. Eine wirksame und attraktive Gesundheitsförderung orientiert sich gleichzeitig am objektiven Bedarf aus Fachperspektive (Daten und Fachwissen) und den subjektiven Bedürfnissen der Zielgruppe (Wünsche und Vorlieben). Die Nutzung und Wirkung von Angeboten sind umso grösser, je bedürfnisgerechter und attraktiver sie für die Zielgruppe gestaltet sind. Wer könnte besser wissen, wo die Bedürfnisse liegen und was ankommt als die älteren Menschen selbst? Ältere Menschen sind eine äusserst heterogene Zielgruppe. Nicht alle älteren Menschen haben die gleichen Bedürfnisse und die gleichen Möglichkeiten, ein gesundheitsförderliches Leben zu führen. Die Partizipation von älteren Menschen hilft dabei, Angebote an der Lebenswelt der Menschen auszurichten und damit die Chancengleichheit zu fördern. Ältere Menschen sind zudem wichtige Multiplikatoren in der Umsetzung, weil sie als Peers einen privilegierten Zugang zu so genannt vulnerablen Personen haben. Schliesslich lassen sich Angebote gegenüber der Politik und der Bevölkerung besser begründen, wenn sie nicht nur kostenwirksam sind, sondern die Zielgruppen bei dem unterstützen, was ihnen selbst wichtig ist. Die Gemeinde Lichtensteig stellt die Ressourcen von älteren Menschen systematisch in den Mittelpunkt und schafft so einen Paradigmenwechsel zur Defizitorientierung, wie sie in gängigen Altersbildern häufig vorherrscht. Das beginnt auf der strategischen Ebene, wo die Partizipation als zentrales Handlungsprinzip in der Gesamtstrategie der Gemeinde verankert ist. Auf dieser Basis arbeiten ältere Menschen auf Augenhöhe mit Anbietenden und Fachpersonen zusammen und erfahren Wertschätzung und Empowerment. In der Praxis haben sich verschiedene Formen der Partizipation bewährt: · Die Stadt organisiert Beteiligungsanlässe und stellt dafür Räume und Verpflegung zur Verfügung. · An mehreren Zukunftskonferenzen und Treffen mit der Bevölkerung (60+) wurden Bedürfnisse abgeholt. Gleichzeitig wurde die Vernetzung mit der älteren Bevölkerung in der Gemeinde gefördert. · Darauf aufbauend, entwickeln professionelle Akteurinnen und Akteure gemeinsam mit älteren Menschen konkrete Angebote. · Anbietende und ältere Menschen treffen sich regelmässig im kommunalen Netzwerk « Netzwerk 60+ Lichtensteig », um Angebote für die älteren Menschen zu koordinieren (siehe auch: kommunale Netzwerke für Begegnung und Bewegung **). · Mit der Genossenschaft « Zeitgut-Toggenburg » fördert die Stadt die Nachbarschaftshilfe, indem sie passende «Gebende» und «Nehmende» in sogenannten «Tandems» zusammenbringt. Das Beispiel Lichtensteig zeigt, dass sich Partizipation nicht auf Konsultation und Mitbestimmung beschränkt, sondern auch die Selbstorganisation der älteren Menschen umfasst. Um auch Personen ohne Projekterfahrung eine Mitwirkung zu ermöglichen, werden neue Projekte am Anfang durch Fachleute begleitet. Mit der Zeit organisieren sich die Projektteilnehmenden selbst, so wie der Mittagstisch für Senioren und Seniorinnen mit thematischem Input. Auf diese Weise entstanden auch Arbeitsgruppen für drei Schwerpunktprojekte, wobei jeweils eine ältere Person pro Arbeitsgruppe eine Brücke zur Gemeinde schlägt. Informationen: * BFS 2021: Unbezahlte Arbeit, https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/arbeit-erwerb/unbezahlte-arbeit.html www.zepra.ch www.zeitgut-toggenburg.ch «Nutzen Sie die Ressourcen der Zielgruppen! Gerade die Jungseniorinnen und Jungsenioren haben Lust und Zeit, ihr Wissen und ihre Erfahrungen für die Gemeinschaft einzusetzen. Wir müssen nur die passenden Gefässe schaffen.» Mathias Müller, Stadtpräsident Lichtensteig Dominik Weber

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