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Lösungsansätze gegen den Fachkräftemangel im Fokus

Karin Freiermuth und Christoph Vogel, Sie untersuchen in Ihrem Forschungsprojekt an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW die Förderung gleichberechtigter Teilhabe an (Kader-)Positionen in Schweizer Gemeindeverwaltungen. Was hat dies mit dem aktuellen Fachkräftemangel zu tun? Für viele Gemeinden wird es zunehmend schwierig, offene Kaderstellen schnell und adäquat zu besetzen. Dabei gäbe es viele gut qualifizierte Frauen, die in Führungspositionen aber noch deutlich untervertreten sind. In unserem Projekt implementieren wir neue Arbeitsmodelle für Kaderpositionen, welche die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben verbessern. Dies soll die Unterrepräsentierung von Frauen in der Führung verringern und gleichzeitig dem Fachkräftemangel entgegenwirken. «In unserem Projekt implementieren wir neue Arbeitsmodelle für Kaderpositionen, welche die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben verbessern.» Christoph Vogel, FHNW In unserem Projekt konzentrieren wir uns auf die Umsetzung von flexiblen Arbeitsmodellen wie Topsharing, Teilzeitlösungen, Nachfolgeplanung mit Personalentwicklung und weiteren. Zudem bieten wir unter anderem ein Mentoringprogramm an, mit dem Mitarbeitende – insbesondere Frauen – in ihrer Laufbahnplanung unterstützt werden und dadurch ihr Potenzial ausschöpfen können. Auch erarbeiten wir einen Sensibilisierungsworkshop zum Thema Gleichstellungskompetenz, an dem auch Vertretende aus dem Gemeinderat teilnehmen können. Zwei Gemeindeverwaltungen mit sehr wenigen Verwaltungsmitarbeitenden machen bei unserem Projekt mit; dies gibt uns die Möglichkeit, zu prüfen, inwiefern die Arbeitsmodelle und Massnahmen in kleinen Verwaltungen anschlussfähig sind. Auch wenn kleinere Verwaltungen augenscheinlich einfacher zu überblicken sind, sind die Herausforderungen keinesfalls geringer. In einer dieser kleinen Projektpartnergemeinden planen wir aufgrund von anstehenden Pensionierungen eine komplette Neubesetzung aller vier Verwaltungsmitarbeitenden inklusive des Gemeindeschreibers selbst. Je kleiner die Verwaltung ist, desto schwieriger kann es sein, Aufgaben und (Teil-)Pensen auf mehrere Mitarbeitende zu verteilen. Anschlussfähige Massnahmen zur Nachfolgeplanung sind besonders hier keine einfache Sache. «Je kleiner die Verwaltung ist, desto schwieriger kann es sein, Aufgaben und (Teil-)Pensen auf mehrere Mitarbeitende zu verteilen.» Karin Freiermuth, FHNW Ja, dazu können wir aktuell zwei Beispiele machen: Eine Gemeinde, die sich dazu entschied, eine Führungsstelle im Topsharing anzubieten, erhielt deutlich mehr gute Bewerbungen als bei der ersten Ausschreibungsrunde, als die Stelle klassisch in einem 100-Prozent-Pensum ausgeschrieben worden war. Eine andere, mittelgrosse Gemeinde bietet ihren Mitarbeitenden – auch in der Führung – neu die Möglichkeit, mobil flexibel zu arbeiten. Für die Rekrutierung von neuen Mitarbeitenden ist dies ein wichtiges Argument und wurde von den bisherigen Bewerbenden entsprechend positiv hervorgehoben. Nadja Sutter

Zum Tod von Elisabeth Kopp: Bundesrätin und Gemeindepräsidentin

«Die Stunde der Frauen», notierte Erwin Freiburghaus, der damalige Zentralpräsident des Schweizerischen Gemeindeverbandes (SGV) im Oktober 1984 in der «Schweizer Gemeinde». Denn am 2. Oktober 1984 geschah Geschichtsträchtiges: Elisabeth Kopp wurde als erste Frau in den Bundesrat gewählt. Die FDP-Politikerin war zu dem Zeitpunkt Gemeindepräsidentin von Zumikon (ZH), Nationalrätin und seit 1980 Mitglied im Vorstand des SGV. «Frau Kopp hat in den vier Jahren sachlich, kompetent und konziliant in unserem Verband mitgearbeitet», schrieb Erwin Freiburghaus. Der SGV freue sich, dass eine aktive Gemeindepräsidentin in den Bundesrat gewählt worden sei. «Sie kennt die Sorgen und Nöte der Gemeinden unseres Landes.» Die 1936 in Zürich geborene und in Muri bei Bern aufgewachsene Elisabeth Kopp war bereits früh politisch aktiv und setzte sich insbesondere für die Rechte der Frauen ein. Unmittelbar nach der Einführung des Frauenstimmrechts im Kanton Zürich wurde sie 1970 als Gemeinderätin von Zumikon gewählt und war ab 1974 bis zu ihrer Wahl in den Bundesrat Gemeindepräsidentin. Damals war die Juristin eine der ersten Gemeindepräsidentinnen der Schweiz. In ihrer Amtszeit wurden wichtige Projekte wie die Neugestaltung des Dorfzentrums realisiert. In einer Todesanzeige würdigt die Gemeinde Zumikon das Engagement von Elisabeth Kopp und schreibt, dass sie auch nach ihrer Wahl in den Bundesrat der Gemeinde verbunden geblieben sei und noch manche Gemeindeversammlung besucht habe. Auf nationaler Ebene politisierte Elisabeth Kopp ab 1979, als sie erstmals in den Nationalrat gewählt wurde. 1983 gelang ihr die Wiederwahl mit einem Glanzresultat. Wenig später wurde sie für die Nachfolge des zurücktretenden Bundesrats Rudolf Friedrich nominiert. Sie übernahm als Bundesrätin das Justiz- und Polizeidepartement; in ihre Amtszeit fiel die Revision des Asylgesetzes, zudem setzte sie sich für ein partnerschaftliches Eherecht ein. Elisabeth Kopps politische Karriere fand 1989 ein abruptes Ende. Sie trat auf grossen öffentlichen Druck hin zurück, weil sie mit einem Anruf an ihren Mann das Amtsgeheimnis verletzt haben soll – einer der grössten Politskandale der Zeit. Später wurde sie vom Vorwurf der Amtsgeheimnisverletzung freigesprochen, zog sich aber dennoch für mehrere Jahre aus der Öffentlichkeit zurück. In den 2000er-Jahren engagierte sie sich wieder öffentlich, unter anderem bei den Abstimmungen für den UNO-Beitritt der Schweiz sowie für die Mutterschaftsversicherung. Nun ist die Pionierin und Vorkämpferin für die Rechte der Frauen nicht mehr. Sie starb am 7. April 2023 mit 86 Jahren nach langer Krankheit. Vonseiten des SGV entsenden wir der Trauerfamilie unser tiefes Beileid. Wir werden Elisabeth Kopp als herausragende Persönlichkeit und ihre grossen Verdienste für die Gemeindepolitik in bester Erinnerung behalten. Hannes Germann

Ein Rezept gegen halb leere Gemeindeversammlungen?

Michael Strebel: Bislang stimmte die Bevölkerung der Einführung von Gemeindeparlamenten jeweils zu, wenn sich der Stadtrat ebenfalls dafür ausgesprochen hatte. In Rapperswil-Jona ist es nun anders gekommen: Obwohl der Stadtrat und auch die Parteien für die Schaffung eines Stadtparlaments warben, hat die Stimmbevölkerung an der Urne Nein gesagt. Das ist schwierig zu sagen. Klar ist, dass sich in Rapperswil-Jona ein starkes Nein-Komitee gebildet hat, das pointiert aufgetreten ist, mobilisieren konnte und es geschafft hat, die bisherige Erkenntnis zu widerlegen. «In der Deutschschweiz gilt die Gemeindeversammlung oft als eigentliche Urform der Demokratie.» Dr. Michael Strebel Man muss die Situation jeweils im Einzelfall beurteilen. Wie ist die Teilnehmerzahl an den Gemeindeversammlungen, wie hat sie sich entwickelt? Kann die Bevölkerung effektiv Einfluss nehmen auf die politischen Geschäfte? Es gilt, eine Analyse aufgrund gewisser objektiver Kriterien vorzunehmen. Dementsprechend ist meine Antwort auch nicht einfach «Ja, sie sollten ein Parlament einführen» – obwohl ich Parlamentarismusforscher bin. Das wäre unsinnig. Untauglich würde ich nicht sagen. Es kommt sehr auf die Gemeindestruktur an. Zudem gibt es Kantone, die die Einführung von Gemeindeparlamenten von vornherein ausschliessen. Umgekehrt darf es in den Kantonen Neuenburg und Genf nur Gemeindeparlamente geben – Gemeindeversammlungen sind nicht vorgesehen. Das hat in erster Linie historische Gründe. In der französischsprachigen Schweiz ist die Bevölkerung stärker geprägt von Parlamentsversammlungen. Die ersten Gemeindeparlamente wurden hier bereits 1789 gegründet, zur Zeit der Französischen Revolution. In der Deutschschweiz gilt dagegen oft die Gemeindeversammlung als eigentliche Urform der Demokratie. Erst als diese nach Einführung des Frauenstimmrechts plötzlich viel grösser wurden, haben sich einige Gemeinden für die Installation eines Gemeindeparlaments entschieden. Mit einem Gemeindeparlament hat man Parlamentarierinnen und Parlamentarier, die für eine Legislaturperiode gewählt sind. Das gewährleistet eine gewisse Kontinuität. Und: Ein Parlament kann sich mit politischen Geschäften auf andere Art und Weise auseinandersetzen, als dies eine Gemeindeversammlung tun kann. Die Dossiers werden eingehender geprüft, und es sind auch grössere Abänderungen möglich. Ja, aber oftmals ist es genau umgekehrt. Dass also die Exekutive findet: Um die Gemeinde voranzubringen, müssen wir ein politisches Gegenüber haben. Klar: Gerade auf Stufe Gemeinde nimmt die Exekutive eine starke Rolle ein. Gegenüber einem Parlament wird sie aber anders ausgelebt als gegenüber einer Gemeindeversammlung. «Ein Parlament kann sich mit politischen Geschäften auf andere Art und Weise auseinandersetzen, als dies eine Gemeindeversammlung tun kann.» Dr. Michael Strebel Es gibt in der Schweiz 458 Gemeindeparlamente. Nicht alle haben Mühe, genügend Leute zu finden. Aber es ist natürlich schon so: Es gibt Gemeinden und Parteien, die Schwierigkeiten haben, Kandidatinnen und Kandidaten zu finden. Meiner Ansicht nach ist es eine der grundlegenden Aufgaben der Parteien, sich zu überlegen, wie man Menschen für ein Milizamt, auch für die Exekutive, begeistern kann. Wobei ja gerade die lokale Ebene für den Einstieg absolut spannend ist. Man ist nahe an den Leuten, kann etwas bewegen. Die öffentliche Meinung ist wohl, dass Politiker viel verdienen. Die Realität ist aber eine andere. Gerade in Gemeindeparlamenten ist die Entschädigung – nun ja – «human». Man erhält ein Sitzungsgeld, und damit hat sichs – der ganze Aufwand wird sicherlich nicht gedeckt. Die Entschädigung sollte also definitiv kein Tabu sein. Gleichzeitig bin ich mir bewusst, wie schwierig es ist, wenn sich Politiker selbst den Lohn festlegen. Was ich sagen kann, ist, dass die Entschädigung der Gemeindeparlamentarier sicher nicht zu hoch ist. Fabio Pacozzi

Die neusten Trends an der Suisse Public

In den grosszügigen Hallen der Bernexpo und im Aussenbereich darum herum wird vom 6. bis 9. Juni wieder gefachsimpelt, beraten und ausprobiert. Die Suisse Public, die Schweizer Leitmesse für den öffentlichen Sektor, ist nach sechs Jahren wieder zurück. Sie richtet sich an Behördenmitglieder und Angestellte von Gemeinden, Kantonen und Bund sowie Grossbetriebe. Die Suisse Public bietet die Möglichkeit, Innovationen und neue Technologien direkt vor Ort auszuprobieren und eine individuelle Beratung zu erhalten. Die Messe gliedert sich in verschiedene Bereiche: Kommunalfahrzeuge und -maschinen; Strassen, Signalisation und Verkehr; Abfallentsorgung und Recycling; Gebäudeunterhalt und Industrie; Sport und Freizeit; Informatik und Sicherheit sowie Arbeitssicherheit. Letzterer ist an der diesjährigen Ausgabe ein ganzer Messeteil gewidmet. Darin geht es nicht nur um die Sicherheit von Mitarbeitenden bei potenziell gefährlichen Arbeiten, sondern auch um das Wohlbefinden am Arbeitsplatz ganz allgemein. Nicht fehlen darf auch das Thema Feuerwehr, Wehr- und Rettungsdienste. In diesem Bereich lockt in der aktuellen Ausgabe eine besondere Publikumsattraktion: An der sogenannten FireFit Challenge messen sich Angehörige der Feuerwehr in einem sportlichen Wettbewerb. In voller Montur bewältigen sie einen spektakulären Parcours, der Kraft, Kondition und Schnelligkeit erfordert. An der Suisse Public SMART, der Messe in der Messe, werden verschiedene Themen rund um Digitalisierung, E-Government und smarte Infrastruktur behandelt. Dies in einem Messeteil sowie einer Konferenz mit verschiedenen Beiträgen auch aus der Forschung. Der Schweizerische Gemeindeverband ist als Partner der Suisse Public mit einem Stand im Bereich der Suisse Public SMART vertreten. Zudem führt er am Donnerstag, 8. Juni, seine Generalversammlung im Rahmen der Messe durch. Nadja Sutter

Stiftung des SGV sucht Projekte zur Unterstützung

Engagiert sich Ihre Gemeinde mit einer tollen Initiative beziehungsweise einem Projekt, von dem auch andere Gemeinden in der Region oder gar schweizweit profitieren können? Das verdient Anerkennung! Die Stiftung des Schweizerischen Gemeindeverbands zeichnet jährlich Projekte aus, welche die Gemeinden als Institution und wichtigen Grundpfeiler des föderalen Systems der Schweiz stärken. Dafür stehen insgesamt Mittel von 50 000 Franken pro Jahr zur Verfügung. Die Mitgliedschaft beim SGV wird vorausgesetzt. Es werden pro Jahr höchstens drei Institutionen (Gemeinde oder Gemeindeverbund) mit Projektbeiträgen unterstützt. Die Projekte sind dem SGV jeweils bis zum 30. September einzureichen an verband@chgemeinden.ch oder per Post an: Stiftung des Schweizerischen Gemeindeverbandes Laupenstrasse 35 Postfach 3001 Bern Lernende für die Berufslehre in Luzerner Gemeinden begeistern, Kurzvideo des Gemeindeschreiber- und des Geschäftsführerverbands Luzern (GGV) und von LUnited «Erfa-Stammtisch für Gemeinden» , insbesondere Ausbau des Formats in der Romandie Nadja Sutter

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