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Aktive Filter: Kategorie: Soziales Autor: Annegret Mathari Alle Filter entfernen
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Menschen aus der Isolation holen und zusammenbringen

«In Renens heissen wir seit langem viele Menschen aus der ganzen Welt willkommen“, sagt Stadtpräsident Jean-François Clément. Heute sind die Hälfte der über 22'300 Einwohnerinnen und Einwohner von Renens Menschen aus anderen Regionen der Welt. «Diese multikulturelle Seite ist unsere DNA», fügt Clément bei. Mitte Februar 2025 lebten in Renens 112 Personen, die den Status S haben, also Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine geflüchtet sind. Renens will keine Bevölkerungsgruppe gegenüber den andern zu bevorzugen. Das sehen auch andere Gemeinden im Kanton Waadt so wie Yverdon-les-Bains. Die Stadt am Neuenburgersee verfügt wie Renens für alle Neuankömmlinge gleichermassen über eine breite Palette von Integrationsprojekten und -massnahmen. Das kantonale Waadtländer Aufnahmezentrum für Migranten EVAM (Etablissement Vaudois d’Accueil des Migrants) ist zuständig für die Unterstützung von Asylsuchenden, Personen mit Status S und vorläufige Aufgenommenen. Dies betrifft unter anderem Unterkunft, Arztkosten und finanzielle Hilfen. Im Hinblick auf die Integration von schutzsuchenden Personen arbeiten die Gemeinden mit den EVAM-Wohnheimen zusammen Mehrere Gemeinden im Kanton Waadt wie Yverdon-les-Bains und Renens haben eine kommunale Integrationspolitik. Einer der wichtigsten Faktoren für eine erfolgreiche Integration ist die Kenntnis der lokalen Sprache. Neben Sprachkursen von zahlreichen Vereinen, die sich für Migranten einsetzen, bietet Yverdon-les-Bains im Juli täglich Französischkurse am Strand an, die sehr beliebt sind. Diese Kurse für rund 80 Personen richten sich an ein breites Migrationspublikum und manchmal nehmen auch Schweizer daran teil. 2022 war fast die Hälfte der Teilnehmenden Ukrainerinnen und Ukrainer, 2024 waren es 20%. Das Projekt steht in erster Linie den Einwohnern von Yverdon-les-Bains offen. Je nach verfügbaren Plätzen können auch Personen aus den Nachbargemeinden teilnehmen. «Die Idee ist, die Kurse ausserhalb von Schulen zu organisieren, weil einigen Menschen ein Klassenzimmer Angst machen kann», erklärt Mike Magnin, Integrationsbeauftragter von Yverdon-les-Bains. Der Unterricht kann auch zur sozialen Integration beitragen. «Es ist ein Moment der Begegnung, und um die Menschen aus der Isolation zu holen», fügt Magnin an. «Die Idee ist, die Kurse ausserhalb von Schulen zu organisieren, weil einigen Menschen ein Klassenzimmer Angst machen kann.» Mike Magnin, Integrationsbeauftragter von Yverdon-les-Bains (VD) Um das Zusammenleben zu fördern, arbeitet Yverdon-les-Bains seit drei Jahren auch mit dem Kulturfestival La Dérivée zusammen, das im Juli am Strand stattfindet. Damit können die Schülerinnen und Schüler nach dem Unterricht gratis ans Festival gehen. Die Menschen aus der Isolation zu holen, ist auch ein Anliegen in Renens, wo viele von der Stadt unterstützte Organisationen Aktivitäten anbieten und sich darum bemühen, die Menschen zusammenzubringen. So organisiert auch Renens, zusammen mit der Nachbargemeinde Prilly, während des Sommers Französischkurse im Freien. Die Bibliothek Globlivre in Renens verleiht Bücher in fast 300 Sprachen, darunter Ukrainisch, während der Verein Découvrir Migranten und auch ukrainischen Flüchtlingen bei der Anerkennung ihrer Diplome hilft. Und Nyon stellt beispielsweise dem Verein Vdoma Räumlichkeiten zu Verfügung, wo sich ukrainische Familien treffen können. Verschiedene kantonale und kommunale Strukturen sind miteinander verknüpft. So finanziert das kantonale Büro für die Integration von Ausländern und die Prävention von Rassismus (BCI) in Renens, Yverdon, Nyon und Lausanne Integrationsprojekte, wie in Renens das Projekt ‘Sur le Chemin de l’école’. «Dieses kostenlose Projekt richtet sich an fremdsprachige Kinder im Vorschulalter oder an Kinder, die keine Kindertagesstätte besuchten», erläutert Sara Schenker, Projektbeauftragte für Integration von Renens. Es fördert die Selbstständigkeit und die Sozialisierung durch den Kontakt mit anderen Kindern. Zudem machen sich die Kinder mit der französischen Sprache vertraut. Annegret Mathari

Meyrin: Ausbildungsmöglichkeiten für alle

Wer eine Berufslehre oder andere Ausbildung, eine Weiterbildung oder Umschulung machen will oder eine Stelle sucht, kann sich in der Genfer Gemeinde Meyrin an verschiedene Institutionen wenden. Das «Centre associé Cité des Métiers» ist eine davon. «Die Cité des Métiers hat zum Ziel, das gesamte Informations- und Beratungsangebot zu Berufsberatung, Aus- oder Weiterbildung, Integration und Beschäftigung an einem Ort zu vereinen», sagt Tamara Hautlé, die Koordinatorin des Zentrums. Die Beratungen sind gratis und für alle zugänglich, die im Kanton Genf wohnen oder Steuern bezahlen. «Die Idee ist, lokale Dienstleistungen anzubieten und die Partnerschaft mit den Eingliederungsstrukturen, Sozialdiensten und Schulen in der Region zu fördern», führt Hautlé aus. Das Zentrum untersteht dem kantonalen Berufsbildungsamt (l’Office pour l’orientation, la formation professionnelle et continue [OFPC]). Der Hauptstandort der Cité des Métiers befindet sich in der Stadt Genf, ein weiteres assoziiertes Zentrum gibt es in Onex. Das Zentrum in Meyrin ist an Wochentagen ohne Voranmeldung jeweils nachmittags geöffnet. Hier erhält man erste Informationen und kann Unterlagen zu zahlreichen Berufen ausleihen. Es gibt auch Workshops, etwa zum Erstellen eines Bewerbungsdossiers für eine Berufslehre. Oder man kann einen Termin für eine Berufsberatung vereinbaren. Für Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren, die ihre Ausbildung abgebrochen haben, bietet das Zentrum unter anderem die Leistung Tremplin-Jeunes (Sprungbrett für Jugendliche) an. Als Psychologin und Berufsberaterin unterstützt Loredana Bruno in diesem Rahmen Jugendliche beim Erarbeiten und Umsetzen eines Projekts. «Das Ziel ist es, diese jungen Erwachsenen bei der Wiederaufnahme einer Ausbildung zu begleiten», erklärt sie. Manche Jugendliche wissen nicht, was sie tun wollen. In diesem Fall werden sie dabei unterstützt, ein Projekt zu entwickeln und etwa bei einem Praktikum zu schauen, ob sich die Wahl als richtig erweist. Für Praktika kann sich Loredana Bruno an die in Meyrin ansässige Organisation Transit wenden, die auch kleine Jobs für junge Ausbildungsabbrecher organisiert, die in der Gemeinde wohnen. Es können auch Massnahmen ausserhalb der Gemeinde vorgeschlagen werden, bei denen die Jugendlichen durch Sport, Kunst oder andere Aktivitäten begleitet werden. «Dadurch können sie andere Erfahrungen als in der Schule sammeln und so ihr Selbstvertrauen stärken», erklärt die Psychologin. Manchmal werden auch andere Schwierigkeiten während der Begleitung beobachtet, die eine engere Zusammenarbeit mit den Familien und anderen Akteuren wie Sozialarbeitern, Ärzten oder Therapeuten erfordern. Loredana Bruno arbeitet mit der Gemeinde Meyrin zusammen, sei es mit Transit oder mit der Antenne Objectif Emploi (AOE). Während sie sich mit Fragen rund um den Berufswunsch einer Person befasst – Beschäftigungsfähigkeit, Ausbildungsmöglichkeiten und Karriereplanung –, unterstützt die AOE Arbeitsuchende zwischen 16 und 65 Jahren aus Meyrin oder der Nachbargemeinde Satigny. Véronique Spreter ist Schnittstellendelegierte für Unternehmen bei der AOE der Gemeinde Meyrin. Die AOE ist ein Ort der Beratung und Unterstützung bei der beruflichen Eingliederung für alle Personen zwischen 16 und 65 Jahren mit Wohnsitz in Meyrin oder Satigny, die auf der Suche nach einem Arbeitsplatz oder einer Ausbildung sind. Zurzeit betreut die AOE gut 200 Personen. Die Gründe für eine Umschulung können vielfältig sein: gesundheitliche Probleme oder dass jemand mit kleinen Kindern abends nicht mehr arbeiten möchte. «Wir haben zum Beispiel eine Frau begleitet, die im Verkauf gearbeitet hat», erzählt Spreter. Nach zwei Praktika habe die Bewerberin eine Lehrstelle als Kauffrau gefunden. Spreter fragt Unternehmen auch für Praktikumsplätze an. Diese ermöglichen es Personen, die sich neu orientieren, Erfahrungen in einem Beruf zu sammeln und sich mit dem Arbeitsmarkt auseinanderzusetzen. Die AOE schickt beispielsweise Personen mit spezifischen Bildungsfragen an die Cité des Métiers in Meyrin. «Das Zentrum ist ein natürlicher Partner für uns», sagt Spreter. Die beiden Institutionen tauschen sich regelmässig aus, sie haben zudem gemeinsame Arbeitsgruppen und Projekte. So bereiten sie für den Frühling ein Job-Forum in Meyrin vor, damit Personen in einer Umschulung und Arbeitssuchende mit Unternehmen in Kontakt treten können. Annegret Mathari

Politische Rechte für alle im Kanton Genf

Im Kanton Genf können Personen mit eingeschränkter Urteilsfähigkeit seit 2021 über kantonale und kommunale Vorlagen abstimmen. Die Bevölkerung hatte im November 2020 mit grosser Mehrheit eine entsprechende Verfassungsänderung angenommen. Betroffen sind gut 1600 Personen mit einer umfassenden Beistandschaft. Als erster und bisher einziger Kanton setzt Genf damit Artikel 29 der UNO-Behindertenkonvention (BRK) um, der die Schweiz 2014 beigetreten ist. In weiteren Kantonen wie Neuenburg, Waadt, Wallis, Luzern, Solothurn und Zürich gibt es ähnliche Vorstösse. Die BRK verpflichtet Mitgliedstaaten, allen Menschen mit Behinderungen politische Rechte zu gewähren. «Auch Personen mit einer geistigen Einschränkung können eine politische Meinung haben», erklärt der Genfer Anwalt und SP-Grossrat Cyril Mizrahi, der für den Dachverband der Behindertenorganisationen Inclusion Handicap arbeitet. Für das Durchführen von Abstimmungen ist in Genf der Kanton zuständig. «Wir hatten festgestellt, dass wir für Personen mit kognitiven Schwierigkeiten die Erläuterungen zu den Abstimmungen anpassen mussten», sagte Valérie Vulliez-Boget, stellvertretende Generalsekretärin der Genfer Staatskanzlei. Sie ist zuständig für die politischen Rechte und Leiterin des Projekts für Abstimmungen von Personen mit Behinderungen. Der Kanton beauftragte ein Unternehmen mit der Übersetzung der Abstimmungserklärungen «Comment voter» in Leichte Sprache, die sich durch einfache, klare Sätze auszeichnet. Seit Juni 2021 stehen dazu bei Abstimmungen jeweils ein Video und ein PDF-Dokument auf der kantonalen Website zur Verfügung. «Auch Personen mit einer geistigen Einschränkung können eine politische Meinung haben.» Cyril Mizrahi, Anwalt und Genfer Grossrat Keine Erläuterungen in Leichter Sprache macht der Kanton Genf jedoch zum Inhalt von Abstimmungen. «Wir haben dies getestet, mit der Vereinfachung besteht jedoch ein zu grosses Risiko der Subjektivität», sagt Vulliez-Boget. Der Bund teile diese Analyse. Für Mizrahi ist das Fehlen einer Broschüre in Leichter Sprache unverständlich und inakzeptabel. Die BRK verlange entsprechende Informationen für Personen mit einem intellektuellen Defizit. Die Kantone St. Gallen und Tessin hätten dies problemlos eingeführt. Wie viele der Menschen mit Beistandschaft abstimmen, überprüft der Kanton Genf ebenso wenig wie die Teilnahme anderer Bevölkerungsgruppen. «Für uns handelt es sich um Wählerinnen und Wähler», erklärt Vulliez-Boget. Ausser den Personen mit Beistandschaft konnten Menschen mit Behinderungen schon immer abstimmen oder wählen. Für Blinde und Sehbehinderte subventioniert der Kanton Genf seit 2012 Podcasts. Für Taube und Schwerhörige produziert er zu kantonalen Vorlagen seit Juni 2023 Videos in Gebärdensprache und mit Untertiteln. Ab Juni 2026 will der Kanton Genf die elektronische Stimmabgabe wieder einführen, die national von 2020 bis 2022 eingestellt worden war. «Mit dem E-Voting können Blinde autonom abstimmen, das ist der Vorteil», führt Vulliez-Boget aus. Ebenso erleichtere es Menschen mit einer körperlichen Behinderung, autonom zu wählen. Und es vereinfache das Abstimmen für Auslandschweizer. «Die elektronische Stimmabgabe stellt alle auf die gleiche Ebene.» Die Gegner des Stimmrechts für Menschen mit geistigen Behinderungen hatten vor der Genfer Abstimmung im November 2020 argumentiert, dass die Familien womöglich für die Betroffenen abstimmen. Doch dies kann laut Vulliez-Boget für alle Wähler zutreffen. Mit der brieflichen Abstimmung werde das «Family voting» akzeptiert. Mizrahi betont, das politische Verständnis aller anderen Bevölkerungsgruppen werde auch nicht geprüft. «Die elektronische Stimmabgabe stellt alle auf die gleiche Ebene.» Valérie Vulliez-Boget, stellvertretende Generalsekretärin der Genfer Staatskanzlei Zu Beginn ihres neuen Stimmrechts erhielten viele Menschen mit Beistandschaft die Abstimmungsunterlagen zu spät. Denn laut Schweizer Zivilrecht befindet sich ihr Wohnsitz bei der Institution, die für sie zuständig ist, im Kanton Genf das Gericht für den Schutz von Erwachsenen und Kindern (TPAE). Die Unterlagen wurden daher dem Gericht zugestellt. Dieses schickte sie an das Amt für Erwachsenenschutz oder an private Vormunde, die sie an die Adresse der Betroffenen weiterleiteten. So trafen die Unterlagen manchmal erst nach der Abstimmung ein. Erst seit Marjorie de Chastonay, Grossrätin der Grünen und Präsidentin des Genfer Dachverbandes von Behindertenorganisationen Fégaph, im Juni 2023 eine dringliche Anfrage einreichte, werden die Unterlagen den Betroffenen direkt geschickt. Annegret Mathari

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