Wie verändern politische Rahmenbedingungen und KI die Recyclingbranche?
Der Recyclingkongress 2026 von Swiss Recycle und dem Schweizerischen Verband Kommunale Infrastruktur (SVKI) versammelt erneut die wichtigsten Akteurinnen und Akteure der Schweizer Recycling- und Entsorgungsbranche. Der etablierte Branchentreff bietet Orientierung in einer Zeit, in der sich politische Vorgaben, technologische Möglichkeiten und gesellschaftliche Erwartungen rasch weiterentwickeln. Im Zentrum der Ausgabe 2026 stehen zwei Themenfelder, die den Dialog der Branche prägen: politische Rahmenbedingungen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft und der praktische Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Branche. Zudem wird anhand von Fachreferaten ein Blick auf aktuelle Herausforderungen im Markt geworfen und neuen Innovationen eine Plattform geboten. Die Revision des Umweltschutzgesetzes (USG) und verschiedene laufende Regulierungsentwicklungen auf europäischer Ebene setzen neue Leitplanken für Ressourcenschutz und Abfallwirtschaft. Im Eröffnungsinput ordnet Christiane Wermeille vom Bundesamt für Umwelt die kommenden politischen Vorgaben ein und zeigt auf, welche neuen Verpflichtungen und Chancen auf die Branche zukommen. Besonderen Raum erhält im Anschluss die Podiumsdiskussion «Vorbereitung zur Wiederverwendung», die am konkreten Beispiel der Elektroaltgeräte die Herausforderungen aufzeigt, die sich bei Sammlung, Sortierung und Reparierbarkeit ergeben. Vertretende entlang der gesamten Wertschöpfungskette diskutieren, wie bestehende Prozesse angepasst werden müssen und welche Infrastruktur es braucht, um Wiederverwendung in der Praxis zu stärken. Auch die europäische Entwicklung – insbesondere die Ausweitung der Reparaturpflicht und die Ökodesign-Verordnungen im Bereich Reparierbarkeit – wird in diesem Kontext von Wojtek Sitarz von der Europäischen Kommission beleuchtet und mit der Situation in der Schweiz verglichen. Ein zweiter Schwerpunkt richtet den Blick auf die Frage, wie weit die Digitalisierung und insbesondere die künstliche Intelligenz (KI) die Recyclingbranche bereits verändert haben. Vertreterinnen und Vertreter von Sortiertechnologie, Abfallbewirtschaftung und Forschung zeigen anhand konkreter Beispiele, wo KI heute schon eingesetzt wird – etwa bei der Erkennung von Fehlwürfen, der Optimierung von Sortierprozessen oder der datenbasierten Analyse von Stoffströmen. Im Podium diskutieren Fachpersonen, wie realistisch der Einsatz von KI in kleineren Betrieben ist, welche Investitionen nötig sind und welche Anwendungen tatsächlich einen Mehrwert bringen. Die Diskussion spannt den Bogen von bestehenden Pilotprojekten über praktische Hürden bis hin zur Frage, wie KI künftig helfen kann, Recyclingquoten zu steigern und Qualitätsschwankungen zu reduzieren. Ein Blick über die Landesgrenzen nach Deutschland ermöglicht zudem eine Einschätzung, wo die Schweiz im internationalen Vergleich steht – und wo sie technologisch noch aufholen kann. Im abschliessenden Teil des Kongresses rückt ein weiteres Kernthema der Branche ins Zentrum: die zunehmende Belastung von Grüngut durch Fremdstoffe. Im Expertengespräch diskutieren Fachpersonen wie Martin Leuenberger von der Leureko AG, wie die Branche mit steigenden Fremdstoffen umgeht und welche Massnahmen Wirkung zeigen. Den feierlichen Schlusspunkt setzt anschliessend die Verleihung des Circular Award, der innovative Projekte auszeichnet, die einen messbaren Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten. Von 23 Bewerbenden wurden die folgenden drei Projekte von einer Fachjury als Finalisten erkoren: «Textile Innovationen» – CLIMATEX AG «Zirkuläre Lithiumionenakkus» – Evolium Technologies SA «KIBECO Cleancrete Oulesse – zementfreier Beton» – KIBAG Das Publikum kürt den Gewinner oder die Gewinnerin direkt vor Ort – ein inspirierender Abschluss, der zeigt, wie vielfältig und praxisnah Innovationskraft in der Branche gelebt wird. Der Recyclingkongress 2026 bietet damit nicht nur fachliche Einordnung und konkrete Praxisbeispiele, sondern auch Raum für Austausch, Vernetzung und Inspiration. Weitere Infos zum Branchentreffpunkt finden Sie unter www.recyclingkongress.ch Viviane Pfister