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Eine Stadt im Banne der Piazza Grande

Die Piazza Grande in Locarno ist weltbekannt, sogar auf der 20-Franken-Banknote abgebildet. Sie ist ein zentraler kultureller und gesellschaftlicher Mittelpunkt der Stadt, bekannt im Sommer für das Filmfestival und für das Musikfestival Moon&Stars. Diese Veranstaltungen kreieren internationale Aufmerksamkeit und wirtschaftlichen Nutzen und beleben die Stadt, führen gelegentlich aber auch zu Reibereien mit der lokalen Bevölkerung – etwa wegen der Lautstärke von Konzerten oder Filmen. Winterland 2024/25 sorgte für Kritik wegen seiner Grössenordnung, aber auch für seinen Stil, den einige Bewohnerinnen und Bewohner als nicht adäquat in Bezug auf das historische Ambiente empfanden. Die Stadt bemüht sich um Ausgleich zwischen kultureller-touristischer Nutzung und dem Schutz der historischen Baudenkmäler. Gerhard Lob

Ein Fluss trennt und verbindet

Die italienische Gemeinde Lavena Ponte Tresa ist in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen und zählt fast 6000 Einwohner. Die Schweizer Gemeinde Tresa ist 2021 aus einer Fusion von Ponte Tresa, Sessa, Monteggio und Croglio entstanden und zählt circa 3300 Einwohner, ist aber flächenmässig wesentlich grösser als die Zwillingsgemeinde in Italien. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Gemeinden erfolgt projektbezogen, nicht im Rahmen eines fixen Gremiums. Zwei Interreg-Projekte spiegeln die intensive Beziehung zwischen den Gemeinden: der Bau eines neuen Autosilos für Grenzgänger und Einkaufstouristen sowie geologische Arbeiten im Umfeld des Flusses Tresa zu Sicherheitszwecken. Gerhard Lob

Wenn die historischen Milizen trommeln

Der erste Sonntag im Juli: Es ist noch ruhig an diesem Morgen im Tal, auch wenn bereits erste Ausflügler mit dem Auto, Motorrad oder Velo von Biasca in Richtung Lukmanierpass unterwegs sind. Doch plötzlich wird die Stille von einem Trommelwirbel unterbrochen. Bei Aquila (TI) lüftet sich das Geheimnis. Soldaten in historischen Uniformen marschieren in Richtung des talwärts gelegenen Dangio: Fahnenträger, Trommler, Füsiliere, angeführt von einem Kommandanten. Die historische Miliz von Aquila besteht aus zirka 45 Männern, am Ende laufen zwei Kadetten, die gerade mal elf Jahre alt sind. Doch der Stolz an der Teilnahme ist den Youngsters anzumerken. Die kleine Militärparade wirkt auf den ersten Blick ein wenig anachronistisch, doch die Bevölkerung liebt diese Tradition. «Ich habe das selbst schon als Kind verfolgt», sagt eine Mutter am Strassenrand, die ein Baby im Arm hält. «Es ist wichtig, diese Tradition am Leben zu erhalten, auch aus Respekt für unsere Vorfahren», sagt Füsilier Edo Cima, der mit einer kleinen Ledertasche bei den Passanten – Einheimischen und Touristen – Geld für die Miliz sammelt. Er selbst ist seit 22 Jahren dabei. Der Respekt und die Erinnerung gilt all denen Soldaten aus dem Bleniotal, die 1812 für den Russlandfeldzug Napoleons als Söldner eingezogen wurden. Sie versprachen, die Heilige Jungfrau oder den Schutzheiligen ihres Dorfes jedes Jahr am Dorffest zu ehren, sollten sie lebend aus der Schlacht zurückkehren. Das Gelübde ging als Beresinaschwur in die Geschichte ein, benannt nach der blutigen Beresinaschlacht, bei der Tausende von Eidgenossen starben. In drei Dörfern des Tals hat sich diese Tradition bis heute erhalten. In Aquila ist es das Marienfest (Madonna del Rosario) am ersten Sonntag im Juli, in Ponto Valentino ebenfalls das Marienfest (Madonna del Carmelo) am dritten Sonntag im Juli, während in Leontica das Patronatsfest zu Ehren des Heiligen Johannes des Täufers jeweils am 24. Juni gefeiert wird. «Es mischen sich an diesen Festtagen militärische und religiöse Bräuche», sagt Denys Gianora, Ehrenpräsident der napoleonischen Miliz von Leontica, der wohl bekanntesten der drei Milizen im Bleniotal. Diese Kompanie ist Mitglied der Tessiner Trachtenvereinigung sowie des europäischen Vereins Souvenir Napoléonien und tritt gelegentlich in anderen Teilen der Schweiz oder im Ausland in Erscheinung. Im Jubiläumsjahr 2012 marschierte sie durch den Petersdom und das Pantheon in Rom. «Das war sehr bewegend», erinnert sich Gianora. Die Mitglieder der Kompanie tragen historische Militäruniformen. Die Mischung aus militärischen und religiösen Elementen zeigt sich gut in der heiligen Messe, die jeweils am Sonntagvormittag gefeiert wird. In Aquila bringen die Trommler die Pfarrkirche San Vittore zum Beben, wenn sie mehrmals während der Messe ein- und ausmarschieren – etwa zur Wandlung. Am Nachmittag begleiten sie die Prozession der Madonnenstatue, die von Mitgliedern der Bruderschaft San Rosario getragen wird. Die Männer sind in Kutten gekleidet. Pfarrer Miroslaw Janiak, der dieses Jahr die Messe in Aquila geleitet hat, mag diese Tradition: «Ich kam von Sizilien ins Bleniotal, von dort kannte ich diese Art der Prozessionen.» Allerdings: «Die Beteiligung an Messe und Prozession ist bei der Bevölkerung nicht mehr so stark wie früher», sagt der Messner. Und das erstaunt anlässlich der Säkularisierung der Gesellschaft nicht. Gleichwohl haben zumindest die Milizen keine Nachwuchsprobleme. «Für die Jungen ist es eine Frage des Stolzes, die Taltradition, die oft auch eine Familientradition ist, weiterzuführen», erzählt Denys Gianora. Gemäss historischen Forschungen werden die Milizen erstmals im Jahr 1812 erwähnt. Die Kompanien von Leontica und Ponto Valentino sind ab 1816 nachweisbar, diejenige von Aquila ab 1817. Nicht restlos geklärt ist bis heute, wie viele Männer aus dem Bleniotal in den Diensten Napoleons standen. Die Historiker gehen von 26 Männern aus, von denen aber lediglich drei bis sechs tatsächlich den Russlandfeldzug mitmachten. «Die Rekruten meldeten sich hauptsächlich aus finanziellen Gründen freiwillig bei den Regimentern. Den von der französischen Regierung gebotenen Vergütungen und dem Sold fügten sich grosszügige Prämien hinzu, die von den Kantonen vorgesehen waren», heisst es im Buch «Milizie bleniese» von Davide Adamoli und Damiano Robbiani, das 2012 zum 200-Jahr-Jubiläum erschienen ist. Die Milizen gehören zu den wichtigen Traditionen des Bleniotals und festigen das lokale Identitäts- und Heimatgefühl. «Es ist nach wie vor sehr wichtig», sagt Odis Barbara De Leoni, Gemeindepräsident von Acquarossa, «die Leute putzen und schmücken das Dorf – bis heute.» Zu Acquarossa gehören die beiden Fraktionen Leontica und Ponto Valentino. In Ponto Valentino dauert das Fest im Übrigen jeweils bis zum Montagmorgen. Die napolitanischen Milizen im Bleniotal sind in der «Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz» des Bundesamtes für Kultur enthalten, unter dem Sammelbegriff «Milizen im Tessin» gemeinsam mit dem Freiwilligenkorps von Lugano, das jedoch eine ganz andere Geschichte hat. Der Corpo Volontari Luganesi wurde 1797 gegründet, um allfällige Angriffe der neu gegründeten Cisalpinischen Republik abzuwehren, und war dazu verpflichtet, Lugano Tag und Nacht zu bewachen. 1929 wurde er anlässlich des Eidgenössischen Schützenfestes in Bellinzona wieder eingerichtet und von der Stadt Lugano als Ehrengarde anerkannt. Heute kommt das Korps von Lugano an wichtigen Feiertagen wie dem 1. August oder dem 1. Januar zum Einsatz. Gerhard Lob

Tessiner Gemeinde setzt auf fliegende Hightech

Die Schweiz nimmt eine führende Rolle bei der Forschung und Entwicklung von Drohnen ein. Bei dieser Entwicklung will das Tessin nicht im Abseits stehen – ganz im Gegenteil. Auf dem ehemaligen Militärflugplatz von Lodrino in der Riviera, zwischen Bellinzona und Biasca, entsteht im Rahmen eines Technologieparks ein «Kompetenzzentrum für Drohnen». Der Tessiner Staatsrat unterstützt dieses Projekt ausdrücklich. Im Mai 2020 sprach der Grosse Rat einen Kredit über drei Millionen Franken. «Es handelt sich um eine sehr vielversprechende und wachsende Branche», so der Tessiner Finanz- und Wirtschaftsdirektor Christian Vitta. «Ohne diesen Zustupf vom Kanton wäre die Umwandlung von einem Militärflugplatz zu zivilen Zwecken nicht möglich», sagt Alberto Pellanda. Der pensionierte Steuerbeamte ist Gemeindepräsident von Riviera, einer Fusionsgemeinde der ehemals eigenständigen Dörfer Lodrino, Osogna, Iragna und Cresciano. Die Gemeinde zählt gerade mal 5000 Einwohner. Die Eigenmittel sind daher bescheiden. Doch die Gemeinde hat immer daran geglaubt, das Schicksal des ehemaligen Militärflugplatzes in die eigene Hand zu nehmen, nachdem das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) schon vor rund 15 Jahren entschied, Lodrino als Militärflugplatz aufzugeben. Damals entstand die Idee für einen Technologiepool für Aviatik rund um das Flugfeld. Es folgten Studien, ein Masterplan und lange Verhandlungen mit den Bundesbehörden. Im April 2020 gründete die Gemeinde die Riviera Airport AG, die den Flugplatz mitsamt seinen Infrastrukturen künftig betreiben wird. Diese Aktiengesellschaft befindet sich zu 100 Prozent in der Hand der Gemeinde. Am 22. August 2020 unterzeichnete die Gemeinde mit Armasuisse den Vertrag zur Übergabe des Militärflugplatzes. Bis Ende dieses Jahres oder spätestens Anfang 2022 wird die Transformation in ein zivil genutztes Flugfeld laut Pellanda abgeschlossen sein. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) muss noch offiziell die Betriebsbewilligung erteilen. Derweil haben die Arbeiten zur Instandsetzung der Infrastruktur bereits begonnen. Mehrere Millionen Franken müssen allein in das System zur Abwasserentsorgung investiert werden. Seit Jahren sind rund ums Flugfeld einige private Firmen im Bereich der Aviatik aktiv, etwa das Heli-Unternehmen Heli-TV oder die Karen AG für Helikopter-Unterhalt. Sie wollen ihre Präsenz ausbauen. Dazu kommt die Ruag Aviation mit rund 100 Beschäftigten, die in Lodrino Flugzeuge wartet. Neu sind nun sechs Firmen vor Ort, die sich im Rahmen des Drohnenkompetenzzentrums angesiedelt haben. Der alte Tower des Flughafens mit Nebengebäude wurde zu diesem Zweck in Büros umgebaut. Koordiniert werden die Aktivitäten im Drohnenbereich von einem Verein namens Swiss Drone Base Camp (Sdbc), der seinerseits zum neuen Swiss Innovation Park Ticino gehört. Sdbc-Geschäftsführer Enzo Giannini sagt: «Das Interesse an diesem Projekt ist gewaltig – wir erhalten sehr viele Anfragen aus dem In- und Ausland.» Riviera sei als Standort optimal: auf halbem Weg zwischen Zürich und Mailand. Der Vorteil des ehemaligen Militärflughafens sind die grossen, zur Verfügung stehenden Flächen. Es soll eine Flugschneise beziehungsweise spezielle Slots geschaffen werden, die stets für Drohnenflüge genutzt werden kann. So entfällt die aufwendige Bewilligungsprozedur, die heute auch für den probeweisen Einsatz von Flugdrohnen einer bestimmten Grösse notwendig ist (siehe Kasten). Es werden aber auch Testzonen ausserhalb des Flugplatzgeländes angeboten, etwa bestimmte Waldflächen. «Der Rückhalt in der Bevölkerung für das Gesamtprojekt ist sehr gross.» Alberto Pellanda, Gemeindepräsident von Riviera Der Verein Sdbc soll die Aktivitäten vor Ort koordinieren, Firmen und Know-how vernetzen, damit ein richtiger Thinktank entsteht. Auch Kurse für Drohnenpiloten werden angeboten. Am Projekt sind die Fachhochschule der italienischen Schweiz (Supsi) und die Universität der italienischen Schweiz (USI) beteiligt, darunter das Institut Dalle Molle für künstliche Intelligenz (Idsia). Kommerzielle Firmen, die mit Drohnen handeln, sind nicht gefragt. Es geht um Firmen, die auf technologische Innovation setzen. Ein Beispiel ist das Unternehmen Skypull, das Drohnen entwickelt, die sich in grosser Höhe zu kleinen Windkraftwerken entwickeln und so eine Stromversorgung in abgelegeneren Gegenden ermöglichen sollen. Für die Wirtschaftsstrategie im Kanton Tessin hat das Drohnenkompetenzzentrum eine wichtige Bedeutung, da es über den Switzerland Innovation Park (SIP) in das Standortmarketing Greater Zurich Area integriert ist, zu dem das Tessin seit Kurzem gehört. Zudem ist das Projekt wichtig für die regionale Wirtschaftsförderung. Denn die Riviera, in der sich der Militärflughafen von Lodrino befindet, ist ein strukturarmes Gebiet mit wenig Beschäftigungsmöglichkeiten. «Der Rückhalt in der Bevölkerung für das Gesamtprojekt ist sehr gross», sagt Gemeindepräsident Pellanda. Mit den neuen Firmen kämen neue Personen und damit neues Leben in die Riviera. Das spürten Restaurants genauso wie Anwaltskanzleien und andere Dienstleister. Gerhard Lob

Das Tessin kennt keinen spezifischen Fachkräftemangel

Eine Gemeinde ohne eigenen Gemeindeschreiber oder Finanzverwalter? Das gibt es bisher im Tessin nicht. Zumindest gemäss einer Umfrage, welche die «Schweizer Gemeinde» bei einer Reihe von Tessiner Gemeinden durchgeführt hat. Das Tessin mit rund 350 000 Einwohnerinnen und Einwohnern kennt noch 108 Gemeinden. Ein Dutzend Gemeinden hat auf den Fragenkatalog zu einem allfälligen Fachkräftemangel geantwortet, darunter alle grösseren Städte. Dabei zeigt sich, dass es zwar keine chronischen Probleme mit Fachkräften in den Gemeindeverwaltungen gibt, doch gewisse Schwierigkeiten durchaus auftreten. Auffällig ist: Die Anstrengungen werden immer grösser, Fachpersonen für das gehobene Kader zu finden. Ein Ausweichen auf Personal aus Italien ist in den Gemeindeverwaltungen nicht zu verzeichnen, teilweise aufgrund der Gemeindereglemente auch gar nicht möglich, welche die Anstellung von niedergelassenen Personen vorschreiben. Einzig die Stadt Lugano gibt an, in der Verwaltung auch Personen mit Wohnsitz in Italien beschäftigt zu haben, allerdings handelt es sich um Einzelfälle. «Mitte des Jahres 2020 waren 89 Prozent der Stadtangestellten Schweizer, 7 Prozent Italiener und 4 Prozent anderer Nationalität. Davon war ein Prozent in Italien ansässig», präzisiert die Stadt Lugano. Eine Ausnahme bilden allenthalben soziosanitäre Einrichtungen wie Alters- oder Pflegeheime, die auf Grenzgängerinnen und Grenzgänger angewiesen sind. Das Municipio von Chiasso hält in einem ausführlichen Schreiben fest: «Wir sind der Ansicht, dass es in letzter Zeit immer schwieriger geworden ist, kompetente, fähige und gut ausgebildete Mitarbeiter zu finden, je mehr die Bedürfnisse der Gesellschaft in allen Bereichen gewachsen sind.» Es seien immer grössere Fachkenntnisse gefragt, Gemeindeschreiber müssten obligatorisch an Fortbildungsmassnahmen teilnehmen. «Es ist nicht selbstverständlich, auf dem Markt die entsprechenden Mitarbeitenden zu finden, da es auch notwendig ist, dass eine Gemeinde einen angemessenen finanziellen Ausgleich für die jeweiligen Arbeitskräfte bezahlen kann (...).» Damit ist die Salärfrage angesprochen, die von einigen Gemeinden in ihren Stellungnahmen erwähnt wird. «Bei Führungspositionen ist der Markt sicherlich schwieriger als bei Stellen mit geringerer Verantwortung», teilt die Gemeinde Mendrisio mit. Und auch Locarno stellt fest: «Die grössten Schwierigkeiten haben wir, wie sich leicht vorstellen lässt, in den mittleren und höheren Positionen der Verwaltung und der kommunalen Dienste.» Davide Conca, Gemeindeschreiber von Capriasca, nennt noch andere Bereiche: «Ich will nicht verheimlichen, dass es manchmal schwierig ist, Gemeindepolizisten und Lehrer zu finden.» Es ist schwierig, Gemeindepolizisten und Lehrer zu finden. Davide Conca, Gemeindeschreiber Capriasca Gerade kleine und finanzschwache Gemeinden sind nicht in der Lage, hohe Saläre zu bezahlen. Hoch qualifizierte Fachkräfte treffen in der Privatwirtschaft zumeist höhere Löhne an, daher sind sie nicht bereit, in einer Gemeindeverwaltung für geringere Löhne zu arbeiten. Die Gemeindefusionen, die im Tessin in den letzten Jahren in grossem Umfang erfolgt sind, dienen auch dazu, die Finanzkraft von Gemeinden zu stärken. Die Vergabe von externen Mandaten wird praktisch in allen Gemeinden gehandhabt, wenn spezifische Anliegen im Spiel sind, beispielsweise bei Raumplanungsangelegenheiten, komplizierten Baubewilligungen, IT-Lösungen oder auch juristischen Gutachten. Eine Auslagerung von Alltagsgeschäften ist hingegen nicht an der Tagesordnung. Bei den Möglichkeiten, Fachkräfte zu finden, wird in der Regel auf die gängigen Kanäle verwiesen, das heisst Stellenausschreibungen über den Gemeindeaushang, das Amtsblatt oder Zeitungsinserate. Doch reicht das? Locarno ist der Ansicht, dass die Gemeinde mehr «proaktive Möglichkeiten» haben sollte, ähnlich, wie das in der Privatwirtschaft der Fall sei. Losone verweist darauf, dass gelegentlich mangels einer ausreichenden Anzahl von Bewerbungen das Zeitfenster für Stellenausschreibungen verlängert werden musste: «In bestimmten Fällen mussten wir die Auswahlverfahren neu ausschreiben, um ein grösseres Zeitfenster für Bewerbungen zu ermöglichen.» Auch wenn die aktuelle Lage nicht kritisch zu sein scheint, zeigen sich gewisse Wolken am Horizont. So hält etwa Valerio Soldini, Gemeindeschreiber von Comano, fest: «Ich kann meinerseits darauf hinweisen, dass es im Tessin viele Gemeinden gibt, deren Gemeindeschreiber kurz vor der Pensionierung stehen, und dass die Gefahr besteht, dass es einen Wettstreit um die besten Kräfte gibt. Einige Verwaltungen könnten auf dem Trockenen bleiben. Ausserdem können wir jetzt schon feststellen, dass einige Kollegen von einer zur anderen Gemeinde wechseln.» In diesem Zusammenhang ist auch der Vorschlag zu hören, die Ausbildung von Gemeindeschreibern jedes Jahr anzubieten, nicht nur alle zwei Jahre. Es könnte einen Wettstreit um die besten Kräfte geben. Valerio Soldini, Gemeindeschreiber Comano Das Tessin hat als einziger Kanton mit italienischer Amtssprache das Problem, nur in sehr geringem Umfang bei der Rekrutierung von Personal auf die anderen Landesteile ausweichen zu können. Tatsächlich hat nur Chiasso explizit erwähnt, sich zumindest bei der Vergabe von einzelnen Aufträgen oder Expertisen auch «oltre Gottardo» umzusehen, das heisst in der deutschen oder französischen Schweiz. Gerhard Lob

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