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Weiterhin günstige Kredite für gemeinnützige Wohnungen

«Wir haben im Gemeinderat lange über Alterswohnungen diskutiert», erinnert sich Sozialvorstand Guy Petter in Mont-Vully (FR). «Aber erst ein Legat mit dieser Zweckbindung löste die Gründung der Genossenschaft aus.» In Kooperation mit dem Gesundheitsnetz See, einem regionalen Zweckverband, baute die Genossenschaft Alterswohnungen Vully dann 27 Alterswohnungen im Ortsteil Sugiez. Sie waren schon alle vermietet, als die Siedlung 2018 eröffnete. Solche Kooperationen kommen häufig vor; sie entlasten die Gemeinde und sichern das gewünschte Wohnangebot. Simone Gatti, Expertin für Alterswohnen, weist darauf hin, dass das seit 2011 wirksame Pflegefinanzierungsgesetz die Gemeinden motiviere, Formen für selbständiges Wohnen im Alter anzubieten, da sie seither zur Subjekthilfe in der stationären Pflege verpflichtet seien. Hanspeter Käppeli kennt das Projekt in Vully gut; er hat damals die Genossenschaft bei der Finanzierung beraten und ist Vorstandsmitglied der Emissionszentrale für gemeinnützige Wohnbauträger EGW: «Da deren Anleihen durch Bürgschaften des Bundes abgesichert sind, finanzieren sich gemeinnützige Wohnbauträger bei der EGW zu sehr günstigen Konditionen. In Vully spart die Genossenschaft dank der EGW-Hypothek jährlich rund 1,5 Prozent, also 60000 Franken 14 Jahre lang.» Das wirkt sich auf die Mieten aus: «Durchschnittlich kostet eine 2,5-Zimmer-Wohnung netto 1110 Franken», sagt der Genossenschaftspräsident Markus Ith. Damit bleibe man unter der Wohnkostenlimite der Ergänzungsleistungen und könne trotzdem Abschreibungen machen. «So bilden wir Kapital und können unser Know-how in der Region vielleicht bei einem nächsten Projekt einsetzen», hofft Ith. Bei der 1968 von Privaten initiierten Genossenschaft für Alterswohnungen Wil (GAW) war die politische Gemeinde von Anfang an dabei. Sie besitzt selber keine Alterswohnungen. «Eine Genossenschaft ist freier und eigenständiger als die Verwaltung, sie hat spezifisches Know-how», sagt Stadtrat Dario Sulzer, der auch im Vorstand der GAW sitzt. Nicht nur die politische, sondern auch die Ortsgemeinde, Serviceclubs, Kirchgemeinden und Gewerbebetriebe gehören – neben Privatpersonen – zu den Mitgliedern der GAW. Und deren Präsident Bruno Gähwiler war früher Stadtpräsident. 206 Wohnungen besitzt die GAW in Wil, und in diesen Monaten werden es einige mehr: Weil eine grosse Pflegewohnung gekündigt wurde, baut man sie zu acht Alterswohnungen um. «Wir haben eine Warteliste und suchen Land für neue Standorte», sagt Präsident Gähwiler. Die Stadt Wil hat die GAW bisher mit günstigen, langfristigen Baurechten unterstützt. Die GAW wiederum hat mehrmals Hypotheken bei der Emissionszentrale EGW aufnehmen können. Dank den langen Laufzeiten und dank den vorteilhaften Zinsen sinken die Wohnkosten auf lange Zeit. Ausserdem ist die Genossenschaft steuerbefreit. «Die günstigste 1-Zimmer-Wohnung kostet nur 424 Franken», sagt Gähwiler. «Und die quasi neu gebauten 2-Zimmer-Wohnungen beginnen bei '090 Franken.» Die niedrigen Mietpreise seien sehr wertvoll, bestätigt Dario Sulzer. Denn der Bedarf an preisgünstigem Wohnraum sei ausgewiesen. «In Wil gibt es wenig freie Wohnungen, und die Wohnkosten sind hoch.» Mike Weibel

Der Gemeindepolizist klingelt auf Wunsch bei alleinstehenden Älteren

Mendrisios «Dienst für alleinstehende Ältere» oder der « Servizio Anziani Soli» , wie er auf italienisch heisst, ist das einzige Angebot dieser Art im Tessin. Es basiert auf der Zusammenarbeit zwischen dem Sozialamt und dem Amt für öffentliche Sicherheit und richtet sich an über 70jährige Einwohnerinnen und Einwohner von Mendrisio, die alleine zu Hause leben. Das Ziel: Isolation verhindern. Jedes Jahr kontaktiert die «Senioren-Antenne» Bürgerinnen und Bürger, die 70, 73, 76 Jahre oder älter sind, und schlägt ein Treffen mit einem Sozialarbeiter der Stadt vor. Wer von dem Angebot Gebrauch machen will, erhält regelmäßig Besuch von einem Stadtpolizisten. Dieser soll vor allem mögliche Problemsituationen frühzeitig erkennen und durch Vernetzung mit den Sozialpartnern in der Nachbarschaft eine Lösung herbeiführen. Das Angebot wird von den Sozialarbeitern der Stadt und einem städtischen Polizeibeamten geleitet. Dieses Jahr wird der «Servizio Anziani Soli» im Rahmen eines Pilotprojekts zusammen mit Pro Senectute verstärkt; Pro Senectute hat im Tessin den Auftrag, sich um die Integration von Sozialhilfeempfängern zu kümmern. Künftig werden alleinstehende Ältere von einem Team aus zwei vorgängig geschulten und auf die Aufgabe vorbereiteten Sozialhilfeempfängern Besuch erhalten. Angesichts der demografischen Entwicklung ist ein Ausbau des Angebots notwendig geworden. So soll auf die wachsende Zahl von allein zu Hause lebenden Menschen und deren Bedürfnisse reagiert und das bestmögliche Zusammenspiel von Familie, öffentlichen Dienstleistungen und gemeinschaftlichen Ressourcen erreicht werden. Dieses Modell bietet gleichzeitig Gelegenheit für die Integration von Sozialhilfeempfängern in die Arbeitswelt und entspricht dem Bedürfnis der älteren Bevölkerung, soziale Beziehungen zu pflegen. Die Integration von Massnahmen, die die Lebensqualität zu Hause, im städtischen Raum und das Zusammenleben der Generationen betreffen, ist eine der Herausforderungen, denen sich die Stadt stellen muss. Ausgehend von dem Grundsatz, dass das Wohlbefinden der Bevölkerung von verschiedenen Faktoren abhängt, wie der Qualität des Zusammenlebens, der Umgebung und der Lebensstile. Daher wird es für die Gemeinde immer wichtiger und notwendiger, gezielte Aktionen und Interventionen zu fördern und zu entwickeln, um Gemeinschaftsnetzwerke aufzubauen, gesunde Lebensweisen sowie kinder- und seniorengerechte Räume zu fördern.

Träume einer imaginären Gemeindepräsidentin

«Darüber zu fantasieren, was man in einem anderen Beruf, einer andern Rolle tun könnte, ist ein attraktives Gedankenspiel, wenn wir älter und erfahrener sind. Wohnen im Alter: Dem Thema kann ich mich nicht entziehen. Es ist allgegenwärtig – und delegieren lässt es sich auch nicht an unsere Altersbeauftragte, an den Spitex-Verein oder an die Leitung unseres Alters- und Pflegeheims. Wir brauchen ein zukunftsorientiertes, integratives Konzept, das vom Gemeinderat, von der Verwaltung, weiteren Akteuren – und natürlich auch von der Gemeindebevölkerung – getragen wird. Ein erster Grundsatz, den ich mir hinter die Ohren schreiben möchte: die soziale, räumliche und finanzielle Planung integriert angehen! Warum nicht eine Vision entwickeln? Auch eine Gemeindepräsidentin darf Visionen haben (und muss deshalb nicht gleich zum Psychiater!) Gemäss dem oben genannten Planungsprinzip könnte die Vision drei Bereiche umfassen: Sozial: Die Menschen in meiner Gemeinde wissen: Hier kann ich so lange wie möglich autonom und selbständig leben. Ich erhalte die Unterstützung, die ich brauche, hindernisfreie und zentrale Wohnoptionen mit mehr oder weniger Betreuung und Pflege sind verfügbar. Und am Ende muss ich hoffentlich nie ins Pflegeheim! Räumlich: Wie können die Wohn- Betreuungs-, Pflege und Hilfsangebote sinnvoll in unsere Ziele der räumlichen Entwicklung eingebunden werden? Das Zentrum attraktiver gestalten und beleben, verdichten wo sinnvoll, umnutzen wo angebracht, ältere Einfamilienhausquartiere am Siedlungsrand erneuern und für Familien attraktiv machen. Vieles hängt da zusammen. Finanziell: Alternativen zu einem weiteren teuren Pflegeheim suchen. Es wird theoretisch in 20 Jahren nötig sein – aber nur dann, wenn wir keine kreativen, flexiblen Ideen haben. Wohnoptionen mit anderen Funktionen und Nutzungen, vor allem in den Erdgeschossen, kombinieren. Bestehende Freiraumqualitäten erhalten, neue schaffen ... und vieles mehr. Wir haben uns also ein Altersleitbild erarbeitet, mit dem Input interessierter Bewohnerinnen und Bewohner ausdifferenziert und erweitert. Es umfasst unsere Vision, unterschiedliche Wohnoptionen, unterstützende Dienstleitungen, Betreuung und Pflege. Und dies im Kontext weiterer Entwicklungsziele unserer Gemeinde. So weit so gut. Doch die Planung der konkreten Umsetzung findet nicht im luftleeren Raum statt. In unserer Gemeinde leben rund 5000 Menschen. Wir wachsen leicht, auch dank der guten öV-Anbindung an eine mittelgrosse Stadt. Umgeben sind wir von kleineren Gemeinden, von denen es eine tolle Sicht in die Berge gibt, die aber nicht viel mehr als Wohnraum anbieten. Ein Gedankenspiel: Könnten wir unser Gärtchen verlassen und uns als regionale verstehen, wäre Spannendes möglich. Gerade die zunehmend Hochaltrigen in den älteren und alles andere als barrierenfreien Einfamilienhäusern in diesen Gemeinden haben ein Problem. Für sie gibt es kaum lokale Unterstützungsleistungen und fast keine Umzugsoptionen im Ort, die Wege der Spitex sind lang. Eine tolle Chance, die sich uns bietet: Wir haben noch einige Landreserven resp. Parzellen mit Umnutzungspotenzial. Wir könnten unser Zentrum beleben mit unterschiedlichen Wohnoptionen, mit Gemeinschafts- und Gemeinderäumen, Platz für Gastronomie, Gewerbe und andere Dienstleistungen im Erdgeschoss. Davon könnte die ganze Bevölkerung profitieren. In Vereinen und andern Gruppierungen finden sich hier noch aktive Menschen – vor allem auch in der Generation 60+ –, die Zeit und Lust haben, sich zu engagieren. Und last, but not least könnten wir auch den umliegenden kleinen Gemeinden Wohnraum im Alter anbieten, damit ältere Einfamilienhäuser wieder jungen Familien zugänglich gemacht werden können. Alles in allem: Eine Win-Win Situation! Anfangen müssen wir natürlich mit einer Bestandsanalyse: Was fehlt bei uns in Sachen Wohnen und Infrastruktur, heute und in der mittelfristigen Zukunft? Und noch eine erleichternde Erkenntnis für diese spannende Planungsherausforderung: Das Rad ist schon erfunden! Breit abgesichertes Wissen, konstruktive Ideen, die auf bestehenden Erfahrungen in anderen Gemeinden gründen, liegen vor. Es gibt eine eine Vielzahl von realisierten Projekten, dir wir uns anschauen könnten.* Da werden auch Schlüsselaufgaben für mich und meine Kolleginnen und Kollegen aus der Gemeindepolitik definiert: – Sammeln und vermitteln von Informationen, Bedürfnissen, Erwartungen, und Know- How – Vernetzen und Koordinieren von Akteurinnen und Akteuren – Verknüpfen der Alterspolitik mit anderen Politikfeldern Spezifisches Fachwissen für die Planung und Entwicklung solcher Projekte gibt es anscheinend zuhauf. Das können wir uns dazukaufen! Ein Beispiel ist das Projekt « Rössli Root » im Zentrum der Luzerner Gemeinde Root. Es umfasst drei Gebäude. Entstanden sind Mietwohnungen für generationendurchmischtes Wohnen, Arbeiten und Leben. Sie werden ergänzt durch Wohnungen mit bedarfsgerechten optionalen Dienstleistungen sowie durch zwei dezentrale Pflegewohngruppen. In einem kooperativen Planungsprozess entwickelten die Investorin, die Gemeinde und die spätere Betreiberin der Angebote ein interessantes Gesamtkonzept. Die Angebote werden durch eine Pensionskassenstiftung und fünf weitere umliegende Gemeinden getragen. Und manchmal gibt es sogar Geschenke! Immer häufiger schliessen sich aktive Bürgerinnen und Bürger zusammen, um lokal ein Mehrgenerationenprojekt umzusetzen. Schlüsselpersonen sind meist jüngere Seniorinnen und Senioren zwischen 60 und 70, die ihre Lebens- und Wohnsituationen für die zweite Lebenshälfte gemeinschaftlich gestalten möchten. Eine Studie im Kanton Zürich fand rund 50 solcher Projekte: kleinere und grössere, altersmässig mehr oder weniger breit zusammengesetzt. Ihre wichtigsten Ziele sind soziale Interaktion und Integration, Alterstauglichkeit, ökologisches Wohnen und Selbstorganisation. Drei Viertel der Projekte werden genossenschaftlich betrieben, durch bestehende grössere Genossenschaften initiiert (vor allem in Städten, wo Land sonst unerschwinglich ist), oder dann schliessen sich die Interessierten selber zu einer kleinen Genossenschaft zusammen. Einige erfuhren Unterstützung von der Gemeinde, bspw. b durch einen Landkauf, einen Baurechtsvertrags, oder mittels eines Darlehens, andere hingegen empfanden die Gemeinde im Gegenteil als Stolperstein. Letzteres ist für mich schwer verständlich. Gemeinden sollten das oft enorme Potenzial nutzen, in Zusammenarbeit mit der Initiativgruppe und weiteren Akteuren zu erkunden, welchen Mehrwert ein solches Projekt für die Gemeinde bringen kann. Fast alle dieser Projektepläne umfassten Gemeinschaftsräume, viele sehen Werkstätten/Ateliers, Gästezimmer, Sitzungszimmer, eine Cafeteria und vieles mehr vor. Und rund die Hälfte möchte das Quartier aktiv mitprägen. In kleineren Gemeinden beleben erfolgreiche Projekte oft auch das Dorfzentrum, in dem verschiedenartige Angebote für vielfältige Altersgruppen kombiniert werden.** Dazu noch ein Beispiel einer erfolgreichen Public-Private-Partnership aus dem Jahr 2016: die Mehrgenerationensiedlung Widenbüel mit Gemeindetreffpunkt in Mönchaltdorf (ZH). Für den geplanten Kauf einer zentrumsnahen gemeindeeigenen Baulandparzelle durch eine Genossenschaft machte die Gemeinde konzeptionelle Auflagen. Zur Siedlung mit vier Gebäuden und total 34 Alters- und Familienwohnungen sollten auch zwei Gästezimmer und der Mehrzweckraum mit Vorplatz gehören. Der Raum soll der ganzen Gemeinde zur Verfügung stehen. Heute wird er durch die teilselbstverwaltete Hausgemeinschaft bespielt und verwaltet. Gelungen ist damit die aktive Einbindung der Siedlungsbewohnenden, und es ist ein reichhaltiges sozio-kulturelles Angebot für alle Gemeindemitglieder entstanden. Ich habe zudem erfahren, dass einige dieser selbst initiierten Projekte auch Vorbildcharakter haben, was ihren ökologischen Fussabdruck betrifft. Bei Neubauten zeichnen sie sich beispielsweise durch vorbildliche Energie- und Baukonzepte, Optionen für Mobility Sharing und anders mehr aus. Eine spannende Herausforderung also, diese Geschichte. Wohnen im Alter: toll, was da alles möglich ist – und uns letztlich alle betrifft!» Weiterführende Informationen: * Kanton Aargau. Wohnen im Alter. Handbuch für Aargauer Gemeinden 2018. ** Hugentobler, M & Otto, U. Gemeinschaftliche Wohnformen für die zweite Lebenshälfte – Qualitäten im Kanton Zürich. In Sinning H. (Hsg.) Altersgerecht wohnen und leben im Quartier. Fraunhofer IRB Verlag. 2017, S. 135-162. Link zum Projekt Rössli Root (LU): https://tinyurl.com/nn6ytmfx Links zum Projekt Widenbüel Mönchaltdorf (ZH): https://tinyurl.com/w4aknttk Dr. Margrit Hugentobler

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