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Aktive Filter: Autor: Nadja Sutter Ausgabe: 3 l 2023 Alle Filter entfernen
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«Die Vorbildwirkung der Gemeinden ist zentral»

Patrick Kutschera: Zunächst einmal: Die Lage ist nicht entspannt, aber weniger angespannt als befürchtet. Den grössten Beitrag dazu hat sicherlich der warme Winter geleistet. Die Einsparungen beim Strom haben rund fünf bis acht Prozent betragen, beim Gas waren es etwas mehr. In Zahlen ist das schwierig auszudrücken. Sicherlich trägt jede Massnahme zu den Sparbemühungen bei. Viel wichtiger als die eingesparten Kilowattstunden bei Gemeinden und Städten ist jedoch ihre Vorbildwirkung. Diese ist zentral. Wir haben viele Zuschriften von Bürgerinnen und Bürgern erhalten, die fragten, weshalb sie Energie sparen sollten, wenn die Gemeinde die Weihnachtsbeleuchtung doch aufhängt oder ein Gebäude die ganze Nacht beleuchtet. Die vielen Gemeinden, die sichtbare Massnahmen ergriffen haben, haben ein wichtiges Zeichen gesetzt. Wir wissen alle, dass die Weihnachtsbeleuchtung nur einen kleinen Teil des Energieverbrauchs einer Gemeinde ausmacht. Aber sie ist ein sehr emotionales, weil sichtbares Thema. Manche Menschen störten sich daran, dass sie in Zeiten einer möglichen Strommangellage trotzdem aufgehängt wurde, andere störten sich daran, dass es keine Beleuchtung gab. Viele Gemeinden haben hier sehr gute Lösungen gefunden, indem sie zum Beispiel die Dauer der Beleuchtung reduzierten, auf eine Beleuchtung wechselten, die weniger Energie verbraucht, oder auf Weihnachtsschmuck ganz ohne Stromverbrauch setzten. Die Bilanz ist sehr positiv. Die Gründungsmitglieder, darunter der Schweizerische Gemeindeverband (SGV), waren sehr schnell an Bord, und wir sind rasch gewachsen. Anfang Februar zählten wir rund 370 Mitglieder, darunter Gemeinden und Städte, alle Kantone sowie Verbände und Unternehmen aus der Privatwirtschaft. Jeden Tag kommen neue Mitglieder dazu. Die Alliance ist wichtig, weil sie den Energiesparbemühungen Glaubwürdigkeit verleiht. Diese ist höher, wenn auch die Privatwirtschaft, Behörden und Verbände die Bemühungen stützen und nicht nur der Bund. Zudem haben die Mitglieder die Reichweite der Kampagne erhöht. Wir würden uns sehr freuen, wenn noch mehr Gemeinden Mitglied würden, weil sie diese wichtige Vorbildfunktion haben. Sie müssen aufführen, welche Energiesparmassnahmen sie planen oder umgesetzt haben – das ist alles. Die Mitgliedschaft kostet nichts. Die Gemeinden können im Gegenteil profitieren, zum Beispiel vom monatlichen Austausch zur Lage und zu guten Beispielen sowie vom positiven Image. In der Alliance sind sehr viele gute Ideen zusammengekommen. Exemplarisch drei Beispiele: Collombey-Muraz (VS) hat neben den Energiesparmassnahmen einen «Nachhaltigkeits-Botschafter» ernannt, der die verschiedenen Abteilungen unterstützt und das Thema Nachhaltigkeit immer wieder in Diskussionen einbringt. Bregaglia (GR) hat seine Strassenbeleuchtung durch dimmbare LEDs ersetzt. Horw (LU) wollte die Beleuchtung auf Gemeindeboden eigentlich bis 2030 ersetzen, hat das Projekt aber kurzerhand vorgezogen und das Budget dafür gesprochen. Die Gemeinde wird nun früher von tieferen Energiekosten profitieren. Der Vorteil freiwilliger Massnahmen ist, dass die Gemeinden sie dort umsetzen können, wo sie ihnen am meisten bringen – denn die Bedürfnisse sind sehr unterschiedlich. «Der Vorteil freiwilliger Massnahmen ist, dass die Gemeinden sie dort umsetzen können, wo sie ihnen am meisten bringen – denn die Bedürfnisse sind sehr unterschiedlich.» Patrick Kutschera, Geschäftsführer Energie Schweiz Das Label gibt klar formulierte Ziele vor und ist deshalb für Gemeinden und Städte eine hilfreiche Struktur, um den Status zu erheben sowie Massnahmen zu planen und umzusetzen. Zudem ist es eine Bestätigung für den geleisteten Effort. Auch hier zählt wieder die Vorbildwirkung: In den meisten Städten und Gemeinden weist ein Schild am Ortseingang auf die Auszeichnung hin, oder das Label wird prominent auf der Homepage erwähnt. Wir werden im März Bilanz ziehen und die Kommunikationsmassnahmen vorerst herunterfahren. Wir denken aber bereits an den nächsten Winter. Denn die Lage bleibt angespannt, und der Winter 2023/2024 wird möglicherweise nicht so mild wie der vergangene, zudem wird das russische Gas fehlen, mit dem letztes Jahr die europäischen Speicher gefüllt wurden. Die Einsparungen sind auch im Sommer relevant, denn dann werden die Gasspeicher und die Speicherseen gefüllt. Für den nächsten Winter haben wir nun eine längere Vorlaufzeit und können auch technische Anpassungen vornehmen, um den Stromverbrauch zu reduzieren. So sind wir nicht allein auf Massnahmen angewiesen, die vom Verhalten der Menschen abhängen. Im Herbst werden wir bei Bedarf die Kommunikationsmassnahmen wieder hochfahren. Auf jeden Fall. Wir wollen den Austausch innerhalb der Energiespar-Alliance weiter pflegen, um uns optimal auf den nächsten Winter vorzubereiten, und sie wird weiter wachsen, zum Beispiel mit zusätzlichen Gemeinden, die sich hoffentlich anmelden. In diesem Rahmen ein grosses Dankeschön an das Engagement des Gemeindeverbandes und der Gemeinden. Sie sind ein wichtiges Puzzleteil für uns, weil sie so nahe an der Bevölkerung sind. Informationen: Wichtige Informationen zum Energiesparen für Gemeinden auf der Homepage des SGV: www.chgemeinden.ch Winter-Energiespar-Initiative des Bundes: www.nicht-verschwenden.ch Energiespar-Alliance: https://alliance2022-23.ch/ Nadja Sutter

«Auf der Gemeinde habe ich fürs Leben gelernt»

Als Leonie Koch zum Interviewtermin im Gemeinderatszimmer in Hasle (LU) erscheint, ist es für sie ein Heimkommen. Im vergangenen Sommer hat sie hier, auf der Gemeindeverwaltung Hasle, ihre Lehre als kaufmännische Angestellte mit Berufsmatura erfolgreich abgeschlossen. Ihre drei Lehrjahre waren eine Zeit, auf die sie sehr gerne zurückblickt, wie im Gespräch rasch deutlich wird. «Ich bin während der Lehre erwachsen geworden und habe auf der Gemeinde fürs Leben gelernt», resümiert sie. Dabei war sich Leonie Koch am Ende ihrer Schulzeit gar nicht so sicher, wo der weitere Weg hinführen soll. «Ich habe mir einerseits überlegt, die Kantonsschule zu besuchen und nachher die Ausbildung zur Lehrerin zu machen», sagt sie. «Andererseits hat mich auch eine Lehre angesprochen.» Leonie Koch schnupperte in der Folge in verschiedenen Berufen: auf der Gemeinde, bei Banken, aber auch in einer Bäckerei. «Bei der Gemeindeverwaltung hat es mir am meisten Spass gemacht, und so fiel der Entscheid. Zum Glück entschied sich dann auch die Gemeinde für mich als Lernende», sagt sie mit einem Lachen. Die Gemeinde dürfte dies nicht bereut haben, hat Gemeindeschreiber Marco Studer doch nur lobende Worte für seine ehemalige Lernende: «Leonie ist sehr ehrgeizig und hat ihre Aufgaben stets sehr gewissenhaft erledigt.» Der jungen Frau ihrerseits gefiel die Abwechslung auf der Verwaltung der Gemeinde mit rund 1700 Einwohnerinnen und Einwohnern besonders gut. Sie hatte Einblick in die verschiedenen Abteilungen und war unter anderem beim Steueramt, auf der Einwohnerkontrolle, im Bau- und Finanzamt, hat Aufgaben für den Gemeinderat erledigt und war auch für eine kurze Zeit auf dem Zivilstandsamt in Wolhusen. Natürlich arbeitete sie auch am Gemeindeschalter, nahm Anrufe entgegen und beantwortete Mails und hatte so engen Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern. «Das hat mir wahnsinnig gefallen. Dabei habe ich gelernt, mit Menschen in den verschiedensten Situationen umzugehen und auch zu schlichten. Denn nicht alle Menschen, die zum Gemeindeschalter kommen, sind zufrieden, das war nicht immer einfach.» Zu lernen, damit umzugehen, helfe auch im Privatleben, findet Leonie Koch. «Ich habe gelernt, mit Menschen in den verschiedensten Situationen umzugehen und auch zu schlichten.» Leonie Koch, ehemalige Lernende Gemeinde Hasle (LU) Sie hat es geschätzt, für die Gemeinschaft zu arbeiten. «Ich bin in Hasle aufgewachsen und wohne immer noch hier. Indirekt habe ich mit meiner Arbeit etwas gemacht, das allen hier dient.» Und nicht zuletzt habe sie ganz praktische Dinge gelernt, die ihr im weiteren Leben helfen. «Ich weiss zum Beispiel ziemlich genau, wie man eine Steuererklärung ausfüllt.» Sie schmunzelt und fügt an: «Jetzt helfe ich Freundinnen und Freunden dabei, sie auszufüllen.» Gab es denn etwas, das ihr an der Lehre nicht gefallen hat? Leonie Koch überlegt lange. «Nein, ich bin immer gerne arbeiten gegangen.» Schliesslich fügt sie an: «Ich habe parallel zur Lehre die Berufsmatur absolviert. Das war zeitweise schon sehr intensiv, ich musste mich durchbeissen. Aber es hat sich gelohnt.» Sie sei in der strengen Zeit sehr froh über die Unterstützung aus dem Team gewesen, insbesondere über die von Gemeindeschreiber Marco Studer. «Ich durfte zwischendurch Aufgaben für die Schule während der Arbeitszeit erledigen. Das hat wirklich geholfen.» Sie fügt an: «Ich erinnere mich gerne an meine ehemaligen Kolleginnen und Kollegen zurück. Ein gutes Team ist etwas vom Wichtigsten bei der Arbeit und kann einen richtig pushen.» Trotz all den guten Erinnerungen zieht es sie vorerst weg von der Gemeinde. Sie beginnt demnächst die Ausbildung zur Primarlehrerin. «Das war immer mein Traum. Ich möchte noch enger mit Menschen zusammenarbeiten.» Sie glaubt, dass ihr die Erfahrungen auf der Gemeinde helfen werden, insbesondere der Umgang mit Menschen in den verschiedensten Situationen. Dennoch: Sie kann sich vorstellen, zu einem späteren Zeitpunkt zur Gemeindeverwaltung zurückzukehren. «Ich bin froh, stehen mir in Zukunft zwei Wege offen.» Was könnten Gemeinden aus ihrer Sicht tun, damit junge Leute auch nach der Lehre bleiben? «Sie müssen die Möglichkeit zur Weiterentwicklung innerhalb der Gemeinde bieten», sagt Leonie Koch bestimmt. «Weiterbildungen und die persönliche Weiterentwicklung sind sehr wichtig für junge Menschen. Man erwartet das auch von unserer Generation.» Mit Weiterbildungsmöglichkeiten könnten Gemeinden verhindern, dass sie Leute verlieren – aber es gebe ihnen auch viel zurück, ist die junge Frau überzeugt. Nadja Sutter

Rezepte gegen den Fachkräftemangel

Früher war der Fall klar: Der Gemeindeschreiber wohnte in der Gemeinde und arbeitete auf der Gemeindeverwaltung bis zu seiner Pensionierung. Das ist heute anders. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind mobil, bilden sich weiter, wechseln die Branche. Das hat Auswirkungen auf die Gemeinden – die Stelleninserate von Gemeindeverwaltungen häufen sich. Sind die Gemeinden so unattraktiv geworden als Arbeitgeberinnen? Nicht unbedingt, sind doch nicht nur sie, sondern branchenübergreifend zahlreiche Unternehmen und Behörden händeringend auf der Suche nach Personal. Dennoch: Wollen die Gemeinden den Fachkräftemangel entschärfen, müssen sie attraktive Arbeitsbedingungen bieten. So klingt es unisono von den Expertinnen und Experten, mit denen wir für diese Ausgabe gesprochen haben. Wir versuchen darin, dem Phänomen auf den Grund zu gehen, und stellen lösungsorientierte Initiativen vor. Wie zum Beispiel das Video des Gemeindeschreiber- und Geschäftsführerverbandes Luzern zusammen mit dem Berufsbildungsnetzwerk Lunited, das für die Lehre bei der Gemeinde wirbt. In diesem Zusammenhang haben wir auch mit einer jungen Lehrabgängerin gesprochen, die das KV auf einer Gemeindeverwaltung absolviert hat, und sie gefragt, was es braucht, damit junge Arbeitskräfte bei den Gemeinden bleiben. Der Fachkräftemangel wird den Schweizerischen Gemeindeverband auch an seiner Generalversammlung beschäftigen, die er dieses Jahr einmal mehr im Rahmen der Messe Suisse Public abhalten wird. Was Sie darüber hinaus an der Suisse Public und ihrer Tochtermesse Suisse Public SMART erwartet, das verraten wir Ihnen in dieser Ausgabe. Nadja Sutter

«Die Nachfrage nach Springern ist riesig»

David Ammann: Die Nachfrage nach Springerinnen und Springern ist riesig. In den letzten fünf bis sechs Jahren gab es immer mehr Anfragen; und seit der Pandemie ist deren Zahl durch die Decke gegangen. Im vergangenen Herbst haben wir festgestellt, dass wir leider jede zweite Anfrage ablehnen müssen. Wir können die Nachfrage bei Weitem nicht decken. Da gibt es verschiedene Gründe. Zum einen, wenn Angestellte ausfallen, zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen, wegen eines Mutterschaftsurlaubs oder unbezahlten Urlaubs. Zum anderen, wenn es Restrukturierungen gibt und eine Überbrückung gesucht wird, bis eine Stelle neu ausgeschrieben werden kann. Immer häufiger jedoch auch, weil Stellen nicht besetzt werden können. Es gibt Gemeinden, die fragen nach einem Abgang gleich nach einem Springer, weil sie bereits wissen, dass es schwierig wird, die Stelle zu besetzen. In Bauverwaltungen, im Finanz- und Sozialbereich ist die Nachfrage besonders gross. In den Bauverwaltungen braucht es sehr spezifische Kenntnisse, gleichzeitig ist die Bautätigkeit in der Schweiz enorm hoch. Und es ist nicht unbedingt ein dankbarer Job: Wenn es um Baubewilligungen geht, muss man Polizist spielen. Im Finanzbereich ist es ähnlich, auch dort braucht es sehr spezifische Kenntnisse, und die Arbeitslast kann hoch sein, wenn zum Beispiel der Abschluss ansteht. Der muss einfach gemacht werden. Im Sozialbereich gibt es eine sehr hohe Fluktuation. Das heisst, viele Fachkräfte wechseln die Stelle häufig. Daher gibt es viele Abgänge, aber es ist auch einfacher, neue Leute oder Springerinnen und Springer zu finden. Die Zahl in unserem Pool ist über die Jahre mit rund 90 stabil geblieben, aber wir können damit die momentane Nachfrage nicht decken. Mir ist es sehr wichtig, zu betonen, dass wir nicht aktiv Springerinnen und Springer rekrutieren. Wir werben den Gemeinden kein Personal ab. Die Personen, die wir beschäftigen, sind meist solche, die aus verschiedenen Gründen keine Festanstellung anstreben und flexibel arbeiten wollen. Mit dem Personalverleih können wir dafür sorgen, dass sie der Branche erhalten bleiben. Und manchmal kommt es auch vor, dass es einer Springerin oder einem Springer so gut gefällt in einer Gemeinde, dass sie oder er dortbleibt. Ich frage mich, ob die Anstellungsbedingungen der öffentlichen Hand mit jenen in der Privatwirtschaft Schritt halten können. Damit meine ich nicht den Lohn – der ist in den meisten Fällen absolut gut. Sondern auch andere Faktoren wie Ferien, Arbeitsumfeld, Flexibilität … Die Pandemie hat durchaus einen Schub gebracht. Es gibt aber auch Verwaltungen, die Homeoffice gleich wieder den Riegel geschoben haben, nachdem die Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-Pandemie aufgehoben worden waren. Wenn Flexibilität aus Prinzip nicht geht, ist es schwierig, gute Leute zu finden. Einen Generationenwechsel gibt es derzeit tatsächlich. Allerdings bilden viele Gemeinden auch Lehrlinge aus. Diese verlassen die Branche aber oft nach dem Lehrabschluss. Weshalb das so ist, ist mir ein Rätsel, und auch anderen Branchenkennern. Die Arbeit in einer Verwaltung ist sehr sinnhaft, ein Dienst an der Gesellschaft. Vielleicht liegt es am Image – obwohl es viele Imagekampagnen gibt, die das ändern wollen. Es ist sicher wichtig, dass man in diesem Bereich weitere Bemühungen unternimmt. «Ich beobachte, dass jene Gemeinden, die gut organisiert sind und eine gute Kultur pflegen, weniger Probleme haben, Personal zu finden.» David Ammann, stv. Geschäftsführer Federas Politik und Verwaltungskader sind gefordert, an den Rahmenbedingungen zu arbeiten. Es braucht klare und sinnvolle Strukturen, und eine Aufgabentrennung zwischen Politik und Verwaltung. Im Arbeitsalltag braucht es eine gute und gesunde Kultur und flexible Arbeitsbedingungen, die Teilzeit und Homeoffice ermöglichen. Ich beobachte, dass jene Gemeinden, die gut organisiert sind und eine gute Kultur pflegen, weniger Probleme haben, Personal zu finden. Herausfordernd kann es insbesondere für kleinere Gemeinden sein, wo sich die Verantwortung auf wenige Schultern verteilt. Hier ergibt es Sinn, die Strukturen zu überprüfen – und damit meine ich nicht unbedingt Fusionen, sondern die vermehrte Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden. Nadja Sutter

Bewährtes Konzept, neue Formate: Suisse Public 2023

Sechs Jahre – so lange ist es her, seit die letzte Suisse Public stattfinden konnte. Die Ausgaben 2020 und 2021 der grössten Schweizer Fachmesse für den öffentlichen Sektor mussten wegen der Coronapandemie abgesagt werden. Vom 6. bis 9. Juni aber öffnet die Messe erneut ihre Türen auf dem Bernexpo-Gelände und heisst Fachleute und Beschaffungsverantwortliche von Gemeinde-, Kantons- und Bundesbehörden sowie von Grossunternehmen willkommen. «Seit 2017 ist viel passiert», sagt Messeleiter Christoph Lanz im Gespräch mit der «Schweizer Gemeinde». Natürlich bestehe bei einer so langen Pause die Gefahr, dass sich der Markt anders organisiere, weg von den Messen. Christoph Lanz beobachtet aber das Gegenteil: Das Nachholbedürfnis sei gross. «Der Marktplatz, um sich zu treffen und auszutauschen, hat gefehlt. Denn es gibt keinen vergleichbaren Anlass in der Schweiz.» Und so waren bereits Anfang Februar 95 Prozent der Flächen der Messe gebucht. «Der Marktplatz, um sich zu treffen und auszutauschen, hat gefehlt. Denn es gibt keinen vergleichbaren Anlass in der Schweiz.» Christoph Lanz, Messeleiter Suisse Public An der Suisse Public können Interessierte Innovationen vor Ort kennenlernen und unter anderem im grossen Aussenbereich vieles direkt ausprobieren. «Wie leise zum Beispiel ein Kehrichtfahrzeug ist, kann man kaum in einem Video erfahren. Das muss man vor Ort erleben können», sagt Christoph Lanz. Die Messe biete die Möglichkeit für die Aussteller, Vertrauen zu schaffen in ihre neuen Lösungen. Und für die Besucherinnen und Besucher aus den Gemeinden ist es auch Gelegenheit, sich auszutauschen. Unterhaltung darf ebenfalls nicht fehlen: Action gibt es an der «Fire Fit Challenge» im Feuerwehrbereich der Messe, wo sich Angehörige der Feuerwehr in einem sportlichen Wettbewerb messen. Auch im Ausstellerbereich dürfte es vieles zu entdecken geben. Denn der Innovationszyklus wurde durch die coronabedingte Pause nicht gestoppt – im Gegenteil. Die Themen, die im Fokus stehen, und die technischen Lösungen sind andere als vor sechs Jahren. «Das Thema Energie ist momentan sehr brisant, das war in den vergangenen Jahren anders», so Christoph Lanz. Neben der Energiekrise beschäftigen sich die Gemeinden aktuell mit Ladestationen für elektronisch angetriebene Fahrzeuge oder E-Kommunalfahrzeuge. Die Digitalisierung ist ebenfalls Dauerthema und ein Feld, das sich sehr rasch entwickelt. Ihr hat die Suisse Public gleich eine eigene Messe in der Messe gewidmet: die Suisse Public SMART. Diese fand 2021 bereits online und 2022 als Tageskonferenz statt. Im Rahmen ihrer Muttermesse wird sie nun ein Programm während vier Tagen anbieten und smarte Lösungen aus den verschiedensten Bereichen präsentieren. Die Suisse Public SMART ist in zwei Teilbereiche gegliedert: eine Messe und eine Konferenz. Im Messeteil präsentieren Aussteller ihre Produkte an Ständen und auf einer Pitch-Bühne in kurzen Vorträgen. Dies wird ergänzt durch einen sogenannten Solution Park: Er ist gestaltet wie eine Begegnungszone, und die Besucherinnen und Besucher können dort verschiedene Exponate direkt in einem praxisnahen Anwendungskontext erleben. Zum Beispiel smarte Strassenlampen und Parkbänke, an denen das Handy aufgeladen werden kann. Zu viele Details will SMART-Projektleiter Christopher Wehrli noch nicht verraten: «Wir stecken mitten in der Planung.» Eine Etage darüber können Interessierte am Konferenzteil der Suisse Public SMART ihr Wissen rund um smarte Lösungen vertiefen. An allen vier Tagen konzentrieren sich die Inhalte der Vorträge und Podiumsdiskussionen auf einen bestimmten Fokus. Am Dienstag, 6. Juni, geht es um die Arbeit sowie Werkhöfe der Zukunft, am Mittwoch, 7. Juni, um Infrastrukturen der Zukunft und die Mobilitätswende. Am Donnerstag, 8. Juni, stehen E-Government und die digitale Verwaltung im Zentrum und am Freitag, 9. Juni, smarte Lösungen für Blaulichtorganisationen. Der Messeteil der Suisse Public SMART sowie das Konferenzprogramm vom Dienstag, 6. Juni, und Freitag, 9. Juni, ist im Eintritt der Suisse Public inbegriffen. Für den Konferenzteil vom Mittwoch, 7. Juni, und Donnerstag, 8. Juni, braucht es ein separates Konferenzticket. Darin inbegriffen sind neben dem Besuch der Konferenz und der Suisse Public auch ein Mittagessen sowie ein Apéro. «Wir wollen neue Wege aufzeigen, wie die Gemeinden vernetzt und smart ihre Infrastrukturen erneuern können. Dies gilt auch für die Digitalisierung von Verwaltungsdiensten.» Christopher Wehrli, Projektleiter Suisse Public SMART «Wir fokussieren an der SMART bewusst auf pragmatisch umsetzbare Lösungen, die auf Gemeinden zugeschnitten sind», sagt Projektleiter Christopher Wehrli. «Wir wollen neue Wege aufzeigen, wie die Gemeinden vernetzt und smart ihre Infrastrukturen erneuern können. Dies gilt auch für die Digitalisierung von Verwaltungsdiensten.» Das Interesse der Ausstellenden am neuen Format ist gross. «Die Messe wird wahrgenommen und ist bei zahlreichen Akteuren auf dem Radar», so Christopher Wehrli. Auch hier arbeitet die Zeit für das Thema, wie Messeleiter Christoph Lanz bemerkt. Eins ist sicher: Wenn 2026 die nächste Suisse Public stattfindet, werden sich die Innovationen bereits wieder weiterentwickelt haben. Nadja Sutter

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