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  • 9 | 2024 15
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Ein Meilenstein für Gesundheit und Sicherheit in Schweizer Gemeinden

Der Verein Arbeitssicherheit Schweiz wurde 1999 mit dem Zweck gegründet, eine Branchenlösung mit modularem Aufbau für öffentliche und private Organisationen gemäss der EKAS-Richtlinie 6508 zu erarbeiten und weiterzuentwickeln. Heute, 25 Jahre später, zählt der Verein über 2500 Mitglieder in der gesamten Schweiz, und nebst der öffentlichen Hand stellt der Verein auch eine Branchenlösung für Veterinäre und Hausarztpraxen zur Verfügung. Die Gemeinde Biberist (SO) ist seit vielen Jahren Mitglied des Vereins Arbeitssicherheit Schweiz – quasi ein Mitglied der ersten Stunde. Sie hat in dieser Zeit von diversen Dienstleistungen und Angeboten des Vereins profitiert. Im Interview erzählt Verwaltungsleiter Urban Müller Freiburghaus, wie er die Zusammenarbeit erlebt und was er an der Mitgliedschaft besonders schätzt. Urban Müller Freiburghaus: Die Einwohnergemeinde Biberist legt grossen Wert darauf, ein sicheres Arbeitsumfeld für ihre Mitarbeitenden zu gewährleisten und gesetzeskonform zu agieren. Allerdings fehlt es unseren Kadern und Fachkräften an dem notwendigen Know-how, um die vielfältigen gesetzlichen Anforderungen zur Arbeitssicherheit zu erfüllen. Zudem sind unsere Ressourcen begrenzt, sodass wir keine eigene Projektleitung stellen können. Eine solche Projektleitung ist jedoch essenziell, da sie als treibende Kraft fungiert und sicherstellt, dass die Massnahmen kontinuierlich und praktikabel umgesetzt werden. Bei Arbeitssicherheit Schweiz haben wir die ideale Lösung gefunden: fundiertes Fachwissen und die Möglichkeit, auf Mandatsbasis ein Coaching zu beauftragen, das uns beim Aufbau und bei der Pflege der Sicherheitsstrukturen unterstützt. Die Fachkompetenz, die konstruktive Herangehensweise der Betreuungspersonen und ebenso die mittels der App Previtar zur Verfügung gestellte Unterstützung. Deren Cockpit und Hilfefunktionen sind sehr hilfreich – insbesondere die hinterlegten rechtlichen Grundlagen. Gerade in sensiblen Bereichen, wo gefährliche Geräte oder giftige und schädliche Stoffe eingesetzt werden, ist das Bewusstsein für Sicherheit deutlich gestiegen. Dank der wertvollen Unterstützung des Vereins können wir die notwendigen Ressourcen für die Umsetzung der gesetzlich vorgeschriebenen Massnahmen und Vorgaben wesentlich einfacher beim Gemeinderat und in der Gemeindeversammlung einfordern. Die Sicherheitsorganisation wird von Funktionsträgern wie dem Verwaltungsleiter, der Gesamtschulleiterin, den Hauswarten und dem Leiter des Werkhofs im «Nebenamt» betrieben. Angesichts ihrer vollen Arbeitstage fehlt jedoch die Zeit, um Massnahmen zu evaluieren und deren Umsetzung voranzutreiben. Ideal wäre es, eine eigene minimale Sicherheits- und Qualitätssicherungsorganisation zu etablieren, wie sie in vielen Unternehmen bereits existiert und von spezialisierten Mitarbeitenden getragen wird. Diesen Schritt kann ich nur empfehlen! Die Fachkompetenz und die Unterstützung sind exemplarisch und sonst wohl auf dem Markt nicht mehr in annähernd gleicher Qualität vorhanden – schon gar nicht zu diesem Preis. Erst einmal möchte ich mich im Namen der Belegschaft für das unermüdliche Investment in unsere Sicherheit bedanken! Dann wünschen wir dem Verein noch viele weitere, ergänzende Jubiläen und dass Arbeitssicherheit künftig schon aus Vernunft und nicht aus Zwang zu einer Selbstverständlichkeit wird. Das würde dem Verein und dessen Mitgliedern die Arbeit sicher vereinfachen. Haben Sie Interesse an einer Mitgliedschaft beim Verein Arbeitssicherheit Schweiz? Dann melden Sie sich bei uns: info@arbeitssicherheitschweiz.ch oder per Telefon: +41 44 380 71 91 Melanie Hilpertshauser

Warum KI Lichtensteigs Lebensqualität revo­lu­tioniert

Täglich nutze ich ChatGPT, um Ideen zu sammeln, Texte zu optimieren oder aktuell, um diese Kolumne zu schreiben. Für mich sollte künstliche Intelligenz (KI) nicht nur ein Werk­zeug sein, sondern eine Möglichkeit, das Leben zu verbessern und zu vereinfachen. Für die Kolumne habe ich zuerst einmal eine Liste mit Themen generiert. Hängen blieb ich bei: «Warum KI Lichtensteigs Lebensqualität revolutioniert.» Zugegeben, Revolution ist mir vielleicht doch etwas zu hoch gegriffen. Viel Potenzial sehe ich allemal, beispielsweise für die individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern, in der Gesund­heitsversorgung oder für eine effiziente Verwaltung. Letzteres liegt auf der Hand. Wir alle wissen, wie zeitaufwendig das Protokollieren von Sitzungen, die Erstellung von Geschäfts­berichten oder die Bearbeitung von Bürgeranfragen ist. Unsere Zeit und die des Personals ist kostbar. Wir sollten sie klug einsetzen. Der Automatisierung von Verwaltungsroutinetätigkeiten durch KI sollten wir oberste Priorität einräumen. Dafür braucht es eine pragmatische und mutige Strategie der 1000 Schritte. Begonnen haben wir mit der Implementierung von ChatGPT. Nun sind wir dabei, inef­fiziente und sich wiederholende Prozesse zu identifizieren und gemeinsam mit anderen Gemeinden und Partnern das KI-Potenzial zu erschliessen. Ich bin gespannt, wie weit wir in den nächsten zehn Jahren mit KI kommen werden. Wahr­scheinlich wird es keine Revolution sein, doch hoffentlich sind bedeutende Schritte möglich. Dabei kommt uns Gemeinden bei der Entwicklung einmal mehr eine zentrale Rolle im Staatswesen als agile «Innovationszellen» zu. Mathias Müller

Wo sich Lokalpolitiker aus ganz Europa treffen

Der Kongress der Gemeinden und Regionen des Europarats taucht in den Medien eher selten auf. Zu Unrecht, wie Christine Chevalley findet. Denn er leistet wichtige Arbeit auf der Gemeinde- und Regionsebene in ganz Europa. Christine Chevalley ist Gemeindepräsidentin von Veytaux (VD), einer kleinen Gemeinde am Genfersee, auf deren Gebiet das bekannte Schloss Chillon steht. Und sie ist seit 2015 Mitglied der Schweizer Delegation im Kongress und seit Kurzem Vizepräsidentin der Delegation. Zum Europarat, der 1949 im Nachgang des Zweiten Weltkriegs gegründet wurde, gehören verschiedene Organe: die parlamentarische Versammlung, in der nationale Parlamentarierinnen und Parlamentarier aus den Mitgliedsländern sitzen, das Ministerkomitee, in dem die Mitgliedstaaten durch ihre Aussenminister vertreten sind, der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte und eben der Kongress der Gemeinden und Regionen. Der Kongress feiert dieses Jahr sein 30-jähriges Bestehen: 1994 wurde er ins Leben gerufen, um auch der Ebene der Gemeinden und Regionen Europas eine Stimme zu geben. Er hat eine beratende Funktion. Der Kongress besteht aus zwei Kammern: der Kammer der Gemeinden und der Regionen. Die Schweiz entsendet in jede Kammer jeweils drei Mitglieder; dazu kommen drei Stellvertretende. In der Kammer der Gemeinden sitzen Politikerinnen und Politiker aus Gemeinden und Städten, in jene der Regionen entsendete die Schweiz Mitglieder der Kantonsexekutiven. Die Mitglieder werden von der Konferenz der Kantonsregierungen (KdK), dem Schweizerischen Städteverband (SSV) und dem Schweizerischen Gemeindeverband (SGV) nominiert und anschliessend vom Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Auswärtige Angelegenheiten ernannt. Bei der Nomination achten KdK, SSV und SGV auf eine ausgewogene Verteilung der Parteien, aber auch darauf, dass sowohl grössere als auch kleinere Gemeinden vertreten sind. «Wir haben alle die gleichen Probleme, aber teilweise ganz unterschiedliche Ansätze, um sie zu lösen.» Christine Chevalley, Gemeindepräsidentin Veytaux (VD) und Mitglied der Schweizer Delegation am Kongress der Gemeinden und Regionen des Europarates Als Christine Chevalley 2015 für ein Engagement in der Kammer der Gemeinden angefragt wurde, sagte sie sofort zu. «Ich mag neue Herausforderungen.» Seither war sie an fast allen Sessionen des Kongresses, die jeweils im März und Oktober in der französischen Stadt Strassburg stattfinden. «Wir tauschen uns am Kongress zu Themen aus, die alle Gemeinden beschäftigen: Abfall, Wasserversorgung, öffentliche Beleuchtung – aber auch zum Thema Respektierung lokaler Autoritäten», erzählt die Gemeindepräsidentin. Dabei sei ihr bewusst geworden, wie gut die Situation in der Schweiz eigentlich sei: «Ich kann mich als Gemeindepräsidentin frei bewegen und muss keine Angst um mein Leben haben. Das ist in anderen Ländern leider nicht so.» Der Kongress übernimmt neben dem Austausch während der Sessionen weitere Aufgaben. So wacht er über die Umsetzung der Europäischen Charta der kommunalen Selbstverwaltung und beobachtet Kommunal- und Regionalwahlen. Christine Chevalley war vor Kurzem in Andorra in einem Einsatz, um die Umsetzung der Charta zu überprüfen: «Wir wurden sehr herzlich empfangen, und es war sehr spannend, dieses Land kennenzulernen.» Der Kleinstaat in den Pyrenäen zwischen Spanien und Frankreich besteht aus gerade einmal sieben Gemeinden und hat einige Besonderheiten, wie Christine Chevalley erzählt. So erheben die Gemeinden zum Beispiel eine Steuer auf die öffentliche Beleuchtung. Der Präsident der Schweizer Delegation, der jurassische Regierungsrat David Eray, war kürzlich zur Wahlbeobachtung in der Türkei. Dabei geht es darum, zu beobachten, ob die Stimmen richtig gezählt werden und ob die Wahlen im Allgemeinen gut ablaufen. Christine Chevalley schätzt an ihrem Engagement vor allem den Austausch mit Lokalpolitikerinnen und Lokalpolitikern aus anderen Ländern Europas. «Wir haben alle die gleichen Probleme», fasst sie zusammen, und fügt an: «Wir haben aber teilweise ganz unterschiedliche Ansätze, um diese zu lösen.» Diese Ansätze zu hören, inspiriere sie auch in ihrem Alltag als Gemeindepräsidentin. «Diese Kontakte bereichern mich sehr.» Und nicht nur international, auch der Austausch innerhalb der Schweizer Delegation mit Gewählten aus allen Landesteilen sei enorm interessant. Von diesem Austausch über die Ländergrenzen hinweg profitierten schliesslich alle Schweizer Gemeinden, ist Christine Chevalley überzeugt. Nadja Sutter

So archivieren Sie digitale Unterlagen

Unterlagen, die Informationen enthalten, die von administrativer, juristischer oder gesellschaftlicher Bedeutung sind, müssen archiviert werden. Der Begriff Unterlagen umfasst dabei alle aufgezeichneten Informationen, unabhängig vom Informationsträger, die bei der Erfüllung öffentlicher Aufgaben empfangen oder erstellt worden sind, einschliesslich Hilfsmitteln und ergänzender Daten, die für das Verständnis dieser Informationen notwendig sind. Das Archiv muss sicherstellen, dass die Integrität der Unterlagen im Archiv gewahrt wird. Die Kriterien dafür finden Sie in einem Beitrag zur Archivierung im Wissensblog Recht der Geschäftsstelle Digitale Verwaltung Schweiz (siehe QR-Code). Der Bund, die beteiligten Kantone und Gemeinden sowie das Fürstentum Liechtenstein führen gestützt auf eine Verwaltungsvereinbarung die Koordinationsstelle für die dauerhafte Archivierung elektronischer Unterlagen (KOST). Diese publiziert auf ihrer Website auch hilfreiche Tools und Services zur digitalen Archivierung. Zur Gesetzeslage: Auf Stufe Bund bildet das Bundesgesetz über die Archivierung (BGA, SR 152.1) die Rechtsgrundlage für die Archivierung von Unterlagen des Bundes. Entsprechend der Organisationsautonomie der Kantone in Bezug auf ihre Verwaltungstätigkeit (Art. 47 BV) haben die Kantone jeweils auch das kantonale Archivwesen autonom geregelt. Nach dem jeweiligen kantonalen Recht richtet sich schliesslich auch die Autonomie der Gemeinden in Bezug auf die Archivierung. Mehr Informationen zum Thema Langzeitarchivierung: Wissensblog Recht der Digitalen Verwaltung Schweiz Blog zum Thema Langzeitarchivierung Koordinationsstelle für die dauerhafte Archivierung elektronischer Unterlagen Timur Acemoglu

Die «Rheinliebe» hat eine trinationale Partnerschaft geschaffen

Am Rhein spazieren gehen, Velo fahren oder im Fluss baden – solche Freizeitaktivitäten sind in der Dreiländerregion äusserst beliebt. Dem war nicht immer so. Denn lange galt der Rhein vor allem als Grenze, und seine Ufer waren nur teilweise zugänglich. Dank dem Projekt «Rheinliebe» im Rahmen der internationalen Bauausstellung IBA Basel 2020 ist am Flussabschnitt zwischen Bad Bellingen (D) und Kembs (F) bis nach Stein (CH) und Bad Säckingen (D) ein gemeinde- und länderübergreifendes Naherholungsgebiet entstanden, das sich bis 2030 zu einem Landschaftspark entwickeln soll. «Der Ausbau der Wander- und Velowege, die nachhaltige Gestaltung des Ufers, Flusszugänge und -ausblicke, neue Sitz- und Spielmöglichkeiten sowie Bootsanlegestellen haben den Rhein in einen vielfältigen Freizeit- und Naturraum verwandelt, der die drei Länder verbindet», berichtet Patrick Pauli, Abteilungsleiter Stadtgrün und Umwelt des Stadtbauamtes Rheinfelden (Baden, Deutschland). «Eines der schönsten Projekte des ‹Rheinuferrundwegs extended›, des Leuchtturmprojekts der ‹Rheinliebe›, sind für mich der Aussichtsturm der Gemeinde Wehr und der beliebte Treffpunkt ‹Sunnebuggele› auf der Seite von Rheinfelden, Baden», erzählt Stephan Eglin, Projektleiter Hochbau des Stadtbauamts Rheinfelden, Schweiz. Letzterer ist ein Beispiel dafür, dass nicht nur neue Attraktionen geschaffen wurden, sondern auch bestehende Lokalitäten aufgewertet, in einen grenzüberschreitenden Gesamtzusammenhang gebracht und über einen Rundweg miteinander verbunden wurden. «Das Projekt ‹Rheinliebe› hat die touristische Attraktivität der trinationalen Region gestärkt und die Kooperation zwischen den Gemeinden gefördert», konstatiert Pauli. «Insbesondere solche, die keine direkte Verbindung miteinander haben, konnten dank der ‹Rheinliebe›-Arbeitsgruppen-Treffen Kontakte knüpfen, die auch über das Projekt hinaus Früchte tragen werden.» Etwas anders sieht dies bei den beiden Rheinfelden aus: «Wir pflegen schon seit vielen Jahren eine gute Zusammenarbeit, haben ein gemeinsames Stadtentwicklungskonzept und organisieren zusammen Veranstaltungen. Aber auch unsere Partnerschaft wurde noch intensiviert», so Eglin. Ähnliches gilt für Stein und Bad Säckingen. «Die ‹Rheinliebe› hat den Tourismus in der Region und die Kooperation zwischen den Gemeinden gestärkt.» Patrick Pauli, Abteilungsleiter Stadtgrün und Umwelt des Stadtbauamtes Rheinfelden (Baden, Deutschland) Finanziert wurden die «Rheinliebe»-Projekte – auf deutscher Seite bis zu 70 Prozent und auf Schweizer Seite zu 30 Prozent – über das Interreg-Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein-(ABH-)V-Programm, das die länderübergreifende Zusammenarbeit in der Europäischen Union fördert. Einige der Schweizer Massnahmen konnten vom Agglomerationsprogramm Basel profitieren. «Leider verzögerte die COVID-19-Pandemie die Umsetzung vieler ‹Rheinliebe›-Projekte etwas, gemeinsame Treffen konnten zeitweise nur als Videokonferenz stattfinden und, es war kein Fest zur Fertigstellung des ‹Rheinuferweges extended› möglich», weiss Pauli. Hinzu kommt, dass auf Schweizer Seite bei vielen Projekten noch die Gemeindeversammlungen zustimmen mussten. «Der geplante Rheinsteg, der als zusätzliche Fussgänger- und Velobrücke die beiden Rheinfelden verbinden sollte, scheiterte bei der Urnenabstimmung, weil sich die Material- und Baukosten durch die Pandemie sowie aufgrund der Folgen des Brückeneinsturzes in Genua deutlich erhöht hatten», erklärt Eglin. Auch die unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen in den drei Ländern erwiesen sich als Herausforderung. «Hierdurch war es fast nicht möglich, zeitgleich gemeinsam in einem Projekt voranzukommen», so Pauli. Einige Projekte wurden daher erst 2023 realisiert. «Während in Deutschland etwa nur bei guter Wasserqualität in Flüssen geschwommen werden darf, ist dies in Frankreich generell verboten. Und auch Picknick- oder Spielplätze an natürlichen Gewässern sind dort nur in Ausnahmefällen gestattet», erläutert Eglin. «Die ‹Rheinliebe›-Gemeinden haben zugesichert, die vorhandenen Projekte weiterzuführen, zu erhalten und, soweit möglich, weitere Attraktionen und Wege zu schaffen», betont Patrick Pauli. In Rheinfelden, Schweiz etwa wird ab diesem Herbst das Inseli saniert, das einen beliebten Bade- und Verweilort der ‹Rheinliebe›-Strecke darstellt. «Bei einem kürzlichen Treffen einiger Projektpartner haben wir zudem darüber nachgedacht, die mit Abschluss der IBA Basel eingestellte Broschüre ‹Rheinfestival› als Newsletter wieder aufleben zu lassen», ergänzt Eglin. In diesem sollen alle Veranstaltungen dargestellt werden, die in Verbindung mit dem Rhein stehen und in der trinationalen Region stattfinden. Flyer Rheinliebe-Rundweg Yvonne Kiefer-Glomme

Zwei Gemeinden, ein Fest: Sainte-Croix und Les Fourgs feiern gemeinsam

Das «Festival des Terroirs sans Frontières» findet direkt auf der Grenze zwischen den beiden Gemeinden Sainte-Croix (VD) und Les Fourgs (Frankreich) statt. Entstanden ist es vor mehr als 20 Jahren aus dem Willen der beiden Gemeinden, ihre Gemeinsamkeiten zu feiern und die Bevölkerung zusammenzubringen, wie Yvan Pahud, Vizegemeindepräsident von Sainte-Croix und Nationalrat, sagt. Heute hat sich das Fest zu einer wichtigen Plattform für regionale Produkte und Handwerkskunst entwickelt. Die Standbetreiber bleiben dabei jeweils auf ihrer Seite der Grenze, damit sie ihre Produkte nicht verzollen müssen – dies tut dem Austausch jedoch keinen Abbruch. Nach pandemiebedingten Absagen wird das Fest nun im Wechsel mit einer grenzüberschreitenden Genusswanderung organisiert, die sich als beliebte Alternative erwiesen hat. Trotz logistischer Herausforderungen bleibt das Event ein Symbol für die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den beiden Gemeinden. «Die Gemeinden geben den Rahmen des Festivals vor, die Freiwilligen beleben das Event.» Yvan Pahud, Vizegemeindepräsident von Sainte-Croix (VD) und Nationalrat Festival des Terroirs sans Frontières | Les Fourgs | Facebook Maude Schreyer

Der Raumplaner, der einmal um die Schweiz wanderte

Heinz Eglis Umrundung der Schweiz entlang der Grenze war die Folge eines Plans B. 2020 hatte der Raumplaner vor, entlang des Pacific Crest Trail in den USA zu wandern. Er hatte trainiert, Ausrüstung gekauft, die Wohnung und seinen Job als Stadtentwickler von Frauenfeld gekündigt – und dann brach kurz vor der Abreise die Coronapandemie aus und durchkreuzte seine Pläne. «Stattdessen wanderte ich im Sommer 2020 ans Mittelmeer», erzählt er vier Jahre später im Garten eines Cafés in Zürich. Die Weitwanderlust hatte ihn gepackt. Vor Weihnachten 2021 dann kam ihm die Idee: «Warum nicht einmal der Schweizer Grenze entlangwandern?» Er machte sich an die Planung der Route, und im März ging es in Balzers im Fürstentum Liechtenstein los. Heinz Egli wanderte im Gegenuhrzeigersinn und ging zunächst das Rheintal abwärts zum Bodensee, dann Richtung Basel und dem Jura entlang nach Genf, schliesslich entlang des Wallis, des Tessins und Graubündens. «Ich nahm mir vor, auf Wegen so nahe wie möglich an der Grenze zu gehen», erzählt Heinz Egli. Wo möglich, ging er auch direkt auf der Grenze. «Besonders an der Nordgrenze der Schweiz war das immer wieder möglich. Dort zieht sich die Grenze oft als Schneise durch den Wald und ist relativ gut begehbar.» An der Südgrenze wiederum, besonders im Wallis, war das freilich nicht möglich. Dort entfernte sich Heinz Egli auf Bergwegen etwas weiter von der Grenze. Unterwegs übernachtete er in Jugendherbergen, im Zelt und in Berghütten. «Die späten Abend- oder frühen Morgenstunden mit dem Zelt auf einem Berg zu verbringen, das ist fantastisch», schwärmt er heute. Auf seiner Tour rund um die Schweiz lernte Heinz Egli die unterschiedlichsten Arten von Grenzen kennen: Zwischen Kreuzlingen und Konstanz markieren am Hafen Kunstwerke die Grenze – um im Wohnquartier dann in unfreundlichen Maschendrahtzaun überzugehen. In Büsingen, der deutschen Enklave bei Schaffhausen, verläuft die Grenze mitten durch eine Gartenwirtschaft. Und im Tessin, wo der Migrationsdruck besonders hoch scheint, sind manche Abschnitte der Grenze mit Betonstelen oder Zäunen befestigt. In den Bergen traf er auf Stacheldrähte aus den Weltkriegen. In den allermeisten Fällen aber ist die Grenze anders spektakulär und verläuft im Grünen, entlang von Bergkämmen oder Gewässern. «Dieses ‹Nichts› finde ich aber ganz spannend», sagt Heinz Egli. «Wenn es nur geradeaus geht, bietet das die Möglichkeit, anderes zu entdecken und in sich zu gehen.» «Als Raumplaner habe ich einen gesamträumlichen Blick auf die Siedlungsstruktur und die Landschaftsentwicklung.» Heinz Egli, Weitwanderer und ehemaliger Stadtentwickler von Frauenfeld (TG) Egal durch welche Landschaft die Grenze verläuft – die Grenzsteine waren Heinz Eglis ständige Begleiter. Auf jedem Stein sind eine Nummer, die Jahreszahl sowie die Länder, die er begrenzt, markiert. Manche sind Hunderte von Jahren alt und deshalb auch nicht mehr ganz up to date: In Schaffhausen fand Heinz Egli zum Beispiel Grenzsteine von 1836, in die nicht «D» für Deutschland, sondern «GB» für Grossherzogtum Baden eingemeisselt war. Die heutige Bundesrepublik Deutschland gab es damals noch nicht. In zahlreichen Gemeinden traf Heinz Egli auf Infotafeln zur Grenze oder sogar auf Grenzwanderwege, etwa im Kanton Genf oder in der Gemeinde Rodersdorf (BL), deren Gemeindegrenze zu über 80 Prozent auch Landesgrenze ist. «Als Raumplaner habe ich einen speziellen Zugang zum Raum», erzählt Heinz Egli. «Ich habe einen gesamträumlichen Blick auf die Siedlungsstruktur und Landschaftsentwicklung. Es ist wie ein Puzzle, das sich zur Schweiz zusammensetzt.» Die Reise bezeichnet er heute als Grenzerfahrung im doppelten Sinn. Nicht nur lernte er die Landesgrenze kennen, sondern kam auch an seine eigenen Grenzen. Zum Beispiel als er entlang des Misox Felsrippen überklettern musste – weglos, nur mit Ketten gesichert. Oder als an der Grenze zwischen Italien und dem Tessin plötzlich ein Weg aufhörte und er sich auf allen vieren durch einen steilen Waldhang kämpfte. Daneben erlebte er zahlreiche Highlights, die meisten davon völlig unerwartet; zum Beispiel die Uina-Schlucht bei Scuol oder die Nacht in Sighignola, mit einem prächtigen Blick auf das Lichtermeer von Lugano. Am 14. Oktober 2022 beendete Heinz Egli seine Umrundung der Schweiz wiederum in Balzers. Und der Pacific Crest Trail? Heinz Egli winkt ab. «Den mache ich wohl eher nicht mehr. Ich habe meinen Hunger nach Weitwanderungen etwas gestillt.» Obwohl – weitere Touren der Via Alpina könnte er sich vorstellen. Nadja Sutter

Ein Fluss trennt und verbindet

Die italienische Gemeinde Lavena Ponte Tresa ist in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen und zählt fast 6000 Einwohner. Die Schweizer Gemeinde Tresa ist 2021 aus einer Fusion von Ponte Tresa, Sessa, Monteggio und Croglio entstanden und zählt circa 3300 Einwohner, ist aber flächenmässig wesentlich grösser als die Zwillingsgemeinde in Italien. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Gemeinden erfolgt projektbezogen, nicht im Rahmen eines fixen Gremiums. Zwei Interreg-Projekte spiegeln die intensive Beziehung zwischen den Gemeinden: der Bau eines neuen Autosilos für Grenzgänger und Einkaufstouristen sowie geologische Arbeiten im Umfeld des Flusses Tresa zu Sicherheitszwecken. Gerhard Lob

«Die Schweiz erfindet sich immer wieder neu»

Die Schweiz ist mit vier Landessprachen, 26 relativ eigenständigen Kantonen und einem Drittel der Wohnbevölkerung, die im Ausland geboren wurde, ein sehr vielfältiges Land. Viele empfinden Vielfalt als positiv: 50 Prozent sind der Meinung, Vielfalt mache die Schweiz aus. 30 Prozent stimmen dem teilweise zu. Ebenso viele finden es gut, ist die Schweiz in den letzten Jahrzehnten vielfältiger geworden. Jeweils 15 Prozent sehen das aber ganz anders. Das ist je nach Gruppe sehr unterschiedlich. Insgesamt sagen zwischen 15 und 30 Prozent, sie kennen niemanden aus der jeweiligen Gegengruppe. Bei den Armen kennt die Hälfte niemanden, der reich ist. Also eine Person, die über eine Million Franken Vermögen hat oder Häuser besitzt. Gerade die Hochgebildeten kennen kaum jemanden, der keine nachobligatorische Schulbildung hat. Bei der politischen Haltung ist es so, dass es eigentlich schon Kontakte zwischen Andersdenkenden gibt. Was spannend ist: Viele sagen, sie kennen die politischen Positionen der anderen nicht. Sie sprechen lieber nicht darüber. Die allermeisten derjenigen ohne Bekanntschaften geben an, solchen Menschen schlicht nicht zu begegnen. Aber nicht, dass sie dies grundsätzlich nicht möchten. Was auffällt: Je mehr Bekanntschaften jemand zu Gegengruppen hat, desto positiver ist seine Einstellung ihnen gegenüber. Aus der Deutschschweiz geben ganze 40 Prozent an, niemanden aus der Romandie oder aus dem Tessin zu kennen. Weitere 35 Prozent kennen wenige. Auf den anderen beiden Seiten ist das etwas weniger ausgeprägt. Trotz der insgesamt wenigen Kontakte, sind die Einstellungen zu den anderen Sprachregionen sehr positiv. Das kommt auf die betreffende Gruppe an. Tendenziell bevorzugen Menschen kleine Unterschiede, also lieber Menschen aus dem Tessin als Asylsuchende. Gemeinden könnten beispielsweise attraktive öffentliche Orte schaffen, wo alle gerne flanieren, sich aufhalten, mit ihren Kindern spielen. So besteht die Gelegenheit, dass man sich zumindest sieht und damit schon gewisse Hemmungen abbaut. Drei Viertel derjenigen, die in einem Verein aktiv sind oder sich sozial engagieren, geben an, dass diese Tätigkeiten ihren Bekanntenkreis vielfältiger gemacht haben. 60 Prozent der politisch Engagierten empfinden das ebenfalls so. Bei solchen Engagements kommt man fast zwangsläufig mit Leuten in Kontakt, die anders sind. Gerade in der Gemeindepolitik ist das Vermitteln zwischen Gruppen mit unterschiedlichen Interessen, also eigentlich das Management von Vielfalt, zentraler Aspekt der Arbeit. «Es ist wichtig, dass Gemeinden attraktive öffentliche Orte schaffen.» Dr. Jakub Samochowiec, Senior Researcher und Speaker am Gottlieb Duttweiler Institute Jüngere Menschen sind sehr polarisiert gegenüber vielen Minderheiten, auch wenn die Medien sie häufig als fortschrittlich darstellen. Bei den unter 25-Jährigen ist der Anteil derjenigen mit positiven Gefühlen wie auch mit negativen Gefühlen gegenüber Gruppen wie etwa Veganerinnen und Veganern, trans- und non-binären oder homosexuellen Personen am höchsten. Je älter die Leute, desto neutraler sind sie gegenüber anderen eingestellt. Kontakt zu anderen, sei das nun persönlich oder medial, ist wichtig. So sucht das Migros-Kulturprozent im Rahmen der Vielfaltsinitiative beispielsweise mit einer Kampagne Brückenbauerinnen und Brückenbauer, die zwischen den Kreisen vermitteln. Dass wir Vielfalt umfassender verstehen. Vielfalt ist ein Teil der Schweiz. Und die Schweiz erfindet sich immer wieder neu. Auf individueller Ebene würde ich mich freuen, Leute dazu anzuregen, etwas auszuprobieren. Im besten Fall, sich sozial zu engagieren. Und sich selbst zu hinterfragen: Bin ich eigentlich in einer Bubble, und woran liegt das? Monica Müller

Bei Arbeitsunfähigkeit rasch handeln: So gelingt die Rückkehr an den Arbeitsplatz

Wer wegen Krankheit oder Unfall längere Zeit nicht arbeiten kann, muss persönlich mit einer herausfordernden Situation klarkommen. Oft ist sie von Unsicherheit geprägt. Nebst medizinischen und versicherungstechnischen Aspekten beschäftigt Betroffene eine Frage zentral: Kann ich wieder an meinen Arbeitsplatz zurückkehren? Und falls ja, wann und in welcher Form? Der Zeitfaktor spielt dabei eine grosse Rolle. Damit eine Rückkehr an den Arbeitsplatz gelingen kann und sich eine allfällige Invalidität vermeiden lässt, ist rasches Aktivwerden wichtig. Denn Studien zeigen: Eine längere Absenz vom Arbeitsplatz verkleinert die Chance, die Arbeit wieder aufnehmen zu können. Die Wahrscheinlichkeit liegt sechs Monate nach einem Ausfall bereits unter 50 Prozent. Ein weiteres halbes Jahr später fällt sie sogar unter 20 Prozent. «Je früher man eine Arbeitsunfähigkeit meldet, desto eher können für betroffene Angestellte wirksame Unterstützungsmassnahmen greifen», betont Regina Knöpfel, CEO der PK Rück AG, einer etablierten Rückversicherin von Pensionskassen in der Schweiz. Arbeitgebende müssen den Ausfall von Mitarbeitenden im ersten Monat nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit der Krankentaggeld- oder der Unfallversicherung sowie der Pensionskasse melden. Schliesslich muss spätestens sechs Monate nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit eine Meldung auch an die Invalidenversicherung gehen. «Je früher man eine Arbeitsunfähigkeit meldet, desto eher können Unterstützungsmassnahmen greifen.» Regina Knöpfel, CEO PK Rück AG Ein bewährtes Instrument, um arbeitsunfähige Personen bei der Rückkehr an die Arbeitsstelle zu unterstützen, ist das sogenannte Case Management (CM), das Betroffenen auf freiwilliger Basis angeboten wird. Dabei koordiniert eine Case Managerin oder ein Case Manager mit breitem medizinischem, arbeits- und versicherungsrechtlichem Fachwissen das Zusammenwirken von arbeitsunfähiger Person, Arbeitgebenden, Krankentaggeld- oder Unfallversicherung, Ärztinnen und Ärzten, Pensionskasse sowie IV-Stelle. Oberstes Ziel des CM ist es, dass die betroffene Person möglichst rasch wieder in den Arbeitsprozess zurückkehren kann, dies aber nicht unkontrolliert; das CM soll für Arbeitgebende und Arbeitnehmende die Komplexität verringern, sie von bestimmten Aufgaben entlasten und die geeigneten Schritte definieren. Ein CM ist immer dann sinnvoll, wenn die Aussichten auf eine Wiedereingliederung Erfolg versprechend sind. Eine Rückkehr an den Arbeitsplatz entlastet nicht nur das Team, sondern wirkt sich auch positiv auf die Kosten aus: Wenn sich Arbeitsunfähigkeiten und IV-Fälle vermeiden lassen, lindert dies den Druck auf die Risikoprämien der Pensionskasse und der Krankentaggeldversicherung, die Arbeitgebende und Versicherte zu bezahlen haben. Auch wenn noch keine Arbeitsunfähigkeit vorliegt, ist es für Arbeitgebende sinnvoll, frühzeitig aktiv zu werden und sich bei Bedarf über den Umgang bei einer herausfordernden Personalsituation beraten zu lassen. Das kann etwa bei mehreren kleineren Absenzen der gleichen Person der Fall sein oder bei Warnsignalen im Team wie Stress, Burnout, Sucht, Depression, Mobbing. Ziel ist es immer, das Risiko einer langen Arbeitsunfähigkeit – und damit auch die Gefahr einer Invalidität – zu verkleinern. Führungs- und Personalverantwortlichen stehen heute niederschwellige Beratungsangebote oder Hotlines zur Verfügung. Für Arbeitgebende bieten auch die Netzwerkplattform compasso.ch sowie gesundheitsfoerderung.ch hilfreiche Informationen. Kaspar Abplanalp

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