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Aktive Filter: Kategorie: Energie und Umwelt Autor: Benno Staub Alle Filter entfernen
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Umgang mit Starkregen, Hitze und Trockenheit

Schon heute leiden viele unserer Städte und Agglomerationen unter sommerlicher Hitze, Wasserknappheit in längeren Trockenphasen und Überschwemmungen bei Starkregen. Hitzetage (≥ 30 °C) und Tropennächte (≥ 20 °C) belasten die Gesundheit und die Lebensqualität. Gemäss den Klimaszenarien CH2018 werden Hitzewellen und anhaltende Trockenheit im Sommer, aber auch Starkregen bereits in den kommenden Jahrzehnten wesentlich häufiger und intensiver. Im Status quo ist die Schweiz ungenügend an die Auswirkungen des Klimawandels angepasst: Asphalt, Beton, Stahl und Glas heizen Strassen und Gebäude im Sommer unnötig auf, versiegelte Flächen lassen Regenwasser nicht versickern und verschärfen das Überschwemmungsrisiko durch Oberflächenabfluss und Kanalisationsrückstau. Städte und Gemeinden, Planer und viele weitere Akteure stehen in der Verantwortung, sich für einen nachhaltigen Umgang mit Regenwasser einzusetzen. Naturgefahrenprävention bedingt auch Klimaschutz und Klimaanpassung. Die in den letzten Jahren und im Sommer 2021 besonders hohen Schäden infolge von Hagel, Sturm und Überschwemmungen verdeutlichen den Handlungsbedarf. Die Gefährdungskarte Oberflächenabfluss und die Schadenstatistiken der kantonalen Gebäudeversicherungen zeigen: Zwei von drei Gebäuden sind bei Starkregen potenziell gefährdet, und jeder zweite Überschwemmungsschaden ist auf Oberflächenabfluss zurückzuführen. Die klimabedingte Verschärfung der Starkregengefahr birgt deshalb erhebliche Risiken. Gebäude und Infrastrukturanlagen müssen widerstandsfähiger werden. Beim Gebäudeschutz vor Starkregen stehen planerische, bauliche und technische Massnahmen sowie Nutzungsanpassungen im Vordergrund. Für organisatorische Notfallmassnahmen fehlt die erforderliche Vorwarn- und Reaktionszeit. Sämtliche Gebäudeöffnungen im potenziell überschwemmungsgefährdeten Bereich müssen permanent geschützt sein, wobei man auch Lüftungsöffnungen oder Leitungsdurchführungen nicht vergessen darf. Im Grundsatz braucht es eine weitsichtige und risikoorientierte Planung mit Fokus auf die gesamte Lebensdauer des Gebäudes. Werden bereits zu Beginn der Planung klare Ziele formuliert, die beabsichtigten Nutzungen geklärt und mögliche Risiken erkannt, können im interdisziplinären Diskurs robuste Lösungen entstehen. Zielführend sind beispielsweise die erhöhte Anordnung des Erdgeschosses und der Zugänge in Kombination mit einer Umgebungsgestaltung, die den Wasserabfluss gezielt um die Gebäude herumleitet (siehe Abbildung). Deshalb ist der Blick über Parzellengrenzen hinweg für das integrale Regenwassermanagement zentral: Wo kommt das Wasser her? Wo kann es versickern oder sich aufstauen? Wo fliesst es weiter? Das Konzept «Schwammstadt» ist bestechend einfach und bringt die Themen Klimaanpassung, Naturgefahrenprävention, Biodiversität und Lebensqualität unter einen Hut: Auch urbane Räume sollen ähnlich einem Schwamm möglichst viel Wasser aufnehmen und zwischenspeichern können, damit dieses während Trockenperioden für die Pflanzen zur Verfügung steht und über Verdunstung die Umgebungsluft abkühlt. Der Effekt gleicht einer «natürlichen Klimaanlage für die Strassen» und ist deshalb ein Schlüssel der modernen Stadtplanung zur Bekämpfung von Hitzeinseln. Die höchste Verdunstungsleistung erreichen grosse, alte Bäume. Die Kernelemente der «Schwammstadt» sind sickerfähige Flächen und viel Freiraum im Untergrund für den Wasserrückhalt und die Wurzeln grosser Stadtbäume. Regenwasser kann beispielsweise auf begrünten Flachdächern, in Gärten und auf unversiegelten Plätzen versickern. Je mehr Wasser lokal zwischengespeichert und über Begrünung wieder an die Umgebungsluft abgegeben werden kann, umso besser. Die Kombination all dieser Massnahmen reduziert bei Starkregen den Eintrag in die Kanalisation und das Risiko eines Rückstaus. Doch die Herstellung grosser Speichervolumen im Untergrund bei gleichzeitig hoher Belastbarkeit des Bodens und langfristiger Verfügbarkeit von Nährstoffen für Pflanzen ist ein Novum. Verschiedenste Pionierbeispiele wie z.B. die Giessereistrasse in Zürich beweisen die Praxistauglichkeit. Damit das Konzept der Schwammstadt zum Erfolg wird, müssen die Stadt- und die Verkehrsentwicklung gut mit der generellen Entwässerungsplanung (GEP) und dem Hochwasserschutz koordiniert werden. Dass dabei stets auch der Überlastfall bei Starkregen bewusst mitgedacht wird, dürfte zu robusteren Planungen und zur allgemeinen Sensibilisierung für Naturgefahren beitragen. Weitere Informatione n : - Veranstaltung «Hitze, Regen und Gewitter – integrale Lösungen» am 20. Januar 2022 an der Swissbau Focus in Basel (Programm und Gratistickets: www.schutz-vor-naturgefahren.ch/swissbau ) - Informationsplattform Gebäudeschutz vor Naturgefahren: www.schutz-vor-naturgefahren.ch - Informationen des VSA zum Thema: www.vsa.ch/schwammstadt - SIA-Positionspapier Klimaschutz, Klimaanpassung und Energie: www.sia.ch/klima - BAFU-Publikation «Regenwasser im Siedlungsraum» (erscheint 2022) Benno Staub

Hagel stellt Anforderungen an den Gebäudeschutz

Wenn ein drei Zentimeter grosses Hagelkorn am Dach oder der Fassade mit fast 90 Kilometer pro Stunde aufschlägt, führt dies bei einigen Materialien zu Dellen, Verbiegungen oder Oberflächenschäden. Besonders häufig sind Schäden an Storen, aussengedämmten Fassaden sowie Kunststoffelementen wie Lichtkuppeln, Schwimmbadabdeckungen oder freigelegten Dichtungsbahnen. Im schlimmsten Fall können funktionale Schäden wie Risse entstehen. Wird die Gebäudehülle dabei undicht, können bei Wassereintritt grosse Folgeschäden anfallen. Für Betroffene bedeutet ein Hagelschaden zudem Umtriebe und Ärger. Denn ein Hagelschlag trifft meist sehr viele Gebäude gleichzeitig, was die Reparaturen entsprechend verzögert. Die Hagelsaison liegt ausgerechnet mitten in der Sommerhitze, wenn exponierte Innenräume ohne Beschattung kaum nutzbar sind. Auch im Juni und Juli 2021 wurden viele Ortschaften in der Schweiz von schwerem Hagelschlag heimgesucht. Wie beim Schutz vor anderen Naturgefahren, beispielsweise dem Hochwasserschutz, gilt auch beim Hagelschutz: Je früher die Naturgefahren in den Planungsprozess einbezogen werden, umso einfacher finden sich wirksame und günstige Lösungen – auch bei Umbauten und Renovationen. Damit dies gelingt, braucht es eine bessere Sensibilisierung für das Thema Naturgefahren, auch bei Baufachleuten. Im Idealfall weisen kommunale Baubehörden die Bauherrschaften sowie die Architektinnen und Architekten bereits bei Bauvoranfragen umfassend auf Naturgefahren hin mit Verweis auf weiterführende Informationen, Normen und Planungshilfen. Dies ist auch bei Grundstücken ausserhalb von Gefahrenzonen wichtig, denn Starkregen, Sturm oder eben Hagel können überall auftreten. Für den Schutz vor Hagel gibt es zwei Grundkonzepte: erstens die Verwendung robuster Materialien und hagelgeprüfter Produkte für alle exponierten Elemente der Gebäudehülle, zweitens den Schutz der besonders verletzlichen Lamellenstoren. So gelingt der Hagelschutz oft nebenbei in Synergie mit anderen Sanierungsarbeiten, was sich auch für den Gebäudebestand der öffentlichen Hand bezahlt machen kann. Müssen bei Erneuerungen zum Beispiel Lichtkuppeln aus Kunststoff geschützt werden, sind vorgelagerte Schutzgitter oder -netze eine prüfenswerte Alternative zum Einbau widerstandsfähigerer Lichtkuppeln aus Glas. Zentral ist ein guter Überblick über die Gefährdung am Standort und die Schutzziele. Hierzu dient die Informationsplattform www.schutz-vor-naturgefahren.ch , wobei mittels Eingabe des Gebäudestandorts die lokale Gefährdung durch verschiedene Naturgefahren sowie zur Situation passende Empfehlungen für den Gebäudeschutz abgerufen werden können. Im Hintergrund greift dieser Naturgefahren-Check auf die im Mai 2021 neu veröffentlichte Hagelgefährdungskarte von MeteoSchweiz zu. Diese neuste wissenschaftliche Grundlage zeigt, dass in einem Zeithorizont von 20 bis 50 Jahren verbreitet mindestens einmal mit Hagelkörnern von drei Zentimeter Durchmesser oder mehr gerechnet werden muss. Dies entspricht in etwa der minimalen Lebensdauer, die viele Bauteile an der Gebäudehülle erreichen sollten. Ein hoher Hagelwiderstand ist somit auch in Bezug auf die Amortisation von Bautätigkeiten und die Nachhaltigkeit ein wichtiges Entscheidungskriterium. Die neuen Gefährdungskarten bestätigen die allgemeine Empfehlung vieler Naturgefahrenfachleute, Gebäude mindestens gegen drei Zentimeter grosse Hagelkörner zu schützen. Dieses minimale Schutzziel ist ohne wesentliche Mehrkosten umsetzbar und wird zudem von der neuen Norm SIA 261/1 «Einwirkungen auf Tragwerke – Ergänzende Festlegungen» für alle Neubauten gefordert, worauf Bauverwaltungen verweisen können. Nebst diskussionslos hagelunempfindlichen Materialien wie Beton oder ausreichend starkem Glas (≥4 mm) gibt es für sämtliche Elemente der Gebäudehülle eine Vielzahl geprüfter Produkte. Als Entscheidungshilfe dient das kostenlose Onlineplanungstool www.hagelregister.ch , wobei die Bauteile in fünf Hagelwiderstandsklassen unterteilt werden: HW 1 bis HW 5. Die Ziffern entsprechen der maximalen Korngrösse in Zentimetern, der ein Bauteil standhält. Je höher der HW-Wert, desto höher der Hagelwiderstand. Die Produkte im Hagelregister werden gemäss einheitlichen Prüfbestimmungen an sechs Prüfinstituten in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland getestet. Die Gültigkeit der Zertifikate wird laufend überprüft. Beschädigte Lamellenstoren machen rund einen Drittel aller Hagelschäden aus. Doch diese beweglichen Bauteile haben gegenüber der restlichen Gebäudehülle einen entscheidenden Vorteil: Sind die Storen hochgefahren, ist das Schadenpotenzial gleich null. Die darunterliegenden, modernen Fenster und Fensterrahmen sind weniger anfällig für Hagelschlag. Die Kantonalen Gebäudeversicherungen bieten in Zusammenarbeit mit SRF Meteo und NetIT Services kostenlos das Warnsignal «Hagelschutz – einfach automatisch» an, mit dem sich sämtliche Storen an einem Gebäude vollautomatisiert vor Hagel schützen lassen. Eine Schnittstelle ruft laufend die Hagelprognose für den Gebäudestandort ab und lässt die Storen bei Hagelgefahr automatisch hochfahren. Diese Hagelprognose wird alle fünf Minuten aus diversen Parametern wie Radardaten, Blitzaktivität und -charakteristik, Höhenwinden sowie verschiedenen Prognosemodellen neu berechnet und ist räumlich sehr genau. Sobald die lokale Hagelwahrscheinlichkeit einen Schwellenwert unterschreitet, werden sämtliche Storen wieder in ihre ursprüngliche Position gebracht. Oft lassen sich alle Storen grosser Gebäude, beispielsweise von Schulen oder Spitälern, mit einer einzigen Schnittstelle schützen. So einfach funktioniert moderner Gebäudeschutz mit intelligenter Gebäudetechnik. Informationen: Informationsplattform mit standortgenauer Gefährdungsübersicht Hagelresistente Bauprodukte Storen-Steuerungssystem «Hagelschutz – einfach automatisch» Benno Staub

Nachhaltig und klimaangepasst bauen

Die Anforderungen an nachhaltige Gebäude sind hoch, denn es gilt, sehr viele Themen unter einen Hut zu bringen und zukünftige Entwicklungen und Anforderungen zu antizipieren. Wer nach den Grundsätzen der Nachhaltigkeit bauen will, muss folglich auch Naturgefahren möglichst früh in der Planung berücksichtigen, wenn der Handlungsspielraum am grössten ist. Im Alpenland Schweiz mag man bei Naturgefahren zuerst an Steinschlag oder Lawinen denken. Doch drei Viertel aller Gebäudeschäden gehen auf Hagel, Sturm und Starkregen zurück. Diese Gefahren können auch im Mittelland jederzeit auftreten, mit fortschreitendem Klimawandel noch häufiger und intensiver als heute. Umso mehr müssen bei der Planung von Neu- und Umbauten Lösungen gefunden werden, um Gebäude und Infrastruktur bestmöglich auch den in Zukunft zu erwartenden Einwirkungen anzupassen. Gemäss den Klimaszenarien für die Schweiz CH2018 ist von einer deutlichen Zunahme der Häufigkeit und Intensität der Starkregenereignisse auszugehen – die zunehmende Versiegelung des Bodens und Verdichtung der Siedlungen verstärkt die Problematik zusätzlich. Nicht unmittelbar versickerndes Regenwasser fliesst als sogenannter Oberflächenabfluss auf dem Boden ab. Wenige Zentimeter Wasser an einer kritischen Stelle genügen, um ein Untergeschoss zu fluten. Etwa jeder zweite Überschwemmungsschaden an Gebäuden ist auf Oberflächenabfluss zurückzuführen und nicht auf ausufernde Bäche, Flüsse und Seen. Deshalb lohnt sich ergänzend zu den kantonalen Gefahrenkarten ein Blick auf die schweizweit verfügbare «Gefährdungskarte Oberflächenabfluss». Sie zeigt die bevorzugten Fliesswege im Fall eines lokalen Starkregens auf. Ausserdem wird ersichtlich, dass zwei von drei Gebäuden in der Schweiz potenziell davon betroffen sind. Nur wer die Gefahren und deren Konsequenzen kennt, kann sich gut dagegen schützen. Es gibt wirksame konzeptionelle und konstruktive Lösungen für naturgefahrensichere Gebäude. Werden Naturgefahren bereits früh im Projekt berücksichtigt, lassen sich Neubauten meist ohne Mehrkosten schützen. Werden Schutzmassnahmen allerdings zu spät eingeplant, können erhebliche Mehrkosten entstehen; denn ein ungünstiger Entwurf lässt sich selbst mit hohem Zusatzaufwand nicht mehr retten. Dies gilt besonders für die Erdbebensicherheit und den Hochwasserschutz. Bauliche Schutzmassnahmen sind oft einfach umsetzbar. Gut in den architektonischen Kontext eingebettete Hochwasserschutzmassnahmen, etwa in Form höhergelegter Öffnungen und Zugänge, sind kaum als solche erkennbar und schützen zuverlässig. Können Tiefgarageneinfahrten nicht permanent mit baulichen Vorkehrungen geschützt werden, eignen sich technische Massnahmen, die ohne menschliches Zutun funktionieren, zum Beispiel automatische Klappschotts. Ein Klappschott besteht im Wesentlichen aus einem erdverlegten Tank und einer mechanischen Klappe. Wenn Wasser in den Tank einläuft, wird die Klappe direkt von selbst geschlossen. Denn im Ernstfall reicht meist die Zeit nicht, um Dammbalken und Sandsäcke einzusetzen. Beim Hochwasserschutz wird durch die Norm SIA 261/1 eine permanente Lösung sogar vorgeschrieben. Aus Gewittern entstehen häufig lokale Starkregen, die zudem starke Windböen und oft auch Hagel mit sich bringen. Ein einzelner Hagelzug kann binnen Minuten grossflächig Schäden an Dächern und Fassaden verursachen, wobei leichte und spröde Materialien besonders anfällig sind. Gefahren wie Hagel, denen man räumlich nicht ausweichen kann, entgegnet man am besten mit einer widerstandsfähigeren Gebäudehülle. Wirksamen Schutz bieten beispielsweise hagelgeprüfte Bauprodukte gemäss Hagelregister . Die konstruktionsbedingt besonders verletzlichen Storen haben den Vorteil, dass sie im Ereignisfall aus dem Gefahrenbereich gebracht werden können. «Storen hochziehen!», lautet die Präventionsbotschaft. Das geht heute auch vollautomatisch mit IoT (Internet of Things), nämlich dem Warnsystem « Hagelschutz – einfach automatisch » der Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen. Damit ruft die Gebäudesteuerung alle zwei Minuten die neuste Hagelprognose ab und fährt bei akuter Hagelgefahr sämtliche Storen temporär hoch – das Schadenpotenzial reduziert sich somit auf null. Ein ähnliches System zum Schutz vor Wind ist in Entwicklung, wobei Windmessungen aus der Umgebung helfen sollen, Böen früh zu erkennen und die Storen rechtzeitig hochzuziehen. Solche Massnahmen können die Lebensdauer von Bauteilen verlängern und somit Ressourcenverschleiss, Umtriebe und Kosten reduzieren. Naturgefahren frühzeitig in die Planung miteinzubeziehen, ist ein zentrales Element der Nachhaltigkeit am Bau. Ein nachhaltiger Umgang mit Naturgefahren setzt voraus, dass Risiken systematisch analysiert und bewertet werden. Letztlich geht es um die Frage, wie viel Schutz ein bestimmtes Objekt braucht. Alle involvierten Akteure müssen sich die Fragen stellen, was passieren darf und was nicht. So kann es sich beispielsweise lohnen, die Schutzziele für besonders intensiv genutzte Gebäude noch höher anzusetzen, um einen Betriebsunterbruch zu verhindern. Ein bewusster Dialog auf dem Weg zum akzeptierten Risiko und klimaangepassten Gebäude ist das Ziel. Bauherrschaften, Architekten und Fachplaner werden dabei von diversen Normen, Wegleitungen und Planungshilfen unterstützt. In Bezug auf den Schutz vor Naturgefahren ist der Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) Hochbau vorbildlich: Sich auf die Normen SIA 261 und SIA 261/1 abstützend, berücksichtigt der SNBS Hochbau 2.1 alle Naturgefahren gleichermassen umfassend wie pragmatisch. Ein interaktives Bewertungstool auf www.schutz-vor-naturgefahren.ch/snbs führt durch die relevanten Fragen und macht Vorschläge für Schutzmassnahmen. Informationen: Informationsplattform Gebäudeschutz vor Naturgefahren SNBS-Indikator 204.2 «Naturgefahren und Erdbebensicherheit» Online-Bewertungshilfe für SNBS-Indikator «Naturgefahren und Erdbebensicherheit» Benno Staub

Hagelschäden und Gebäudeschutz – das wissen wir heute

Grosse Mengen Einfränkler, die vom Himmel herabsausen. Manchmal sogar Golfbälle. Das ist der bildliche Vergleich dessen, was passiert, wenn es hagelt. Die Schäden, die Hagel anrichten kann, sollte man entsprechend ernst nehmen und frühzeitig Schutzvorkehrungen treffen. Denn Hagel verursacht Schäden an Gebäuden und damit verbunden Kosten, die über einen Ersatz der betroffenen Bauteile hinausgehen. Und schliesslich können Hagelschäden an Gebäuden in Gemeinden Kräfte binden, die es bei grossen Unwetterereignissen andernorts braucht. Rund ein Drittel aller Elementarschäden in der Schweiz geht auf Hagel zurück. Die eingangs erwähnten Einfränkler und Golfbälle stehen für zwei unterschiedlich häufige Schadenszenarien. Hagel mit einem Durchmesser von zwei Zentimetern entspricht etwa der Grösse eines Einfränklers und kommt gemäss den Erkenntnissen des Forschungsprojekts «Hagelklima Schweiz» pro Jahr rund 32-mal vor. Fast so oft fällt Hagel mit drei Zentimetern Durchmesser. Ein Hagelkorn mit vier Zentimetern Durchmesser entspricht der Grösse eines Golfballs – ein Szenario, mit dem vielerorts in der Schweiz mindestens einmal in 50 Jahren zu rechnen ist. Ein einzelnes Hagelgewitter kann sich rasch über weite Gebiete erstrecken und viele Ortschaften fast zeitgleich in Mitleidenschaft ziehen. Hagelschlag kann dabei grossflächig Spuren der Verwüstung hinterlassen. Wie stark Gebäude in Mitleidenschaft gezogen werden, hängt von ihrer Bauweise ab. Ebenfalls im Rahmen von «Hagelklima Schweiz» sind Hagelgefährdungskarten entstanden, welche die zu erwartenden Hagelkorngrössen in einem bestimmten Zeitraum beschreiben. Bereits in einer Periode von 10 bis 20 Jahren treten in weiten Teilen der Schweiz Hagelkörner mit zwei bis drei Zentimetern Durchmesser auf. Erhöht man den Betrachtungshorizont auf 50 Jahre, sind drei Zentimeter grosse Hagelkörner fast landesweit mindestens einmal zu erwarten. In einigen Regionen der Voralpen, des Jura und im Tessin können die Hagelkörner auch vier bis sogar fünf Zentimeter gross sein. Was bedeuten diese Grössen? Ein zwei Zentimeter grosses Hagelkorn erreicht eine Geschwindigkeit von 70 km/h. Bei drei Zentimetern sind es 86 km/h, bei vier Zentimetern bereits 99 km/h. Die oben genannten Geschwindigkeiten geben eine Ahnung davon, welche Schäden Hagel anrichten kann, denn die Aufprallenergie nimmt mit der Geschwindigkeit im Quadrat zu. Viele Bauteile der Gebäudehülle können Schaden nehmen, grundsätzlich hagelfest sind lediglich Beton oder Fensterglas mit einer Dicke von mindestens vier Zentimetern. Hingegen sind Aussenverputze, Wärmedämm-Verbundsysteme, frei liegende Dichtungsbahnen, Lamellenstoren oder spröde Lichtkuppeln aus Kunststoff typische Opfer von Hagelschäden. Wie widerstandsfähig ein Bauteil gegenüber Hagel ist, hängt primär vom Material und vom Systemaufbau ab. Wessen Gebäude von Hagelschäden betroffen ist, muss unter Umständen eine Vielzahl an Schäden beheben. Sind beispielsweise Dichtungen betroffen oder auch Lichtkuppeln, kann das Gebäude zusätzlich einen folgenschweren Wasserschaden erleiden. Dies ist relevant für Gemeindegebäude: Wenn die Feuerwehr damit beschäftigt ist, die Wassermassen in Bahnen zu lenken, sollte sie nicht noch die Schule oder ein anderes öffentliches Gebäude auspumpen müssen. Selbst zerbeulte Storen können zum grossen Ärgernis werden, denn Gebäude, deren Storen grossflächig ersetzt werden müssen, lassen sich mitten in der Sommerhitze kaum zum Arbeiten nutzen. Und dies während Wochen bis Monaten, bis die vielen Schäden repariert sind. Eine wichtige Schutzmöglichkeit liegt in der Verwendung hagelsicherer Bauteile. Solche Produkte, die standardisierte Tests durchlaufen haben, finden sich im Hagelregister, einer öffentlich zugänglichen Planungs- und Entscheidungshilfe für Bauprodukte. Dort sind sie nach Bauteilgruppe und Hagelwiderstandsklasse aufgelistet, also nach der Unterscheidung, ob sie «Einfränklern» oder «Golfbällen» standhalten. Zudem gibt es spezifisch für Storen in der Schweiz ein intelligentes Schutzsystem: «Hagelschutz – einfach automatisch» verbindet Gebäudesteuerungen mit einer Echtzeit-Hagelprognose. Trifft für einen Standort eine Hagelwarnung ein, kann die Storensteuerung automatisch alle Storen hochfahren. Eine äusserst effektive Lösung, gerade für grössere öffentliche Gebäude wie Schulhäuser oder Turnhallen. Oft ist dort kein Personal anwesend, wenn ein Gewitter aufzieht. Und selbst dann reicht die Zeit unter Umständen nicht aus, um alle Storen rechtzeitig manuell hochzufahren. Hagelschutz für Gebäude ist heute auch in Normen und Nachhaltigkeitslabels wie dem Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) verankert. Die Tragwerksnorm SIA 261/1 berücksichtigt zusätzlich zum Schutz vor gravitativen Naturgefahren auch Hagel. Andere Naturgefahren wie Wind, Erdbeben oder Schnee sind durch die Tragwerksnorm SIA 261 abgedeckt. Beide Normen stufen die Anforderungen nach Bauwerksklassen (BWK I–III) ab. Ein einfaches Wohnhaus entspricht dabei der BWK I, ein Spital der BWK III. Viele öffentliche Gebäude wie Schulen gehören der BWK II an, sollen also von sich aus höhere Anforderungen an den Schutz vor Naturgefahren erfüllen. Auch der SNBS Hochbau 2.1 stützt sich auf diese beiden Normen und bietet mit dem Indikator «204.2 Naturgefahren und Erdbebensicherheit» zudem nützliche Planungshilfen. So häufig Hagel heute ist, so etabliert ist auch der Schutz davor. Informationen: · Informationsplattform Gebäudeschutz vor Naturgefahren: www.schutz-vor-naturgefahren.ch · Register mit hagelgeprüften Bauteilen: www.hagelregister.ch · Hagelwarnsystem für Storen: www.hagelschutz-einfach-automatisch.ch · Naturgefahren im SNBS Hochbau 2.1: www.schutz-vor-naturgefahren.ch/snbs · Forschungsprojekt «Hagelklima Schweiz»: www.nccs.admin.ch Benno Staub

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