Nachhaltigkeit beginnt beim Büromaterial: das Beispiel Ecublens
Nachhaltige Beschaffung kann in Gemeinden bereits im Kleinen beginnen – und zwar buchstäblich. Ein Beispiel: Wenn jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter das notwendige Büromaterial selbst kauft, kann das unerwünschte Nebeneffekte haben. So bevorzugt die eine Mitarbeiterin vielleicht schwarze Kugelschreiber – von denen hat es aber viel zu viele, die ungenutzt herumliegen, weil ihre Kolleginnen und Kollegen lieber mit blauen Kugelschreibern schreiben. Es ist ein Beispiel für Verschwendung von Ressourcen, das Yolan Menoud, Vorsteher des Amtes für Gebäude, Abwasser und Nachhaltigkeit von Ecublens (VD), aufführt. Solche Situationen soll es in der Gemeindeverwaltung von Ecublens künftig nicht mehr geben. Seit rund zwei Jahren gelten in der Gemeinde westlich von Lausanne Richtlinien für nachhaltige Beschaffung. Yolan Menoud erklärt: «Wir haben einerseits eine allgemeinere Richtlinie erlassen, die vor allem für grössere Beschaffungen wie zum Beispiel Fahrzeuge gilt.» In dieser seien allgemeinere Ziele festgehalten, zum Beispiel umweltfreundliche Kriterien, die Vermeidung von Verschwendung oder die Tatsache, dass über Neuanschaffungen gut nachgedacht wird: Braucht es diese tatsächlich? Wie diese Ziele erreicht werden, ist allerdings nicht genauer definiert. Die Umsetzung ist den Verantwortlichen überlassen. Andererseits gibt es eine sehr konkrete Richtlinie, die für die Beschaffung von Büromaterial, Papier und Karton gilt. In der Gemeindeverwaltung wird nur ein bestimmter Typ Recyclingpapier mit Umweltlabel bestellt, der frei von Chemikalien ist. Für das Büromaterial gibt es einen begrenzten Katalog mit Produkten, die bestellt werden können. «Damit wollen wir verhindern, dass sich Material ansammelt, das dann doch nicht gebraucht wird», erklärt Yolan Menoud. Daneben hat die Gemeinde einen Leitfaden für jene Personen lanciert, die selbst Beschaffungen für die Gemeinde tätigen. «Hier geht es uns darum, die geltenden Regeln zu erklären und die Betroffenen zu sensibilisieren.» Ein ähnliches Ziel verfolgt auch eine Tagung, die demnächst in Biel stattfindet und sich der nachhaltigen öffentlichen Beschaffung widmet (siehe Kasten). Die Richtlinien zur nachhaltigen Beschaffung waren Teil der Legislaturziele 2016 bis 2021 der Gemeinde Ecublens im Zusammenhang mit der Energie- und Klimapolitik. «Umweltschutz, aber auch Sozialverträglichkeit sind für uns wichtige Kriterien», so Yolan Menoud. «Umweltschutz, aber auch Sozialverträglichkeit sind für uns wichtige Kriterien.» Yolan Menoud, Vorsteher des Bauamtes von Ecublens (VD) Die Gemeinde trägt auch das Label «Energiestadt». Der Trägerverein Energiestadt hatte eine Ausschreibung für Projekte lanciert, in dessen Rahmen Ecublens Subventionen erhalten hat. «Wir konnten für die Umsetzung auf die Begleitung eines Experten zählen. Das hat sehr gut geklappt.» Nun steckt Ecublens bereits mitten in der Umsetzung seiner Richtlinien. «Das ist natürlich nicht immer ganz einfach, denn wir machen keine systematischen Kontrollen.» Die Mitarbeitenden würden aber von Zeit zu Zeit an die geltenden Regeln erinnert. Nadja Sutter