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Schadstoffe im Boden: Spielplätze und Kitas im Fokus

Seit dem 1. April 2025 ist im Bundesgesetz über den Umweltschutz festgehalten, dass öffentliche Kinderspielplätze und Grünflächen, deren Böden mit umweltgefährdenden Stoffen belastet sind und auf denen regelmässig Kleinkinder spielen, saniert werden müssen. Von welchen Stoffen im Boden sprechen wir? Rolf Kettler, Bundesamt für Umwelt: Bei stark erhöhten Belastungen handelt es sich in den meisten Fällen um Blei. Früher, als noch mit Kohle oder Holz geheizt wurde, wurde die Asche oft im Garten als Dünger ausgebracht. Wurde diese über viele Jahre hinweg immer an denselben Stellen verteilt, konnten sich die darin enthaltenen Schwermetalle – insbesondere Blei – im Boden anreichern. Ein anderes Problem betrifft den Boden rund um alte Eisenbahnschwellen, die in Gärten verbaut wurden. Darin befinden sich sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK, die krebserregend sind. Studien haben gezeigt, dass insbesondere Blei die Hirnentwicklung von Kleinkindern beeinträchtigen kann. Die Gefährdung ist bis zum Kindergartenalter am grössten, denn die Kinder spielen in diesem Alter häufig am Boden, haben schmutzige Hände und nehmen Erde in den Mund. Sie werden durch die belasteten Böden nicht sofort sehr krank, aber das darin enthaltene Blei kann chronische Schäden verursachen. Das sind Flächen, die im öffentlich-rechtlichen Eigentum sind, und auf denen regelmässig Kleinkinder spielen. Betroffen sind also zum Beispiel Spielplätze auf öffentlichem Grund, Gärten und Spielplätze von gemeindeeigenen Wohnhäusern oder die Aussenflächen von kommunalen Kitas. Ein erhöhtes Risiko besteht vor allem in zentralen Lagen grösserer Orte, die bereits vor 1960 besiedelt waren. Auch ehemalige Industriestandorte haben ein höheres Risiko für Belastungen. Zudem besteht die Möglichkeit, dass bei der Umgestaltung bestehender Spielplätze belastetes Material verbaut wurde – solche Fälle lassen sich im Nachhinein jedoch nur schwer nachvollziehen. Grundsätzlich bestehen kaum Belastungen bei Spielplätzen oder Parks, die in den letzten 30 bis 40 Jahren angelegt oder neu gestaltet wurden. Grundsätzlich ist im Bereich Altlasten der Kanton die zuständige Behörde. Die Kantone werden zeitnah die Gemeinden kontaktieren und zu möglicherweise belasteten Flächen befragen. Die Gemeinden können bereits jetzt aktiv werden und sich überlegen: Wo in unserer Gemeinde könnte es solche Flächen geben, und seit wann werden diese genutzt? Bevor die Gemeinden allerdings Bodenanalysen in Auftrag geben, sollten sie Kontakt mit dem Kanton aufnehmen. In einem ersten Schritt identifiziert die Gemeinde potenziell belastete Standorte. Anschliessend legt der Kanton fest, welche Standorte untersucht werden sollen. Die Gemeinde beauftragt daraufhin ein Umweltfachbüro mit der Analyse und übermittelt den Untersuchungsbericht an den Kanton. Auf Grundlage der Ergebnisse entscheidet der Kanton über das weitere Vorgehen und ordnet bei Bedarf Sanierungsmassnahmen an. Die Kostenzusammenstellung schickt der Kanton anschliessend an den Bund. Der Bund beteiligt sich mit dem sogenannten Vasa-Altlastenfonds an Altlastensanierungen. Er übernimmt 60 Prozent der Kosten der Untersuchungen und der Sanierungen von Spielplätzen auf öffentlichem Grund, und dies bis ins Jahr 2060. Die obersten 20 bis 30 Zentimeter des Bodens werden abgetragen und fachgerecht entsorgt. Anschliessend wird neuer, unbelasteter Boden ausgebracht. Eine Sanierung dauert rund zwei bis drei Wochen. Wir rechnen aktuell mit Sanierungskosten von rund 250 Franken pro Quadratmeter. Wie bereits erwähnt, beteiligt sich der Bund mit bis zu 60 Prozent an den Kosten und schafft damit einen wichtigen finanziellen Anreiz für Sanierungen. Dennoch können Gemeinden nicht daran gehindert werden, einen Spielplatz im Einzelfall zu schliessen. Im Zentrum steht letztlich der Schutz von Kleinkindern. Ob dies nun durch eine Bodensanierung oder durch eine Schliessung eines Spielplatzes geschieht, und ob letzteres für die Anwohnerschaft opportun ist, muss die Gemeinde entscheiden. Für private Grundeigentümerinnen und -eigentümer sind Untersuchung und Sanierung freiwillig. Sind die Grenzwerte überschritten und entschliesst sich ein privater Grundeigentümer zu einer Sanierung, beteiligt sich der Bund mit 40 Prozent an den Sanierungskosten. Nadja Sutter

Bern saniert den Boden des Spielplatzes «Alte Gärtnerei»

Gesundheitsgefährdende Schadstoffe in Böden: Ein Thema, das seit einigen Jahren öffentlich diskutiert wird und für grosse Unsicherheit sorgt. Da ist etwa die hohe Dioxin-Belastung der Böden in der Stadt Lausanne und Umgebung, ausgelöst durch eine ehemalige Kehrichtverbrennungsanlage. Ein grosses Sanierungsprojekt läuft derzeit auch in der bernjurassischen Gemeinde Reconvilier. Dort haben die langjährigen Aktivitäten einer Giesserei Spuren in Form von Schadstoffen in Privatgärten hinterlassen. Im Zuge dessen sind auch öffentliche Kinderspielplätze in den Fokus geraten. Denn gerade Kleinkinder spielen oft am Boden und nehmen Erde in den Mund. Ist diese von Schadstoffen belastet, kann das negative Folgen haben. Der Bund hat per 1. Dezember 2025 die Grenzwerte für Schadstoffe in Böden von öffentlichen Kinderspielplätzen sowie Kitas neu definiert. Das heisst, dass eine Sanierung heute bereits bei tieferen Grenzwerten nötig wird. Einige Städte und Gemeinden sind bereits daran, kritische Standorte zu überprüfen. Einen Schritt weiter ist die Stadt Bern: Dort wird ab Sommer 2026 der beliebte Spielplatz «Alte Gärtnerei» an der Neubrückstrasse im Länggassquartier komplett saniert und der Boden ersetzt. Derzeit laufen die Vorbereitungsarbeiten. Wie der Name bereits verrät, wurde das Areal von 1930 bis 1987 als Gärtnerei genutzt. «Erfahrungsgemäss weisen intensiv genutzte Gartenbauböden erhöhte Belastungswerte auf», erklärt Simon Gfeller, Projektleiter bei Stadtgrün Bern. Weil der Spielplatz nun saniert werden soll, hat die Stadt den Boden beprobt – und festgestellt, dass die heute geltenden Grenzwerte für Blei und PAK (sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) in der östlichen Arealhälfte überschritten werden. «Der Spielplatz ist vor allem bei Eltern von Kleinkindern beliebt, weil er eingezäunt ist und die Spielgeräte auf diese Altersgruppe ausgerichtet sind», sagt Simon Gfeller, Projektleiter von Stadtgrün Bern. Kleinkinder sind aber just besonders gefährdet, wenn es um Schadstoffe in Böden geht. Deshalb haben Stadt und Kanton sofort gehandelt: Bis zur Sanierung überdeckt ein Rollrasen die belasteten Böden, um die spielenden Kinder zu schützen. «Rollrasen oder Gummimatten eignen sich für solche temporären Lösungen besonders gut», erklärt Nicole Schmidlin, Fachspezialistin Altlasten beim Amt für Wasser und Abfall des Kantons Bern. «Mit Holzschnitzeln oder Vlies haben wir schlechte Erfahrungen gemacht, da sie die Kinder eher noch mehr zum Graben und Spielen am Boden animieren, wodurch sie in Kontakt mit dem kontaminierten Boden kommen könnten.» Die eigentliche Sanierung soll im Sommer 2026 beginnen. Dabei wird nicht nur der belastete Boden abgetragen und durch unbelasteten Boden ersetzt, sondern auch die in die Jahre gekommenen Spielgeräte werden ausgetauscht. Eine Bodensanierung an sich sei keine grosse Sache sofern genügend unbelasteter Ersatzboden zur Verfügung steht und meist innerhalb weniger Wochen durchgeführt, erklärt Nicole Schmidlin. Weil beim Spielplatz «Alte Gärtnerei» aber zahlreiche Bäume stehen, ist die Sanierung aufwendiger. «Grundsätzlich fällen wir keine Bäume ohne triftigen Grund», sagt Simon Gfeller von Stadtgrün Bern. Soweit dies möglich ist, wird der belastete Boden zwischen den Wurzeln abgesaugt. Einige Hainbuchen müssen trotzdem gefällt werden. «Sie ertragen keine Bodenveränderung und würden absterben», erklärt Simon Gfeller. «Um sicherzustellen, dass möglichst der gesamte belastete Boden entfernt und ersetzt wird, haben wir uns entschieden, die Hainbuchen zu entfernen. Nach der Sanierung werden sie durch neue Bäume ersetzt.» Nicole Schmidlin präzisiert das Vorgehen bei der Sanierung: «In Stammnähe zwischen den Wurzeln können wir circa fünf bis sieben Zentimeter Boden abtragen. Dieser wird später mittels Baumsubstrat und Rasenwaben wieder zu einem Rasen.» Weiter weg von den Bäumen wird mehr Boden abgetragen, nämlich zehn Zentimeter. Ausserhalb vom Wurzelbereich werden bis 40cm abgetragen. Darüber kommt künftig ein sogenannter Kiesrasen: «Dieser ist robuster und hält der intensiven Nutzung des Spielplatzes besser stand.» Die Sanierung dauert voraussichtlich bis zum Frühjahr 2027. Während der Arbeiten wird der Spielplatz gesperrt. Die Gesamtkosten für die Bodensanierung und die Neugestaltung des Spielplatzes belaufen sich auf rund 600'000 Franken. In einigen Fällen beteiligt sich sich der Bund gemäss Umweltschutzgesetz an Spielplatzsanierungen auf öffentlichem Grund. Nadja Sutter

500 000 Tonnen Abfall: Solothurn saniert seinen «Stadtmist»

Asche, Glasflaschen, Keramik, Textilien, Grüngut, Plastik, Elektrogeräte: Auf den Feldern im Westen Solothurns findet sich so ziemlich alles, was die Stadtbevölkerung in den Jahren von 1925 bis 1976 loswerden wollte. Damals befand sich dort nämlich die Abfalldeponie der Stadt, genannt «Stadtmist». Nach deren Stilllegung wuchs buchstäblich Gras über das Areal, das mit 16 Hektar so gross ist wie 22 Fussballfelder. Doch darunter gelangten gefährliche Stoffe wie Schwermetalle in den Boden und zusätzlich Ammonium sowie Chemikalien wie CKW, PCB und PAK ins Oberflächenwasser, wie Beat Rüttimann, Gesamtprojektleiter aufseiten des kantonalen Amts für Umwelt, erklärt. Deshalb muss das Gebiet saniert werden. Bereits in den 1980er-Jahren gab es erste Untersuchungen, es folgten weitere Analysen. «Zwischen Bund und der Bauherrengemeinschaft, bestehend aus Kanton und Stadt Solothurn, bestanden lange unterschiedliche Vorstellungen über die geeignete Art der Sanierung», sagt Andreas Filosi, Leiter Bau und Umwelt und Stadtbaumeister der Stadt Solothurn. 2020 schliesslich einigte man sich auf einen Totalaushub der problematischen Gebiete Unterhof, Spitelfeld und Oberer Einschlag. Stadt und Kanton Solothurn bildeten eine Bauherrengemeinschaft, die den Auftrag ausschrieb. Den Zuschlag erhielt ein Totalunternehmen, das von der Planung über die Bauleitung und Laboranalytik bis hin zum Betrieb alle Arbeiten übernimmt. «Zwischen Bund und der Bauherrengemeinschaft, bestehend aus Kanton und Stadt Solothurn, bestanden lange unterschiedliche Vorstellungen über die geeignete Art der Sanierung.» Andreas Filosi, Leiter Bau und Umwelt und Stadtbaumeister der Stadt Solothurn 2022 startete die Sanierung. Rund 65 Prozent des Materials werden direkt vor Ort in einer grossen Halle behandelt und nach Materialien sortiert: Metall, Holz, Plastik, Glas, mineralische Bestandteile wie Kies oder Sand. Gewisse Metalle und Baustoffe können wiederverwendet werden, anderes landet in der Kehrichtverbrennungsanlage. Aussortiertes, nicht verwertbares Material wird entsprechend seiner Belastung einer Deponie zugeführt. Doch während die Arbeiten an sich gut vorankommen – von den Arealen Unterhof und Spitelfeld sind bereits je die Hälfte saniert –, liegt ein Teil des Materials noch immer auf einem Zwischenlager auf dem Spitelfeld statt fachgerecht in einer Deponie. Das Problem: Ein Teil des Bodens ist radioaktiv kontaminiert, ein Erbe der Uhrenindustrie in Solothurn. Bis Ende der 1960er-Jahre wurde Radium-226 als Leuchtzifferfarbe für Uhren verwendet, häufig in Heimarbeit. In den Unmengen an Abfällen finden sich kontaminierte Werkzeuge, zum Beispiel Pinsel. Ein grösseres Problem ist aber die diffuse Belastung, wenn zum Beispiel ein ausgeleerter Behälter mit Radium eine grössere Menge an Abfällen kontaminiert hat. «Dieses Material strahlt nur schwach und liegt weit unter den gesetzlichen Grenzwerten, sodass für die Bevölkerung keine Gefahr besteht», betont Beat Rüttimann vom kantonalen Amt für Umwelt. Alle Abfälle werden an zwei Stellen standardmässig auf Radioaktivität überprüft, während ein Strahlenschutzkonzept die Mitarbeitenden schützt. Deponiebetreiber sind dennoch skeptisch, und es ist schwierig, Abnehmer für das kontaminierte Material zu finden. Eine weitere Herausforderung kam nach dem Start der Arbeiten hinzu: PFAS. Die sogenannten «Ewigkeitschemikalien» können in der Umwelt kaum abgebaut werden und sind in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus geraten. Auch im «Stadtmist» sind sie vorhanden und bleiben auch nach der Abfallbehandlung im Material nachweisbar – doch weil der Bund noch keine Grenzwerte definiert hat, sind Deponiebetreiber sehr skeptisch bei der Annahme von PFAS-belastetem Material. «Momentan besteht eine grosse Unsicherheit», sagt Beat Rüttimann. Diese zusätzlichen Herausforderungen sowie die Teuerung und die gestiegenen Energiepreise aufgrund der Weltlage haben die Kosten für die Sanierung in die Höhe getrieben. Ging man zu Beginn von 120 Millionen Franken für das Gesamtprojekt aus, sind es nun rund 200 Millionen Franken. Davon übernimmt der Bund aus dem VASA-Altlastenfonds rund 40 Prozent, der Kanton 35 Prozent und die Stadt und der Kanton als Grundeigentümer 25 Prozent. Aus der Bevölkerung kommt grundsätzlich Unterstützung; die Anwohnerschaft und betroffene Landwirte werden mit einbezogen. «Natürlich ist die Sanierung ein grosses Thema, auch aufgrund der hohen Investitionen», sagt Andreas Filosi, Leiter Bau und Umwelt und Stadtbaumeister der Stadt Solothurn. Beat Rüttimann fügt hinzu: «Aufgrund der Verschmutzung ist eine Sanierung des Gebiets gesetzlich erforderlich. Mit dem gewählten Totalaushub können die Altlasten nachhaltig beseitigt werden.» Auf einer eigenen Website dokumentieren Stadt und Kanton den Fortschritt der Sanierung, zusätzlich informiert ein Newsletter. Zudem werden pro Jahr rund 30 Führungen durchgeführt: für Fachpersonen und Firmen, aber auch für Schulen, Verbände und Vereine. «Das Interesse nimmt mit dem Fortschritt der Arbeiten sogar zu», sagt Beat Rüttimann. «Mit dem gewählten Totalaushub können die Altlasten nachhaltig beseitigt werden.» Beat Rüttimann, Gesamtprojektleiter aufseiten des kantonalen Amts für Umwelt Verläuft alles nach Plan, ist der Totalaushub der Deponie bis 2028 abgeschlossen. Der Bereich Unterhof soll zu einem späteren Zeitpunkt überbaut werden, die restlichen Bereiche werden mit unbelastetem Material aufgefüllt und später als Landwirtschaftsland gebraucht. Nadja Sutter

Das Horwer Seeufer im Spagat zwischen Mensch und Natur

Horw am Vierwaldstättersee: Die Luzerner Gemeinde schmiegt sich an eine Bucht und an eine Halbinsel und hat so viel Seeanstoss wie wenige andere Gemeinden. Was viel Lebensqualität für die Einwohnerinnen und Einwohner bedeutet, heisst auch viel Arbeit für die Gemeinde. Denn das Seeufer muss unterhalten werden, gerade wenn es an Strassen anschliesst. Einer, der sich in den letzten Jahren intensiv mit dem Horwer Seeufer beschäftigt hat, ist Silas Wobmann. Er ist der stellvertretende Leiter Tiefbau bei der Gemeinde Horw und zeichnet sich zuständig für die Sanierungsprojekte entlang des Seeufers. Wir treffen ihn an einem milden Sommertag beim Seehotel Sternen, direkt neben dem Naturschutzgebiet Steinibachried. Er blickt aber in die andere Richtung, zur Winkelbadi. Auf dem Abschnitt zwischen dem Seehotel und der Winkelbadi hat die Gemeinde in den letzten Jahren viel für die Biodiversität getan. Die Strasse sowie die Ufermauer mussten alters- und zustandsbedingt saniert werden. Zudem sollte die Strasse breiter werden, damit Spaziergänger, Velofahrerinnen und Autos mehr Platz erhalten. Die alte Ufermauer wurde stehen gelassen, die neue weiter in den See hinein gebaut, wie Silas Wobmann erklärt. Schüttungen mit grossen Steinen vor der Mauer schützen sie vor Erosionen. Vor den Steinen ragen einige Schilfstauden aus dem Wasser, weitere Steine liegen einige Meter vom Ufer entfernt im Wasser, sie bilden sogenannte Buhnen. Darauf sind Wurzelstöcke platziert, und einige Pflanzen beginnen zaghaft aus diesen Buhnen zu wachsen: Vor allem Weiden, aber da und dort auch andere Wildgehölze. Blässhühner schwimmen zwischen dem Schilf. Und wer ganz genau hinschaut, entdeckt in Ufernähe kleine Fische. «Es sieht alles etwas wild aus, aber das ist gewollt», sagt Silas Wobmann. «Wir haben die Grundlagen geschaffen, damit die Natur Natur sein kann.» Einige Weiden und einzelne Schatten spendende Bäume seien gepflanzt worden, ansonsten war die Gemeinde aber zurückhaltend: «Es wächst, was hier wachsen kann und auch überlebt», erklärt Silas Wobmann, der vor seiner Tätigkeit für die Gemeinde als Bauführer bei einem Gartenbauunternehmen gearbeitet hat. «Horw fördert die Biodiversität, weil sie als Gemeinde eine Vorbildfunktion hat.» Silas Wobmann, stv. Leiter Tiefbau, Gemeinde Horw (LU) Aber nicht nur die Natur erhält hier ihren Platz: Entlang des Ufers haben auch die Menschen Platz zum Flanieren. «Wir wollten die Strasse gestalten – wie eine Art Promenade», erklärt Silas Wobmann. Das Trottoir ist auf der gleichen Höhe wie die Strasse, ohne Bordsteinkante, hebt sich aber farblich ab: Dort ist der Asphalt heller. «Der hellgraue Asphalt heizt sich weniger schnell auf.» Das Sternenmätteli neben dem Seehotel hat die Gemeinde Anfang Jahr umgestaltet. Der kleine Badeplatz erhielt eine Rampe, die es auch gehbehinderten Personen erlaubt, direkt zum See zu gelangen. Allerdings hatte die Gemeinde die Rechnung ohne die Seeströmung gemacht: Im Frühling verlagerte sich der neue Sand bis weit auf die Rampe. Das freut die Kinder wie auch die Enten – aber weniger die gehbehinderten Personen. «Das ist natürlich nicht ideal. Wir analysieren diese Situation und werden im Winter Massnahmen ergreifen», so Silas Wobmann. Silas Wobmann geht dem Seeufer entlang bis zur Winkelbadi und zeigt auf den Boden: Eine helle, überdeckte Rinne führt über das Trottoir und die Strasse bis zum Wald auf der anderen Strassenseite. Es handelt sich nicht etwa um eine Entwässerungsrinne, sondern einen Klimatunnel für Amphibien. Im Frühjahr machen sich diese auf den Weg vom Wald zum See, um zu laichen, und im Sommer kehren die Jungtiere zurück in den Wald. Die Strasse ist dabei ein gefährliches Hindernis für die Tiere – im Tunnel sind sie geschützt. «Wir führen derzeit ein Monitoring durch, um zu überprüfen, wie er genutzt wird», sagt Silas Wobmann. Rund eineinhalb Millionen Franken hat die Sanierung dieses Uferabschnittes gekostet. Die Gemeinde erhielt vom Bund Subventionen für die Revitalisierungsmassnahmen in der Höhe von etwas mehr als 10 Prozent des Gesamtbetrages. «Horw fördert die Biodiversität, weil sie als Gemeinde eine Vorbildfunktion hat», sagt Silas Wobmann. Die Biodiversität im Zuge von Strassensanierungen aufzuwerten, gelingt in der Gemeinde gut. «Wir sind ein kleines Team, was hilft, bei Sanierungen den Überblick zu behalten und Synergien zu nutzen», erklärt Silas Wobmann. Am Seeufer arbeitete die Gemeinde zudem mit erfahrenen Ingenieuren sowie Experten für Amphibien und Reptilien zusammen. «Das nötige Fachwissen abzuholen, ist zentral, damit man Massnahmen umsetzt, die wirklich Wirkung zeigen.» Sein eigener Hintergrund als gelernter Landschaftsgärtner und -bauzeichner hilft ihm dabei ebenfalls. Und nicht zuletzt lernt die Gemeinde von ihren eigenen Projekten: Beim Seeacher erstellte die Gemeinde vor drei Jahren die ersten Buhnen am Seeufer. «Wir haben dann realisiert, dass wir die Steininseln näher beieinander platzieren müssen, damit Schilf und Sträucher wachsen können», erklärt Silas Wobmann. Dies hat man in den Jahren darauf umgesetzt – und tatsächlich wächst das Schilf nun besser. Nadja Sutter

Die Zuger Gemeinden setzen auf E-Kehrichtfahrzeuge

In einer unscheinbaren Halle ganz am Ende der Industriezone Gulmmatt oberhalb von Baar (ZG) stehen sie: Die acht Kehricht- und Grüngutfahrzeuge mit Stromantrieb, die seit Januar 2025 in den elf Zuger Gemeinden unterwegs sind. Oberhalb der Lastwagen ist an der Decke der Halle ein Kasten angebracht, der je nach Status unterschiedlich leuchtet: Blau heisst, dass das Fahrzeug gerade geladen wird, und grün heisst, dass es fertig geladen ist. In den parkierten Fahrzeugen steckt ein schwarzer Stecker – genau wie er auch für Elektroautos verwendet wird, wie Reto Hürlimann anmerkt. Er ist Geschäftsführer der R. Hürlimann AG, welche die Mandate für die Kehricht- und Grüngutsammlung vom Zeba Zug erhalten hat. Der Zeba ist ein Zweckverband, der im Auftrag aller elf Zuger Gemeinden die Abfallbewirtschaftung verantwortet. Der Zeba und damit die Gemeinden gaben denn auch den Anstoss für die E-Kehricht- und E-Grüngutlastwagen, wie Geschäftsführerin Heidi Oswald erzählt. «Wir sehen uns als innovativen Zweckverband, und in unseren Leitlinien ist festgehalten, dass Ökologie genau so wichtig ist wie Ökonomie», sagt sie. «Wir möchten zudem als öffentliche Hand unsere Vorbildfunktion wahrnehmen.» Als es um die neue Ausschreibung der Abfallsammlung ging, hielt der Verband fest, dass als Antrieb nur Wasserstoff oder Strom aus erneuerbaren Quellen in der Schweiz infrage kommt. «Erste Pilotprojekte sind bereits erfolgreich gelaufen, die Technologie ist geprüft. Die Zeit ist reif für alternative Antriebe in der Abfallsammlung», fügt Heidi Oswald hinzu. Die R. Hürlimann AG gewann die Ausschreibung und machte sich sodann an die Beschaffung der Fahrzeuge. Acht neue Fahrzeuge zogen ein, vier Dreiachser sowie vier Vierachser mit einem Kran zum Leeren der Unterflurcontainer. Die Dreiachser sind Fahrzeugtypen, die regulär auf dem Markt erhältlich sind, die Vierachser mussten speziell für die Bedürfnisse in Zug hergestellt werden. «Die Zeit ist reif für alternative Antriebe in der Abfallsammlung.» Heidi Oswald, Geschäftsführerin Zweckverband Zeba Die Elektrofahrzeuge sind rund doppelt so teuer in der Anschaffung wie Dieselfahrzeuge. So kosteten die Dreiachser 500 000 Franken, die Vierachser mit Kran sogar 950 000 Franken. Im Unterhalt sind sie jedoch wesentlich günstiger als die Dieselfahrzeuge. «Wir haben eine Vollgarantie auf die Batterien für acht bis zehn Jahre, und der Service ist inbegriffen», erklärt Reto Hürlimann. Heidi Oswald ergänzt: «Über die ganze Lebensdauer der Fahrzeuge gerechnet sind die E-Lastwagen nicht teurer.» Für den Zeba sei der Preis gleich wie vorher mit Dieselfahrzeugen. «Dass sich die neue Technologie auch finanziell lohnt, hilft sicher, dass sie sich langfristig durchsetzen kann», glaubt Heidi Oswald. Der Strom für den Betrieb kommt von der grosszügigen Solaranlage im Industriepark Gulmmatt. Dort werden die Fahrzeuge jeweils über Nacht geladen – jene, die in der Nähe unterwegs sind, laden jeweils auch in der Mittagspause auf. Die Lösung ist allerdings noch nicht ideal, denn die Fahrzeuge sind tagsüber, wenn die Sonne scheint, mehrheitlich unterwegs. «Wir planen, eine Speicheranlage zu bauen, um den tagsüber produzierten Strom speichern und für die nächtliche Ladung der Fahrzeuge verwenden zu können», sagt Reto Hürlimann. Dafür brauche es aber noch Abklärungen. Sicher ist aber: Die Leistung der E-Fahrzeuge ist besser als jene, die mit Diesel betrieben sind. Und auch die Chauffeure sind zufrieden, wie Reto Hürlimann sagt: Sie lobten das neue Fahrgefühl. Für die Mitarbeitenden, die hinten mitfahren, sei es zudem angenehmer weil die Fahrzeuge leiser seien und keine Abgase produzierten. Feinjustierungen seien aber noch nötig, insbesondere bei der Fahrweise. Dazu bietet das Unternehmen Schulungen für seine Chauffeure an und hat auch bereits Anpassungen vorgenommen. Nicht ganz einfach ist die Planung, weil gerade beim Grüngut die Abfallmenge je nach Jahreszeit und Wetter stark variiert – und weil im Versorgungsgebiet laufend neue Unterflurcontainer dazukommen. «Wir möchten bis 2030 in allen Gemeinden ausschliesslich Unterflurcontainer und keine Rollcontainer mehr im Einsatz haben», sagt Heidi Oswald. Werden neue Unterflurcontainer in Betrieb genommen, heisst das auch, dass sich die Routen für die Abfallsammlung ändern. Zudem bedeutet diese Umstellung, dass die Fahrzeugflotte sowohl in der Lage sein muss, Rollcontainer als auch Unterflurcontainer zu leeren. «Wir müssen in diesem ersten Jahr nun Erfahrungen sammeln», fasst Reto Hürlimann zusammen. «Wir sind gut gestartet und meistern diese Herausforderung, haben aber noch Potenzial zur Optimierung.» Heidi Oswald pflichtet ihm bei: «Der Start und die Umstellung waren herausfordernd. Seither läuft es aber rund. Als Verband sind wir mit dieser Lösung sehr zufrieden.» Und auch aus der Bevölkerung gebe es viele positive Rückmeldungen. Nadja Sutter

Grenchen kämpft erfolgreich gegen Littering

Als Grenchen 2020 den ersten Clean-up-Day organisierte, traf die Solothurner Stadt offenbar einen Nerv. Mehr als 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen und halfen mit, Grenchen von achtlos weggeworfenem Abfall zu befreien. Drei Jahre später verzeichnete der Clean-up-Day sogar einen Teilnehmerrekord: 730 Personen waren 2023 mit dabei. Das grosse Engagement der Bevölkerung freut Sandra Marek, Sachbearbeiterin Stadtplanung und Energiestadtkoordinatorin bei der Stadt Grenchen. Sie ist bei der Baudirektion zuständig für das Thema Littering und hilft unter anderem mit, den Clean-up-Day zu organisieren. Dieser ist eine schweizweite Aktion der IGSU (Interessengemeinschaft für eine saubere Umwelt) und wird in zahlreichen Gemeinden und Städten durchgeführt. 2019 kam aus der Politik der Anstoss, diesen Tag auch in Grenchen umzusetzen. Und die Stadt legt sich seither besonders ins Zeug: 2021 gewann die Stadt sogar einen Preis der IGSU für den kreativsten Clean-up-Day. Mit dem gewonnenen Ausflugsgutschein besuchten die Teilnehmenden ein Entsorgungscenter und lernten Interessantes zum Thema Plastikrecycling. Jedes Jahr überlegt sich das OK eine besondere Aktion im Rahmen des Clean-up-Days, letztes Jahr zum Beispiel einen Gestaltungswettbewerb für die Schulen. Die Schulen seien ein wichtiger Verbündeter im Kampf gegen Littering, wie Sandra Marek erklärt. Sensibilisierungsmassnahmen gegen Littering sind fix im Stundenplan verankert. Im Turnus putzen Schulklassen einmal die Woche den Pausenplatz, und jährlich werden drei Schullektionen dem Umweltunterricht der Stiftung Pusch gewidmet. Darin geht es nicht nur um Littering, sondern allgemein um den Umgang mit Ressourcen. Ein weiterer Baustein im Kampf gegen Littering sind in Grenchen die Raumpatenschaften. Dabei verpflichten sich Freiwillige aus der Bevölkerung, einen bestimmten Ort in der Stadt – zum Beispiel eine Bushaltestelle, den Raum um eine Parkbank oder einen Spielplatz – regelmässig von Abfall zu befreien. Die Idee: Liegt kein Abfall herum, so ist die Hemmschwelle grösser, Müll achtlos auf den Boden zu werfen. 2021 startete das Projekt, heute betreuen 28 Raumpatinnen und Raumpaten 29 Gebiete. «Wir haben in diesem Programm sehr engagierte Leute, die uns immer wieder wertvolle Inputs geben», sagt Sandra Marek. Eine Familie, die regelmässig einen Spazierweg entlang eines Bachs von Abfall befreit, hat zum Beispiel selbst kleine Aschenbecher aus Blechdosen gebastelt und an den Parkbänken angebracht. Seither liegen auf dem Abschnitt deutlich weniger Zigarettenstummel am Boden. Bei anderen Raumpatinnen und Raumpaten haben die Aufräumaktionen die Situation so stark verbessert, dass ihr Einsatz gar nicht mehr nötig war – und sie sich ein neues Gebiet gesucht haben. «Uns ist es sehr wichtig, Wertschätzung für das grosse Engagement der Raumpatinnen und Raumpaten zu zeigen», sagt Sandra Marek. Regelmässig organisiert die Stadt deshalb ein Treffen. Das zeigt den Raumpatinnen und Raumpaten einerseits, dass sie mit ihrem Engagement nicht allein sind, und stellt andererseits den Kontakt zur Stadt sicher. Das Engagement der Stadt Grenchen zahlt sich aus. Seit 2023 trägt sie das No-Littering-Label der IGSU. Um das Label zu erhalten, muss eine Gemeinde mindestens fünf Massnahmen im Kampf gegen Littering umsetzen. Im Falle von Grenchen sind dies der jährliche Clean-up-Day, das Raumpatenprojekt, der Umweltunterricht sowie die «Pausenplatz-Putzete» in den Schulen. Dazu kommt eine jährlich wechselnde Massnahme, 2025 war dies ein zusätzlicher Clean-up-Day an der Aare zusammen mit dem Verein Abfalltaucher am 15. März. Rund 30 Taucher bargen mithilfe von Hebeballons eine grosse Menge an Abfall aus der Aare. Bootshelfer zogen die Fundstücke aus dem Wasser und übergaben sie an rund 60 Landhelfer. Unter den geborgenen Objekten befanden sich zwei Töffli, 25 Velos, 18 Reifen, etwa 300 Kilogramm Kupferkabel, ein Ruderboot, eine Büroeinrichtung, ein Sofa, zahlreiche Ölfässer, eine Matratze sowie eine Flaschenpost eines Kindergartens aus Studen. «Mit dem IGSU-Label können wir unser Engagement sichtbar machen», erklärt Sandra Marek. Die Stadt nutze das Label vor allem in der Kommunikation. «Wichtiger als das Label ist es für uns, die Massnahmen umzusetzen, mit dem Ziel eines sauberen und angenehmen Stadtbildes.» Und dass die Massnahmen nützen, erfährt der Werkhof ganz direkt. Zwar gebe es noch immer Littering-Hotspots, so Sandra Marek. Aber: «Im Grossen und Ganzen hat das Littering stark abgenommen.» Die Mitarbeitenden des Werkhofs haben weniger Arbeit mit achtlos weggeworfenem Abfall und dadurch mehr Ressourcen für andere Aufgaben. «Wichtiger als ein Label ist es uns, die Massnahmen umzusetzen, mit dem Ziel eines sauberen und angenehmen Stadtbildes.» Sandra Marek, Sachbearbeiterin Stadtplanung und Energiestadtkoordinatorin, Stadt Grenchen (SO) Nadja Sutter

Strassenbegleitgrün: Welche Mähmaschinen sind ökologisch?

Das Strassenbegleitgrün, also Wiesen und Böschungen entlang von Strassen, sind unproduktive Flächen. Sie müssen aber trotzdem regelmässig gemäht werden, um die Sicherheit auf den Strassen zu gewährleisten. Gerade entlang von Hauptstrassen und Autobahnen muss das schnell gehen und wirtschaftlich sein, denn die betroffenen Abschnitte sollten nicht zu lange gesperrt werden, um den Verkehr nicht zu beeinträchtigen. Das hat Folgen für die Biodiversität. Am einfachsten und schnellsten geht das Mähen nämlich mit Schlegelmulchern, die das Mähgut zerhäckseln. Darunter leidet die Insektenwelt – und das liegen gebliebene Schnittgut sorgt für einen zu nährstoffreichen Boden, welcher der Biodiversität ebenfalls schadet. Aus der Landwirtschaft wisse man, welche Art zu mähen die Biodiversität fördert, sagt Lukas Bollack. Er betreut beim Umweltbüro Nateco eine Studie zu biodiversitätsfreundlichen Mähmaschinen, an der auch die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) beteiligt ist. «Balkenmäher sind insektenfreundlicher als Schlegelmulcher», so Bollack. Und: Ideal wäre es, das Schnittgut ein paar Tage liegen zu lassen, damit die Pflanzen versamen können, und dann abzuführen, um eine Nährstoffübersättigung des Bodens zu verhindern. Ist dies nicht möglich, so ist es besser, das Schnittgut direkt abzuführen, als es liegen zu lassen. Die Technik hat bereits reagiert: Maschinenhersteller bringen zum Beispiel Abstreifvorrichtungen an, die nicht nur die Samen von Pflanzen auf dem Boden verteilen, sondern auch Insekten animieren sollen, zu fliehen, bevor das Mähen beginnt. Auch verfügen die Maschinen der neusten Generation über eine weniger starke Sogwirkung sowie Vorrichtungen, mit denen das Schnittgut direkt aufgenommen und abtransportiert werden kann. Diese Innovationen gehen auf eine Initiative aus Bayern zurück, wie Ralf Sander vom deutschen Maschinenhersteller Mulag erklärt. Seit 2019 gelten dort nach der Annahme eines Volksbegehrens besonders strenge Regeln zum Schutz der Biodiversität – auch für das Mähen von Strassenbegleitgrün. Das Strassenbauamt lud Maschinenhersteller und Biologen zu einem runden Tisch ein, um gemeinsam Lösungen zu finden. Im Anschluss entwickelte Mulag Maschinen mit den oben beschriebenen Anpassungen. Auch Schweizer Hersteller wie die Urs Schmid AG oder die N.U.P. bieten mittlerweile Ökomähköpfe an. Doch was nützen diese Massnahmen effektiv? Ab wann gilt eine Mähmaschine als biodiversitätsfreundlich? Forschung dazu gibt es noch kaum. Antworten sucht die Studie, an der Lukas Bollack beteiligt ist und die vom Bundesamt für Strassen (Astra) sowie seinen deutschen und österreichischen Pendants in Auftrag gegeben wurde. Im Sommer 2023 wurden Feldversuche durchgeführt, die derzeit ausgewertet werden. Mit ersten Resultaten rechnet Bollack 2026. «Es hat sich als ziemlich schwierig erwiesen, eine standardisierte Messung durchzuführen», sagt Bollack. Denn je nach Grünfläche und Tageszeit variiert die Anzahl Insekten darin sehr stark. Zum Schluss behalf sich die Forschergruppe mit Insektenattrappen aus Wachs. Obwohl das Forschungsprojekt noch nicht abgeschlossen ist, kann Lukas Bollack Gemeinden, die bei der Grünflächenpflege die Biodiversität schützen wollen, einige Tipps geben: «Balkenmäher sind besser als rotierende Messer, und es hilft, das Gras nicht ganz kurz abzuschneiden», sagt er. Aber es komme nicht nur auf die Maschine an: «Auch der Mähzeitpunkt hat einen Einfluss.» Wichtig sei es überdies, Altgrasinseln stehen zu lassen, wohin die Insekten flüchten könnten. Interessierte Gemeinden können sich von kantonalen Fachstellen oder Ökobüros beraten lassen. «Balkenmäher sind insektenfreundlicher als Schlegelmulcher, und es hilft, das Gras nicht ganz kurz abzuschneiden.» Lukas Bollack, Projektleiter Nateco Die Schweizer Politik ist bereits auf das Thema aufmerksam geworden. Der Bund hat dem Astra und den Bahnunternehmen die Vorgabe gemacht, dass sie 20 Prozent ihrer Fläche zur Biodiversitätsförderung nutzen müssen. Und im Kanton Zürich darf entlang der Kantonsstrassen nur noch mit Balkenmähern gearbeitet werden. Die Nachfrage nach schonenderen Mähmaschinen ist da, weiss Ralf Sander von Mulag: Er hat bisher fünf Grünpflegeköpfe der neusten Generation in die Schweiz verkauft. Anfragen kamen bisher aus den Kantonen Aargau, Baselland, Graubünden und Wallis. Ralf Sander ist überzeugt, dass sich in diesem Bereich in Zukunft noch viel tun wird, sobald Erkenntnisse der erwähnten Studie, aber auch von anderen Forschergruppen vorliegen. Und: «Das Feedback unserer Kunden fliesst direkt in die Weiterentwicklung der Geräte mit ein.» Nadja Sutter

Schulkinder in Trub und Trubschachen sammeln Kunststoffabfälle

Mehr als 100 Kilogramm Kunststoffabfälle fallen in der Schweiz pro Person und Jahr an. Ein grosser Teil davon wird heute verbrannt – oder landet unerwünschterweise in der Natur. Die Schweizer Politik will das ändern: Bereits 2021 wurde auf Bundesebene entschieden, gemischte Kunststoffe aus Haushaltungen zu recyceln. In der Schweiz sind die Gemeinden für die Entsorgung der Siedlungsabfälle zuständig. Somit liegen auch die Sammlung und das Recycling von Kunststoffabfällen in ihrer Verantwortung. Im Kanton Bern startete im Mai 2023 ein schweizweit einzigartiges Projekt im Bereich Kunststoffrecycling. Kanton und Gemeinden taten sich mit dem Entsorgungsunternehmen AVAG Umwelt AG sowie der Systembetreiberin InnoRecycling AG zusammen, um die Sammlung und Entsorgung der Kunststoffe koordiniert anzugehen. Die Einwohnerinnen und Einwohner der mittlerweile 170 beteiligten Gemeinden können Sammelsäcke beziehen, füllen diese mit Kunststoffabfällen und geben sie an den Sammelstellen wieder ab. Das Sammelgut wird nach Vorarlberg in Österreich gebracht und nach den verschiedenen Kunststoffarten sortiert. Eine Sortieranlage in der Schweiz gibt es derzeit noch nicht, ist aber in Planung, wie Patrik Ettlin von der InnoRecycling AG sagt. Das sortierte Material wird anschliessend überwiegend in Eschlikon (TG) zu Granulat verarbeitet. Als erste Schule der Schweiz sammelt seit Februar 2024 der Schulverband Trub-Trubschachen Kunststoff. «In unserem Leitbild ist festgehalten, dass unsere Schule Ressourcen schont und in der Bildung die nachhaltige Entwicklung priorisiert», sagt Schulleiter Matthias Pfister. Da passe das Sammeln von Kunststoff dazu. Den ersten Kontakt stellte eine Mitarbeiterin der Gemeinde her, die auch für das Schulsekretariat verantwortlich ist. Die Anfrage war die erste einer Schule überhaupt, wie Patrik Ettlin von der InnoRecycling AG ausführt. Damit die Schülerinnen und Schüler auch wissen, was sie in den Sammelbehältern entsorgen müssen, wurden sie im Februar an zwei Vormittagen in Workshops geschult. Patrik Ettlin sowie Sandro Alves, Projektleiter bei der InnoRecycling AG, erklärten den Kindern und Jugendlichen nicht nur, welche Kunststoffe recycelt werden können, sondern zeigten auch das graue Granulat, das nach dem Recyclingprozess entsteht und Rohstoff für neue Produkte ist. Am Workshop wurde klar: Kunststoffrecycling ist komplex. Viele Verpackungen und Gegenstände bestehen aus verschiedenen Kunststoffarten, sogenannten Mischkunststoffen, die nach der Verarbeitung nicht wieder aufgetrennt und separat recycelt werden können. In Spielsachen, aber auch in Büromaterialien und Sportutensilien sind zudem Additive, auch Weichmacher genannt, enthalten. Diese Gegenstände können deshalb nicht recycelt werden. In den Sammelsäcken befinden sich rund 63 Prozent wiederverwertbare Kunststoffe – zum Beispiel Joghurtbecher –, wie Patrik Ettlin ausführte. 35 Prozent sind Mischkunststoffe, die als Ersatzbrennstoff in der Zementindustrie Stein- und Braunkohle ersetzen. Und zwei bis drei Prozent der Kunststoffe kommen in die Kehrichtverwertungsanlage, womit Energie produziert wird. «Lohnt sich das überhaupt?», fragte ein Schüler nach der Präsentation. «Es lohnt sich immer mehr, je mehr Menschen mitmachen», antwortete Patrik Ettlin. Klar sei auch: Das Granulat aus dem recycelten Kunststoff müsse sich weiterverarbeiten und verkaufen lassen. Für die Verwendung im Nahrungsmittelbereich ist es momentan noch nicht zugelassen, kann aber zum Beispiel für die Herstellung von Gegenständen wie Waschmittelflaschen oder Giesskannen verwendet werden. Schulleiter Matthias Pfister sagt abschliessend: «Wir erhoffen uns, dass die Kinder auch zu Hause vom Kunststoffrecycling erzählen und dieses vorleben. So können wir das Recycling im ganzen Schulverbandsgebiet fördern.» Das Entsorgungsunternehmen AVAG Umwelt AG und die InnoRecycling AG blicken optimistisch in die Zukunft. «Die Kennzahlen wie auch das durchwegs positive Feedback von Gemeinden, Verkaufs-, Sammel- und Logistikpartnern sowie aus der Bevölkerung zeigen, dass das Sammelsystem ankommt», sagt Mudest Arpagaus, Geschäftsleitungsmitglied der AVAG Umwelt AG auf Anfrage. Die Kennzahlen nach den ersten Monaten seien höchst erfreulich, die Zeichen für eine weitere positive Entwicklung stünden gut. Wichtig sei dafür auch die Kommunikation der Gemeinden. Nadja Sutter

Tipps und Tricks rund ums Thema Gebäudesanierung

Mit der Broschüre «Sanieren, aber richtig», wollen der Schweizerische Gemeindeverband, das Gebäudeprogramm, das Forum Asbest sowie Gebäudehülle Schweiz den Gemeinden ein Hilfsmittel zum Thema Gebäudesanierung an die Hand geben. Es umfasst neben technischen Informationen auch gelungene Beispiele von Sanierungen sowie Angaben zu Fördermöglichkeiten. Richtig sanieren heisst: den Energieverbrauch und den CO2-Ausstoss reduzieren sowie sich auch zu gesundheitlichen Aspekten Gedanken zu machen. Ganz besonders aktuell ist dies bei älteren Gebäuden, die bis 1990 erbaut wurden. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass in den damals verwendeten Baumaterialen Asbest vorkommt. Dies muss abgeklärt und bei einem Umbau in einer professionellen Asbestsanierung entfernt werden. Die Gemeinden sind oft erste Anlaufstelle wenn es um Sanierungen geht. Zudem haben Sie eine Vorbildfunktion, wenn es um die Sanierung der gemeindeeigenen Immobilien geht. Die gute Nachricht ist: Richtig sanieren lohnt sich, denn Liegenschaften, die sowohl klimafreundlich als auch von potenziell gesundheitsschädigenden Altlasten befreit sind, gewinnen an Attraktivität. Informationen: Die Broschüre kann online hier heruntergeladen werden. Die Printversion kann beim Schweizerischen Gemeindeverband bestellt werden. Nadja Sutter

«Die tiefere Temperatur ist Gewöhnungssache»

Dass sich in Amriswil (TG) energietechnisch etwas tut, zeigt sich an diesem verhangenen Wintertag rasch. Der Weg vom Bahnhof zum stattlichen Stadthaus führt durchgehend durch eine Tempo-30-Zone. Reste einer Weihnachtsbeleuchtung finden sich nicht, dafür bunte Kartonsterne an den Strassenlaternen. Vor dem Stadthaus prangen drei Flaggen, die auf die Auszeichnung Energiestadt Gold hinweisen; ein Label, das Amriswil erst Anfang Januar entgegennehmen durfte. «Unsere Bemühungen in den verschiedensten Bereichen haben dazu geführt, dass wir die Auszeichnung erhalten haben», sagt Sandra Reinhart. Es reiche nicht, sich nur in einzelnen Bereichen zu engagieren – als Energiestadt brauche es ein umfassendes Engagement, von Beschaffungen über die Grünraumplanung bis hin zur Kommunikation. Das zeigt sich in Amriswil auch bei den Energiesparmassnahmen, welche die 14 000-Einwohner-Gemeinde im Thurgau diesen Winter ergriffen hat. «Wir waren früh informiert und wussten, dass da etwas kommt. Als Energiestadt war es für uns selbstverständlich, etwas zu unternehmen. Sonst sind wir nicht glaubwürdig.» Die Weihnachtsbeleuchtung ersetzte Amriswil durch die bunten, von lokalen Kulturschaffenden gestalteten Kartonsterne. Ein Weihnachtsbaum im Stadtzentrum wurde aufgestellt und geschmückt, aber nicht mit Lichtern. Die Strassenbeleuchtung wird in Übereinstimmung mit den Empfehlungen des Kantons früher ausgeschaltet, nämlich um 23 Uhr. Zudem beschloss die Stadt, zusätzliche Solarpanels auf den Dächern der gemeindeeigenen Gebäude anzubringen. In den Gebäuden senkte Amriswil die Raumtemperatur. «Wir haben keine Einheitstemperatur vorgegeben, sondern haben bei den einzelnen Gebäuden geschaut, was sinnvoll ist», erklärt Sandra Reinhart. In Räumen, die gar nicht gebraucht werden, wurde die Temperatur naturgemäss stärker gesenkt als dort, wo gearbeitet wird. Und in den Gängen und Toiletten ist es kühler als in den Büroräumen. Dort gilt die Maximaltemperatur von 20 Grad. «Uns war es wichtig, dass wir trotz tieferen Temperaturen noch ein angenehmes Arbeitsklima haben.» Mit 20 Grad sei das gegeben. «Klar, es ist etwas kühler, aber mit einem warmen Pulli ist es angenehm.» Sie habe keine Kenntnis von negativen Rückmeldungen. «Am Anfang gab es den einen oder anderen Witz», sagt sie schmunzelnd. Aber: «Grundsätzlich wurde die Regelung sehr gut akzeptiert. Wir haben uns daran gewöhnt.» Die Schulen in Amriswil haben ihre eigenen Regeln erlassen, aber auch dort wurden die Raumtemperaturen gesenkt – laut Sandra Reinhart lief es auch dort ohne grossen Aufschrei. Eine Massnahme also, über die im Vorfeld viel diskutiert wurde, die aber schliesslich ganz unspektakulär verlief? Das könne man so sagen, bestätigt Sandra Reinhart. Auch die technische Umsetzung sei keine grosse Sache gewesen. Nur im Stadthaus, einem älteren Gebäude, sei es etwas komplizierter gewesen. «Unsere Hauswarte hatten das aber rasch im Griff.» Über die anderen Massnahmen der Stadt Amriswil sei deutlich mehr diskutiert worden, so zum Beispiel über die fehlende Weihnachtsbeleuchtung oder die frühere Abschaltung der Strassenlampen. «Dabei gab es zunächst ein technisches Problem, und die Lampen gingen bereits um 21 Uhr aus – das hat dann für Unmut gesorgt.» Das Problem sei aber schnell behoben gewesen. Ist es denkbar, dass die Raumtemperatur in den Amriswiler Gemeindegebäuden auch in den nächsten Wintern tiefer bleibt? «Ich kann mir das vorstellen. Die tiefere Temperatur ist Gewöhnungssache», sagt Sandra Reinhart. Sie betont aber, dass der Stadtrat darüber noch nicht diskutiert hat. Dass die Weihnachtsbeleuchtung dauerhaft ausfällt, kann sie sich jedoch eher nicht vorstellen. «Ich denke, dass wir sie in Jahren, in denen keine Strommangellage droht, wieder regulär aufhängen.» Wie viel Energie und Geld Amriswil mit den Temperatursenkungen gespart hat, lässt sich nicht beziffern. «Das ist sehr schwierig zu sagen, weil es stark mit der Temperatur zusammenhängt. Wir hatten einen milden Herbst, dann einen Kälteeinbruch, und über den Jahreswechsel war es wieder sehr warm», so Reinhart. Vergleiche mit anderen Jahren seien daher schwierig. «Wenn wir einen Beitrag leisten, ist es wichtig, darüber zu informieren und zu erklären, warum das Engagement wichtig ist.» Sandra Reinhart, Stadträtin Amriswil (TG) «Die konkreten Zahlen sind weniger relevant, als dass wir ein gutes Vorbild sind», findet Sandra Reinhart. Gerade deshalb sei auch die Kommunikation wichtig. Die Stadt hat ein klares Kommunikationskonzept, berichtet in ihrer Publikation «Info Amriswil» regelmässig über ihre Bemühungen und hat auch Empfehlungen für die Bürgerinnen und Bürger publiziert. «Wenn wir einen Beitrag leisten, ist es wichtig, darüber zu informieren und zu erklären, warum das Engagement wichtig ist.» Aus diesem Grund sei Amriswil auch der Energiespar-Alliance beigetreten (siehe Kasten). Angesichts der aktuellen Situation mit dem Krieg in der Ukraine, der drohenden Strommangellage, aber auch des Klimawandels findet sie es wichtig, dass die Gemeinden als Vorbilder vorangehen. Für die Stadt Amriswil, die seit zwölf Jahren das Label Energiestadt trägt, ist dies selbstverständlich. Und Sandra Reinhart hofft, dass dieses Engagement auch die Bürgerinnen und Bürger inspiriert. «Jeder kleine Beitrag hilft.» Nadja Sutter

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