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Für mehr Vielfalt im Vorschulturnen

Das Vorschulturnen mit den Angeboten MuKi (Mutter-Kind-Turnen) VaKi (Vater-Kind-Turnen), ElKi (Eltern-Kind-Turnen), GroKi (Grosseltern-Kind-Turnen) ist seit über 50 Jahren in allen Landesteilen ein bekanntes Angebot von Turnvereinen für Familien mit Kindern im Alter von drei bis fünf Jahren. Die angeleiteten Lektionen finden wöchentlich statt und sind sehr beliebt. Doch nicht alle Familien finden in diese Angebote hinein. Die Gründe sind sehr vielseitig; so können beispielsweise finanzielle, sprachliche, kulturelle sowie weitere Hürden bestehen. Familien mit Kindern mit einer Beeinträchtigung machen oft auch die Erfahrung, dass sie sich nicht willkommen fühlen oder es nicht sind. Mit dem Pilotprojekt «MIMUKI» ab 2012 und mit der Lancierung des Projekts «Miteinander Turnen» im Jahr 2016 hat die Sport Union, zweitgrösster Breitensportverband der Schweiz, das Thema erkannt und leistet seither einen wichtigen Beitrag für die Gleichstellung und Förderung von Vielfalt im Vorschulturnen. Nach einer sechsjährigen Umsetzungsphase wird das Projekt per Ende 2022 in den Regelbetrieb überführt. Von 2012 bis 2015 wurde in der Gemeinde Hochdorf LU der Pilot des Projekts durchgeführt. Die Erfahrungen und Erkenntnisse waren sehr positiv. Durch die lokale Vernetzung mit der Gemeinde und mit Fachstellen sowie durch die Koordination fanden Familien aus anderen Kulturen den Weg in das Vorschulturnangebot und von da in die weiteren Angebote der Gemeinde. Es durften wunderschöne Geschichten geschrieben werden. Diese gaben auch den Ausschlag, dass man entschied, das Projekt grösser zu denken und umzusetzen. 2016 begann die Umsetzungsphase mit einer Anschubfinanzierung durch das Bundesamt für Sport (BASPO) mit dem ersten Projektstandort in Wolhusen (LU). In den Folgejahren wurde viel in die konzeptionelle Weiterentwicklung, die Weiterbildung sowie in die sternförmige Ausbreitung des Projekts auf andere Regionen der Schweiz investiert. Aktuell wird das Projekt in 22 Projektstandorten verteilt auf die Kantone Luzern, Obwalden, Nidwalden, Zürich, St. Gallen, Tessin und Graubünden in drei Sprachregionen umgesetzt. In den verschiedenen Standorten finden wöchentlich 45 Lektionen statt, die rund 4700 Kinder bzw. 3500 Familien erreichen. Auf lokaler Ebene ist das Vorschulturnen in vielen Gemeinden ein sehr beliebtes und gut besuchtes Angebot der frühen Bewegungsförderung. Unsere Erfahrungen zeigen, dass das Vorschulturnen aber nicht überall den gleichen Stellenwert bzw. die Wertschätzung auf kommunaler Ebene bekommt. Eine jährlich stattfindende Sitzung vonseiten der Gemeinde mit den Vorschulturnleiter/innen kann helfen. Es können so Fragen der Hallenbelegung, Findung von Leitungspersonen, Fragestellungen bezüglich der Akquise neuer Familien, der Kommunikation sowie der finanziellen Unterstützung geklärt werden. Das Vorschulturnen sollte im Interesse der Gemeinde sein, weil es ein idealer Einstieg von Kindern im Alter von drei bis fünf im Vorschulalter ist. Die Diversität unserer Gesellschaft spiegelt sich auch in den Vorschulturngruppen. Diese Vielfalt ist eine Chance für uns alle, und umso mehr gilt es, sie schon in der Frühen Kindheit zu fördern. Die Aussage «Bei uns sind alle willkommen» allein reicht nicht aus. Wie die Erreichbarkeit und der Zugang gelingt, zeigt das Projekt «Miteinander Turnen» sinnbildlich. Es braucht eine lokale Vernetzung, um die Erwartungen und Rollen zu klären und die Kommunikation zu koordinieren. Der Einsatz von Schlüsselpersonen ist zielführend, denn so können Familien direkt eingeladen und in die Vorschulturnangebote gebracht werden. Eine Willkommenskultur basiert auf einer gemeinsamen Werthaltung, die von allen gelebt und vertreten wird. Die Aus- und Weiterbildung von den Vorschulturnleiter/innen ist dabei sehr zentral. Im Rahmen der Weiterbildung des Projekts MiTu erlernen die Vorschulturnleiter/innen den Umgang mit Diversität und erfahren, wer sie unterstützen kann. Informationen: Im Juni 2021 hat das Projekt sämtliche Erfahrungen und Erkenntnisse in einem Best-Practice-Leitfaden auf Deutsch, Französisch und Italienisch publiziert und dabei auch die Rolle und möglichen Aufgaben der Gemeinde festgehalten. Der Leitfaden kann auf der Website www.mitu-schweiz.ch heruntergeladen oder kostenlos bestellt werden. Elias Vogel

Offene Turnhallen motivieren Kinder, sich zu bewegen

Die Frühe Förderung im Kleinkindesalter legt den Grundstein für die Entwicklung eines förderlichen Gesundheitsverhaltens auf physischer und psychosozialer Ebene, das sich in der älteren Kindheit, Jugend und dem Erwachsenenalter fortsetzt. Wie oft sich kleine Kinder bewegen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Einige sind nur geringfügig beeinflussbar wie Geschlecht, Alter, Familienstruktur oder Temperament. Es gibt aber auch solche, die durch die Eltern oder die Umgebung beeinflussbar sind. Dazu gehört unter anderem die Infrastruktur am Wohnort der Kinder, zum Beispiel Spielplätze oder Turnhallen. In diesem Kontext zielen die Bewegungsangebote der offenen Turnhalle wie «Ä Halle wo’s fägt» vom Verein CHINDaktiv in Zusammenarbeit mit RADIX sowie «MiniMove» der Stiftung IdéeSport oder eigene Angebote von Gemeinden darauf ab, dass Kinder im Vorschulalter bis sechs Jahre im Winterhalbjahr einen niederschwelligen Zugang zu einem betreuten, gedeckten Bewegungsort haben. Diese Angebote finden üblicherweise ohne Anmeldung und teilweise ohne oder nur mit einem geringen Unkostenbeitrag statt. Bei offenen Turnhallen werden Bewegungslandschaften zur Verfügung gestellt, welche die Kinder ohne Anleitung, aber unter Aufsicht von erwachsenen Begleitpersonen entdecken können. Die Hallenbetreuenden sind für den Aufbau und die Umsetzung zuständig, jedoch nicht für eine Anleitung zu den einzelnen Bewegungsposten. In immer mehr Schweizer Gemeinden werden Turnhallen mit verschiedenen Angeboten Kindern und deren Eltern an Wochenenden zugänglich gemacht. Die Gemeinden leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsförderung in der Freizeit und schaffen attraktive Begegnungsorte. Um die Situation in den Gemeinden bezüglich derartiger Bewegungsangebote genauer betrachten zu können, wurde im Herbst 2020 eine schweizweite Gemeindebefragung durchgeführt. Das Forschungs- und Beratungsbüro Ecoplan führte die Befragung zusammen mit dem Schweizerischen Gemeindeverband durch, dies im Rahmen einer von Gesundheitsförderung Schweiz beauftragten Evaluation von Angeboten der offenen Turnhallen mit Fokus auf die Angebote «Ä Halle wo’s fägt» und «MiniMove». In die Auswertung der Befragung flossen 410 vollständige Antworten ein, was einem guten Rücklauf von 19 Prozent entspricht. Die schweizweite Abdeckung war sehr gut, mit einer Beteiligung von Gemeinden aus allen Kantonen mit Ausnahme der Kantone Appenzell Innerrhoden, Glarus und Obwalden. 40 Prozent der Befragten kennen Angebote unter dem Begriff «offene Turnhalle» für Kinder im Vorschulalter. Es wird damit vor allem das Mutter-/Vater-/Eltern-/Grosseltern-Kinder-Turnen (N=123) in Verbindung gebracht, ein strukturiertes, angeleitetes Gruppenangebot. Des Weiteren sind die Angebote OpenSunday (N=67), MidnightSports (N=58), lokale Angebote (N=46), Ä Halle wo’s fägt (N=34) sowie MiniMove (N=33) bekannt. Die Angebote OpenSunday und MidnightSports der Stiftung IdéeSport richten sich an ältere Kinder und Jugendliche. In 16 Prozent der Gemeinden, die sich an der Befragung beteiligt haben, gibt es ein Angebot der offenen Turnhalle. Das sind zugleich 38 Prozent derjenigen, die derartige Angebote kennen. Überwiegend sind dies lokale Angebote der Gemeinden, zum Beispiel Eltern-Kind-Turnen, aber auch offene Turnhallen, die von lokalen Anbietern wie Eltern- oder Turnvereinen umgesetzt werden. In 16 der befragten Gemeinden gibt es ein Ä-Halle-wo’s-fägt-Angebot, in sechs Gemeinden ein MiniMove-Angebot. Zum Vergleich: Es gab schweizweit in der Wintersaison 2021/22 rund 80 Ä-Halle-wo’s-fägt-Standorte in sieben Deutschschweizer Kantonen und 15 MiniMove-Standorte in sieben Kantonen der Deutschschweiz, der Romandie und des Tessins. Gefragt nach den Gründen, ein eigenes lokales Angebot der offenen Turnhalle aufzubauen und nicht auf externe Anbieter wie IdéeSport oder RADIX zurückzugreifen, nennen die Befragten vorrangig den Wunsch nach Eigenverantwortung und das Vorhandensein entsprechender lokaler Initiativen sowie dass spezifische Angebote wie «Ä Halle wo’s fägt» und «MiniMove» zum Zeitpunkt des Angebotsaufbaus nicht bekannt gewesen seien. Von denjenigen Gemeinden, die keine Bewegungsangebote der offenen Turnhalle für Kinder bis sechs Jahren kennen, haben 71 Prozent andere Bewegungsangebote in ihren Gemeinden. Genannt werden vorrangig verschiedene Formen des Eltern-Kind-Turnens oder andere lokale Kinderturnangebote. Gut ein Drittel dieser Personen zeigte sich interessiert an den Bewegungsangeboten der offenen Turnhalle, was zugleich das Potenzial dieser Angebote bekräftigt. Gründe gegen ein Angebot der offenen Turnhalle sind vor allem, dass ausreichend andere Angebote vorhanden sind, die mangelnde Hallenkapazität und dass es keinen ausreichenden Bedarf vonseiten der Bevölkerung gibt. Dies zeigt, dass Angebote der offenen Turnhalle in einer breiten Angebotslandschaft der Bewegungsförderung bestehen und ihren Mehrwert aufzeigen müssen. Die Evaluation der Angebote von offenen Turnhallen wird für diese Argumentation rund um den Nutzen von Angeboten der offenen Turnhalle Ende 2022 Erkenntnisse liefern können. Damit ein Angebot in einer Gemeinde aufgebaut und längerfristig verankert wird, müssen die Angebote den spezifischen Erwartungen einer Gemeinde entsprechen. Dies stimmt bei Angeboten der offenen Turnhalle sehr gut überein: 84 Prozent der befragten Gemeinden, denen diese Angebote bekannt sind, geben an, dass diese ihre Erwartungen vollumfänglich (53 Prozent) bis teilweise (31 Prozent) abdecken. Jene Elemente, die den Gemeinden im Zusammenhang mit diesen Bewegungsangeboten am wichtigsten sind, sind auch zentrale Charakteristika der bestehenden Angebote wie «Ä Halle wo’s fägt» und «MiniMove». Dies sind: die Bewegung von kleinen Kindern fördern, die bestehende Infrastruktur nutzen, die Zugänglichkeit für alle Kinder und Eltern, die Funktion als sozialer Treffpunkt und ein geringer oder gar kein administrativer Aufwand für die Gemeinde. Die Befragung der Gemeinden zeigt zweierlei: Es kann noch mehr investiert werden in die Bekanntmachung von Bewegungsangeboten der offenen Turnhalle bei den Gemeinden. Zum anderen bringen die bestehenden Angebote vieles mit, was sich die Gemeinden wünschen. Die Angebote der offenen Turnhalle sind demnach an die kommunalen Bedürfnisse angepasst. Informationen: IdéeSport «MiniMove» https://www.ideesport.ch/programme/minimove/ Radix «Ä Halle wo’s fägt» https://www.radix.ch/de/gesunde-gemeinden/angebote/ae-halle-wos-faegt/ bzw. CHINDaktiv https://www.chindaktiv.ch/ Gesundheitsförderung Schweiz, https://gesundheitsfoerderung.ch/ Netzwerk Gesundheit und Bewegung Schweiz Hepa https://www.hepa.ch/de/home.html Simon Endes

Der Krieg in der Ukraine bewegt die Gemeinden

Und plötzlich stehen ukrainische Flüchtlinge am Gemeindeschalter: Diese Situation dürften Anfang März viele Gemeinden erlebt haben. So auch die Stadt Wil (SG). Als Erstes sei eine Frau mit ihrem Kind im Kindergartenalter gekommen, erzählt Marc Bilger, Departementsleiter Gesellschaft und Sicherheit der Stadt Wil. Die Gemeindeangestellten waren zu diesem Zeitpunkt bereits vorbereitet und wussten, was zu tun war. Die Frau hatte sich bereits beim Bundesasylzentrum in Altstätten gemeldet, um den Schutzstatus S zu erhalten. Die Frage nach dem Wohnraum stellte sich nicht, da sie bei Bekannten unterkam. Abzuklären galt es aber, wann und wo das Kind den Kindergarten besuchen könnte. «Es ist unser Ziel, möglichst rasch Tagesstrukturen für die Flüchtlinge schaffen zu können.» In der Regel melden sich die Flüchtlinge bei den Bundesasylzentren, wo sie registriert werden und den Schutzstatus S verliehen bekommen. Anschliessend werden sie auf die Kantone verteilt, die sie wiederum an die Gemeinden verteilen. Als Anfang März absehbar wurde, dass ukrainische Flüchtlinge binnen Tagen die Schweiz erreichen könnten, wurde die Stadt rasch aktiv. «Der schwierigste Teil im ersten Moment war, abzuschätzen, wie viele Leute kommen würden und welches die drängendsten Fragen sein würden», so Marc Bilger. «In Wil war ein wichtiger Punkt der Wohnraum, denn dieser ist in unserer Region sowieso eher knapp.» Die Gemeinde habe Kontakt mit Immobilienverwaltungen aufgenommen, um selbst Wohnungen anmieten zu können. Dieses Vorgehen sei bekannt, habe man dies doch auch bereits für andere Flüchtlinge gemacht. «Jetzt stellte sich aber die Frage nach der Grössenordnung.» Manche Immobilienverwaltungen hätten sogar angeboten, Wohnungen gratis zur Verfügung zu stellen. Marc Bilger beobachtete von Anfang an eine grosse Solidarität in der Bevölkerung. Auf der Stadtverwaltung meldeten sich zahlreiche Einwohnerinnen und Einwohner, die ihre Hilfe anboten, zum Beispiel Übersetzungsdienste, aber auch Wohnraum. «Wir sammeln diese Angebote bei uns zentral und sagen den Interessierten, dass wir uns bei Ihnen melden, sobald wir die Hilfe brauchen können.» Er fügt an: «Dass die Menschen ihre Hilfe so aktiv anbieten, habe ich zuvor noch nie erlebt. Dieser Krieg scheint sie sehr stark zu berühren.» Die Stadt Wil arbeitet überdies mit verschiedenen Partnern zusammen, zum Beispiel dem Solidaritätsnetz der Evangelischen Kirchgemeinde Wil oder dem Quartiertreff Lindenhof. Diese bieten allem voran Deutschkurse an; dies bereits vor Ausbruch des Krieges. Die Gemeinde tauscht sich überdies mit anderen St. Galler Gemeinden aus, etwa im Rahmen des Verbands der St. Galler Gemeindepräsidenten oder der St. Gallischen Konferenz der Sozialhilfe. Enger Kontakt besteht auch zum Trägerverein Integrationsprojekte St. Gallen. Informationen: Der Schweizerische Gemeindeverband hat auf seiner Homepage verschiedene hilfreiche Informationen zum Thema Flüchtlinge aus der Ukraine zusammengestellt und aktualisiert diese laufend: www.chgemeinden.ch/de/news/ukraine-krise/ «Dass die Menschen ihre Hilfe so aktiv anbieten, habe ich zuvor noch nie erlebt. Dieser Krieg scheint sie sehr stark zu berühren.» Marc Bilger, Departementsleiter Gesellschaft und Sicherheit der Stadt Wil Nadja Sutter

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