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Der Kanton Obwalden setzt auf E-Mobilität

Die Kehrichtentsorgung ist heute im Kanton Obwalden eine nahezu lautlose Angelegenheit: Keine lärmenden Dieselfahrzeuge, sondern leise Elektrolastwagen holen seit 2020 den Hausabfall ab. Damals ersetzten die beiden Elektrokehrichtwagen ihre dieselbetriebenen Vorgänger. Bei diesen Fahrzeugen handelt es sich um die ersten Elektrokehrichtsammellastwagen in der Zentralschweiz, die für die Kehrichtsammlung eingesetzt werden. Obwalden wurde zum ersten Schweizer Kanton, dessen Kehrichtsammlung komplett elektrisch abläuft. «An der Messe Suisse Public sah ich erstmals den Prototyp eines elektrisch betriebenen Kehrichtsammellastwagens», erinnert sich Sepp Amgarten, Geschäftsführer des Entsorgungszweckverbands Obwalden (EZV OW). Das Gefährt war damals jedoch rund dreimal teurer als das herkömmliche Pendant auf Dieselbasis. «Doch ich bezog nicht nur die Anschaffungs-, sondern auch die Unterhaltskosten und die Lebensdauer in die Rechnung ein.» Damit die Investition in die Elektrokehrichtsammelfahrzeuge nicht der Transporteur übernehmen musste, beschaffte der EZV OW diese und stellt sie zur Verfügung. Aufgrund der Investitionshöhe musste die Beschaffung öffentlich ausgeschrieben werden. Neben dem elektrischen Betrieb war ein weiteres Kriterium, dass ein Fahrzeug bereits im Einsatz sein musste, um die Funktionsfähigkeit zu garantieren. Aufgrund einer Einsprache musste die Ausschreibung wiederholt werden. In dieser wurde eine möglichst umweltfreundliche Kehrichtsammlung inklusive Sammelfahrzeugen gefordert. Die Firma Zimmermann Umweltlogistik AG in Alpnach Dorf (OW) erhielt den Zuschlag. Sie betreibt seither mit den zwei Elektrokehrichtsammelfahrzeugen die Kehrichtsammlung im ganzen Kanton Obwalden – sogar bis auf 2000 Meter über dem Meeresspiegel. «Anfangs war unser Fahrpersonal skeptisch», erinnert sich Amgarten. «Mittlerweile ist es begeistert und schwört auf den Elektrokehrichtlastwagen.» Das habe unter anderem damit zu tun, dass die naturstrombetriebenen Kehrichtwagen ruhiger fahren als ihre Cousins mit Dieselmotor. Rund eine Million Franken kostete schliesslich ein Fahrzeug inklusive des Umbaus von Diesel- auf Elektrobetrieb, denn verkaufsfertig gab es dieses Modell damals nicht. Beide Wagen sind täglich unterwegs und gewährleisten die Entsorgung zuverlässig. Amgarten nennt zahlreiche Vorteile: «Erstens ist der Elektromotor deutlich leiser als ein Diesel. Zweitens verläuft der Sammelprozess mit ihnen schneller, da sie im Gegensatz zu herkömmlichen Kehrichtwagen die Ladung während der Fahrt pressen können und dafür nicht anhalten müssen.» Zusätzlich senkt die Arbeit mit dem Elektrofahrzeug die Gesundheitsrisiken für die Belader, da diese nicht mehr den Abgasen ausgesetzt sind. Bei der Bevölkerung kommt die Umstellung gut an. Aktuell läuft zur Erhebung der Zufriedenheit eine Onlineumfrage. Im Kanton Obwalden gibt es weiterhin zwei Möglichkeiten, den Kehricht zu entsorgen: klassisch mit dem Gebührensack und der Kehrichtsammlung oder kostengünstiger mit einer Prepaidkarte und der Entsorgung bei einer der Kehrichtentsorgungsanlagen, die zentral in jeder Gemeinde stehen und im Bringsystem funktionieren. Besonders innovativ in Sachen Elektromobilität ist die Gemeinde Kerns (OW). Seit 2019 ist ein Hybrid-Aussendienstfahrzeug im Einsatz, Ende 2022 ergänzte ein reiner Elektrokombi die Flotte. «Elektroantrieb ist bei jeder Anschaffung unserer Kommunalfahrzeuge und Handmaschinen ein Thema», erzählt Lucas Goerre, Bereichsleiter Bau und Infrastruktur. Dazu kommen diverse Akkugeräte wie der elektrische Laubbläser, der bereits seit 2016 zur Ausrüstung des Werkhofs gehört. 2011 forderte der Gemeinderat, bei Neuanschaffungen besonders auf die Ökologie zu achten. Dies hatte zur Folge, dass sich seit 2021 neben dem Gemeindehaus ein E-Mobility-Standort inklusive zweier elektrischer Ladestationen befindet. Das Carsharing-Prinzip wird von Mitarbeitenden rege für Termine genutzt, die nicht in Gehdistanz erreichbar sind. «Der Gemeinderat plant, komplett auf Elektro beziehungsweise. erneuerbare Energien umzustellen. Sobald ein Gerät nicht mehr arbeitstüchtig ist, soll die Neuanschaffung möglichst elektrobetrieben sein», erklärt Werkdienstleiter Thomas Arnold. Aktuell befinden sich ein Handlaubbläser, eine Heckenschere und eine Stangensäge der Marke Pellenc im Besitz der Gemeinde. Inklusive eines für alle Geräte kompatiblen Akkus und des Rucksacks mit Bläser kostet ein Werkzeug rund 3000 Franken. Weitere Vorteile sind das kleinere Gewicht gegenüber Benzinern sowie die grössere Bewegungsfreiheit und damit bessere Ergonomie, die geringeren Emissionen und die reduzierte gesundheitliche Belastung für Mitarbeitende, aber auch die sofortige Ruhe, wenn man das Gerät ausschaltet: Benzingeräte brummen im Ruhemodus, während Elektrogeräte nach dem Abschalten sofort still sind. «Aus der Kernser Bevölkerung kommen positive Rückmeldungen. Vor allem im Ortskern und auf dem Friedhof werden die leisen Akkugeräte geschätzt», bestätigt Arnold. Als Nächstes auf der Liste der Neuanschaffungen stehen ein akkubetriebener Rasenmäher und ein vollelektrischer Einachsgeräteträger. Diese sollen noch 2023 den Bestand ergänzen. Beim Winterdienst setzt die Gemeinde aktuell allerdings noch auf Dieselmotoren. «Momentan generieren die Batterien zu wenig Leistung, als dass wir diese für Fahrzeuge für die Schneeräumung verwenden könnten. Aufgrund der Ladezeiten und der zu kurzen Betriebsstunden ist ein solches Gerät bei starkem Schneefall bei uns noch nicht praxistauglich», argumentiert Arnold. Wenn jedoch eine geeignete Maschine auf den Markt komme, sei die Gemeinde Kerns nicht abgeneigt. Rückblickend sind sich Goerre und Arnold einig: Es ist immer anspruchsvoll, auf eine neue Technologie zu wechseln. Vor allem zu Beginn der Energiekrise kamen Zweifel auf, ob sich die Gemeinde für den richtigen Weg entschieden habe und die Technologie tatsächlich verlässlich sei. Die ökologischen Vorteile überwiegen jedoch. «Die Lieferzeiten für E-Fahrzeuge und -Geräte sind lang und können sich monatelang verzögern», gibt Goerre zu bedenken. Anderen Gemeinden empfiehlt er, insbesondere bei Ausschreibungen ausreichend Zeit einzuplanen und die Fahrzeug- sowie Gerätekriterien klar zu definieren und festzulegen, dass der Elektroantrieb Pflicht ist. Anna Rosenthaler

Plastikrecycling: Druck der Gemeinden zeigt Wirkung

Grundsätzlich herrscht Einigkeit: Die Sammlung und das Recycling von Haushaltskunststoffen ist eine gute Sache. Doch im Detail gibt es immer wieder Probleme, wie die jüngsten Entwicklungen im Tessin zeigen. Dort hat das Bau- und Umweltdepartement des Kantons (DT) im November 2022 – etwas überraschend – entschieden, für alle Gemeinden die Pflicht zur Sammlung von Haushaltskunststoffen ab dem 1. Juni 2023 einzuführen. Bisher war die Sammlung fakultativ und dem Willen der einzelnen Gemeinden überlassen. Gemäss der Vorschrift des Kantons sollen in allen Gemeinden einzig zwei Plastikarten obligatorisch getrennt gesammelt und recycelt werden: Polypropylen (PP) und Polyethylen (PE). Die neue Vorschrift hat bei den Gemeinden für Verunsicherung gesorgt, insbesondere wegen der vorgesehenen Deadline. «Die Umsetzung auf Juni ist nicht machbar», sagt Felice Dafond, Gemeindepräsident von Minusio und Präsident der Vereinigung Tessiner Gemeinden (ACT) sowie Vorstandsmitglied des Schweizerischen Gemeindeverbands. Bereits im November 2022, unmittelbar nach dem Entscheid des zuständigen Departements, schrieb die ACT einen geharnischten Protestbrief an den Departementschef Claudio Zali. «Mit grossem Erstaunen und grosser Enttäuschung» habe man von der neuen Vorschrift Kenntnis genommen, denn in den Entscheid seien die Gemeinden nicht vorab einbezogen worden, also genau die Institutionen, welche die Vorschrift umsetzen müssten. Erinnert wird auch daran, dass die Gemeinden ihre Budgets für das Folgejahr bis Ende Oktober verabschieden müssen. Eine Vorschrift, die neue Kosten generiere, dürfe daher nicht so kurzfristig kommuniziert werden. Das von Dafond unterzeichnete Schreiben endet mit der Feststellung, dass die Änderungen nicht vor dem 1. Januar 2024 umgesetzt werden könnten. «Die Umsetzung der Sammelpflicht auf Juni ist nicht machbar.» Felice Dafond, Gemeindepräsident von Minusio und Präsident der Vereinigung Tessiner Gemeinden (ACT) Das war nicht die einzige negative Reaktion auf den Entscheid des Kantons. Das Observatorium für eine umweltfreundliche Abfallbewirtschaftung (Okkio) störte sich daran, dass der Kanton die separate Sammlung von Kunststoffen einzig auf die Typen PP und PE begrenzen will. Auf diese Weise können laut Okkio nur 15 bis 20 Prozent der Kunststoffe recycelt werden. In einer Petition wurde darauf verwiesen, dass rund 20 Gemeinden im Kanton auf den Sammelsack setzen, der schweizweit verbreitet ist und für alle Kunststoffarten gilt. Bei diesem System wird das Plastik in einem Zentrum in Vorarlberg (Österreich) getrennt und danach in der Schweiz recycelt. Einzig der nicht wiederverwertbare Teil (20 bis 30 Prozent) lande in Zementwerken oder Verbrennungsanlagen. Explizit erwähnt wird Bellinzona, das als eine der ersten Gemeinden im Kanton den Sammelsack eingeführt hat (siehe Kasten). Ebenfalls Kritik gab es am Entscheid des Kantons, die Kosten für die getrennte Plastiksammlung über eine Anhebung der Abfallgrundgebühren in den Gemeinden zu finanzieren. Dies widerspreche dem Verursacherprinzip, was bei der Bewirtschaftung von Abfällen leitend sein solle. Eine Anfrage von Grossrat Carlo Lepori (SP) und mehreren Mitunterzeichnern nahm diese Bedenken auf, doch der Kanton hat seine Position nicht geändert. Wie in der Antwort vom 15. März 2023 nachzulesen ist, geht der Kanton davon aus, dass der Sammelsack diverse Nachteile mit sich bringt. «Auf Grundlage einer Studie zeigt sich klar, dass die Wiederverwendung von zwei Plastiktypen (PE und PP) nicht nur möglich, sondern auch ökologisch und ökonomisch sinnvoll ist», heisst es. Der Kanton bestätigt folglich, dass er – im Gegensatz zum Sammelsack – eine kantonale Lösung finden will, wobei dies auch den Bau einer eigenen Wiederverwertungsanlage impliziert. Damit sollen insbesondere lange Camiontransporte von Plastikabfällen quer durchs Land verhindert werden. Immerhin im Hinblick auf die Frist zur Umsetzung des Obligatoriums für die Gemeinden zeigt der Kanton etwas Entgegenkommen. Im Antwortschreiben auf den erwähnten Protestbrief des Tessiner Gemeindeverbandes erklärt das Bau- und Umweltdepartement, «dass den Gemeinden eine gewisse Zeitspanne eingeräumt wird, falls sie den Termin vom 1. Juni 2023 nicht einhalten können». Gerhard Lob

Ein besonderes Modell für Forstmaschinen

Es brummt und knackt an diesem Vormittag im Wald am Nordhang des Schwybergs oberhalb von Plaffeien (FR). Eine Equipe des Forstbetriebs Schwyberg ist hier an der Arbeit. Sie hat im steilen Gelände einen mobilen Seilkran installiert. Zwei Arbeiter fällen Bäume und bereiten sie für den Transport vor. Ein weiterer Arbeiter steht oben am Hang. Per Funk dirigiert er den Laufwagen, der an einem Stahlseil hoch über dem Waldboden hängt, an die richtige Stelle, um einen Baumstamm daran fixieren zu können. Danach zieht der Laufwagen den Stamm den Hang hinunter zur Forststrasse. Hier übernimmt Stefan Raemy per Funk den Laufwagen. Er lässt den Stamm behutsam zu Boden, löst die Fixierung und schickt den Laufwagen wieder hinauf zu seinem Kollegen – alles per Knopfdruck. «Die Forstarbeit in unserem Gebiet ist ohne Seilbahn kaum möglich», sagt Peter Piller, Betriebsleiter des Forstbetriebs Schwyberg. In diesem Teil der Freiburger Voralpen ist das Gelände nicht nur steil, der Boden ist auch sehr nass, schwere Maschinen kommen nicht in den Wald. Deshalb werden die Arbeiten von den befestigten Forststrassen aus ausgeführt. Die Seilbahn zieht das Holz durch Schneisen zu den Strassen. Der Forstbetrieb Schwyberg bewirtschaftet die 728 Hektar Wald der beiden Gemeinden Plaffeien und Plasselb – zu 94 Prozent Schutzwald, wie Peter Piller erklärt. Der Wald schützt vor allem vor Murgängen und Überschwemmungen, indem er das Wasser zurückhält. «Die Schutzfunktion hat oberste Priorität», so Peter Piller. Weitere Funktionen umfassen die Holznutzung sowie die Förderung der Biodiversität – und der Wald ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Wegen der so wichtigen Schutzfunktion werden in den Wäldern von Plaffeien und Plasselb keine flächigen Schläge vorgenommen, wie man sie zum Teil im Mittelland sieht. «Wir achten darauf, dass immer Wald da ist, unsere Eingriffe gering sind und wir nicht mehr Bäume rausnehmen als nötig ist.» Auf diese Weise habe es Bäume jeden Alters im Wald, und wenn ein Sturm einmal ein paar grössere Bäume fälle, seien bereits jüngere da, die nachkommen. Damit die jungen Bäume wachsen können und dafür genug Licht und Platz haben, ist es nötig, Holz zu schlagen. So wie das momentan geschieht – Schutzwaldpflege eben. Um seine Aufgaben erfüllen zu können, ist der Forstbetrieb Schwyberg auf einen modernen Maschinenpark angewiesen. Doch der Forstbetrieb selbst besitzt nur ein Raupenfahrzeug mit Seilwinde, einen Teleskoplader und einige Geländewagen. Die richtig grossen Maschinen gehören den Mitarbeitenden, zum Beispiel Vorarbeiter Stefan Raemy. Der Forstbetrieb mietet die bis zu 600 000 Franken teuren Maschinen von den Mitarbeitenden und örtlichen Unternehmen. Stefan Raemy arbeitet seit der Gründung des Forstbetriebes Schwyberg 2008 für diesen, davor war er für den Forstbetrieb der Gemeinde Plaffeien tätig. Nach dem Sturm Lothar habe der Forstbetrieb in Plaffeien eine der Maschinen nicht mehr ersetzen wollen. «Mir war aber klar, dass wir eine Forstmaschine für unsere Arbeit brauchen. Also habe ich mich erkundigt, ob die Gemeinde die Maschine von mir mieten würde, wenn ich diese kaufe.» Dieses Modell hat funktioniert – und wird vom Forstbetrieb Schwyberg weitergeführt. «Der Forstbetrieb garantiert, dass die Maschinen im Betrieb eingesetzt werden können. So lohnt sich das für mich», sagt Stefan Raemy. Er kümmert sich auch um Unterhalt und Reparaturen, dies ist für den Forstbetrieb im Mietpreis inbegriffen. Peter Piller und Stefan Raemy betonen: Beide Seiten profitieren. «Dieses Modell funktioniert wahrscheinlich nicht überall, aber bei uns ist es so gewachsen und hat sich etabliert», sagt Peter Piller. Er ist überzeugt, dass dadurch auch das Team profitiert und die Effizienz steigt. «Die Mitarbeitenden haben grosses Interesse, dass der Forstbetrieb gute Zahlen schreibt, und akquirieren auch selbst Aufträge.» Neben der Waldpflege für die beiden Gemeinden übernimmt der Forstbetrieb auch Holzereiarbeiten für private Waldbesitzer, leistet Spezialeinsätze am Fels, pflegt einen grossen Teil der Wanderwege der Gemeinde Plaffeien, ist spezialisiert auf das forstliche Bauwesen, verkauft Rundholz, Holzbrunnentröge, Sitzbänke und Weiteres. «Durch diese Diversifizierung sind wir nicht nur vom Holzpreis abhängig, und es bringt Abwechslung in unsere tägliche Arbeit», sagt Peter Piller. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, ist nicht nur ein moderner Maschinenpark nötig. Der Forstbetrieb Schwyberg setzt auch auf Digitalisierung. Die Aufträge werden in einer App erfasst, ebenso die Arbeitszeit. «Wir brauchen kaum noch Papier», sagt Peter Piller. In der App sind Arbeitsaufträge mit Notfallkonzept enthalten. «Wir haben den schönsten Beruf, er ist aber auch gefährlich. Die Arbeitssicherheit hat deshalb oberste Priorität», betont der Betriebsleiter. «Jede Gefahr, die wir sehen, eliminieren wir. Wenn das nicht möglich ist, führen wir die Arbeit nicht aus.» Die zunehmende Automatisierung habe vieles erleichtert. In der Führerkabine einer Maschine sei man geschützt, wenn es zum Beispiel darum gehe, Baumstämme zu stapeln. Das zeigt Stefan Raemy an diesem Vormittag eindrücklich. Mit seinem Skidder mit Prozessorkopf verarbeitet er den Baum, der eben per Seilkran den Hang hinunterschwebte. Dieser wird entastet und in rund vier Meter lange Stücke geschnitten. Die verteilt Stefan Raemy auf verschiedene Stapel. Der grösste Teil des Holzes geht zu einer Sägerei, ein Teil wird zu Papier verarbeitet, und ein Teil gibt Energieholz – und Äste werden zu Haufen im Wald aufgeschichtet, wo kleine Säugetiere ein Zuhause finden. So wird auch die Biodiversität gefördert. Nadja Sutter

Der Friedhof ist in der Moderne angekommen

Der Friedhof Friedental in Luzern empfängt die Besuchenden mit mächtigen, klassizistischen Gebäuden am Eingang, gebaut anlässlich dessen Gründung im 19. Jahrhundert. Doch der Eindruck täuscht: Obwohl der Tradition verpflichtet, ist auf dem Friedhof die Moderne eingezogen. Das zeigt sich bei einem Rundgang mit Pascal Vincent, Leiter Friedhöfe der Stadt Luzern. Auf dem Friedhof Friedental finden sich die unterschiedlichsten Gräber. Von den Prunkgräbern bedeutender Familien aus dem 19. Jahrhundert bis zu einfachen Gemeinschaftsgräbern sind sie Ausdruck des jeweiligen Zeitgeistes, aber auch individueller Wünsche. Eines aber ist ihnen gemein: das viele Grün rund um die Gräber, Wiesen, Hecken, Sträucher und Bäume sowie Blumen auf und neben den Gräbern, entweder gepflanzt von Gärtnern oder mitgebracht von Angehörigen. «Ich glaube, die Menschen schätzen die Friedhöfe als multifunktionalen Raum, gerade weil sie Orte der Stille und der Stadtgeschichte sind.» Pascal Vincent, Leiter Friedhöfe, Stadt Luzern Die Friedhöfe sind denn auch Teil von Stadtgrün Luzern. «Als Mitglied von Grünstadt Schweiz sind wir der Nachhaltigkeit verpflichtet», sagt Pascal Vincent. Der Friedhof setzt deshalb seit einigen Jahren konsequent auf biologische Bepflanzung und auf Nützlinge statt auf chemische Schädlingsbekämpfung. Pascal Vincent zeigt auf einen Nistkasten an einer grossen Eiche: «Früher hat man die Mäuse auf dem Friedhof mit Gaspatronen bekämpft. Heute versuchen wir, Vögel anzuziehen, welche die Mäuse jagen.» Einige Meter weiter bleibt Pascal Vincent vor einem Grab stehen, vor dessen Grabstein sich ein grüner Pflanzenteppich ausbreitet. Das Laienauge macht Walderdbeeren aus. «Wir pflanzen als Grabschmuck einheimische und robuste Pflanzen aus biologischer Produktion.» Diese seien nicht nur länger haltbar, sie bedürften auch weniger Pflege und leisteten einen Beitrag zur Biodiversität. Zudem können die Gärtnerinnen und Gärtner jene Pflanzen auswählen, die auch den veränderten Klimabedingungen – Stichwort Trockenheit – standhalten. Der Nachteil: Sie blühen nicht immer so schön bunt, wie dies ausländischer Wechselflor tut, der alle paar Monate ersetzt werden muss. «Die meisten Menschen haben Verständnis für unseren Ansatz. Wir versuchen, offen zu kommunizieren und zu erklären, warum wir so vorgehen. Das kommt in der Regel gut an.» Gute Kommunikation und Vertrauen aufbauen – das ist für Pascal Vincent das A und O für die Arbeit auf dem Friedhof. Nebst dem Unterhalt des Friedhofs und der Gräber beinhaltet die Aufgabe des Friedhofs auch die Administration, die sich um die Anmeldung der Todesfälle und die Organisation von Beisetzungen kümmert. Wenn jemand stirbt, ist der Friedhof Friedental die zentrale Anlaufstelle in der Stadt Luzern. «Die Menschen befinden sich in einer emotional schwierigen Lage, wenn sie bei uns anrufen, um einen Todesfall anzumelden. Da ist es wichtig, dass sie sich aufgehoben fühlen und bei der Beerdigung alles reibungslos abläuft. » Die Anforderungen der Menschen an eine Bestattung haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Das klassische Begräbnis mit Grabstein oder die Urnenbeisetzung in einem Gemeinschaftsgrab sind zwar immer noch gefragt. Doch immer mehr Menschen sehnen sich nach einem naturnahen Begräbnis – gerade solche, die sich keiner Religionsgemeinschaft zugehörig fühlen. Aus diesen Gründen hat der Friedhof das Grabangebot auf die veränderten Bedürfnisse angepasst, zum Beispiel mit sogenannten Themengräbern. Pascal Vincent zeigt das Themengrab «Wald» auf dem Friedhof Staffeln, einem Quartierfriedhof am Waldrand. Urnen können dort individuell, also nicht in einem Gemeinschaftsgrab, beigesetzt werden. Der Ort der Beisetzung wird markiert mit einer einfachen Steinplatte mit einer Inschrifttafel. Darauf können die Angehörigen Blumen oder kleine Erinnerungsstücke platzieren. Die Erinnerungsorte verteilen sich auf einer sanft abfallenden Wiese, bestückt mit verschiedenen Bäumen. «Für viele Angehörige ist es wichtig, einen Ort zu haben, an dem sie der Verstorbenen gedenken können und wo sie einen persönlichen Ablageort haben.» Dieses Bedürfnis wird mit den Themengräbern erfüllt. Pascal Vincent betont, dass dieses an sich einfache Konzept auch auf kleineren Friedhöfen – wie der Friedhof Staffeln einer ist – gut umsetzbar sei. Der Aufwand für die Friedhofsgärtner sei überschaubar: Zwar müssen sie die Wiese um die Gräber herum mähen. Dafür entfällt eine aufwendige Pflege von Pflanzen wie auf einem traditionellen Grab. Zurück in seinem Büro beim Friedhof Friedental stellt Pascal Vincent – der ausgebildeter Landschaftsgärtner ist – seinen Computer an. Darauf öffnet er eine interaktive Karte des Friedhofs mit verschiedenen Grünschattierungen und vielen kleinen orangen Vierecken. «Wir verfügen über einen digitalen Plan, auf dem genau hinterlegt ist, was wo gepflanzt ist.» Auf den Friedhöfen sind sämtliche Gräber eingezeichnet, mit dem Vermerk, ob sie belegt oder frei sind. Das digitale Tool ermöglicht es den Gärtnerinnen und Gärtnern, bei Bepflanzungen gezielt vorzugehen. Sie können so auch genau ausrechnen, wie viel Prozent der Fläche beispielsweise naturnahe Wiesen sind. Andererseits ermöglicht das Tool auch einen Service für die Besuchenden des Friedhofs: die digitale Grabsuche. Wer ein Grab auf dem weitläufigen Friedhof Friedental oder auf einem anderen städtischen Friedhof sucht, gibt den Namen des Verstorbenen ein und erhält dann eine Karte, auf der markiert ist, wo sich das Grab befindet. «Wir beobachten, dass die digitale Suche hohe Zugriffszahlen hat. Wer sie nutzt, sucht oft mehr als ein Grab», sagt Pascal Vincent. Längst besuchen aber nicht nur trauernde Angehörige die Friedhöfe. Diese sind gerade während der Coronapandemie ein beliebtes Naherholungsgebiet geworden. Pascal Vincent freut das: «Wir finden es schön, wenn die Friedhöfe nicht nur als Stätten der Trauer gesehen werden, sondern als die schönen, grünen Oasen mit hoher Biodiversität, die sie sind.» Klar brauche es gewisse Regeln – Besuchende müssten die Ruhe respektieren. Das sei aber bisher kein Problem gewesen. «Ich glaube, die Menschen schätzen die Friedhöfe als multifunktionalen Raum, gerade weil sie Orte der Stille und der Stadtgeschichte sind.» Nadja Sutter

Energieschule Stans: Gemeinde und Schule spannen zusammen

Florian Ming, Mitglied der Schulleitung, war von Anfang an dabei. Er erinnert sich, dass die Gemeinde Stans (NW), die selbst das Label Energiestadt Gold trägt, die Schulen angeregt habe, die Auszeichnung Energieschule des Trägervereins Energiestadt zu erlangen. Sie ist ein Leistungsnachweis für Schulen, die das Thema Energie verfolgen und sich für eine nachhaltige Ressourcennutzung engagieren. Dem Gemeinderat war es ein Anliegen, dass sich die Schule ebenfalls in Energie- und Klimafragen engagiert und die Umsetzung von einem unabhängigen Gremium beurteilen lässt. Die Schule habe dies offen aufgenommen. Dankbar war sie auch, dass sie im Prozess von einer erfahrenen Fachperson unterstützt wurde, die bereits andere Energieschulen begleitete. Kinder und Jugendliche im Alter von 5 bis 16 Jahren wurden einbezogen und halfen, die Auszeichnung Energieschule zu erhalten. Doch schon vor dem Entscheid, Energieschule zu werden, wurde einiges in die Wege geleitet. So untersuchte die Gemeinde Stans zum Beispiel die Mobilität ihrer Mitarbeitenden. Dazu gehörten auch die Lehrkräfte. Erfreulich war, dass bereits viele ohne Auto zur Schule fahren und das Velo oder den öffentlichen Verkehr nutzen. Diese Erkenntnis gab Schub und war Motivation, noch weiter zu gehen und beispielsweise die Veloabstellplätze zu erweitern oder bei einer später anstehenden Renovation des Gebäudes an eine Garderobe, eventuell sogar an eine Dusche für die Velofahrenden zu denken. Überhaupt findet Florian Ming, dass der Prozess der Auszeichnung Energieschule zum richtigen Zeitpunkt kam und als Beschleuniger diente. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Stans war dabei optimal. «Es war ein Hand-in-Hand-Arbeiten, die Wege waren kurz», stellt er fest. Es wurden immer die offiziellen Wege eingehalten. Die Gemeinde ist beispielsweise Eigentümerin der Gebäude. Florian Ming erwähnt, dass die Abteilung Immobilien von Stans dank dem Energieschule-Prozess noch präsenter vor Ort war und bewertet dies als äusserst positiv. Wäre die Schule Stans ohne die Unterstützung der Gemeinde so weit gekommen? «Nein», meint Florian Ming. «Kleinere Aktionen hätten wir sicher durchführen können, vor allem im Bereich der Sensibilisierung. Aber grössere Projekte brauchen die Unterstützung der Verwaltung und der Politik.» Und diese war und ist vorhanden. So konnte die Schule die Erwartungen der Gemeinde erfüllen und diese in ihren Klimazielen unterstützen. Motiviert waren auch die Lehrkräfte. Darum entstanden viele Projekte wie Abfall trennen, die Einführung von Mehrweggeschirr, ein Paninibuch zur Biodiversität, ein Theaterstück zu Ressourcen, eine Spielwarenbörse und vieles mehr. Doch genau so wichtig ist die Grundhaltung, die nun im Unterricht und ausserhalb gelebt wird. Die Themen Energie, Klima und Biodiversität fliessen in alle Fächer ein. «Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde lief Hand in Hand, die Wege waren kurz.» Florian Ming, Mitglied der Schulleitung Stans Die Schülerinnen und Schüler waren von Anfang an im Energieschule-Gremium vertreten und somit einbezogen. Die Zusammenarbeit sei konstruktiv und die Schulkinder seien interessiert gewesen. Doch Ming bemerkt auch selbstkritisch: «Die Partizipation können wir noch verbessern. Daran arbeiten wir im Moment.» Die Grundhaltung der Schule war schon vor dem Prozess jene, dass Überzeugungen und Handlungen von innen her wachsen sollen. Und das braucht Zeit und Ausdauer. Wegen der Coronapandemie wurde die Digitalisierung sehr schnell und unkompliziert vorangetrieben. Konsequenterweise wurden in der Folge Kleindrucker aus dem Verkehr gezogen, und es konnte der Papierverbrauch reduziert werden. Gleichzeitig war es der Schule und der Gemeinde ein Anliegen, den Bereich Informatik nachhaltig zu gestalten. Die Krise wurde als Chance genutzt und die Effizienz im Bereich IT gesteigert. Es erfolgte eine Analyse zur Beleuchtung in den Gebäuden. Es stellten sich Fragen wie: Bis wann sollen welche Lampen brennen, wann können sie ausgeschaltet werden? Welche Anpassungen sind während der Ferienzeit möglich? Die Antworten darauf wurden unter Einbezug der Lehrpersonen und der Schülerinnen und Schüler gefunden und mit entsprechenden Massnahmen umgesetzt. Parallel wurde auch eine Sensibilisierung zum Lichterlöschen gestartet, und die Umstellung auf LED-Leuchten, wo diese noch nicht vorhanden waren, wurde begonnen und durch einen Umsetzungsplan bis 2024/2025 verpflichtend verankert. Die Aussenbeleuchtung wurde ebenfalls untersucht. Weil Sicherheitsanforderungen und gesetzliche Vorgaben berücksichtigt werden müssen, war der Spielraum kleiner. Doch konnten Lösungen gefunden werden, die den Bedürfnissen der Vereine und Privaten Rechnung tragen, die das Areal ausserhalb der Schulzeiten benutzen, und gleichzeitig Energie sparen. Wichtig ist es auch, den Energieverbrauch der Gebäude zu kennen und zu beobachten. Mit einer wöchentlichen Verbrauchs- und Sichtkontrolle werden Unregelmässigkeiten sofort erkannt und können behoben werden. Dies ist auch zielführend, da die Schulen Stans über ein Hallenschwimmbad verfügen, das naturgemäss energieintensiv ist. Doch Rundgänge bei WC- und Duschanlagen bringen viel, da so allfällige Lecks behoben und Energie und Wasser gespart werden können. Ins gleiche Kapitel geht auch die regelmässige Wartung der Lüftungsanlagen, um Energie zu sparen. Überhaupt kommt dem Hausdienst eine sehr wichtige Rolle zu. So hat der zuständige Hauswart des Schulzentrums Turmatt in Stans eine Schulhausführung für Lehrpersonen organisiert und Informationen zu Minergie, Energiegewinnung und Rückgewinnung von Wärme, Raumlüftung und Fotovoltaikanlage auf dem Schulhausdach weitergegeben. Dies gab wichtige Inputs für die anderen Schulhäuser, die in den kommenden Jahren saniert werden sollen, und hat Diskussionen zum Beispiel über den anzustrebenden Minergie-Standard angestossen. Also ein Erfolg? «Ja», meint Florian Ming. «Es greifen viele Zahnräder ineinander. Daten in Bezug auf die Gebäude und die Mobilität sind vorhanden. Sie geben die Legitimation, nun gezielt Massnahmen zu ergreifen und die Situation weiter zu verbessern.» Die Energieschule Stans bleibt dran. Informationen: www.energiestadt.ch Barbara Schwickert

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