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Im Notfall werden die Bewohner via Lautsprecher gewarnt

Lawinen gehören in Guttannen zum Winter wie kalte Nasenspitzen. Auch dass die Ortschaft am Grimselpass wegen starken Schneefalls tagelang nicht über die Strasse erreichbar ist, ist für die Bewohnerinnen und Bewohner fast so normal wie stundenlange Stromunterbrüche, weil trotz allen Vorsichtsmassnahmen die Leitungen gelegentlich beschädigt werden. Ist die Lage ausserordentlich, werden besonders gefährdete Häuser evakuiert, die Türen des Lawinenbunkers geöffnet oder die Betroffenen in den «Bären» umgesiedelt. Das Unwetter 2005 zeigte zudem, dass nicht nur in der kalten Jahreszeit Häuser von Naturgefahren bedroht werden. Damals, im August, büxte die Aare nach Murgängen aus und floss teilweise mitten durch das Dorf Guttannen. Auch etwas unterhalb, im Dorfteil Boden, richtete ein Murgang grosse Schäden an. Seither wird dieses Gefahrengebiet ständig überwacht. Vor allem, weil dort die Transitgasleitung Holland–Italien hindurchführt. Hinzu kommen die grossen Staumauern der Kraftwerke Oberhasli AG. Auch sie könnten in einer ausserordentlichen Lage das malerische Dorf bedrohen. Dementsprechend kennt die Gemeinde diverse Krisen- und Rettungsszenarien. Überwacht werden die Gefahrengebiete mit den neusten Techniken. Auch die Alarmierung erfolgt digital mittels SMS und Apps, die Internetseite von Guttannen kann zudem einen Newsticker aufschalten und laufend informieren. Trotzdem hält Gemeindeschreiberin Magdalena Gasser einen Lautsprecher in der Hand, zeigt auf die Sirenen sowie einen Anschlagkasten: «Der Lautsprecher liegt bei uns im Feuerwehrmagazin. Ihn haben wir zum Glück schon sehr lange nicht mehr gebraucht.» Er komme nur im äussersten Notfall zum Einsatz, wenn die Lage ausserordentlich bedrohlich sei. So könne die Bevölkerung gruppenweise und nicht einzeln informiert werden. Denn die Warnungen und Informationen via Radio, Internet und Telefon funktionieren nicht, wenn deren Netzwerke und der Strom ausfallen. In den Anschlagkästen, die in den Dorfteilen stehen, werden aktuelle Bulletins aufgehängt. Zu Beginn dieses Jahres verkündete der Gemeinderat etwa: «Das Institut für Schnee und Lawinenforschung (SLF) hat gestern Nachmittag die Warnstufe 4 für Lawinen ausgerufen. Somit gilt verbreitet ‹grosse Lawinengefahr›. Die Kantonsstrasse bleibt vorerst gesperrt. Die umliegenden Wege in Guttannen sind ebenfalls gesperrt. Wir bitten die Bevölkerung, sich nicht ausserhalb des Dorfes aufzuhalten. Vorerst werden keinen weiteren Massnahmen getroffen.» Eine weitere Massnahme wäre, gefährdete Bewohnerinnen und Bewohner telefonisch zu bitten, ihre Häuser zu verlassen. «Gerade bei älteren Menschen, die ausserhalb einer Siedlung daheim sind, gehen wir aber persönlich vorbei», sagt Magdalena Gasser. Viele hätten noch kein Smartphone, könnten nicht über Apps und SMS alarmiert werden. Zudem habe die Gemeinde, die von Bund und Kanton für die Warnung und Evakuation beauftragt ist, so die beste Übersicht über die Lage. Die direkte Mund-zu-Mund-Information vor Ort wirke beruhigend und die betroffenen Mitbürgerinnen und Mitbürger erhielten ganz unkompliziert auch praktische Hilfe beim Packen und Verlassen ihrer Wohnungen. Magdalena Gasser ist in Guttannen aufgewachsen und später mit ihrer eigenen Familie wieder zurückgekehrt. Sie kann sich nicht erinnern, in ihrer Kindheit einst evakuiert worden zu sein. «Es war einfach klar, dass wir nicht zum Dorf raus durften, wenn uns das die Erwachsenen verboten haben.» Aber was sagen Bewohner eigentlich zu dieser Art der Alarmierung und Information? Ist diese nicht gerade für Jüngere total verstaubt? «Eigentlich ist Guttannen, was die Technik angeht, relativ aufgeschlossen», sagt die Mutter einer erwachsenen Tochter. «Wir haben eine Whatsapp-Gruppe für Mitfahrgelegenheiten und sind sehr gut in den sozialen Medien vertreten.» Zudem gehörten Computer bereits seit Langem zum Schulmaterial, genau wie Bleistifte. Die Vorteile, in Guttannen zu leben, seien wesentlich grösser als die kurzfristigen Einschränkungen durch Naturgefahren, sagt die Mutter. Wie jede andere Schweizer Gemeinde hat auch Guttannen Sirenen, mit denen lautstark alarmiert werden kann. Aber testen könne man nur die Sirenen, eine Notfallsituation wie Hochwasser wegen eines Dammbruchs lasse sich nicht üben wie ein Feueralarm, gibt Magdalena Gasser zu bedenken und fragt: «Können Sie die verschiedenen Sirenentöne für allgemeinen Alarm oder Hochwasser oder Strahlenalarm unterscheiden? Da hoffen wir alle, dass die digitale Kommunikation über Radio und Internet funktioniert.» Oder dass die Gemeinde sonst schnell Lautsprecher zur Hand hat. Susanna Fricke-Michel

Wenn Angestellte für verschiedene Gemeinden arbeiten

Sumiswald übernimmt neu sämtliche Aufgaben der Verwaltung der benachbarten Gemeinde Affoltern im Emmental. Jüngst hat sich Lenk entschieden, eine private Treuhandfirma mit der Finanzverwaltung zu beauftragen. Die Gemeinde Meiringen war rund fünf Jahre mit der Bauverwaltung von Hasliberg beauftragt. Weil sie selbst unter dem Fachkräftemangel litt, wurden die entsprechenden Verträge gekündigt. Dieser personelle Engpass ist aber kein typisch bernisches Problem. Im Baselland erbringt die Gemeinde Arisdorf sämtliche Verwaltungstätigkeiten von Hersberg. Die Stadt St. Gallen übernimmt unter anderem einzelne Dienstleistungen in den Bereichen Zivilstandsamt, Steueramt, Feuerwehr und Informatik, wie Manfred Linke erklärt. Er ist der Stadtschreiber von St. Gallen und Präsident der Schweizerischen Konferenz der Stadt- und Gemeindeschreiberinnen und -schreiber. Dieser Verband hat sich noch nicht konkret mit dem Mangel an Fachkräften befasst; Manfred Linke weiss aber, dass auch die Ostschweiz dieses Problem hat. Bei kleineren Gemeinden seien oft «gemischtere» Pflichtenhefte von Mitarbeitenden anzutreffen. Das erschwere die Rekrutierung, weil dann jemand zum Beispiel auch Kenntnisse im Baurecht, Sozialwesen und Grundbuchwesen brauche. Die Übernahme von sämtlichen Aufgaben für andere Gemeinden löst aber laut Manfred Linke nicht alle Probleme: «Bei Kanzleien, zu deren Aufgaben zum Beispiel die Protokollierung der vertraulichen Exekutivsitzungen gehört, sehe ich das weniger als gangbaren Weg an. Da könnten sich Interessenkollisionen oder Datenschutzprobleme ergeben.» Auch Matthias Kunz, Präsident des Gemeindeschreiber- und Geschäftsführerverbands des Kantons Luzern, meldet: «Ein Mangel an Fachkräften ist in verschiedenen Branchen der Verwaltung, besonders bei Kaderstellen, ersichtlich. Der Mangel ist aber nicht überall ausgeprägt.» Besonders Stellen, die Verantwortung beinhalten würden, und Bereiche wie die Finanzen, die spezielle Kenntnisse erforderten, seien zunehmend schwierig zu besetzen. Da biete eine interkommunale Zusammenarbeit gute Chancen. «Eine vollamtliche Person wird aber nicht noch ein zusätzliches Pensum ausüben, und wer Teilzeit arbeitet, will in der Regel auch nicht noch ein zusätzliches Pensum übernehmen. Die Gemeinden müssen agil handeln», fordert Matthias Kunz. Wie in der Ostschweiz leiden auch in der Zentralschweiz ländliche Gemeinden mehr durch den Mangel an Fachkräften. Matthias Kunz führt das, wie Manfred Linke, auf das breite Fachwissen zurück, das eine Person haben müsse, und die Verantwortung, die sich auf weniger Schultern verteilt. «Trotz guter Ausbildung haben viele Respekt vor diesen Aufgaben.» Aber auch Agglomerationsgemeinden werden laut Kunz den Fachkräftemangel wegen des fehlenden Nachwuchses spüren. «Wichtig ist, dass die kaufmännische Lehre attraktiv bleibt. Man muss am Puls der Zeit bleiben. Gerade der Aspekt der Digitalisierung muss stark verfolgt werden», fordert der Präsident des Gemeindeschreiber- und Geschäftsführerverbands Kanton Luzern. Die Arbeitszeitmodelle müssten ebenfalls neu bedacht sowie die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten gefördert werden. Im Kanton Luzern wurde deshalb die Gemeindeschreiberausbildung zusammen mit der Hochschule Luzern neu modular ausgerichtet und somit attraktiver gemacht. «Wir müssen vermehrt die spannenden und abwechslungsreichen Jobs in der öffentlichen Verwaltung positiv kommunizieren», sagt Matthias Kunze, denn die Arbeit auf einer Gemeindeverwaltung sei alles andere als «verstaubt». Das versichert auch Peter Kindler beherzt. Er ist der Geschäftsführer von Koppigen und auch für die Verwaltungen der beiden politisch unabhängigen Gemeinden Alchenstorf und Willadingen verantwortlich. 2006 wechselte der Berner aus der Privatwirtschaft als Leiter eines KMU in die Gemeindeverwaltung. Koppigen stellte ihn allerdings nicht als Gemeindeschreiber, sondern als Geschäftsführer ein. «Somit bin ich nur dem Gemeinderat Koppigen unterstellt, mit den Verantwortlichen der Bau- und der Finanzverwaltung spreche ich mich natürlich ab, aber die Entscheidungswege sind viel kürzer», sagt Peter Kindler. Den Ratsmitgliedern Alchenstorf und Willadingen steht er beratend zur Verfügung und ist dafür verantwortlich, dass die Aufgaben, mit denen die beiden Gemeinden Koppigen beauftragt haben, erfüllt werden. Sich immer wieder auf neue Ratsmitglieder und somit Vorgesetzte einstellen zu müssen, sei eine Herausforderung. sagt Peter Kindler. Genauso, wie jungen Berufsleuten die Aufgaben einer Gemeindeverwaltung so beizubringen, dass sie nach dem Abschluss nicht in die Privatwirtschaft wechseln. In Koppigen erhält jeweils eine frisch diplomierte Fachkraft die Möglichkeit, unter der Obhut der erfahrenen Kolleginnen und Kollegen alleine für Alchenstorf, das als schweizerisches Vogeldorf bekannt ist, zuständig zu sein. So sammeln solche Fachkräfte erste Erfahrungen als Gemeindeverwalterinnen bzw. -verwalter. Wenn sie nach einigen Jahren «flügge» sind, übernehmen die meisten von ihnen laut Peter Kindler denn auch eine entsprechende Kaderposition in einer Gemeindeverwaltung. Peter Kindler, der auch der Präsident des Vereins des Gemeindekaders Emmental (VGE) ist, zählt aber auch Schattenseiten auf, die den Mangel an Fachkräften erklären: «Viele Abendsitzungen, weil die Miliz-Ratsmitglieder und die Angehörigen der Kommissionen tagsüber arbeiten müssen; persönliche verbale Angriffe auf der Strasse, beim Einkaufen oder per Mail; immer wieder neue Gemeinderätinnen, Gemeinderäte einarbeiten und als Vorgesetzte zu erhalten, obwohl diese logischerweise teilweise über wenig entsprechendes Fachwissen in den laufenden Geschäftsdossiers verfügen.» Der Geschäftsführer von Koppigen fordert, dass in der Ausbildung seiner zukünftigen Arbeitskolleginnen und -kollegen die Personalführung einen grösseren Stellenwert erhält. «Wir müssen mit den Leuten reden: mit den Teammitgliedern, aber auch mit allen, die ein Anliegen haben oder denen wir erklären müssen, warum die Gemeinde ihre Wünsche nicht erfüllen kann», sagt Peter Kindler. Seit seinem Amtsantritt 2006 habe er alles im gemeinsamen Gespräch geregelt. Dabei habe geholfen, bei Amtsantritt nicht mehr der Jüngste zu sein. Peter Kindler kann es sich gut vorstellen, einer Person, die das erste Mal eine Kaderfunktion auf einer Gemeinde übernimmt, als Götti zur Seite zu stehen. Im Dorf Hasliberg, dessen Bauverwaltung Meiringen übernommen hat, zeichnet sich mittlerweile eine Lösung ab: Hasliberg hat eine Sachbearbeiterin zu 40 Prozent angestellt, die nun das Team der Gemeindeverwaltung unterstützt. Susanna Fricke-Michel

«Gemeinden müssen sich besser verkaufen»

«Ja, wir spüren einen Mangel, der sich je nach Region und Fachrichtung unterschiedlich stark akzentuiert. Es lässt sich aber klar sagen, dass es schwieriger geworden ist, Stellen mit adäquat ausgebildetem Personal zu besetzen.» Das antwortet Daniel Bichsel auf die Frage, wie gravierend der Mangel an Fachkräften im Kanton Bern ist. Bichsel ist Präsident des Verbands Bernischer Gemeinden (VBG) und zudem Gemeindepräsident von Zollikofen. Er stellt fest, dass sich der Mangel einerseits bei den Lehrstellenbesetzungen und andererseits bei den Kaderstellen auswirkt. «Beim Verwaltungspersonal ist die Besetzung in der Regel noch relativ problemlos möglich», sagt Daniel Bichsel. Bei den Fachrichtungen sei ein klarer Mangel im Baubereich spürbar, «gewisse Anzeichen deuten aktuell darauf hin, dass sich der Mangel auch im Bereich Finanzen verschärfen könnte». Das Problem betreffe alle Regionen, sagt Bichsel. Dezentral gelegene Standorte hätten aber sicher eher noch mehr Probleme. Denn in diesen Einzugsgebieten könnten schlicht und einfach nicht gleich viele Stellensuchende erreicht werden wie in den Zentren, und nicht jede Person sei bereit, für eine neue Stelle auch einen Wohnortswechsel in Kauf zu nehmen. Daniel Bichsel führt das Problem einerseits auf die demografische Entwicklung zurück. Geburtenstarke Jahrgänge kommen ins Pensionsalter, und eher geburtenschwache Jahrgänge können die frei werdenden Stellen nicht ausreichend abdecken. Andererseits sei es heute nicht mehr üblich, während der ganzen Berufskarriere immer zu 100 Prozent berufstätig zu sein. Man gönne sich Auszeiten oder reduziere aus familiären Gründen das Pensum. Gemäss dem Präsidenten des VBG lässt sich die Situation mit Kooperationen unter den Gemeinden «sicher teilweise entschärfen». Die zu verrichtende Arbeit werde aber auch bei gemeinsamem Personal und Zusammenarbeitsformen letztlich nicht weniger, und für Kaderpersonal sei es auch nicht unbeschränkt möglich, sich mehreren Gemeinden gleichermassen zu widmen. Daniel Bichsel sagt darum: «Die Gemeinden sind gefordert, sich am Arbeitsmarkt als attraktive Arbeitgeberinnen besser zu verkaufen. Sie sind attraktive Arbeitgeberinnen mit einem vielseitigen Arbeitsgebiet, grossen Gestaltungsspielräumen und einer sinnvollen Tätigkeit zum Wohle der Gemeinschaft. Das sind Faktoren, die heute am Arbeitsmarkt mehr Gewicht haben als früher.» Der Berner weiss aber auch, dass es für Gemeinden ungewohnt ist, Werbung in eigener Sache zu machen. Im Unterschied zu privatwirtschaftlichen Betrieben verfügten diese Arbeitgeberinnen über keine Marketingabteilung. «Die Gemeinden können ihre Vorzüge als interessante und faire Arbeitgeberinnen durchaus noch selbstbewusster präsentieren», fordert Daniel Bichsel. Wird dieses Selbstbewusstsein zudem mit Humor gepaart und auf einem sozialen Netzwerk wie LinkedIn verbreitet, können Stelleninserate aus der öffentlichen Verwaltung regelrecht einschlagen. Diese Erfahrung macht gerade das Steueramt des Kantons Zürich: 500 Kandidatinnen und Kandidaten haben sich für die zwei Stellen in der Wertschriftenprüfung beworben. Unter dem Titel «Irgendetwas mit Zahlen …» folgt ein heiterer Beschrieb der Aufgaben – beim Steueramt geht es nicht nur um Mitarbeiterbeteiligungen, Erbschaften oder Teilbesteuerungen, sondern auch um «den Sinn des Lebens und vieles mehr» – und um Eigenschaften. Gesucht werden Personen, die ihre Steuern nicht hinterziehen, aber «keinesfalls Perfektionisten» sind («Sie würden am Arbeitsvolumen scheitern»). Vielmehr brauche es «eine motivierte Person, die über den trockenen Berufstitel hinwegblickt und den Alltag trotz komplexen Fällen (ca. 30 Prozent) und Routinetätigkeit (ca. 70 Prozent) humorvoll meistert». Und, ganz wichtig: Die künftige Kollegin, der künftige Kollege sollte «keinesfalls lauthals erwähnen, Ananas auf der Pizza zu mögen». Gefragt sind dafür besondere Talente wie Jonglieren, Breakdance «oder vielleicht Ihre Backkünste?». Wer diesen Kriterien entspricht, kann sich auf einen «bunte Haufen aus Visionären (Quereinsteiger/innen), Lebenskünstlern (ehemaligen Bankangestellten), jungen Wilden (Lehrabgänger/innen) und Heads of Everything (dipl. Steuerspezialisten)» freuen. Das Stelleninserat, entworfen von zwei kreativen Mitarbeitenden des Steueramts, erhielt zahlreiche «Likes» auf LinkedIn und begeisterte Kommentare. «Super Stellenanzeige, und das vom Staat. Hätte ich so nicht erwartet.» «Eine der besten Stellenanzeigen, die ich je gesehen habe! Grosses Kino!», schreibt die «Community». Auch beim Steueramt freut man sich über die sehr positiven Rückmeldungen, sowohl intern als auch extern. Bei den meisten Bewerbungen handle es sich um Erstbewerbungen. Ihren Preis hat die Kreativität trotzdem: Der Evaluationsprozess wird bei 500 Kandidaturen, von denen naturgemäss etliche den Anforderungen an die Stelle nicht entsprechen dürften, um einiges länger dauern als bei klassischen Inseraten. Sie seien jedoch zuversichtlich, geeignete Kandidatinnen oder Kandidaten finden zu können», so die Rückmeldung aus dem Steueramt. Zurück zum VBG: 2016 hat er gemeinsam mit dem Verband Bernisches Gemeindekader (BGK) eine Imagekampagne gestartet. Die Wirkung der Kampagne ist laut der Geschäftsführerin des BGK, Monika Gerber, noch nicht erhoben worden. Der damals entstandene Leitfaden sei online aber rund 24 000-mal angeklickt worden, wird sie in der «Berner Zeitung» zitiert. Daraus entstand der Ratgeber attraktive Arbeitgeberin Gemeinde . Er wird laufend aktualisiert. Neu enthält diese Seite nun auch eine Stellenbörse, deren Angebote laut Monika Gerber auch von grossen Suchmaschinen erfasst werden und so das Interesse von Quereinsteigern wecken. Susanna Fricke-Michel

«Die Feuerwehr ist eine Herzensangelegenheit»

In der Schweiz hat es seit dem vergangenen Jahr 146 Feuerwehrorganisationen weniger als vor fünf Jahren. Landauf, landab schliessen sie sich zusammen. Eine der jüngst fusionierten ist die Feuerwehr Region Moossee. Sie nahm am 1. Januar im neuen Jahr just um Mitternacht ihren Betrieb auf und stand bereits um 1.22 Uhr im Einsatz: Rauch auf einem Dach, eine kurze Sache. Länger dauerte die Vorbereitungszeit für die Zusammenarbeit der Feuerwehren der Gemeinden Urtenen-Schönbühl, Moosseedorf, Zollikofen und Münchenbuchsee. Auf der neuen Homepage wird die Fusion mit den personellen Engpässen an den Werktagen erklärt: «Die Feuerwehrangehörigen arbeiten heute oft nicht mehr in der Nähe ihres Wohnorts.» Viele könnten auch berufsbedingt nicht unverzüglich an die Einsatzstelle ausrücken. Weiter sei die zeitliche Belastung der Kaderleute sehr gross und oft nicht mehr im Milizsystem zu bewältigen. Deshalb arbeiten in der Feuerwehr Region Moossee neu fünf Profis an der Spitze, welche die zeitintensiven Aufgaben wie auch die Tagesdienste unter sich aufteilen. Für die Fusion sprachen weiter die übergeordneten Vorgaben und die Anforderungen im personellen wie auch materiellen Bereich der Feuerwehr, die deutlich gestiegen sind. Es müssten stets komplexere Einsatzmittel beschafft und bewirtschaftet werden, die Anzahl der erforderlichen Übungen sei angestiegen, punkto Ausbildung und Arbeitssicherheit würden zusätzliche Kompetenzen verlangt und auch im administrativen Bereich sei der Aufwand stark gestiegen. Das Feuerwehrwesen ist in der Schweiz kantonal geregelt. Die meisten Kantone haben diese Aufgaben an die Gemeinden delegiert, und der Kanton gibt vor, ob die Gebäudeversicherung obligatorisch ist oder nicht. In Bern ist das der Fall und so macht denn auch die Gebäudeversicherung Druck, zu fusionieren. Vor allem indem sie seit einigen Jahren neue Anschaffungen wie etwa ein Tanklöschfahrzeug nur noch dann subventioniert, wenn die Wehren ihren Vorgaben, zu denen auch die Grösse des Einsatzgebietes zählt, entsprechen. Die Gemeinden Urtenen-Schönbühl, Moosseedorf, Zollikofen und Münchenbuchsee sprachen sich an ihren Abstimmungen jeweils deutlich mit 95 Prozent Ja-Stimmen für die Fusion aus. Ganz anders entschieden als die Berner haben einige Monate später die Gemeinden Aarburg, Oftringen, Strengelbach und Zofingen. Sie teilten im Dezember gemeinsam mit, ein Zusammenschluss sei zwar möglich, aber: «Die Zeit ist noch nicht reif.» Eine gemeinsame Machbarkeitsstudie habe gezeigt, dass eine Fusion zwar durchführbar wäre, «die weitere Ausarbeitung des Konzeptes wird aber in zu geringem Masse von den Feuerwehrangehörigen mitgetragen». Ein Zusammenschluss, der über das Knie gebrochen werde, gefährde das Milizsystem, das müsse auf jeden Fall verhindert werden, heisst es in der Mitteilung. «Schliesslich gründet das Feuerwehrwesen unter anderem auf genau dessen Stärke.» Die vier Feuerwehren leisteten pro Jahr über 250 Einsätze. «Jede Organisation kann den gesetzlichen Auftrag bis heute gut erfüllen», informieren die Gemeinden. Herausforderungen wie zum Beispiel die Tagesverfügbarkeit der Einsatzkräfte oder die Reinigung von Atemschutzgeräten würden heute bereits in enger Zusammenarbeit mit den Nachbarfeuerwehren gemeistert. Marco Moser, Medienverantwortlicher und Instruktor des Schweizerischen Feuerwehrverbandes, weiss: «Eine Fusion verschiedener Feuerwehren gleicht einem Hürdenlauf in Marathon-Länge.» Es stünden die unterschiedlichsten Aufgaben an: Organisatorisches, Materielles und Personelles. Eine Feuerwehr sei einerseits eine Sicherheitsorganisation einer Gemeinde, aber andererseits auch eine Herzensangelegenheit der Feuerwehrleute. «Die nackten Zahlen können somit nur einen Teil der Feuerwehr-Realität abbilden», sagt Marco Moser, dessen Verband die Interessen der Feuerwehrmänner und -frauen vertritt. «Dies muss den Verantwortlichen und allen Beteiligten bewusst sein, die unterschiedliche Feuerwehren zu einer neuen Organisation fusionieren wollen.» Der Fachmann bestätigt die Gründe, die wie in der Region Moossee zu Fusionen führten. Nebst einer Fusion gibt es laut Moser aber unterschiedliche Intensitäten von Zusammenarbeit unter den einzelnen Feuerwehren. Ziel sei immer eine hohe Leistungsfähigkeit zum Schutz der Bevölkerung. «Falsch wäre, wenn eine Fusion nur einzig aus Spargründen angestossen würde», sagt der Fachmann. Aber sie könne helfen, dass eine Feuerwehrorganisation besser aufgestellt sei: mit den Fahrzeugen, mit dem Material und mit der Ausbildung. Marco Moser: «Diskussionen um eine Fusion können eine Chance sein, Althergebrachtes zu hinterfragen, neue Lösungen anzudenken und ausgetretene Trampelpfade zu verlassen.» Im Kanton Bern haben sich in den vergangenen fünf Jahren insgesamt elf Feuerwehrorganisationen einer anderen Feuerwehrorganisation angeschlossen. Auf die Frage warum, antwortet das Feuerwehrinspektorat der Gebäudeversicherung Bern (GVB) respektive deren Medienstelle: «Diese Zusammenschlüsse gab es, weil sich die für die Feuerwehrorganisationen verantwortlichen Behörden dazu entschieden haben.» Die GVB berate die Gemeinden und unterstütze sie finanziell. «Keinen oder wenig Sinn macht eine Fusion, wenn weder die Effizienz im Einsatz noch die Wirtschaftlichkeit im Betrieb gesteigert werden können», schränkt die Fachstelle ein. Die grössten Hürden könnten interner Widerstand innerhalb der Feuerwehrorganisation sein oder wenn innerhalb einer Gemeinde die Angst vor einem Identitätsverlust bestehe. Susanna Fricke-Michel

wir-bringens.ch: So wird in Burgdorf eingekauft

9.20 Uhr in Burgdorf: Ein Mann knüpft in einem Supermarkt zwei Einkaufstaschen mit aufgeklebten QR-Codes zu, klebt an beide einen Lieferschein mit der Adresse und dem Namen der Empfänger und stellt die Tüten in ein Regal. «Ich habe für meine Schwiegereltern eingekauft und gebe die Taschen nun dem Hauslieferdienst mit», erklärt er. Er kauft zwar gerne für sie ein, doch nicht immer hat er Zeit, die Einkäufe auch selber vorbeizubringen. Dass er dies dem Lieferdienst der Stiftung intact überlassen kann, bezeichnet er darum als grosse Erleichterung. «Meine Schwiegereltern haben ein Abonnement für den Hauslieferdienst von intact, so habe ich auch mit der Bezahlung dieses Angebotes nichts zu tun.» Kaum ist der Schwiegersohn mit seinen eigenen Einkäufen auf seinem Velo entschwunden, betritt ein Mann mit Velohelm und einer Jacke mit rotem Logo den Laden. «Oj», entschlüpft es ihm spontan, als er die schwere Tasche aus dem Regal hievt. Er arbeitet für die Stiftung intact im Rahmen eines Programms zur Arbeitsmarktintegration derzeit als Kurier für den Hauslieferdienst. Zwei Einkaufstaschen oder maximal 20 Kilo sind das Maximum einer Lieferung. Der Kurier scannt die Taschen ein, sie werden neu auf der App «viaVelo» mit einem QR-Code erfasst und lösen nach und nach den Lieferschein ab. Anschliessend bringt der Kurier sie im Anhänger seines E-Bikes in die Zentrale beim Bahnhof Burgdorf. Er ist als «Zubringer» unterwegs. Während seiner Schicht, die insgesamt acht Arbeitsstunden am Tag umfasst, holen er und seine Kollegen zwischen 110 und 200 Taschen in den Partnergeschäften des Hauslieferdienstes ab. Dazu gehören Grossisten wie Coop und Migros und auch Detailhändler in Burgdorf, beispielsweise Apotheken. Immer öfter transportiert der Hauslieferdienst auch Einkäufe, die in Hofläden der Region getätigt wurden. Rund 40 Verkaufsstellen sind Partner von intact. 10 Uhr: Die Zentrale des Heimlieferdienstes gleicht einem Taubenschlag: Die einen bringen als Zubringer ihre Taschen, scannen deren QR-Codes und stellen sie dann in das Regal der Wohnzone, in welcher die Ware ausgeliefert werden muss. Der Umschlagplatz ist Teil der Mobilitätszentrale der Stiftung intact. Hier werden ebenfalls parkierte Kunden-Fahrräder bewacht sowie die Angebote Renta Bike und Mobility-Autos betreut. Unter dem gleichen Dach sind auch Büro- und Aufenthaltsräume sowie ein Laden mit Produkten, welche die Stiftung intact herstellt, untergebracht. «Ist das alles?», wird in der zugigen Halle wiederholt gefragt. Es gilt, die Anhänger möglichst gut zu füllen und damit die Zahl der Fahrten zu reduzieren. Pro Monat sind es rund 2000 Lieferungen in Burgdorf und Umgebung. Im Jahr werden rund 500 bis 600 Haushalte angefahren. Corona hat die Zahlen erhöhft: Es werden rund 15 Prozent mehr Taschen ausgeliefert als in den Vorjahren. Patrick Tinner, Leiter der Mobilitätszentrale Burgdorf, sagt: «Wir helfen den Programm-Teilnehmenden, fit für den ersten Arbeitsmarkt zu werden. Wir trainieren mit marktnahen Dienstleistungen und aktueller Infrastruktur, wie die App viaVelo oder E-Bikes.» Patrick Tinner sowie der Arbeitsagoge Yves Bichsel sind auch selbst immer wieder einmal als Kuriere unterwegs: Nicht nur zur Unterstützung und Begleitung, sondern auch, wenn wegen Ausfällen «Not am Mann» ist (90 Prozent der Velo-Kuriere in Burgdorf sind Männer). Die Kuriere müssen allerdings wetterfest und fit sein, auch wenn sie mit E-Bikes unterwegs sind. Immerhin legen sie zwischen 20 und 70 Kilometer pro Arbeitstag zurück, und das Emmental hat bekanntermassen viele Hügel. Die Stiftung intact hat Leistungsverträge mit der öffentlichen Hand. Diese ermöglichen die Einstellung von agogisch geschultem Personal zur Begleitung der Teilnehmenden. Denn durch den Beitrag der Kunden und Läden alleine könnte dieser Hauslieferdienst nicht finanziert werden. Tinner sagt: «Ein Velo-Kurierdienst, der innerhalb einer Stadt tätig ist, muss für eine Lieferung mindestens 14 Franken erhalten, um selbsttragend zu sein. Wir erhalten pro Lieferung aber nur 6 Franken». Yves Bichsel, der in der Mobilitätszentrale von intact bereits seinen Zivildienst geleistet hat, drängt zur Eile: Die Taschen müssen innerhalb von zwei Stunden bei den Besitzerinnen und Besitzern abgeliefert werden, und heute ist er selbst im Einsatz. Ein Blick in die App und auf das Navi: und los geht es. Es regnet, Yves Bichsel legt auf dem E-Bike einen Zacken zu. Um 10.35 Uhr klingelt der Kurier unten an der Eingangstüre, der Summton ertönt, im ersten Stock öffnet sich die Wohnungstür. «Danke, dass Sie da sind», begrüsst die Frau den Kurier. Sie stützt sich auf einen Rollator. «Wo darf ich die Taschen hinstellen?», fragt Yves Bichsel. Doch schon kommt der Ehemann und nimmt Bichsel die leichtere der beiden Taschen ab. Bichsel nutzt die Gelegenheit und zeigt dem 86-Jährigen die «viaVelo»-App. Seine Frau sag: «Wir hatten nie ein Auto. Und auch wenn wir zentral wohnen, gönnen wir uns seite langem den Luxus, uns schwere Lasten nach Hause liefern zu lassen. Dass mein Schwiegersohn, der für uns die Einkäufe erledigt, die schweren Taschen nicht auch noch schleppen muss, erleichtert es uns, seine Hilfe annehmen zu können.» Und d ass sie so auch noch Menschen bei der Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt helfen können, erlebt das Ehepaar als zusätzlichen Gewinn. Zudem sei der Einkaufsdienst dank den Velo-Kurieren auch umweltfreundlich. Apropos Umweltfreundlichkeit: «Die Kuriere nehmen auch unsere Recyclingabfälle mit, das ist so praktisch.» Kurier Yves Bichsel verabschiedet sich, das Paar hält den Schwiegersohn umgehend per WhatsApp auf dem Laufenden: «Alles da, danke»! Susanna Fricke-Michel

«Aus zwei Kranken wird kein Gesunder»

Es passiert selten aus wahrer Liebe, ist oft eine Zwangsheirat: die Fusion von zwei oder mehreren Bergbahnunternehmen. Meistens erfolgt sie, weil die Kreditgeber nur nach einem Zusammenschluss bereit sind, eine dringend benötigte Investition zu finanzieren. Oft schliessen sich aber auch zwei oder mehrere kleinere Unternehmen zu einer wettbewerbsfähigen Grösse zusammen, weil Synergien so am besten genutzt werden können. Wie in Zermatt wappnen sich Bergbahnen mit einer Fusion zudem gegen ausländische Konzerne. Nicht nur Banken, auch Kantone haben in der jüngsten Vergangenheit über die Regionalpolitik Druck gemacht. Sie setzten bereinigte Strukturen voraus, um den Unternehmen zinslose Investitionshilfegelder zu gewähren. Häufig riefen die Unternehmen, die meistens Aktiengemeinschaften sind, Grischconsulta um Hilfe, die von Roland Zegg gegründet und bis vor Kurzem auch geleitet wurde. Der gelernte Maschinenbauingenieur verfasste seine Doktorarbeit in der Betriebswissenschaft zum Thema Hotellerie und beriet nicht nur einzelne touristische Unternehmen, sondern auch ganze Regionen wie etwa Lenzerheide und Gstaad-Saanenland. Denn: «Wenn mehrere Partner zusammengehen, kann schlecht einer davon auch die Verhandlungen führen, es braucht eine neutrale Person», erklärt Roland Zegg. Ein unabhängiger Coach könne heikle und sensible Themen ansprechen und Lösungen aufzeigen, ohne als parteiisch zu gelten. «Grischconsulta hat stets ein gut organisiertes Projektmanagement mit klaren Zwischenzielen geführt und den Prozess straff gesteuert. Dies von einem der direkt Beteiligten zu verlangen, wäre vor allem bei grösseren Projekten eine Zumutung.» Als Erstes würden eine gründliche Ist-Analyse der einzelnen Fusionspartner und eine objektive Unternehmensbewertung erstellt sowie eine gemeinsame Strategie vereinbart. Anschliessend folge ein gemeinsames Investitionsprogramm, der Name und die Führungscrew der neuen Unternehmung würden bestimmt. Roland Zegg weist darauf hin, dass dieser Prozess auch «eine geschickte Kommunikation mit den Mitarbeitenden, den Aktionären und den Stakeholdern bedingt». Und dann gelte es, die Abstimmungen in den Aktionärs- und allenfalls Gemeindeversammlungen mit einer Mehrheit von mindestens zwei Dritteln zu gewinnen. Generell gibt es laut dem Experten aus Meienfeld bei den Fusionen «eine gewisse Angst vor dem Unbekannten, Neuen». Weitere Knacknüsse seien sehr oft psychologische Faktoren, «aber auch einzelne Schlüsselpersonen, die aufgrund ihrer Position eine Lösung verhindern können, weil sie einen persönlichen Verlust von Macht und Einfluss befürchten». Ob eine Fusion flott vonstattengeht, hängt weniger von der Anzahl der Aktionärinnen und Aktionäre ab, sondern vom «Lebenszyklus» einer Destination, eines Unternehmens: «Vor allem geht es zügig, wenn der finanzielle Druck sehr hoch ist und einzelnen Bergbahnen das Wasser bis zum Hals steht.» Roland Zegg weist aber auch darauf hin, wann eine Fusion keinen Sinn ergibt, nämlich dann, «wenn es nur darum geht, zwei kranke Unternehmungen ohne Sanierung zusammenzulegen. Denn zwei Kranke machen keinen Gesunden.» Oder dann, wenn nur zwei Bilanzen addiert würden, ohne dass die Unternehmenskulturen übereinstimmen würden. Schwierig sei auch, wenn etwa ein Familien- mit einem Gemeindebetrieb zusammengelegt werden solle. Da könnten die beiden Unternehmenskulturen zu unterschiedlich sein. Wird eine Fusion sorgfältig ausgeführt und werden kranke Unternehmungen vorgängig saniert, wirkten sich diese Zusammenschlüsse laut Zegg sehr positiv für die ganze Region aus: «Die Dynamik steigt, es wird wieder investiert. Statt intern Kräfte zu verzetteln, wird der Fokus wieder auf den Markt gerichtet, der Kundennutzen steigt erheblich.» Beste Beispiele hierzu seien Lenk, Obersaxen-Mundaun und Zermatt. In den klassischen Schweizer Feriendestinationen ist die Bergbahnunternehmung meistens der grösste touristische Leistungsträger. «Eine Minderheitsbeteiligung der Gemeinde ist dann oft von Vorteil», weiss der Unternehmensberater, weil sie als Aktionärin mitreden könne. Wird eine Bergbahn saniert, kann sich das finanziell negativ auf die öffentliche Hand auswirken, weil allfällige zinslose Darlehen einem Kapitalschnitt geopfert werden. Ihr Gewinn ist dann, wiederum ein Unternehmen auf finanziell solideren Füssen zu haben, das Arbeitsplätze bietet. Gemeindeschreiber Thomas Bucher zieht die Bilanz für Lenk: «Die Fusion hatte auf die Gemeinde eine verbindende Wirkung, da vorher drei Gesellschaften auf zwei Talseiten vorhanden waren.» Zudem habe sich die Zusammenarbeit mit Adelboden verstärkt. Lenk hat heute kein spezielles Mitspracherecht, weil die Gemeinde aber die Planungsbehörde ist, finde nach wie vor ein Austausch statt. «Die Gemeinde ist hier eng in die Planung und Ausarbeitung von Nutzungen eingebunden», sagt Thomas Bucher. «Wir können mit Fug und Recht behaupten, dass die Fusion sehr erfolgreich war, die Zahlen sprechen für die Lenker Bergbahnen. In dem Sinn sehen wir auch kein Verbesserungspotenzial im Fusionsprozess.» Die Nachfrage bei der Gemeinde Zermatt ergab, dass die einstige Fusion der Bahnen heute kein Thema mehr ist. Grischconsulta ist in den deutschsprachigen Landesgebieten sowie den Alpenländern tätig und stellt fest, dass die Kulturen, die Traditionen, die Sippschaften in den Alpentälern durchs Band sehr ähnlich sind. Der Bündner Roland Zegg erklärt mit einem Augenzwinkern: «Die Berner sind nicht langsam – im Gegenteil: Die Fusion von vier Bergbahnunternehmungen an der Lenk haben wir vom ersten Gespräch bis zu den erfolgreichen Generalversammlungen in nur sechs Monaten geschafft.» Synergien nutzen auch ohne Fusion Innerhalb der Destinationen sind die Bergbahnstrukturen weitgehend bereinigt. Der Experte rät jedoch, zu prüfen, ob die vielen kleinen Bergbahn- und Skiliftunternehmen nicht in einem Verbund, etwa innerhalb eines Kantons oder einer Region, zusammengelegt werden sollten, um Synergien in der technischen Leitung, in der Verwaltung, im Einkauf, im Marketing, in einem gemeinsamen Tarifverbund und in anderem zu realisieren. Susanna Fricke-Michel

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