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Digitalisierung: Gemeinden tun sich schwer mit Zusammenarbeit

Die Gemeindeumfrage 2026 des Vereins Myni Gmeind und des Schweizerischen Gemeindeverbands verzeichnet eine hohe Beteiligung: 639 Gemeinden (über 30 Prozent) haben den Fragebogen vollständig ausgefüllt, viele mehr einen Teil davon. Diese hohe Rücklaufquote untermauert die Relevanz des Themas und belegt die Repräsentativität der Erhebung (siehe Box). Zudem beabsichtigen 62 Prozent der Gemeinden, die digitale Transformation kooperativ zu bewältigen. Die primären Treiber für eine Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden sind der Austausch von Know-how und Erfahrungen. Sie versprechen sich davon eine höhere Qualität, beispielsweise bei der Strategieentwicklung. Gleichzeitig stehen oft auch Effizienzziele im Fokus, wenn es etwa um personelle und finanzielle Ressourcen oder um die Entwicklung von digitalen Prozessen geht. Bei der Kooperation bewerten sich die Gemeinden im Schnitt mit der ungenügenden Note 3,8; ein Drittel vergibt sogar die Note 3,0 oder tiefer. Als Motive für eine Kooperation nennen die Befragten (a) bessere Dienstleistungen, (b) Synergien bei Aufwand und Kosten sowie (c) die Befürchtung, die Transformation allein nicht zu schaffen. Als Kooperationsbarrieren werden angeführt: (a) die Einschränkung der Selbstbestimmung, (b) notwendige Kompromisse, die zu einer aufwendigeren Entwicklung führen, und (c) fehlendes Wissen/Können oder fehlende Kultur. Aber auch Unterschiede in den IT-Systemen, in Bedürfnissen und im Reifegrad sowie eine mangelnde Kooperationsbereitschaft (Kirchturmdenken). Auf operativer Ebene wird eine Zusammenarbeit eher angestrebt als auf strategischer. Rund drei Viertel aller Gemeinden würden operativ eine Zusammenarbeit sehr oder eher suchen, auf strategischer Ebene sind es nur zwei Drittel. Dabei stehen auf operativer Ebene die Nachbargemeinden (51 Prozent) im Fokus, gefolgt von Verbänden und Gemeindeorganisationen (30 Prozent). Auf strategischer Ebene sinkt die Bedeutung der Nachbargemeinden leicht, und jene der Verbände steigt etwas an. Keine Rolle spielen dabei die zuständigen Stellen von Kantonen oder dem Bund. Dies zeigt sich auch, wenn die Gemeinden nach Alternativen zur Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden befragt werden. Die Auswertung der Freitexte zeigt: (a) Die Gemeinden wünschen sich trotz Autonomieansprüchen mehr und klarere Vorgaben sowie eine stärkere Steuerung durch Kanton oder Bund (ein impliziter Widerspruch?), (b) eine wahrgenommene Ressourcenproblematik und Unterschiede in Gemeindegrössen, Reifegrad und Aufgaben, die die Transformation bzw. eine Zusammenarbeit erheblich erschweren, und (c) den Wunsch nach besseren Austauschformaten und einer koordinierten Zusammenarbeit. Als wichtigste Erfolgsfaktoren kristallisieren sich heraus: (a) identische Problemstellungen, (b) genügende Ressourcen und (c) persönliche Beziehungen sowie eine offene Kultur der Leitung. Die obigen Ausführungen belegen: Die meisten Aspekte können von den Gemeinden, den Kantonen oder dem Bund selbst gesteuert werden. Die Ressourcenproblematik ist demnach eher Folge als Ursache. Die digitale Transformation ist nur ein Hilfsmittel zur besseren oder effizienteren Aufgabenbewältigung. Eine verbesserte Zusammenarbeit oder die Vereinheitlichung von Systemen dürfte die Autonomie der Gemeinden daher kaum gefährden, sondern müsste deren Ressourcenlage mittel- bis langfristig verbessern. Diese Befunde bieten eine strategische Chance, signalisieren jedoch dringenden Handlungsbedarf. Der Schweizerische Gemeindeverband und Myni Gmeind setzen mit dem Projekt GemeindeConnect genau hier an, um die Kooperation zu fördern. Die Abschlussfrage betraf den Informationsstand bezüglich e-ID. Knapp 70 Prozent der Gemeinden geben an, «dass kaum Informationen vorhanden oder noch viele Fragen offen sind». Lediglich 3 Prozent der Gemeinden geben an, dass für sie die Ziele wie der Zeitplan klar seien. Dies wirft die Frage auf, inwieweit die geplante Einführung der e-ID auf Gemeindeebene unter diesen Voraussetzungen realistisch ist. Joachim Tillessen

Cybersicherheit: viele Schweizer Gemeinden akut gefährdet

621 Gemeinden – knapp 30 Prozent aller Schweizer Kommunen – haben an der Gemeindeumfrage 2025 vom Verein «Myni Gmeind» und vom Schweizerischen Gemeindeverband (SGV) teilgenommen. Das entspricht einer erfreulichen Zunahme von 3,3 Prozentpunkten gegenüber 2024. Im Zentrum der diesjährigen Erhebung standen die aktuelle Sicherheitslage und der Bedarf nach externer Unterstützung im Bereich Daten- und Cybersicherheit. Die hohe Beteiligung liefert ein aussagekräftiges Bild der tatsächlichen Situation. Und dieses Bild ist in vielen Bereichen alarmierend. Schon die Übersicht über die eigenen IT-Systeme – das sogenannte Inventar – fehlt in vielen Gemeinden. Ohne Inventar ist aber nicht klar, welche Systeme existieren, wo sie liegen, wie sie genutzt werden – und wie sie geschützt werden sollten (siehe Abb. 1). Auch bei den Sicherheitsvorgaben zeigt sich ein durchzogenes Bild: Rund 40 Prozent der Gemeinden verfügen über keine oder nur unklare Vorgaben zur Cybersicherheit. Und wo es Vorgaben gibt, ist unklar, inwieweit sie auch strategisch auf die effektiven Bedürfnisse der Gemeinde ausgerichtet sind oder bloss allgemeine Minimalstandards abdecken (siehe Abb. 2). Insgesamt dürften die Vorgaben zur Cybersicherheit keine genügende Basis darstellen. Noch kritischer ist die Lage bei den Notfallplänen. Zwar verfügen etwas mehr als die Hälfte der Gemeinden über standardisierte oder optimierte Lösungen (siehe Abb. 3). Doch gerade für systemrelevante Infrastrukturen – wie die Versorgung mit Wasser, Strom oder Verwaltungsleistungen – braucht es belastbare und getestete Pläne, die auch im Krisenfall funktionieren. Viele Gemeinden wären vermutlich nur bedingt in der Lage, auf schwerwiegende technische Probleme und Cyberangriffe adäquat zu reagieren. Beim Risikomanagement ist die Lage ähnlich: Nur knapp die Hälfte der Gemeinden arbeitet mit standardisierten oder optimierten Verfahren (siehe Abb. 4). Doch wer Risiken nicht systematisch analysiert, kann auch keine präventiven Massnahmen treffen. Diese Fähigkeit dürfte bei den vorhandenen Lösungen nicht immer gegeben sein. Ein weiterer Schwachpunkt: die Schulungen. In der Deutsch- und Westschweiz verfügen rund 50 Prozent der Gemeinden über ein entsprechendes Schulungsangebot, im Tessin sind es gerade mal 21 Prozent – bei allerdings kleiner Fallzahl. Damit fehlt vielen Mitarbeitenden das nötige Wissen und Verständnis, um sicherheitsbewusst zu handeln (siehe Abb. 5). Neben der Inventarfrage muss insbesondere die Situation in Bezug auf die Schulungen als ungenügend beurteilt werden. Entsprechend hoch ist der ungedeckte externe Unterstützungsbedarf: 46 Prozent der befragten Gemeinden wünschen sich «eher grosse» oder «grosse» Unterstützung durch externe Fachpersonen. Am meisten Bedarf wird bei den Themen Risikomanagement (59,5%), Cybersicherheitsvorgaben (59,0%), Schulung (58,8%) und Notfallpläne (58,1%) gesehen. Damit stehen die gleichen Themen im Fokus wie bei der Beurteilung der Ist-Situation. Es ist positiv zu bewerten, dass der Unterstützungsbedarf durch externe Sicherheitsexpertinnen anerkannt wird. Weil Gemeinden nicht immer über eigene Spezialisten im Bereich Daten- und Cybersicherheit verfügen, stellt sich jedoch auch bei den bestehenden Zusammenarbeitsvereinbarungen die Frage, inwieweit diese sicherheitsadäquat ausgestaltet sind. Im besten Fall sind die Gemeinden dennoch einigermassen gut geschützt: Die Systeme wurden weitgehend verschont, grössere Angriffe blieben offensichtlich aus. Im schlechteren Fall war bisher einfach etwas Glück im Spiel, und wir sitzen auf einem digitalen Pulverfass. Die Verantwortlichen sind sich dessen aber möglicherweise nicht immer bewusst, weil sie entweder nicht über die nötigen Informationen oder über genügend Kompetenzen verfügen. Sonst wäre kaum zu erklären, weshalb viele Gemeinden wichtige Aspekte der Cybersicherheit nicht (ganz) im Griff haben oder Schwachstellen bisher nicht schliessen konnten. Angesichts der gesellschaftlichen Relevanz des Themas und der spezifischen Rahmenbedingung im Milizsystem stellt sich die Frage, inwieweit technische und gesetzlich vorgeschriebene Standards helfen könnten, flächendeckend mehr Sicherheit zu gewährleisten. Joachim Tillessen

Digitale Transformation: Das grösste Hindernis sind die Ressourcen

Zuerst das Positive. Seit Beginn der Gemeindeumfragen des Vereins Myni Gmeind und des Schweizerischen Gemeindeverbands im Jahr 2021 zeigen die erhobenen Werte zur Entwicklung der Digitalisierung nur in eine Richtung: nach oben. So ist der Anteil der Gemeinden, die sich (eher) als Vorreiter sehen, im Vergleich zu 2023 von 32 auf 41 Prozent gestiegen. Und auch bei den wesentlichen Gründen für eine digitale Transformation sind zum Teil deutliche Zuwächse zu verzeichnen. So wird «Bessere Dienstleistungen für die Bürgerinnen und Bürger» als Ziel für die digitale Transformation von 82 Prozent der Gemeindevertreter angegeben (2023: 70 Prozent). Und auch die «Förderung einer innovativen Kultur» wird von fast der Hälfte der Befragten als wesentlicher Grund für die Digitalisierung genannt (2024: 47 Prozent, 2023: 43 Prozent). Differenzierter fällt die Bilanz hinsichtlich der Erfolgsfaktoren für eine digitale Transformation und deren Erfüllungsgrad aus. Die aktuelle Befragung bestätigt eindrücklich, dass nicht die digitalen Kompetenzen oder das Hard- und Software-Know-how entscheidend sind, sondern die Einstellung und zunehmend auch die Ressourcenfrage (siehe Abbildung 1). Die wichtigsten Erfolgsfaktoren sind politischer Wille (durchschnittlicher Rang 3,8) sowie die persönlichen Ressourcen und die finanziellen Mittel (jeweils Rang 4,0). Diese Erfolgsfaktoren werden unterschiedlich gut erfüllt. Die Kreuzmessung zeigt, dass der Erfolgsfaktor «Klarer politischer Wille für die Digitalisierung» (A4) mit 61 Prozent Zustimmung (eher entwickelt/stark entwickelt) recht gut erfüllt wird. Der Erfüllungsgrad der personellen und finanziellen Ressourcen fällt hingegen weniger gut aus. Während die finanziellen Ressourcen mit einem Erfüllungsgrad von 42 Prozent relativ gut abschneiden, muss die Situation bei den personellen Ressourcen als besorgniserregend eingestuft werden. Nur etwas mehr als jede vierte Gemeinde bewertet die personelle Situation als «eher stark oder sehr stark» entwickelt. Dieser Befund wird durch unsere diesjährige Fokusbefragung zur Ressourcenlage bestätigt. Zwei Drittel der Befragten bewerten die Ausgestaltung ihrer personellen Ressourcen als eher ungenügend oder ungenügend (siehe Abbildung 2; leicht andere Fragestellung als oben). Und: nur etwa jede zehnte Gemeinde geht davon aus, dass sich diese Situation in den nächsten ein bis zwei Jahren tatsächlich verbessern wird. Zwar meint mehr als jede zweite Gemeinde, dass sich die Situation «eher verbessert», gleichzeitig erwarten jedoch 35 Prozent der Kommunen eine Verschlechterung. Diese Einschätzungen müssen alarmieren. Und es stellt sich die Frage, woher die notwendigen, aber nicht vorhandenen Ressourcen kommen könnten. In dieser Frage scheint sich die Community nicht ganz einig zu sein. Zwei von fünf Gemeinden wollen zumindest vorübergehend die Ressourcen erhöhen, zum Beispiel über Stellenprozente. Inwieweit diese Variante angesichts des Fachkräftemangels und der Mehrkosten realistisch ist, wird sich zeigen. Knapp ein Viertel der Gemeinden könnte sich ein temporäres Outsourcing vorstellen. Auch dies wäre mit Mehrkosten verbunden, welche die Budgets zusätzlich belasten würden. Für ein Drittel der Verwaltungen ist auch eine zeitliche Verschiebung oder eine vorübergehende Reduktion der Leistungen denkbar. Fraglich ist dabei, ob diese Leistungen zu einem späteren Zeitpunkt erbracht werden müssten oder dauerhaft eingespart werden könnten. Das öffentliche Gemeinwesen muss weiterhin effektiver und effizienter werden. Da insbesondere die Personalkosten in der Schweiz hoch sind, brauchen wir die digitale Transformation, um Prozesse zu automatisieren und damit die Effizienz zu steigern. Aber nicht nur deshalb. Auch die Bürgerinnen und Bürger erwarten zusehends noch zeitgemässere Dienstleistungen. Nur mit modernen Arbeitsplätzen können sich die Gemeinden als attraktive Arbeitgeberinnen positionieren und sich so die dringend benötigten Fachkräfte sichern. Joachim Tillessen

Digitale Transformation: Nun gehts um die Ressourcen

Die digitale Transformation gehört neben den Themen Infrastruktur, Finanzen, IT-Sicherheit und Energie zu den fünf Topthemen der Gemeinden. Erfreulicherweise scheint in den letzten Monaten eine positive Meinungsbildung zur Digitalisierung beziehungsweise zur digitalen Transformation stattgefunden zu haben, insbesondere auf der Führungsebene der Gemeindeverwaltungen. Dennoch sehen sich die Gemeinden bei der Umsetzung nach wie vor selbstkritisch. Nur ein Drittel sieht sich eher als Vorreiter, zwei Drittel sehen sich eher als Nachzügler. Von den Gemeinden, die sich (eher) als Vorreiter einschätzen, haben fast 60% eine Stelle (Person/Gremium) für die ressortübergreifende Koordination benannt. Jede dritte dieser Gemeinden hat bereits eine übergreifende Digitalisierungsstrategie definiert. Bei den Gemeinden, die sich eher als Nachzügler einschätzen, ist dies nur in 14% der Fall. Die diesjährige Umfrage zeichnet sich wiederum durch eine hohe Rücklaufquote von 34% aus (736 Beteiligungen von 2179 Gemeinden). Die Ergebnisse können somit als repräsentativ bezeichnet werden. Der statistische Fehler liegt bei ± 2,95% (siehe Forschungsdesign im Kasten). Wie bereits in den ersten beiden Befragungen 2021 und 2022 bewerten die Gemeinden die digitale Transformation mit rund 75% eindeutig als Chance (max. 100%) und nicht als Gefahr. Dieser gute Wert liegt allerdings etwas niedriger als in den Vorjahren, was möglicherweise darauf zurückzuführen ist, dass Themen der Datensicherheit bzw. des Datenschutzes die «Euphorie» etwas gedämpft haben. Die zentralen Beweggründe (Nutzen) der digitalen Transformation sind identisch mit den Vorjahren (siehe Abb. 1). Obwohl die digitale Transformation ein komplexer Prozess ist, scheint die Ausrichtung auf übergeordnete Ebenen (insbesondere Bund) sowie die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden wenig ausgeprägt. Es ist jedoch eine gute Bereitschaft zu erkennen, die Anforderungen der Kantone oder des Bundes zu erfüllen. So dürften vor allem Gemeinden mit beschränkten Ressourcen zur Zusammenarbeit bereit sein, wenn übergeordnete Initiativen mit konkreten Lösungsvorschlägen vorliegen. An der Umfrage haben vor allem Gemeinde- und Stadtschreiberinnen und -schreiber teilgenommen (66%), gefolgt von Vertreterinnen und Vertretern der Gemeinde- und Stadtpräsidien (13%). Dementsprechend fokussieren die wichtigsten Massnahmen auf die Digitalisierung der Verwaltungsprozesse, die IT-Sicherheit, digitale Dienstleistungen für die Einwohnerinnen und Einwohner sowie die Wirtschaft, die Weiterbildung der Mitarbeitenden, den Kulturwandel und die Organisationsentwicklung (siehe Abb. 2). Damit werden neben der Prozessebene auch die Struktur- und die Kulturebene adressiert. Werden die Gemeinden aufgefordert, Erfolgsfaktoren für die Digitalisierung in eine Reihenfolge zu bringen, so wird mit Abstand an erster Stelle der «klare politische Wille» genannt (wie 2022), gefolgt von – auf gleicher Ebene – einer «offenen Kultur der Verwaltung und ihrer Mitarbeitenden» sowie finanziellen und personellen Ressourcen (ähnlich wie 2022, siehe Abb. 3). Entscheidend sind also Haltung und Einstellung sowie die Ressourcenlage. Nicht aber technische Voraussetzungen oder Kompetenzen. Erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass die Unterstützung durch die Verwaltungsleitung mit 64% Erfüllungsgrad am höchsten bewertet wird. Etwas weniger gut erfüllt sind die Aspekte der Cybersicherheit sowie die Aspekte einer notwendigen offenen Kultur und eines klaren politischen Willens zur Digitalisierung. Das Vorhandensein ausreichender finanzieller und personeller Ressourcen wird deutlich geringer eingeschätzt. Es stellt sich die Frage, inwieweit die weichen Erfolgsfaktoren (offene Kultur und klarer politischer Wille sowie Unterstützung durch Verwaltungsspitze = Haltung) die harten Faktoren (ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen) kompensieren können. Seit Anfang 2022 gelten in der Schweiz neue Regeln für Grossunternehmen zum besseren Schutz von Mensch und Umwelt. Damit verbunden ist eine Publikationspflicht, in der – verbunden mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2050 – auch der Umgang mit CO 2 -Emissionen thematisiert wird. Diese aktuelle Entwicklung war für Myni Gmeind und den Gemeindeverband eine Sonderfrage wert. Auf die Frage: Hat Ihre Gemeinde ein Klimaschutzziel formuliert?, antworteten im Durchschnitt rund 75% negativ (siehe Abb. 4). Nur eine von fünf Gemeinden hat zum Beispiel in Bezug auf die CO 2 -Netto-null-Zielsetzung ein Konzept verabschiedet (6%) oder ein solches zumindest in Planung (13%). Die Gemeinden liegen diesbezüglich also hinter der Privatwirtschaft zurück. Affaire à suivre. Die Gemeindebefragungen liefern wertvolle Hinweise für die Ausgestaltung von Unterstützungsangeboten. So entspricht zum Beispiel das Weiterbildungsangebot «Digital-Pionier» für Gemeinden offensichtlich den Bedürfnissen der Gemeinden. Der zweitägige Kurs wurde seit seiner Lancierung im Jahr 2022 mehrfach erfolgreich durchgeführt und findet das nächste Mal am 25. und 26. Oktober 2023 in Bern statt ( www.digitalpionier.ch ). Nachdem die Notwendigkeit einer digitalen Transformation und damit einer effektiveren und effizienteren Gestaltung von Verwaltungsprozessen breit anerkannt ist, stellen sich nun weitere Fragen: Wie kommen Gemeinden zu den dafür notwendigen personellen Ressourcen und finanziellen Mitteln? Welche Aufgaben erfüllen sie als Kernprozesse selbst und welche mit Partnern? Und wie ist eine Fokussierung und Etappierung möglich, damit die Ressourcen ausreichen? Die digitale Transformation bleibt ein Brennpunktthema in der aktuellen Gemeindeentwicklung. Wir danken allen Gemeinden für die Teilnahme an dieser Befragung und den Expertinnen und Experten aus dem Gemeindeumfeld für ihre Unterstützung (siehe Kasten). Wir sind gespannt, wie sich die digitale Transformation weiter entwickeln wird und wie die damit verbundenen Ressourcen- und Kooperationsfragen gelöst werden. Joachim Tillessen

Digitalisierung: Gemeinden sind motiviert, aber selbstkritisch

Wie bei der ersten Durchführung vor einem Jahr beurteilen die Schweizer Gemeinden die digitale Transformation in der grossen Gemeindebefragung durchaus positiv: Fast sämtliche Befragten (97 Prozent) berichten, dass ihre Gemeinde mit dem Thema Digitalisierung mehr Chancen als Risiken verbindet und ebenso viele (98 Prozent) haben in ihrer Gemeinde innerhalb der letzten zwölf Monate konkrete Digitalisierungsprojekte realisiert oder zumindest initiiert. Die wichtigsten Beweggründe für Aktivitäten sind die Steigerung der Effizienz, die Verbesserung des Kundennutzens und die Stärkung des Kontakts mit der Bevölkerung. An das Potenzial für «die Senkung der Kosten» (22 Prozent) und die «stärkere Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden» (23 Prozent) dank dem technologischen Wandel glauben offenbar weniger Gemeinden. Die Attraktivität als Arbeitgeberin hat im Vergleich zum Vorjahr als Motivation stark an Bedeutung gewonnen (von 34 Prozent auf 49 Prozent) – möglicherweise eine Konsequenz des Homeoffice während der Covid-19-Krise und ein Abbild des stark umkämpften Arbeitsmarktes wegen des Fachkräftemangels (siehe Abbildung 1). An der Umfrage teilgenommen haben vor allem Gemeindeschreiberinnen oder Stadtschreiber (62 Prozent), gefolgt von Vertreterinnen und Vertretern aus den Gemeinde- und Stadtpräsidien (13 Prozent). Entsprechend werden die Einsatzmöglichkeiten vor allem bei der Modernisierung ihrer Behördenleistungen, der Kommunikation mit Bevölkerung und Wirtschaft und digitalen Dienstleistungen wie dem Online-Schalter verortet. Weniger wichtig scheint den Kommunen die Digitalisierung in Infrastrukturbereichen wie Werkhof, Mobilität und Immobilienmanagement (siehe Abbildung 2). Werden die Gemeinden aufgefordert, Erfolgsfaktoren für die Digitalisierung in eine Reihenfolge zu bringen, wird an erster Stelle der «politische Wille» (wichtigster Erfolgsfaktor) genannt, gefolgt von «genügenden personellen Ressourcen» und einer «offenen Kultur» als drittwichtigstem Faktor (siehe Abbildung 3). Hervorragende Voraussetzung für rasche Fortschritte, könnte man meinen. Mitnichten! Denn die Gemeinden schätzen den eigenen Entwicklungsstand pessimistisch ein: 58 Prozent sehen sich als Nachzügler in der Digitalisierung. Nur 2 Prozent bezeichnen sich selbst als Vorreiter. Und sie geben sich schlechte Noten, was den Stand in ihrer eigenen Gemeinde betrifft: Nur in zwei von dreizehn Kategorien bewerten sie sich als genügend. Sorgen bereiten den Verantwortlichen vor allem die Ressourcen: Es mangelt aus Sicht der Gemeinden vor allem an Personal, finanziellen Mitteln und den Kompetenzen, um die digitale Transformation meistern zu können. Die Defizite durch Kooperation wettzumachen, steht jedoch nur für eine Minderheit im Fokus: Mit 29 Prozent ist der Anteil jener Gemeinden, die mit anderen Kommunen zusammenarbeiten (wollen), weiterhin sehr tief. Jene Gemeinden, die eine verantwortliche Stelle oder Person für die Digitalisierung bestimmt oder eine Digitalstrategie definiert haben, gehören deutlich häufiger zu den Vorreitern. Die Gemeindebefragung liefert dem Verein Myni Gmeind und dem Schweizerischen Gemeindeverband wertvolle Hinweise für die Ausgestaltung ihrer Unterstützungsangebote. So trifft das neue Weiterbildungsangebot für Gemeinden, der im Herbst 2022 zum zweiten Mal stattfindende Grundkurs Digital-Pionier, offensichtlich den Nerv der Zeit ( www.digitalpionier.ch ). Viele Gemeinden kämpfen auch mit mangelnden finanziellen und personellen Mitteln. Daher müssen sich Gemeinden schwierigen Fragen stellen: Welche Aufgaben sollen sie als Kernprozesse selbstständig erfüllen, welche mit Partnern? Ist eine Fokussierung möglich, damit ihre Ressourcenlage ausreicht? Die digitale Transformation bleibt ein Brennpunkt der aktuellen Gemeindeentwicklung. Wir danken allen Gemeinden für die Teilnahme und Experten aus dem Gemeindeumfeld für ihre Unterstützung (siehe Kasten). Schon heute sind wir gespannt auf die Resultate der Befragung 2023! Joachim Tillessen, Mario Bazzani

Digitalisierung: Gemeinden hätten gerne mehr davon

Drei von fünf Befragten sind der Ansicht, dass ihre Gemeinde den aktuellen Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung hinterherhinkt: Diese Einschätzung ist insbesondere deshalb ernst zu nehmen, weil ein überwiegender Teil der Befragten in der Digitalisierung eher Chancen als Gefahren sieht. Doch in Sachen Digitalisierungsfortschritt erreicht die eigene Gemeinde im Durchschnitt nur gerade die Note 3,8 auf einer Skala von 1 bis 6. Lediglich einer von fünf Befragten vergibt die Note 5 oder gar eine 6. Nur gerade ein Prozent der Teilnehmenden schätzt denn auch die eigene Gemeinde als «Vorreiterin» ein, während drei von fünf Personen die eigene Gemeinde eher als «Nachzüglerin» bezeichnen. Insgesamt meinen die Befragten, dass die eigene Gemeinde etwa in der Mitte auf dem Weg zur vollständigen Digitalisierung steht. Das kommt auch in der Note 3,8 für den Digitalisierungsfortschritt zum Ausdruck. Als wichtigstes Ziel nennen die Gemeinden die Effizienzsteigerung (knapp 80 % aller Nennungen). Drei von fünf Gemeinden wollen die Schnittstelle zum Bürger stärken (Wirkungsziel), während knapp die Hälfte als wichtigen Treiber die Anforderungen von Partnern (Bund und Kanton) angeben. Insgesamt interessant bei diesem Fragekomplex: Obwohl die Effizienzsteigerung im Vordergrund steht, meinen nur 21 Prozent, dass mit der Digitalisierung auch die Kosten gesenkt werden können. Ob dies Ausdruck einer eher geringen Kostensensibilität oder der Sorge wegen Mehrkosten durch die Digitalisierung ist, bleibt offen. 175 Teilnehmende oder 38 Prozent geben an, dass in ihrer Gemeinde eine Person die Digitalisierung bereichsübergreifend koordiniert. Dieser Anteil stimmt recht genau mit denjenigen Gemeinden überein, die sich «eher als Vorreiterin» einschätzen. Obwohl diese Koordinationsstelle in zwei von fünf Fällen eingesetzt wird, leitet nur etwa eine von sechs Gemeinden ihre Digitalisierungsprojekte auch von einer übergeordneten Strategie ab. Und nur in etwas über zehn Prozent aller Fälle werden Digitalisierungsprojekte explizit budgetiert. Dies lässt darauf schliessen, dass die Strukturen weiter entwickelt sind als die Prozesse, was den Digitalisierungsfortschritt behindern dürfte. Nur knapp jede vierte Gemeinde plant, Digitalisierungsprojekte gemeinsam mit anderen Gemeinden anzugehen. Die übrigen 75 % bevorzugen den Alleingang, entweder mit externen Dienstleistern (40 %) oder ohne (36 %). Der Befund kommt nicht unerwartet, lässt aber dennoch aufhorchen. Denn: Kooperationen und Erfahrungsaustausch dürften den Digitalisierungsprozess erleichtern. Es bestünde also viel Potenzial für eine effizienzsteigernde Zusammenarbeit. Die folgenden vier Bereiche bilden mit grossem Abstand die bereichsbezogenen Schwerpunkte: · Einwohnerdienste und allg. Verwaltung (288 bzw. 273 Nennungen): E-Umzug, Digitalisierung interner Arbeitsabläufe und Onlineschalter/Onlinedienste · Bau + Planung (278): E-Bau (im Sinne der Abwicklung von Baugesuchen) sowie die Digitalisierung von Prozessen wie Onlineschalter, Digitalisierung von Plänen und die Projekt- und Geschäftskontrolle. · Finanzen (260) Bei den Digitalisierungsprojekten werden nachfolgende Prioritäten genannt: · Einführung zu Homeoffice (276 Nennungen) · Software- und Hardwareanschaffung (254 bzw. 235) · Videokonferenzen statt persönlicher Treffen (246) · Digitale Dokumente statt Papier (238) Unter den Erfolgsfaktoren wird die «Motivation der Mitarbeitenden» als am wichtigsten bewertet (durchschnittlich auf dem 4. Rang, siehe Abb. 2). Thematisch stimmig folgt eine «offene Kultur gegenüber Digitalem» (Rang 4,3). Mit etwas Abstand rangieren die «digital auszugestaltenden Arbeitsprozesse» (Rang 4,9) und die «Anpassung der Strukturen» (Rang 5). Abgeschlagen auf den letzten Rängen liegen «digitale Tools» (Rang 5,6) und die «Motivation sowie Befähigung der Einwohnerinnen und Einwohner zur Nutzung von digitalen Tools» (Rang 7 bzw. 7,7). Die tiefe Rangierung der Befähigung der Bevölkerung kann viele Gründe haben. Insgesamt bewegen sich die Akteure möglicherweise in einem gewissen Spannungsfeld: Einerseits beurteilen sie die Motivation und eine offene Kultur als die wichtigsten Erfolgsfaktoren und schätzen ihre eigene Einstellung zur Digitalisierung als positiv ein. Andererseits beurteilen sie den eigenen Digitalisierungsfortschritt skeptisch und halten verstärkte Zusammenarbeit unter den Gemeinden nicht unbedingt für nötig, obwohl Kooperationen und Erfahrungsaustausch in Digitalisierungsprojekten durchaus sinnvoll sind. Dies erlaubt die Frage, was im Prozess der Digitalisierung von Gemeinden insgesamt verbessert werden könnte. Gelegenheit zur Diskussion besteht am 29. Juni im Rahmen der Onlinekonferenz von «Myni Gmeind Live». Informationen: Die Umfrage im Auftrag des Vereins «Myni Gmeind» wurde vom 14. April bis 12. Mai 2021 bei den Schweizer Gemeinden durchgeführt. Die Studienverantwortung liegt bei der Transfer Plus AG, Markt- & Sozialforschung, Luzern. Die Stichprobe umfasst 462 Gemeinden, die Antworten stammen von Verwaltungsmitarbeitern und Gemeinderäten (je 1 Teilnahme pro Gemeinde). Joachim Tillessen

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