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Aktive Filter: Autor: Nadja Sutter Ausgabe: 4 | 2022 Alle Filter entfernen
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Nachhaltigkeit beginnt beim Büromaterial: das Beispiel Ecublens

Nachhaltige Beschaffung kann in Gemeinden bereits im Kleinen beginnen – und zwar buchstäblich. Ein Beispiel: Wenn jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter das notwendige Büromaterial selbst kauft, kann das unerwünschte Nebeneffekte haben. So bevorzugt die eine Mitarbeiterin vielleicht schwarze Kugelschreiber – von denen hat es aber viel zu viele, die ungenutzt herumliegen, weil ihre Kolleginnen und Kollegen lieber mit blauen Kugelschreibern schreiben. Es ist ein Beispiel für Verschwendung von Ressourcen, das Yolan Menoud, Vorsteher des Amtes für Gebäude, Abwasser und Nachhaltigkeit von Ecublens (VD), aufführt. Solche Situationen soll es in der Gemeindeverwaltung von Ecublens künftig nicht mehr geben. Seit rund zwei Jahren gelten in der Gemeinde westlich von Lausanne Richtlinien für nachhaltige Beschaffung. Yolan Menoud erklärt: «Wir haben einerseits eine allgemeinere Richtlinie erlassen, die vor allem für grössere Beschaffungen wie zum Beispiel Fahrzeuge gilt.» In dieser seien allgemeinere Ziele festgehalten, zum Beispiel umweltfreundliche Kriterien, die Vermeidung von Verschwendung oder die Tatsache, dass über Neuanschaffungen gut nachgedacht wird: Braucht es diese tatsächlich? Wie diese Ziele erreicht werden, ist allerdings nicht genauer definiert. Die Umsetzung ist den Verantwortlichen überlassen. Andererseits gibt es eine sehr konkrete Richtlinie, die für die Beschaffung von Büromaterial, Papier und Karton gilt. In der Gemeindeverwaltung wird nur ein bestimmter Typ Recyclingpapier mit Umweltlabel bestellt, der frei von Chemikalien ist. Für das Büromaterial gibt es einen begrenzten Katalog mit Produkten, die bestellt werden können. «Damit wollen wir verhindern, dass sich Material ansammelt, das dann doch nicht gebraucht wird», erklärt Yolan Menoud. Daneben hat die Gemeinde einen Leitfaden für jene Personen lanciert, die selbst Beschaffungen für die Gemeinde tätigen. «Hier geht es uns darum, die geltenden Regeln zu erklären und die Betroffenen zu sensibilisieren.» Ein ähnliches Ziel verfolgt auch eine Tagung, die demnächst in Biel stattfindet und sich der nachhaltigen öffentlichen Beschaffung widmet (siehe Kasten). Die Richtlinien zur nachhaltigen Beschaffung waren Teil der Legislaturziele 2016 bis 2021 der Gemeinde Ecublens im Zusammenhang mit der Energie- und Klimapolitik. «Umweltschutz, aber auch Sozialverträglichkeit sind für uns wichtige Kriterien», so Yolan Menoud. «Umweltschutz, aber auch Sozialverträglichkeit sind für uns wichtige Kriterien.» Yolan Menoud, Vorsteher des Bauamtes von Ecublens (VD) Die Gemeinde trägt auch das Label «Energiestadt». Der Trägerverein Energiestadt hatte eine Ausschreibung für Projekte lanciert, in dessen Rahmen Ecublens Subventionen erhalten hat. «Wir konnten für die Umsetzung auf die Begleitung eines Experten zählen. Das hat sehr gut geklappt.» Nun steckt Ecublens bereits mitten in der Umsetzung seiner Richtlinien. «Das ist natürlich nicht immer ganz einfach, denn wir machen keine systematischen Kontrollen.» Die Mitarbeitenden würden aber von Zeit zu Zeit an die geltenden Regeln erinnert. Nadja Sutter

Der Krieg in der Ukraine bewegt die Gemeinden

Und plötzlich stehen ukrainische Flüchtlinge am Gemeindeschalter: Diese Situation dürften Anfang März viele Gemeinden erlebt haben. So auch die Stadt Wil (SG). Als Erstes sei eine Frau mit ihrem Kind im Kindergartenalter gekommen, erzählt Marc Bilger, Departementsleiter Gesellschaft und Sicherheit der Stadt Wil. Die Gemeindeangestellten waren zu diesem Zeitpunkt bereits vorbereitet und wussten, was zu tun war. Die Frau hatte sich bereits beim Bundesasylzentrum in Altstätten gemeldet, um den Schutzstatus S zu erhalten. Die Frage nach dem Wohnraum stellte sich nicht, da sie bei Bekannten unterkam. Abzuklären galt es aber, wann und wo das Kind den Kindergarten besuchen könnte. «Es ist unser Ziel, möglichst rasch Tagesstrukturen für die Flüchtlinge schaffen zu können.» In der Regel melden sich die Flüchtlinge bei den Bundesasylzentren, wo sie registriert werden und den Schutzstatus S verliehen bekommen. Anschliessend werden sie auf die Kantone verteilt, die sie wiederum an die Gemeinden verteilen. Als Anfang März absehbar wurde, dass ukrainische Flüchtlinge binnen Tagen die Schweiz erreichen könnten, wurde die Stadt rasch aktiv. «Der schwierigste Teil im ersten Moment war, abzuschätzen, wie viele Leute kommen würden und welches die drängendsten Fragen sein würden», so Marc Bilger. «In Wil war ein wichtiger Punkt der Wohnraum, denn dieser ist in unserer Region sowieso eher knapp.» Die Gemeinde habe Kontakt mit Immobilienverwaltungen aufgenommen, um selbst Wohnungen anmieten zu können. Dieses Vorgehen sei bekannt, habe man dies doch auch bereits für andere Flüchtlinge gemacht. «Jetzt stellte sich aber die Frage nach der Grössenordnung.» Manche Immobilienverwaltungen hätten sogar angeboten, Wohnungen gratis zur Verfügung zu stellen. Marc Bilger beobachtete von Anfang an eine grosse Solidarität in der Bevölkerung. Auf der Stadtverwaltung meldeten sich zahlreiche Einwohnerinnen und Einwohner, die ihre Hilfe anboten, zum Beispiel Übersetzungsdienste, aber auch Wohnraum. «Wir sammeln diese Angebote bei uns zentral und sagen den Interessierten, dass wir uns bei Ihnen melden, sobald wir die Hilfe brauchen können.» Er fügt an: «Dass die Menschen ihre Hilfe so aktiv anbieten, habe ich zuvor noch nie erlebt. Dieser Krieg scheint sie sehr stark zu berühren.» Die Stadt Wil arbeitet überdies mit verschiedenen Partnern zusammen, zum Beispiel dem Solidaritätsnetz der Evangelischen Kirchgemeinde Wil oder dem Quartiertreff Lindenhof. Diese bieten allem voran Deutschkurse an; dies bereits vor Ausbruch des Krieges. Die Gemeinde tauscht sich überdies mit anderen St. Galler Gemeinden aus, etwa im Rahmen des Verbands der St. Galler Gemeindepräsidenten oder der St. Gallischen Konferenz der Sozialhilfe. Enger Kontakt besteht auch zum Trägerverein Integrationsprojekte St. Gallen. Informationen: Der Schweizerische Gemeindeverband hat auf seiner Homepage verschiedene hilfreiche Informationen zum Thema Flüchtlinge aus der Ukraine zusammengestellt und aktualisiert diese laufend: www.chgemeinden.ch/de/news/ukraine-krise/ «Dass die Menschen ihre Hilfe so aktiv anbieten, habe ich zuvor noch nie erlebt. Dieser Krieg scheint sie sehr stark zu berühren.» Marc Bilger, Departementsleiter Gesellschaft und Sicherheit der Stadt Wil Nadja Sutter

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