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Kanton Solothurn bildet neu Digital-Pioniere aus

Der 2022 gestartete Grundkurs Digital-Pionier des Vereins Myni Gmeind und seines Partners, des Schweizerischen Gemeindeverbands, bringt Bewegung in die Weiterbildungslandschaft. Nicht nur haben bereits Dutzende Gemeindezuständige von der Vermittlung von Basiswissen sowie Tipps und Tricks zur Digitalisierung profitiert – und können das weiterhin in den öffentlichen Kursen tun (siehe Kasten). Auch erste Kantone sind zur Überzeugung gelangt, dass die gezielte und mit niedrigem Zeitaufwand verbundene Weiterbildung zur Digitalisierung sensibilisiert und eine neue Dynamik auslöst. Allen voran geht der Kanton Solothurn. Der Regierungsrat verabschiedete im Rahmen seiner Digitalisierungsstrategie SO!Digital im Oktober letzten Jahres ein Impulsprogramm bis 2025 für seine Verwaltung; der Kantonsrat entscheidet voraussichtlich in der Märzsession. Die drei Ambitionen: Kundenzentrierung, Automatisierung und Kollaboration. Der Aufbau von digitalem Wissen unter den Mitarbeitenden spielt dabei eine zentrale Rolle. Denn ohne Digitalisierungsgrundkompetenzen in allen Departementen, Ämtern und Abteilungen können die neuen digitalen «Verbindungen und Nervenbahnen quer durch die Verwaltung», wie es der Kanton formuliert, nicht gelegt werden. «Mit der digitalen Transformation werden wir uns nicht nur auf neue Tools oder Technologien konzentrieren, sondern vor allem auf den Faktor Mensch. Wir werden neue Fähigkeiten aufbauen müssen, unsere Mitarbeitenden schulen, Arbeitsabläufe und Prozesse hinterfragen, optimieren, und es wird sich eine digitalaffine Kultur entwickeln», sagt Reto Fahrni, seit einem guten Jahr als erster Chief Digital Officer und Leiter des Kompetenzzentrums Digitale Verwaltung des Kantons tätig. «Mit der digitalen Transformation werden wir uns nicht nur auf neue Tools oder Technologien konzentrieren, sondern vor allem auf den Faktor Mensch. Wir werden neue Fähigkeiten aufbauen müssen.» Reto Fahrni, Chief Digital Officer und Leiter des Kompetenzzentrums Digitale Verwaltung Kanton Solothurn Ebenso klar war für die Zuständigen für SO!digital rund um Fahrni und Regierungsrat Peter Hodel: Der Kanton kann die digitale Transformation nur erfolgreich meistern, wenn er die Gemeinden mit im Boot hat. So wurde früh in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit dem Verband Solothurner Einwohnergemeinden die Entscheidung getroffen, dass die für die Digitalisierung verantwortlichen kommunalen Vertreterinnen und Vertreter an den Kursen ebenfalls teilnehmen können – die Kosten übernimmt der Kanton. Auf Seite der Kantonsverwaltung ist die Teilnahme am zweitägigen Grundkurs für die Kadermitarbeitenden Pflicht. Freiwillig teilnehmen können alle weiteren Verwaltungsangestellten; ihre Weiterbildung ist kompakter gestaltet und dauert nur einen Tag. Der umfassende Ansatz führt zu einem wahren Mammutprogramm: 2023 wird der Kanton gemeinsam mit Myni Gmeind 60 Kurse durchführen. Nach einem Testkurs im Dezember ging es Anfang Februar offiziell los: Zwei Tage lang beschäftigten sich 26 Pionierinnen und Pioniere intensiv mit der digitalen Transformation. In Modulen wie «Digitalisierung und digitale Transformation unterscheiden und vermitteln», «Potenzial für neue Abläufe und Dienstleistungen erkennen» oder «Vorhaben aufsetzen und den Weg zum Projektstart vereinfachen» eigneten sie sich praktisch viel nutzbares Know-how an. Nach diesem intensiven Kurs konnten sie stolz ihr Diplom entgegennehmen. Stolz ist auch der Verein Myni Gmeind: Wir freuen uns sehr, für dieses gemeinsame Projekt mit dem Kanton mit unserem 2022 gestarteten Grundkurs Digital-Pionier die konzeptionelle und inhaltliche Basis zu liefern. Auch durch die Mitgestaltung des Programms und den Einsatz unserer kompetenten Dozentinnen und Dozenten leistet Myni Gmeind einen massgeblichen Beitrag. Nicht nur im Mittelland, auch am Bodensee fasst der Digital-Pionier Fuss: Im Kanton Thurgau schreitet die Vorbereitung für Digital-Pionier-Kurse ab dem zweiten Halbjahr mit dem Verein Smarter Thurgau, dem Verein Thurgauer Gemeinden, dem Kompetenzzentrum Digitale Verwaltung und dem Bildungszentrum für Wirtschaft Weinfelden zielführend voran. Die Zusammenarbeit zwischen Kanton und Gemeinden ist bereits institutionalisiert: Vor einem Jahr wurde die Trägerschaft eTG ins Leben gerufen, in welcher der Verband Thurgauer Gemeinden (VTG) mitwirkt. Die Finanzierung gemeinsamer Projekte teilt man sich mit «Digitalisierungs-Zweifränkler» mit je einem Franken pro Einwohner. Ein Modell, das der Kanton Aargau in seinem Programm «fit4digital» erfolgreich etabliert hat. Bereits im Spätsommer 2022 hatten fast alle Gemeinden im Kanton die Vereinbarung unterzeichnet. Alexander Sollberger

Digitalisierung funktioniert nur mit Standards

Online-Services können den administrativen Aufwand merklich reduzieren. Aber: Nur wenn für einen Online-Service verbindliche Standards gelten, können die Systeme der verschiedenen Verwaltungseinheiten in einem durchgängigen Prozess miteinander zusammenarbeiten beziehungsweise kommunizieren. Den Rahmen für die digitale Zusammenarbeit von Bund, Kantonen und Gemeinden schafft die Organisation Digitale Verwaltung Schweiz (DVS). Der Verein eCH fördert und erarbeitet als Partner von DVS entsprechende Standards im Bereich E-Government. Wie wichtig Standardisierung für die Digitalisierung der Verwaltung ist, zeigt das erfolgreiche Umsetzungsbeispiel eUmzugCH. Mit diesem Online-Service können Meldepflichtige in einem Schritt Weg- und Zuzug bei den entsprechenden Gemeinden melden. Damit dies möglich ist, müssen die verschiedenen Softwaresysteme der an den Service angeschlossenen Gemeinden miteinander Daten austauschen. Mittels einer Standardisierung der Meldungen mit einem eCH-Standard sowie dem zentralen Datentransfer über die Plattform Sedex des Bundesamts für Statistik wird dies sichergestellt. Damit der Weg- und Zuzug in einem Schritt gemeldet werden können, entwickelte der Verein eCH zudem extra für diesen Meldetyp einen neuen Standard. Die Online-Umzugsmeldung steht mittlerweile bereits in 21 Kantonen zur Verfügung und soll schrittweise in sämtlichen Kantonen und weiteren Gemeinden eingeführt werden. Dass sich mit der Einführung des Online-Services eUmzugCH der Arbeitsaufwand der kommunalen Einwohnerkontrollen merklich reduziert, belegt eine Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Für diese wurde im Jahr 2022 anhand von vier Zürcher Gemeinden erhoben, wie sich die Digitalisierung dieser Verwaltungsdienstleistung auf die Bearbeitungszeit der Gemeindemitarbeitenden auswirkt. Die Auswertung zeigte unter anderem auf, dass die Abwicklung von Zuzügen über eUmzugCH von den Mitarbeitenden im Vergleich zu Schalteranmeldungen effizienter und schneller durchgeführt werden konnte. Zudem kam es zu weniger Verzögerungen aufgrund fehlender Unterlagen. Für die Entwicklung und Verabschiedung von Standards für das E-Government arbeiten im Verein eCH seit über 20 Jahren Vertreterinnen und Vertreter der öffentlichen Hand, aus der Wirtschaft und aus der Forschung und Lehre in themenspezifischen Fachgruppen sowie in einem Expertenausschuss zusammen. Diese Public-private-Partnership ermöglicht herstellerunabhängige und breit abgestützte Standards. Mittlerweile hat der Verein eCH, in dem sich unter anderem auch der Schweizerische Gemeindeverband, alle Kantone und zahlreiche Gemeinden engagieren, schon über 250 Standards erarbeitet. Informationen: www.ech.ch www.eumzug.swiss Martin Mächler

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