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Aktive Filter: Autor: Nadja Sutter Ausgabe: 1-2 l 2025 Alle Filter entfernen
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Aus- und Weiterbildungen für das Gemeindepersonal

Die Anforderungen an die Mitarbeitenden von Gemeinden steigen kontinuierlich, denn Sachverhalte und Prozesse werden komplexer. Um dies bewältigen zu können, sind Aus- und Weiterbildungen für das Gemeindepersonal unumgänglich. Claudia Kratochvil, Direktorin des Schweizerischen Gemeindeverbands, rät Gemeinden, in ihr Personal zu investieren: «Gemeinden positionieren sich so nicht nur als attraktive Lehrbetriebe und Arbeitgeberinnen, sondern profitieren auch von aktuellem Fachwissen.» Der Schweizerische Gemeindeverband engagiert sich in verschiedenen gesamtschweizerischen Trägerschaften von entsprechenden Abschlüssen und entwickelt das Angebot mit Partnern ständig weiter, sodass dieses auf die aktuellen Anforderungen des Arbeitsmarktes ausgerichtet ist. Ein Überblick: Der Verein HBB öV ist die schweizweit zuständige Trägerschaft der eidgenössischen Berufsprüfung «Fachfrau/Fachmann öffentliche Verwaltung». Er kümmert sich um das Prüfungswesen, jedoch nicht um die Ausbildung und die Kurse an sich, die von verschiedenen Bildungsinstitutionen angeboten werden. Der SGV ist Gründungsmitglied des Vereins und im Vorstand vertreten. Mehr Informationen: www.hbboev.ch oder im Artikel auf Seite 13. Der Trägerverein Rechtsfachleute HF ist zuständig für den Rahmenlehrplan Recht HF, der die Grundlage bildet für die Ausbildung «Rechtsfachleute HF». Diese richtet sich unter anderem an Gemeindeangestellte, aber auch an Berufsleute aus anderen Branchen, die sich ein breit gefächertes Basiswissen im Rechtsbereich aneignen möchten. Rechtsfachleute HF bearbeiten Aufgaben mit rechtlichem Bezug und einfachere Rechtsfälle auf der Grundlage eines fundierten theoretischen und in der Praxis abgestützten rechtlichen Basis- und Methodenwissens. Der SGV hat sich von Beginn an im Trägerverein engagiert und SGV-Direktorin Claudia Kratochvil präsidiert den Verein. Mehr Informationen: www.hf-recht.ch Das öffentliche Beschaffungswesen ist sehr komplex. Gerade für Gemeindepersonal, das sich nicht täglich mit Beschaffungen auseinandersetzt, ist das Thema anspruchsvoll. Die Interessengemeinschaft eidgenössische Abschlüsse öffentliche Beschaffung (IAöB) fördert die Fachkompetenzen im Beschaffungswesen durch eidgenössisch anerkannte Abschlüsse, wie zum Beispiel als Spezialist beziehungsweise Spezialistin öffentliche Beschaffung. Personen mit einem solchen Abschluss sind für öffentliche Körperschaften wie Bund, Kantone oder Gemeinden tätig oder beraten diese als externe Expertinnen oder Experten in Beschaffungsfragen. Der SGV ist Gründungsmitglied und im Vorstand vertreten. Mehr Informationen: www.iaoeb.ch «Mit ihrem Bildungsangebot positionieren sich Gemeinden nicht nur als attraktive Lehrbetriebe und Arbeitgeberinnen, sondern profitieren auch von aktuellem Fachwissen.» Claudia Kratochvil, Direktorin Schweizerischer Gemeindeverband Der Verein Arbeitssicherheit Schweiz bietet diverse Kurse, Schulungen und Workshops an, die ein umfassendes Grundwissen im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz vermitteln. Die Kurse richten sich zum Beispiel an Sicherheits- oder Gesundheitsbeauftragte von Unternehmen, aber auch öffentlichen Körperschaften. Der SGV ist im Vorstand des Vereins vertreten. Mehr Informationen: www.arbeitssicherheitschweiz.ch Gemeinsam mit dem Verein Myni Gmeind engagiert sich der SGV mit verschiedenen Dienstleistungen dafür, die digitale Transformation in den Gemeinden voranzutreiben. Der SGV ist mit Claudia Kratochvil als Vizepräsidentin im Vorstand des Vereins vertreten. Myni Gmeind organisiert verschiedene Kurse im Bereich der Digitalisierung für Gemeindepersonal und Behördenmitglieder. Der Grundkurs «Digital-Pionier» vermittelt in verschiedenen Kantonen Basiswissen im Bereich der Digitalisierung. Hinzu kommen Vertiefungskurse, etwa zu den Themen künstliche Intelligenz oder Gemeindekommunikation. In der gemeinsamen Webinarreihe «Erfa-Stammtisch» können sich die Teilnehmenden zudem sehr niederschwellig und praxisnah zu einem aktuellen Digitalisierungsthema austauschen. Mehr Informationen: www.mynigmeind.ch Diverse Fachhochschulen und Universitäten sowie private Bildungsanbieter, Fachverbände und Institutionen bieten heute Weiterbildungen an, die sich unter anderem an Gemeindepersonal richten. Eine Auswahl aktueller Kurse sowie Tagungen für die Gemeinden findet sich in der Onlineagenda des SGV: https://www.chgemeinden.ch/de/veranstaltungen Eine Übersicht über die verschiedenen Aus- und Weiterbildungsangebote finden Sie auf der Website des Schweizerischen Gemeindeverbands: chgemeinden.ch Nadja Sutter

«Die Weiterbildung hat mir erlaubt, mich breit zu vernetzen»

Lucas Rodriguez ist seit der ersten Stunde begeistert von der Arbeit auf der Gemeinde. Der heute 25-Jährige hat die KV-Lehre bei der Gemeinde Oberrieden (ZH) am Zürichsee absolviert und ist seinem Arbeitgeber seither treu geblieben – abgesehen von einem kurzen Abstecher zur Gemeinde Männedorf (ZH). «Mich fasziniert die Vielseitigkeit der Arbeit auf der Gemeinde. Es wird nie langweilig, denn man weiss nie, wer mit welchem Anliegen an den Schalter kommt», sagt Lucas Rodriguez. Als Sachbearbeiter Gesellschaft und Präsidiales arbeitet er auf der Einwohnerkontrolle sowie dem Bestattungsamt und ist zuständig für die Inhalte auf der Gemeindehomepage. Er mag es, mit Menschen zu arbeiten: «Beim Bestattungsamt holen wir Menschen in sehr schwierigen Momenten ab und helfen ihnen behutsam weiter.» Nach der Lehre reifte in Lucas Rodriguez der Wunsch, tiefer in die Materie einzutauchen und sich Hintergrundwissen anzueignen. Dabei stiess er auf die Weiterbildung zur Fachperson öffentliche Verwaltung mit eidgenössischem Fachausweis. Der Schweizerische Gemeindeverband hat diese Berufsprüfung mitentwickelt und sitzt im Vorstand der Schweizerischen Prüfungsorganisation Höhere Berufsbildung öffentliche Verwaltung. Dieser Verein bildet die gesamtschweizerische Trägerschaft der eidgenössischen Berufsprüfung «Fachfrau/Fachmann öffentliche Verwaltung». Er ist verantwortlich für die Durchführung der Berufsprüfung, bietet aber keine Ausbildung an – dies übernehmen verschiedene Anbieter in der ganzen Schweiz. Lucas Rodriguez absolvierte den Vorkurs sowie den Diplomlehrgang bei der KV Business School in Zürich, dies rund zwei Jahre lang. Jeweils am Freitagnachmittag besuchte er die verschiedenen Kurse. «Alle Dozierenden waren vom Fach, sie waren beispielsweise Gemeindeschreiber oder hatten Kaderfunktionen in ihrer Gemeinde inne.» Der Kontakt zu verschiedenen Personen mit grosser Erfahrung in ihrem Feld habe nicht nur ermöglicht, praxisbezogene Fragen zu klären, sondern auch, sich ein Netzwerk aufzubauen. Auch der Austausch mit den anderen Kursteilnehmenden – alle ebenfalls aus Gemeinden – sei sehr bereichernd gewesen. «Es war spannend, zu sehen, wie vielseitig die Gemeinden sind. Die Weiterbildung hat mir erlaubt, mich breit zu vernetzen.» Für Lucas Rodriguez war es die erste Weiterbildung nach der Schul- und Lehrzeit. «Das Selbststudium war anfangs schon eine Umgewöhnung», sagt er. Auch sei es herausfordernd gewesen, dass nicht alle Module en bloc unterrichtet wurden, sondern sich die Themen der Kurstage immer wieder abwechselten, und alle Prüfungen am Schluss stattfanden. Trotz Vollzeitanstellung fand Lucas Rodriguez genug Zeit fürs Lernen und die Umsetzung seiner Diplomarbeit. An dieser konnte er auch während der Arbeitszeit arbeiten. Er entwickelte nämlich einheitliche Checklisten für den Eintritt neuer Mitarbeitender und den Austritt scheidender Mitarbeitender der Gemeinde. «Das bedingte eine enge Abstimmung mit der Personalabteilung, wofür wir mehrere Sitzungen abhielten.» Denn Lucas Rodriguez arbeitet nicht in der Personalabteilung, musste sich also in die Abläufe erst einarbeiten und verstehen, was die Bedürfnisse der dortigen Mitarbeitenden sind. Die Arbeit sei sehr spannend gewesen, weil er Einblick in ein anderes Themenfeld erhalten habe und sich ganz neues Wissen habe aneignen können. Und nützlich war sie sowieso, denn die Liste wird nun in der Personalabteilung genutzt. «Der Diplomlehrgang war ein Erfolgserlebnis für mich und hat meine Erwartungen voll und ganz erfüllt.» Lucas Rodriguez, Sachbearbeiter Gemeinde Oberrieden (ZH) «Der Diplomlehrgang war ein Erfolgserlebnis für mich und hat meine Erwartungen voll und ganz erfüllt. Ich habe mir ein tieferes Hintergrundwissen über die Abläufe in der Gemeinde aneignen können», sagt Lucas Rodriguez. Davon sollen auch andere profitieren: Lucas Rodriguez ist Berufsbildner in seiner Gemeinde und freut sich, dass er das Wissen nun an die Lernenden weitergeben kann. Nicht zuletzt ist die Weiterbildung ein wichtiger Schritt in der Karriere von Lucas Rodriguez. Er will den Gemeinden auch weiterhin erhalten bleiben und später eine kommunale Führungsfunktion übernehmen. Sein Wunsch ist es, Gemeindeschreiber zu werden. Dafür ist eine weitere Ausbildung an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) nötig. Der junge Sachbearbeiter ist motiviert: «Gemeindeschreiber ist so eine spannende Funktion, man ist sehr nahe am Wandel der Gemeinde und am politischen Geschehen. Das finde ich sehr verlockend.» Nadja Sutter

Aesch fördert seine Führungskräfte

Im Schloss von Aesch (BL) herrscht gute Stimmung an diesem sonnigen Wintervormittag. Das stattliche Gebäude mit seinen hohen weissen Wänden beherbergt die Gemeindeverwaltung von Aesch, einer rasant wachsenden 11 000-Seelen-Gemeinde in der Agglomeration Basel. Gerade ist Mario Müller-Rottmann aus St. Gallen im Schloss zu Besuch und wird herzlich begrüsst: von Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher, Verwaltungsleiter Roman Cueni, und wenig später auch von Alessia Kirchhofer, der Teamleiterin Human Resources. Mario Müller-Rottmann hat mit den dreien und 22 weiteren Führungskräften der Gemeinde vor Kurzem eine Führungsausbildung durchgeführt. «Es war wirklich super, schön, dich noch einmal zu sehen», sagt Alessia Kirchhofer zu Mario Müller-Rottmann. Mario Müller-Rottmann ist heute hier, um gemeinsam mit Roman Cueni von der Führungsausbildung zu erzählen. Der Verwaltungsleiter von Aesch holt erst einmal aus: Als er vor rund fünf Jahren bei der Gemeinde zu arbeiten begann, erhielt er bald eine grosse Aufgabe. Der Gemeinderat hatte sich gerade gesamterneuert, und unter der neuen Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher sollte eine neue Strategie und Vision für die Gemeinde erarbeitet werden. «Wir überprüften und überarbeiteten in diesem Zuge auch die gesamte Organisation der Gemeindeverwaltung. Wir definierten Prozesse und organisierten die Ressorts ausgehend von diesen Prozessen neu», erklärt Roman Cueni, der vorher in der Privatwirtschaft gearbeitet hatte. Reorganisation, Transformation – für die Mitarbeitenden ist das nicht immer einfach. «Uns war es sehr wichtig, transparent zu informieren und das Personal miteinzubeziehen», sagt der Verwaltungsleiter. So gab es unter anderem eine grosse Umfrage zur Personalzufriedenheit. Im Zuge der neuen Strategie definierte die Gemeinde auch neue Führungsgrundsätze. «Wir entwickelten diese gemeinsam in Workshops», erklärt Roman Cueni. «Wir wollten nicht einfach von oben Grundsätze vorgeben, sondern alle Führungskräfte der Gemeinde sollten sich damit identifizieren können.» Zielorientierung und Verantwortung, Vorbild und Vertrauen, Teamarbeit und Erfolg, Fehlerkultur und Lernen: So lauten die gemeinsam definierten Führungsgrundsätze. Anschliessend startete die Führungsausbildung für sämtliche Angestellten der Gemeinde, die ein Team führten, insgesamt 25 Personen – von der Gemeindepräsidentin und dem Verwaltungsleiter bis hin zum Gruppenleiter Werkhof. Freiwillig war die Ausbildung nicht, was zu Beginn auch für Unmut sorgte, wie Roman Cueni sagt. «Der Gruppenleiter vom Werkhof gab zu bedenken, dass er gar keinen Arbeitsplatz mit Laptop habe, an dem er für die Ausbildung lernen könne.» Die Gemeinde richtete ihm dann einen entsprechenden Arbeitsplatz ein – und am Schluss war der besagte Gruppenleiter sogar der, der die Unterrichtsmaterialien am schnellsten durchgearbeitet hatte. Mario Müller-Rottmann, der mit seiner Firma Percoms AG solche und ähnliche Weiterbildungen anbietet, führte die Gemeinde durch den Kurs. Dieser ist hybrid aufgebaut, wie Müller-Rottmann erklärt: Einen Teil erledigten die Teilnehmenden online im Selbststudium; der andere Teil bestand aus gemeinsamen Workshops und Praxistrainings. «Dort übten die Teilnehmenden zum Beispiel mit Rollenspielen, schwierige Gespräche zu führen», führt er weiter aus. Ein weiterer Bestandteil des Kurses waren mehrere Coachingsitzungen mit einem externen Coach. «Das Coaching wurde sehr intensiv genutzt und war beliebt, weil die Teilnehmenden konkrete Situationen aus ihrem Berufsalltag mit einem externen Profi spiegeln konnten», sagt Roman Cueni. «Mit einer guten Führungskultur stärken wir die ganze Verwaltung.» Roman Cueni, Verwaltungsleiter Gemeinde Aesch (BL) Der Verwaltungsleiter und Mario Müller-Rottmann arbeiten auch weiterhin zusammen: Neue Führungskräfte, die ihre Arbeit in Aesch beginnen, können den Onlinekurs im Selbststudium ebenfalls absolvieren. Und jedes Jahr ist ein halbtägiger «Refresher-Kurs» geplant, an dem alle Führungskräfte zusammenkommen und ein Thema vertiefen. Roman Cueni ist überzeugt, dass sich die Investition in ihre Führungskräfte für die Gemeinde lohnt. «Mit einer guten Führungskultur stärken wir die ganze Verwaltung, sorgen für eine angenehme Arbeitsatmosphäre und wirken dem Fachkräftemangel entgegen.» Er glaubt, dass viele Gemeinden noch Potenzial bei der Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden haben. «Die öffentliche Verwaltung darf hier durchaus Instrumente aus der Privatwirtschaft anwenden. Diese können auch zum Erfolg einer Gemeinde beitragen.» Nadja Sutter

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