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Mit digitaler Partizipation neue Ideen entwickeln

Gemeinsam herausfinden, wo in der Gemeinde oder Region der Schuh drückt und innovative Ideen für die Zukunft entwickeln – das funktioniert auch online. Wie, zeigt das «Next Generation Lab» von regiosuisse, bei dem ein co-kreativer Ansatz zur Ideenentwicklung im virtuellen Raum getestet wurde. Beim «Next Generation Lab» waren vier Teams mit jungen Erwachsenen aus dem Ober- und Unterwallis sowie den Regionen Prättigau/Davos und Frauenfeld dabei . An zwei eintägigen Workshops identifizierten sie die zentralen Herausforderungen ihrer Region und entwickelten Projektideen. Per Videokonferenz waren die Teams mit Coaches aus dem regiosuisse-Team verbunden. Detaillierte Anleitungen und Vorlagen für sämtliche Arbeitsschritte standen auf einem Online-Whiteboard bereit. Für zusätzlichen regionalen Bezug sorgten Mentorinnen und Mentoren aus den Regionen, die punktuell zugeschaltet wurden. Die entwickelten Ideen waren vielfältig: Plattform für die Direktvermarktung regionaler Produkte, digitale Vereinsplattform für die gemeinsame Nutzung von Ressourcen, Fahrradbetriebene Ortsbeleuchtung, Soft Mobility Tour als touristisches Angebot. Die Jury, die die Projektideen bewertete, zeigte sich beeindruckt. Lob für das Format gab es auch von den Teilnehmenden und den beteiligten Regionen. Letztere schätzten es, direkt den Puls der jungen Generation zu fühlen und konkrete Inputs für ihre Region zu erhalten. Als Ideengenerator hat sich das Lab bewährt. Für die Umsetzung der Projektideen sind jedoch zusätzliche Schritte notwendig. Mit dem «Next Generation Inkubator» plant regiosuisse daher für 2022 eine Weiterentwicklung. Im Zürcher Weinland setzen die Verantwortlichen auf die hybride Partizipation und zwar bei dem vom Bund unterstützten «Modellvorhaben Nachhaltige Raumentwicklung». Die Kombination von Online- und Offline-Methoden soll eine breite Beteiligung verschiedener Akteursgruppen bei der Erarbeitung der Entwicklungsstrategie «Mis Wyland 2040» gewährleisten. Konkret wird von 2020 bis 2023 jährlich eine öffentliche Veranstaltung mit vorgelagerten Online-Umfragen durchgeführt. Für die Zielformulierung konnten Personen aus dem Weinland 2020 via Projektwebsite mitteilen, was das Weinland für sie bedeutet, wie sich die Region weiterentwickeln soll und was sie sich für die Zukunft wünschen. Auf einer Schatzkarte konnten sie zudem ihre Lieblingsorte eintragen, was wertvolle Erkenntnisse über die Qualitäten der Region lieferte. An einer öffentlichen Veranstaltung diskutierten anschliessend 90 Personen über die Zukunft der Region. Die Ergebnisse der Umfrage und der Zukunftskonferenz bildeten die Basis für die Entwicklungsstrategie, die wiederum online und an einer Konferenz zur Debatte gestellt wird. Interessierte können sich auf der Projektwebsite laufend über den Prozess informieren und Rückmeldungen einsehen. Das Zwischenfazit ist positiv: Bedürfnisse und Wünsche für die Zukunft abzuholen, hat online funktioniert. Es konnten zusätzliche Personen erreicht werden, die an der Veranstaltung nicht teilnehmen konnten oder wollten. Der persönliche Austausch war jedoch wertvoll und wird aus Sicht der Projektleitung noch bedeutender, wenn es 2022 darum geht, Massnahmen zu definieren und Verantwortliche für die Umsetzung zu gewinnen. Als Knackpunkt erwies sich trotz umfassender Kommunikationsbemühungen das Aktivieren der jüngeren Generation, woran derzeit gearbeitet wird. Beim Next Generation Lab von regiosuisse bewährte es sich diesbezüglich, neben Online-Kanälen auch auf altbekannte Kommunikationswege, persönliche Netzwerke und gezielt ausgesuchte Multiplikatoren zu setzen. Goldener Mittelweg Digitale Partizipation wird die analoge Partizipation wohl in Zukunft nicht ablösen. Sollen längerfristige Entwicklungsprozesse angestossen oder Menschen vor Ort zum Mitwirken bewegt werden, bleiben persönliche Treffen ‒ zumindest in Ergänzung ‒ wichtig. Gleiches gilt in Krisen- und Konfliktsituationen oder bei sensiblen Themen, wo das Zwischenmenschliche zentral ist. Eine geschickte Kombination beider «Welten» eröffnet jedoch neue Wege, um breitere und neue Zielgruppen mit ihren Bedürfnissen, Ideen und ihrer Tatkraft in die Entwicklung der Gemeinden und Regionen einzubinden. Simone Meyer

Impulse für eine nachhaltige Gemeindeentwicklung

Die Gemeinde Matzendorf (SO) steckt schon seit einigen Jahren in einem aufwendigen Ortsplanungsprozess. Das brennende Thema in der Gemeinde und Konfliktpunkt mit dem Amt für Raumplanung (ARP) des Kantons Solothurn: In Matzendorf gibt es kaum noch verfügbare Baulandreserven und Wohnraum. Die als Lösung geforderten Einzonungen sind jedoch nach Raumplanungsgesetz nicht mehr möglich. Im gemeinsamen Austausch mit dem ARP wuchs die Erkenntnis, dass die Zukunft einer Gemeinde nicht einzig vom Einzonen einiger Parzellen abhängen kann. Gemeinsam mit dem Kanton Solothurn lancierte die Gemeinde Matzendorf das Pilotprojekt «Zukunft Matzendorf». Ziel war es, das Themenspektrum zu erweitern, um Entwicklungsmöglichkeiten und -perspektiven über raumplanerische Themen hinaus zu erkennen. Begleitet und moderiert wurde der Prozess durch das Beratungsbüro Planval. Dieser Prozess umfasste zwei Phasen: Analyse und Massnahmenentwicklung. Als erster Schritt wurde mithilfe eines Nachhaltigkeits-Analysetools die Situation von Matzendorf umfassend analysiert. Daraus wurden zukunftsrelevante Herausforderungen von Matzendorf abgeleitet. Das angewandte Tool bot die Chance, den Blick für einen breiten Fächer an möglichen Entwicklungsthemen zu öffnen. In einem zweiten Schritt wurden die identifizierten Herausforderungen mit Expertinnen und Experten reflektiert. Mit den gewonnenen Erkenntnissen definierte eine Begleitgruppe mit Schlüsselpersonen aus Bevölkerung, Politik und Verwaltung zentrale Fragestellungen, zum Beispiel: Wie können bestehende Gebäude besser genutzt werden? Wie können ein gutes Zusammenleben und spontane Begegnungen gefördert werden? Wie kann eine breitere Gruppe von Personen stärker in die Gestaltung der Gemeinde einbezogen werden? Wie können lokale Unternehmen dabei unterstützt werden, Lehrstellen zu besetzen? In einer eintägigen Innovationswerkstatt diskutierten rund 60 Personen aus Matzendorf die Herausforderungen und entwickelten konkrete Lösungsvorschläge, zum Beispiel: ein Beratungsangebot für Grundeigentümerinnen und -eigentümer punkto Verdichtung, einen Jugendgemeinderat oder ein ganztägiges Kinderbetreuungsangebot. Die Innovationswerkstatt war ein grosser Erfolg, die Resonanz der Teilnehmenden, von Jugendlichen bis zu einem 80-Jährigen, äusserst positiv. So sagte die Teilnehmerin Lisa Leist dazu: «Die Innovationswerkstatt bot mir die Chance, mich und die Sichtweisen der jüngeren Generation einzubringen. Unterschiedliche Meinungen zu hören und gemeinsam Ideen für die Zukunft unserer Gemeinde zu entwickeln, war sehr spannend.» In einem abschliessenden Schritt erarbeitete die Begleitgruppe basierend auf den Lösungsvorschlägen aus der Innovationswerkstatt und den Experteninputs einen Katalog mit rund 40 Ideen für die Zukunft von Matzendorf. Die darin festgelegten Massnahmen priorisierte sie nach ihrer Umsetzbarkeit. Die Vorschläge bewegen sich in den Kategorien Raumentwicklung, Treffpunkte, Kommunikation, Milizsystem, Energie und Fachkräfte. «Die Innovationswerkstatt bot mir die Chance, mich und die Sichtweisen der jüngeren Generation einzubringen. Unterschiedliche Meinungen zu hören und gemeinsam Ideen für die Zukunft unserer Gemeinde zu entwickeln, war sehr spannend.» Lisa Leist, Einwohnerin von Matzendorf (SO) Im extern moderierten Prozess konnte zwischen Kanton und Gemeinde eine neue Ebene des Dialogs gefunden werden, was beide Seiten sehr schätzen. «Das Miteinander von Gemeinde, Bevölkerung, Kanton und externem Beratungsbüro war gewinnbringend. Nach intensiven Auseinandersetzungen haben wir mit dem Kanton eine gemeinsame Richtung eingeschlagen. Das freut mich sehr», sagt Marcel Allemann, Gemeindepräsident von Matzendorf. Die Ergebnisse des Projekts sind sehr erfreulich. Das ARP konnte zusammen mit Matzendorf wertvolle Schlüsse ziehen, die sich auf andere, ländliche Gemeinden übertragen lassen. Eine relevante Erkenntnis bezieht sich auf den Status und die Bedeutung des räumlichen Leitbilds. Inhaltlich sollte es offen, gesamtheitlich und politikübergreifend gestaltet werden. Gleichzeitig sollte es als anwendbares, kommunales Strategiedokument mit Hinweisen zu konkreten Massnahmen Impulse für die Gemeindeentwicklung ermöglichen. «Das Miteinander von Gemeinde, Bevölkerung, Kanton und externem Beratungsbüro war gewinnbringend. Nach intensiven Auseinandersetzungen haben wir mit dem Kanton eine gemeinsame Richtung eingeschlagen.» Marcel Allemann, Gemeindepräsident von Matzendorf (SO) Der Gemeinderat berät aktuell das weitere Vorgehen. Einige der Ideen können relativ einfach und zeitnah umgesetzt werden. So werden zum Beispiel gemeinsam mit dem im Projekt involvierten Naturpark Thal verschiedene regionale Massnahmen umgesetzt, um offene Lehrstellen bekannter zu machen. Andere Ideen müssen noch geschärft werden. Das Schaffen von Wohnraum, das Schaffen eines Treffpunkts und der stärkere Einbezug der jüngeren Generation ist aus Sicht des Gemeindepräsidenten für die Entwicklung von Matzendorf besonders wichtig. Treiber für die Zukunft von Gemeinden sind engagierte Menschen vor Ort, welche die Umsetzung geeigneter Massnahmen vorantreiben, andere ins Boot holen, Chancen erkennen und Spielräume nutzen. Ein grosses Engagement zeigte im Projekt «Zukunft Matzendorf» der Gemeindepräsident. Für die Umsetzung der erarbeiteten Massnahmenliste muss die Verantwortung zukünftig auf mehrere Schultern verteilt werden. Die Zusage vieler Teilnehmenden der Innovationswerkstatt, sich weiter auch an der Umsetzung zu beteiligen, stimmt daher zuversichtlich. Der Grundstein ist gelegt, um die Gemeindeentwicklung zukunftsorientiert voranzutreiben und in den jeweiligen, kommunalen Instrumenten zu verankern. So ist bereits ein weiterer öffentlicher Workshop geplant, um die Umsetzung weiter zu konkretisieren und so die Zukunft von Matzendorf gemeinsam zu gestalten. Weitere Informationen zum Projekt Simone Meyer, Valentin Burki, Marcel Allemann

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