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Sorgende Gemeinde Belp – gemeinsam für mehr Lebensqualität

Zu den Höhepunkten der sorgenden Gemeinde Belp (BE) zählen die zweimal jährlich durchgeführten Themenabende. Über 200 Personen hören Referate und diskutieren über Fragen wie Generationenwohnen, stille Heldinnen und Helden oder künstliche Intelligenz. «Wichtig ist, dass die Themen möglichst alle Altersgruppen ansprechen», sagt René Walker, Leiter der Fachstelle Generationen. Die meisten Teilnehmenden seien allerdings über 50 Jahre alt. Die 55- bis 65-Jährigen bilden auch die grösste Altersgruppe in Belp. Seit Mai 2025 sorgt das mobile «Plauderbänkli» für Begegnungen. Es wechselt regelmässig den Standort, und zu festgelegten Zeiten warten Zuhörerinnen und Zuhörer auf Gesprächspartnerinnen und -partner. «Daraus sind bereits Freundschaften entstanden», freut sich René Walker. Zahlen zur Wirkung liegen noch nicht vor. Doch er ist überzeugt: «Jeder Kontakt hilft, Freude und Sorgen zu teilen, Lösungen zu finden und die Gesundheit zu stärken.» In Belp funktioniert die Nachbarschaftshilfe mehrheitlich gut. Und über 60 Vereine sorgen für ein buntes Zusammenleben. Der Mehrwert der sorgenden Gemeinde liegt darin, diese Aktivitäten unter einem gemeinsamen Dach zu bündeln und die Förderung von Gesundheit, Teilhabe und Lebensqualität auf die gesamte Gemeinde auszuweiten. Gesundheitsförderung Schweiz bestätigt die Bedeutung sozialer Ressourcen für die Gesundheit und fördert daher die Arbeit des Netzwerks Caring Communities. Auch Belp hat vom Netzwerk und den Erfahrungen anderer Gemeinden profitiert. «Sorgende Gemeinschaft bedeutet, füreinander da zu sein – und das macht uns alle gesünder.» René Walker, Leiter der Fachstelle Generationen, Belp (BE) Die Idee entstand im Jahr 2016 bei der Überarbeitung des Altersleitbildes. Bald war klar: Von Unterstützung und Teilhabe sollen alle Generationen profitieren. Wichtig war, dass bestehende Angebote nicht verdrängt, sondern ergänzt und gestärkt werden würden. Gemeinsam mit den Kirchen, der Spitex AareGürbetal und dem Frauenverein entwickelte Belp die sorgende Gemeinde als generationenübergreifendes Gefäss. Rückenwind erhielt das Projekt durch den Kanton Bern und das Nationale Forschungsprogramm «Gesundheitsversorgung» NFP 74. Neben Münsingen (BE), Obfelden (ZH) und Schwamendingen (ZH) war Belp Pilotgemeinde im Projekt der Berner Fachhochschule. Diese Begleitung ermöglichte es, das Projekt sorgfältig aufzubauen, Bedürfnisse in den Quartieren systematisch zu erfassen und mit der Bevölkerung über 40 Projektideen zu entwickeln. Die Organisationen der ersten Stunde sind heute mit Freiwilligen im Ausschuss der Sozialkommission vertreten. Dieser trifft sich vier- bis fünfmal jährlich. Die Koordination liegt bei der Fachstelle Generationen, die 2021 geschaffen wurde und 20 bis 30 Stellenprozente dafür einsetzt. Nach einem anfänglichen Budget von 3000 Franken stehen heute rund 10 000 Franken pro Jahr zur Verfügung. Hinzu kommen personelle Ressourcen von der Gemeinde und Partnerorganisationen. Die Verankerung in den Legislaturzielen des Gemeinderats zeigt, dass das Thema politisch abgestützt ist. Silvie Burri, Mitglied der Belper Sozialkommission und Vorsitzende vom Ausschuss der sorgenden Gemeinde, freut sich, dass die Reise weitergeht: In fünf Jahren soll die sorgende Gemeinde Belp bekannter sein, mehr Belperinnen und Belper an die Themenabende locken und weitere Projektideen umsetzen. René Walker schwebt der Aufbau einer mobilen Sozialarbeit vor. So könnten auch die «Unsichtbaren» besser erreicht werden. Fanni Dahinden vom Netzwerk Caring Communities freut sich, dass das Konzept in der Schweiz an Bedeutung gewinnt: «Sowohl in kleinen als auch in grösseren Gemeinden wird erkannt, dass es neben Investitionen in Infrastrukturen auch soziale Investitionen braucht.» Heidi Kaspar von der Berner Fachhochschule hat den Prozess in Belp als Leiterin des Forschungsprojektes begleitet. Sie kennt viele Studien, die belegen, dass wohlwollende Begegnungen und verlässliche Beziehungen die Gesundheit in jedem Alter stärken, und weiss: «Sorgende Gemeinschaften schaffen Bedingungen für eine Kultur, die Menschen inspiriert und unterstützt, füreinander da zu sein – auch in schwierigen Lebenssituationen.» Für Belp hat sich der Aufbau der sorgenden Gemeinde in vielerlei Hinsicht gelohnt. Gemäss René Walker hat es sich bewährt, das Gespräch zu suchen, Kooperationen einzugehen und den Fokus auf ein bis zwei Ziele zu setzen. «So liessen sich erste Erfolge erreichen und Motivation gewinnen», bilanziert er. Dass Belp nun Vorbild ist, erfüllt alle Beteiligten mit Stolz. René Walker bringt es auf den Punkt: «Sorgende Gemeinschaft bedeutet, füreinander da zu sein – und das macht uns alle gesünder.» Diana Müller, Myriam Kleiner

Gemeinsam handeln im Alter – Erfolgsgeschichten aus Gersau und Riddes

In Gersau (SZ) am Vierwaldstättersee leben knapp 2500 Menschen. Ein Drittel ist 60 Jahre alt oder älter. Der Bau attraktiver Wohnungen hat diesen Anteil in den letzten Jahren erhöht. Vor diesem Hintergrund stellte sich Bezirksammann Sandra Häusler die Frage: «Wie kann Gersau ein selbstständiges und gesundes Leben im Alter fördern?» Das im Jahr 2020 gestartete Programm «Gesundheitsförderung und Prävention im Alter» im Kanton Schwyz kam da gerade recht. «Ein Glücksfall, dass wir auf das Projekt ‹Gemeinsam handeln im Alter› gestossen sind», so Häusler. Der Startschuss für das Projekt «Gersau – Leben im Alter», das im Auftrag von Gesundheitsförderung Schweiz von der Schweizerischen Gesundheitsstiftung RADIX begleitet wurde, fiel an einem Mitwirkungsanlass im September 2022. 80 Personen ab 60 Jahren teilten ihre Ideen für ein gesundes Leben im Alter mit. Es wurden vier Arbeitsgruppen gegründet. «Die Freude und das Engagement der Seniorinnen und Senioren waren sofort spürbar», erinnert sich Häusler stolz. Im Lauf eines Jahres entwickelten die Arbeitsgruppen unter der Leitung von Seniorinnen und Senioren zahlreiche Projekte, die im November 2023 vorgestellt wurden. Dazu gehören ein Leseclub, eine Jassgruppe und die Gründung des Vereins «Senioren NetzWERK». Zudem wurde eine Seniorenkommission ins Leben gerufen und die regionale Vernetzung verstärkt. Nun nutzen Gersauerinnen und Gersauer auch die Angebote der Nachbargemeinden (zum Beispiel eine Seniorenakademie oder Computeria). Auch nach dem Projektabschluss Ende 2023 wirken die älteren Gersauerinnen und Gersauer aktiv mit. Dies fördert den Austausch untereinander, ermöglicht den Kontakt zu Neuzuzügern und tut der Gesundheit gut. «Die Freude und das Engagement der Seniorinnen und Senioren waren sofort spürbar.» Sandra Häusler, Bezirksammann Gersau (SZ) Die Gemeinde Riddes im französischsprachigen Teil des Kantons Wallis trägt das Label «Gesunde Gemeinde», wie 31 weitere Walliser Gemeinden. Sie zählt rund 3800 Einwohnerinnen und Einwohner. Fast jede fünfte Person ist über 65 Jahre alt. Es gab bereits verschiedene Angebote, zum Beispiel Seniorennachmittage oder einen Fahrdienst. Mit dem Ziel, die Rolle der Gemeinde als Koordinatorin zu stärken, lokale Akteure zu vernetzen sowie Aktivitäten für die ältere Bevölkerung zu optimieren, bewarb sich Riddes erfolgreich für das von Gesundheitsförderung Schweiz finanzierte Pilotprojekt «Réseau de soutien aux seniors». Ein wichtiger Bestandteil des von RADIX begleiteten Projekts war die Durchführung von Umfragen und «Apéro-Cafés», bei denen Seniorinnen und Senioren ihre Bedürfnisse äussern konnten. Zudem telefonierte die soziokulturelle Animateurin allen nicht erreichten über 65-Jährigen. Aufgrund der Ergebnisse hat Riddes einen Umsetzungsplan mit zehn Massnahmen erarbeitet. Darunter sind Nachmittagsveranstaltungen, Sporteinheiten und intergenerationale Projekte. Die monatlichen «Dîners du cœur» ziehen bis zu 60 Personen an. Die Gemeinde hat zudem auf einem öffentlichen Platz einen attraktiven Treffpunkt, den «Coin bla-bla», geschaffen. Schliesslich wurde die «Commission DéRidd’âge» gegründet und ein Netzwerk mit lokalen Organisationen sowie medizinischen und sozialen Diensten aufgebaut. Beides ermöglicht koordinierte Aktivitäten und regelmässige Absprachen. «Die Vielfalt der älteren Menschen und unsere spezielle Lage verteilt auf Berg und Tal erfordern verschiedene Massnahmen, um die Menschen tatsächlich zu erreichen», erläutert Gemeinderätin Daniela Gillioz. Um möglichst alle einzubeziehen, fährt ein Schulbus zu den Aktivitäten. Es ist jedoch nicht immer einfach, Seniorinnen und Senioren zur Teilnahme zu motivieren. «Die Gemeinde musste die Zustellung von Mahlzeiten selbst übernehmen, da es an Freiwilligen mangelte», berichtet Daniela Gillioz. ««Die Vielfalt der älteren Menschen und unsere spezielle Lage verteilt auf Berg und Tal erfordern verschiedene Massnahmen, um die Menschen tatsächlich zu erreichen.» Daniela Gillioz, Gemeinderätin Riddes (VS) Die Erfahrungen in Gersau und Riddes zeigen, dass es sich lohnt, ältere Menschen und lokale Akteure zu beteiligen und den Prozess ergebnisoffen zu führen. «Es ist entscheidend, älteren Menschen eine Plattform für ihre Fähigkeiten zu bieten», so Häusler. Gillioz ergänzt: «Für uns waren die systematische Vorgehensweise, der Einbezug von älteren Menschen sowie die Vernetzung der lokalen Akteure ein Gamechanger.» Jede Gemeinde hat eigene Gegebenheiten, gerade auch in Bezug auf finanzielle Möglichkeiten, und eine besondere Dynamik. Interkommunale Austauschtreffen machen ähnliche Herausforderungen sichtbar und neue, wertvolle Lösungsansätze zugänglich. Aufgrund der Projekte wurden verschiedene praktische Werkzeuge wie ein Massnahmenplan und Checklisten sowie Empfehlungen erarbeitet, damit auch andere Gemeinden davon profitieren können. Diana Müller, Myriam Kleiner

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