Menü
Logo Logo
  • DE
  • FR
  • IT
  • Energie und Umwelt 8
  • Annika Schmidt 1
  • Benedikt Vogel 1
  • Ernst Michel 1
  • Fabian Blaha 1
  • Gerhard Lob 1
  • Heinz Benz 1
  • Lukas Weibel 1
  • Marcel Straumann 1
  • Marion Loher 1
  • Nadine Czekalski 1
  • Paul Sicher 1
  • Rahel Meister 1
  • 11 l 2023 8
Aktive Filter: Kategorie: Energie und Umwelt Ausgabe: 11 l 2023 Alle Filter entfernen
Es wurden 8 Ergebnisse in 2 Millisekunden gefunden. Zeige Ergebnisse 1 bis 8 von 8.
  • 1
Ergebnisse pro Seite:

Ittigen und Muri-Gümligen: Gut beraten mit Kreislaufwirtschaft

Um netto null Emissionen zu erreichen, führt kein Weg an ihr vorbei: der Kreislaufwirtschaft. Denn einen grossen Teil unseres Fussabdrucks verursacht der Konsum. Ob der Bürotisch in der Gemeindeverwaltung, der Asphalt in den Strassen oder das Essen im Pflegeheim – wir kaufen Güter, Materialien und Lebensmittel ein, deren Herstellung, Transport und Entsorgung viele Treibhausgase verursacht. Je nach Schätzung und Betrieb machen diese indirekten Emissionen zwischen 40 und 50 Prozent unserer CO 2 -Emissionen aus. In der heutigen Klimapolitik stehen deshalb nicht mehr nur die Energieversorgung oder die Mobilität im Fokus. Unser Handeln muss bei allen Produkten ansetzen: Ihre Herstellung muss ressourceneffizient sein, sie sollten so lange wie möglich im Lebenszyklus bleiben, und die Materialkreisläufe müssen geschlossen werden. Genau das hat sich Reffnet, das Schweizer Netzwerk für Ressourceneffizienz, auf die Fahne geschrieben. Mit Unterstützung des Bundesamts für Umwelt (Bafu) bietet Reffnet seit 2014 kostenlose Beratungen zur Ressourceneffizienz für Unternehmen an, und nun sollen vermehrt auch Gemeinden von diesem Angebot profitieren. In einer Beratung erhalten Gemeinden eine Potenzialanalyse und einen Massnahmenplan mit ausgewiesener Umweltwirkung. Auf Initiative des Direktors des Schweizerischen Gemeindeverbands (SGV), Christoph Niederberger, hat der Reffnet-Experte Philipp Rufer von der Nachhaltigkeitsberatungsfirma Punkt Rufer AG ein Pilotprojekt durchgeführt. Gemeinsam mit den beiden Berner Gemeinden Ittigen und Muri-Gümligen erarbeitete er je eine Potenzialanalyse und identifizierte Massnahmen zur Stärkung der Ressourceneffizienz und der Kreislaufwirtschaft. Heidi Schlosser, Fachbereichsverantwortliche Umwelt in Ittigen, erinnert sich: «Unsere Gemeinde besitzt ein Umweltzertifikat nach ISO 14001. Wir hatten uns bereits mit Themen wie der nachhaltigen Beschaffung befasst und waren der Meinung, dass sich die Kreislaufwirtschaft gut in unser Umweltmanagement integrieren liesse.» Den Auftakt der Potenzialanalyse machten Workshops, bei denen die Gemeindevertreterinnen und -vertreter ihre Ideen zur Kreislaufwirtschaft einbrachten. Resultat war eine Vielzahl von möglichen Massnahmen in Bereichen wie Strassenbau, Hochbau oder Baumaterialien. Im Anschluss wurden für die beiden Gemeinden drei Massnahmen ausgewählt und als Projektskizzen ausgearbeitet, mit entsprechender Bewertung der Umweltwirkung. Nachdem Rufer von den Gemeinden die dazu relevanten Eckdaten – zum Beispiel die Anzahl Kandelaber oder die Menge an entsorgten Haushaltsgegenständen – erhalten hatte, schätzte er die Ressourcenmenge ab und berechnete die Umweltwirkung in Form einer Ökobilanzierung. Reffnet verwendet zu diesem Zweck die vom Bafu entwickelte Methode der ökologischen Knappheit, bei der die Wirkung von Nachhaltigkeitsmassnahmen in Umweltbelastungspunkten und CO 2 -Äquivalenten ausgewiesen wird. Somit kann zum Beispiel ein Gemeinderat im Entscheidungsprozess die Wirkung von verschiedenen Massnahmen vergleichen. Ob Agglomeration, Land oder Stadt: Die Massnahmen werden jeweils für jede Gemeinde individuell zusammengestellt. Es gibt aber gewisse Stellschrauben in Gemeinden mit überproportionalem Potenzial – so griffen beide Pilotgemeinden Infrastrukturthemen auf, die grosse Mengen an Ressourcen betreffen. Gute Beispiele sind der Strassenbau, wo in Zukunft im Tiefbau auf Recyclingasphalt gesetzt werden soll, oder die Wiederverwendung von Bauteilen wie Randsteinen oder Fenstern. «In Muri-Gümligen werden wir im Rahmen des Sanierungsprojektes der öffentlichen Beleuchtung von über 1000 Kandelabern 78 Prozent wiederverwenden, 19 Prozent wiederaufbereiten oder erhöhen und nur 10 Prozent ganz ersetzen», erklärt Benedict Wyss-Käppeli, Fachbereichsleiter Energie. «Diese Wiederverwendung beziehungsweise Wiederaufbereitung reduziert gegenüber einer Neubeschaffung die Umweltbelastung markant.» Um gleichzeitig Energie zu sparen, wird die Gemeinde bis 2028 über 1000 Leuchtpunkte auf den Kandelabern durch LED-Leuchten ersetzen und Bewegungssensoren installieren. Bei beiden Gemeinden ist die Wiederverwendung von Mobiliar ein Thema – in Muri-Gümligen bei der Sanierung des Gemeindehauses oder in Ittigen im Kindergarten. Beide Gemeinden sensibilisieren zudem die Bevölkerung: In Ittigen soll sie in einem Repair-Café ihre Besitztümer flicken lassen können und sie somit länger nutzen. Schlosser erklärt: «Unsere Nachbargemeinde Stettlen betreibt bereits eine solche Einrichtung, der wir uns möglicherweise anschliessen können. So liessen sich die bereits vorhandenen Geräte und Maschinen teilen – ganz im Sinne der Nachhaltigkeit.» In Muri-Gümligen bietet die reformierte Kirchgemeinde bereits heute viermal jährlich ein Repair-Café an. «In Muri-Gümligen werden wir von über 1000 Kandelabern 78 Prozent wiederverwenden, 19 Prozent wiederaufbereiten oder erhöhen und nur 10 Prozent ganz ersetzen.» Benedict Wyss-Käppeli, Fachbereichsleiter Energie in Muri-Gümligen Muri-Gümligen hat bereits 2021 die Reffnet-Beratung in Anspruch genommen, in Ittigen war es Ende 2022 so weit. Schlosser erinnert sich: «Es war sehr interessant und zeigte uns vielfältige, konkrete Möglichkeiten der Kreislaufwirtschaft auf. Bewusst wollten wir kein jahrelanges Projekt anreissen, das dann vielleicht versandet.» Auch Wyss-Käppeli zieht eine positive Bilanz: «Das Reffnet-Pilotprojekt war sehr kompakt und motivierend und gab einen Anstoss, Kreislaufaspekte in den Projekten und Beschaffungsprozessen mitzudenken.» Eine Reffnet-Beratung würden beide Gemeinden jederzeit anderen Gemeinden weiterempfehlen. Und wie sieht es mit den Kosten aus? Der finanzielle Aspekt einer Massnahme ist ebenso wichtig wie der ökologische. Hier habe die Kreislaufwirtschaft gute Karten, sagt Experte Philipp Rufer. Sprich: Zirkuläre Lösungen sind meist kostengünstiger. Ein vergleichbares Pilotprojekt der SBB mit aufbereiteten, neu feuerverzinkten Fahrleitungsmasten kam 23 Prozent günstiger zu stehen als ein Komplettersatz mit Neukauf – bei 80 Prozent geringerer Umweltwirkung. Informationen: Sie möchten in Ihrer Gemeinde eine Beratung in Anspruch nehmen? Reffnet freut sich über Ihre Anfrage unter info@reffnet.ch. Mehr Informationen finden Sie auch auf www.reffnet.ch/angebot . Rahel Meister

Integrales Management von Regenwasser in Siedlungen

Bereits heute leiden viele Siedlungen unter sommerlicher Hitze, Wasserknappheit in längeren Trockenphasen und Überschwemmungen bei lokalen Starkregen. Gemäss den Klimaszenarien für die Schweiz ist zukünftig sogar mit noch häufigeren und länger andauernden Perioden mit Hitze und Trockenheit zu rechnen. Die hohe Versiegelung der Böden trägt ihren Teil dazu bei: Asphalt, Beton, Stahl und Glas heizen Strassen und Gebäude im Sommer zusätzlich auf. Regenwasser, das auf Dächern, Plätzen und Verkehrswegen anfällt, wird viel zu oft in Röhren unter dem Boden abgeleitet. Weil es nicht im Boden und in Pflanzen zwischengespeichert werden kann, fehlt es an heissen Tagen. Bei Starkregen im Überfluss anfallender Niederschlag kann nicht versickern, überlastet die Kanalisation und verschärft im Endeffekt das Überschwemmungsrisiko. Es braucht nachhaltige Lösungen für den temporären Rückhalt von Regenwasser. Der Klimawandel wirkt sich unmittelbar auf die Naturgefahren aus: Wärmere Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, die sich wiederum in häufigeren und noch intensiveren Starkregen entlädt und zudem das Potenzial für Stürme verschärft. Rund die Hälfte aller Überschwemmungsschäden ist nicht auf ausufernde Bäche, Flüsse und Seen, sondern auf Oberflächenabfluss zurückzuführen. Wasser, das bei starkem Regen nicht unmittelbar versickern kann, fliesst als Oberflächenabfluss auf dem Boden ab und gelangt über Wiesen und Strassen ins Siedlungsgebiet, wo es in tief liegende Gebäudeöffnungen eindringen und massive Schäden verursachen kann. Damit die Verletzlichkeit von Gebäuden und die Risiken möglichst gering bleiben, sind planerische und bauliche Lösungen gefragt. Die Gefährdungskarte Oberflächenabfluss zeigt schweizweit mögliche Abflusswege und überschwemmte Bereiche im Fall eines Gewitters auf. Entscheidend für die Planung und Umsetzung von Schutzmassnahmen ist die Kenntnis der Abflusswege von Regenwasser. Mit dem Naturgefahren-Check der Informationsplattform www.schutz-vor-naturgefahren.ch kann mittels Eingabe des Standorts die lokale Gefährdung für alle Naturgefahren abgerufen werden. Neben der Gefährdungskarte Oberflächenabfluss greift die Plattform auf alle verfügbaren Gefährdungskarten zu und liefert ausserdem zur Situation passende Empfehlungen für den Gebäudeschutz. Ein zuverlässiger Hochwasserschutz setzt auf den permanenten Schutz sämtlicher Gebäudeöffnungen im überschwemmungsgefährdeten Bereich, wobei man auch Lüftungsöffnungen oder Leitungsdurchführungen nicht vergessen darf. Zielführend sind beispielsweise die erhöhte Anordnung des Erdgeschosses und der Zugänge in Kombination mit einer Umgebungsgestaltung, die Oberflächenabfluss gezielt um die Gebäude herumleitet und optimalerweise begrünte Versickerungsflächen bietet. Die Planung über Parzellengrenzen hinaus ist deshalb ein zentraler Bestandteil des integralen Regenwassermanagements. Ein Blick auf das Konzept der Schwammstadt lohnt sich. Das Konzept der Schwammstadt ist bestechend einfach und bringt die Themen Klimaanpassung, Naturgefahrenprävention, Biodiversität und Lebensqualität unter einen Hut: Auch urbane Räume sollen ähnlich einem Schwamm möglichst viel Wasser aufnehmen und zwischenspeichern können. Das Wasser dient der Anreicherung des Grundwassers und steht während Trockenperioden für die Pflanzen zur Verfügung. Naturnahe, wasserdurchlässige Oberflächen mit Bewuchs speichern zudem weniger Wärme als die meist dunklen, versiegelten Flächen und tragen über Verdunstung und Schattenwurf zu einer Abkühlung der Umgebungsluft bei. Der Effekt gleicht einer natürlichen Klimaanlage und ist deshalb ein Schlüssel der modernen Stadtplanung zur Bekämpfung von Hitzeinseln. Die gezielte Versickerung des Regenwassers reduziert gleichzeitig den Oberflächenabfluss und den Eintrag in die Kanalisation. Solche «blau-grünen» Infrastrukturen bieten Pflanzen, Nützlingen und Bestäubern neue Lebensräume, fördern dadurch die Biodiversität und erhöhen die Lebensqualität und Attraktivität der Wohn- und Arbeitsumgebung. Regenwasser kann auf begrünten Flachdächern, in Gärten und auf unversiegelten Plätzen versickern. Zudem lässt es sich fassen und zur Bewässerung oder als Betriebswasser nutzen. Damit das Konzept der Schwammstadt erfolgreich ist, muss Regenwasser als Grundelement bei jeder Planung berücksichtigt werden. Die Siedlungs- und Verkehrsentwicklung muss mit der generellen Entwässerungsplanung und dem Hochwasserschutz koordiniert werden. Dabei können verschiedenste, auch kleine Massnahmen zur Förderung von Versickerung, Wasserrückhalt und dem kontrolliertem Durchleiten von Oberflächenabfluss zwischen Gebäuden hindurch kombiniert werden. Insbesondere Letzteres will gut koordiniert sein – auch über Parzellengrenzen hinweg. Dass dabei stets auch der Überlastfall bei Starkregen bewusst mitgedacht wird, dürfte zur allgemeinen Sensibilisierung für Naturgefahren und auch zum Schutz vor Überschwemmungen oder gar zu deren Vermeidung beitragen. Informationen: Informationen des VSA zum Thema Schwammstadt: www.vsa.ch/schwammstadt Naturgefahren-Check mit interaktiver Gefährdungsübersicht: www.schutz-vor-naturgefahren.ch BAFU-Publikation «Regenwasser im Siedlungsraum»: www.bafu.admin.ch/uw-2201-d Lukas Weibel

Energie und Biodiversität vereint im Naturpark

Kurz gefasst ist eine Energieregion ein organisierter interkommunaler Zusammenschluss, bei dem mehrere Gemeinden mit ihren Einwohnenden, Unternehmen und Organisationen energiepolitische Ziele verfolgen. Das gleichnamige Programm «Energie-Region» vom Bundesamt für Energie (BFE) unterstützt Projekte in der ganzen Schweiz; sei dies finanziell oder durch das Bereitstellen von Know-how, Netzwerk oder Werkzeugen. Die Energieregion Naturpark Gruyère Pays d’Enhaut zeigt die Vorteile eines solchen Zusammenschlusses anschaulich. Der Naturpark Gruyère Pays d’Enhaut verteilt sich auf die Kantone Waadt, Freiburg und Bern. Der Bund zeichnete ihn im Jahr 2012 mit dem Label «Park von nationaler Bedeutung» aus. Der Naturpark umfasst auf 630 km 2 17 Gemeinden mit insgesamt rund 16 000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen gehören die Alpwirtschaft, insbesondere die Käseproduktion, die Forstwirtschaft sowie der Tourismus. Der Naturpark ermöglicht die Nutzung erneuerbarer und lokaler Energiequellen. Konkret wird aus Holz, Biogas und Grünabfällen Wärme gewonnen. Im Jahr 2016 hat sich der Park als Energieregion zusammengeschlossen. Seither wurden bereits sieben Projekte realisiert: So hat der Park im Jahr 2017 eine Energiebilanz erstellt und möchte künftig den Anteil an erneuerbaren Energieträgern der Wärmeerzeugung von 30 auf 100 Prozent erhöhen. Im Folgejahr hat der Park den Energieverbrauch der kommunalen Gebäude analysiert. Ein Expertenteam kam zum Schluss, dass ein Reduktionspotenzial von bis zu 70 Prozent vorliegt. Das Programm «Energie-Region» übernimmt maximal 40 Prozent der Projektkosten in einem jährlichen Umfang von 15 000 bis 30 000 Franken. So auch beim Projekt «Nachtlandschaft», das im Jahr 2022 mit rund 16 000 Franken unterstützt wurde. Ziel des Projekts ist es, die öffentliche Beleuchtung im Naturpark zu verbessern. Dabei handelt es sich um ein breit abgestütztes Anliegen der Bevölkerung. Das Projekt verspricht sich einerseits eine Reduktion im Energieverbrauch, andererseits soll die nächtliche Biodiversität respektiert werden. Lichtemissionen wirken sich nicht nur negativ auf den Energieverbrauch aus, sondern beeinträchtigen auch die Biodiversität: Der Lebensraum von nachtaktiven Tieren kann durch Lichtemissionen zerschnitten, ihr Aktionsradius eingeschränkt sowie ihr Nahrungsangebot reduziert werden. Mit der Zustimmung aller betroffenen Gemeinden erhob die Energiekommission des Parks in Zusammenarbeit mit den Stromversorgern Daten zu den öffentlichen Beleuchtungen. Die gemeindeübergreifenden Erkenntnisse sind die folgenden: Eine sichere Strassenquerung von Fussgängerinnen und Fussgängern hat trotz Absenkung oder Ausschaltung oberste Priorität. Dies bedingt eine getrennte Steuerung von Fussgängerstreifen. Der Energieverbrauch kann durch Absenkung, dynamische Beleuchtung oder Ausschalten reduziert werden. Zu einem Austausch von Nicht-LED-Leuchten wird stark geraten. Eine Fernsteuerung sorgt für maximale Flexibilität bei der Beleuchtung und kann oft schnell amortisiert werden. Die Farbtemperatur soll in sensiblen Biodiversitätsgebieten unter 3000 Grad Kelvin liegen. Diese Erkenntnisse werden künftig in die kommunale Planung der öffentlichen Beleuchtung miteinbezogen, was eine Schulung der betroffenen Gemeinderatsmitglieder in technischen wie auch in rechtlichen Aspekten voraussetzt. Dabei ist die Rolle der Stromversorger zentral: Ihnen wurden konkrete Vorschläge für Sanierungsmassnahmen unterbreitet. Da die meisten Gemeinden im Naturpark nicht über das Fachwissen für eine solche Studie verfügt hätten, wurde der Beitrag des Energie-Region-Projekts sehr geschätzt, insbesondere im Hinblick auf die Erfüllungspflicht von kantonalen Anforderungen. «Für die Gemeinde Val-de-Charmey (FR) war dieses Energie-Region-Projekt zur Optimierung der nächtlichen Beleuchtung eine ausgezeichnete Möglichkeit, schnell konkrete Massnahmen umzusetzen», sagt Bruno Clément, Gemeinderat von Val-de-Charmey in der Legislatur 2017 bis 2021. «Die umfassende Analyse der kommunalen Beleuchtung hat die Diskussion und die mit dem Stromversorger zu ergreifenden Massnahmen erheblich erleichtert. So konnten wir nebst der Energieeinsparung auch die Problematik der Biodiversität einbeziehen.» Abgesehen von den mittelfristig geplanten Investitionen sei so beschlossen worden, die Beleuchtung mitten in der Nacht zunächst provisorisch und später dauerhaft auszuschalten und diese Massnahme im nächsten Jahr noch auszudehnen. «Für die Gemeinde Val-de-Charmey war dieses Energie-Region-Projekt zur Optimierung der nächtlichen Beleuchtung eine ausgezeichnete Möglichkeit, schnell konkrete Massnahmen umzusetzen.» Bruno Clément, Gemeinderat Val de Charmey (FR) Legislatur 2017–2021 Das Projektbeispiel «Nachtlandschaft» zeigt, dass eine gute Kommunikation aufgrund der komplexen Organisationsstruktur der Region essenziell ist. Wie so oft sind Brücken zwischen den Interessen der Politikerinnen und Politiker und den Fachleuten gefragt. Das Programm «Energie-Region» birgt grosses Potenzial, die entscheidenden Akteure aus Privatpersonen, Unternehmen sowie der öffentlichen Hand an einen Tisch zu bringen. Der zuständige Energieregionberater André Lehmann hält fest: «Das Energie-Region-Programm bewies sich als Katalysator für den Naturpark Gruyère Pays d’Enhaut. Es hat uns ermöglicht, mit dem Ausbau von erneuerbarer Energie in der Region fortzuschreiten und die Energieeffizienz zu steigern.» Ihr Basisbudget hätte sich seit einigen Jahren verdoppelt. Lehmann ist überzeugt, dass viele Projekte ohne den Zusammenschluss zur Energieregion nicht oder erst viel später entstanden wären. Lehmann blickt gespannt in die Zukunft: Im aktuellen Ausschreibungsfenster hat der Naturpark ein Projekt zur Dekarbonisierung der Mobilität eingegeben. An Ideen und Elan fehlt es dieser Energieregion bestimmt nicht. Informationen: www.local-energy.swiss/programme/energie-region energie-region@local-energy.swiss Annika Schmidt

Kunststoffe: In den Kuh-Bag oder auf die Entsorgungsanlage

PET-Flaschen, Glas oder Papier: Viele Materialien werden gesammelt, aufbereitet und für die Herstellung neuer Produkte verwendet. Auch Kunststoff ist ein vielfältiger Werkstoff und kann – teilweise – recycelt werden. Das ist umweltschonend und nachhaltig, da ein Kilogramm recycelter Kunststoff bis zu drei Liter Rohöl spart und die Wiederverwertung ein wichtiger Teil der Kreislaufwirtschaft ist. Die Sammlung von Kunststoffprodukten erfolgt in der Ostschweiz unterschiedlich. Nebst den Angeboten des Detailhandels gibt es verschiedene regionale Initiativen. Eine davon ist der Kuh-Bag. Die drei Abfallverbände Zweckverband Abfallverwertung (ZAB) Bazenheid, Abfallregion (A-Region) St. Gallen-Rorschach-Appenzell und Kehrichtverwertungsanlage (KVA) Thurgau bieten seit ein paar Jahren ein Sammelsystem für gemischten Kunststoff an. Der Kuh-Bag ist ein gebührenpflichtiger Sack und dient als Ergänzung zur PET-Sammlung. Darin können Shampoo-, Waschmittel-, Rahm- und Milchflaschen sowie Zahnpastatuben, Blumentöpfe und andere Plastikverpackungen entsorgt werden. Ist der Sack voll, kann er an einer der zahlreichen Rückgabestellen abgegeben werden. 130 Gemeinden zwischen Stein am Rhein und Säntis beteiligen sich seit der Einführung am Kunststoff-Sammelsystem. Eine dieser Gemeinden ist Teufen im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Hier gibt es drei Sammelstellen; zwei unbediente und eine bediente. Roman Imhof, Fachverantwortlicher Umwelt und Energie der Gemeinde Teufen, ist mit dem bisherigen Verlauf zufrieden. «Die Container werden rege genutzt, was zwei Leerungen pro Woche zur Folge hat», sagt er und ergänzt: «Das Sammeln von gemischtem Kunststoff basiert bei uns auf freiwilliger Basis. Es gibt praktisch keine Rückmeldungen zum Kuh-Bag. Das zeigt uns, dass die Nutzerinnen und Nutzer eine gewisse Disziplin mitbringen und die Sammelstellen sauber halten.» Separate Zahlen aus Teufen zur Sammelmenge gibt es nicht. Allerdings wurden im Jahr 2022 in der gesamten A-Region mit rund 40 Gemeinden, zu denen auch Teufen zählt, 89 700 35-Liter- und 62 600 60-Liter-Säcke verkauft. Insgesamt wurde 280 Tonnen gemischter Kunststoff gesammelt. In der Abfallregion der KVA Thurgau mit etwa 70 Gemeinden waren es im vergangenen Jahr 608 Tonnen Kunststoff. Spezifische Zahlen zu den einzelnen Gemeinden gibt es auch hier nicht, da der Kuh-Bag zentral von der KVA Thurgau organisiert und geregelt wird. Die Stadt Arbon macht seit Jahren bei diesem Sammelsystem mit und sieht keinen Grund, dies künftig zu ändern. «Es läuft gut, was das Einsammeln betrifft, mir sind keine Beschwerden aus der Bevölkerung bekannt», sagt Peter Grau, Bereichsleiter Umwelt/Energie bei der Stadt Arbon. Der Kuh-Bag kann an insgesamt sechs Verkaufsstellen erworben und an vier Orten zur Entsorgung abgegeben werden. In Arbon werden die Sammelsäcke wöchentlich mit einem Pressfahrzeug abgeholt und dann mit Säcken anderer Sammelstellen des Verbandsgebietes nach Eschlikon zur Inno Recycling gefahren. Dort werden alle Kuh-Bags in Ballen verpresst und dann in die Sortieranlage in Vorarlberg gefahren. Jener Teil des Kunststoffs, der stofflich verwertbar ist, wird recycelt und zu Granulaten verarbeitet. Diese Granulate werden vor allem in der Industrie zur Herstellung von Bauprodukten wie Kabelschutzrohren und -abdeckungen verwendet. «Der Kuh-Bag läuft gut, was das Einsammeln betrifft, mir sind keine Beschwerden aus der Bevölkerung bekannt.» Peter Grau, Bereichsleiter Umwelt/Energie bei der Stadt Arbon (TG) Der Transport zu den Sortierungsanlagen, aber auch die Tatsache, dass «nur» rund 55 Prozent der Sammelmenge stofflich wiederverwertet werden können und rund 45 Prozent zurück zur thermischen Verwertung kommen, hat dem Kuh-Bag vor allem am Anfang Kritik eingebracht. Mittlerweile seien diese Stimmen verstummt, und der Kuh-Bag habe sich etabliert, sagt Urs Corradini, Verantwortlicher Marketing und Kommunikation des ZVA Bazenheid. Für die Stadt Chur (GR) waren die Transportwege und die geringe stoffliche Wiederverwertung jedoch mit ein Grund, dass sie sich gegen die Einführung eines gebührenpflichtigen, separaten Sammelsacks für gemischte Haushaltkunststoffe entschieden hat. Dies wäre der falsche Weg gewesen, sagt Reto Gruber, Dienststellenleiter Grün und Werkbetrieb. Der Transportweg zur Sortierung ins Ausland sei zu lang, der Sortieraufwand zu gross, die Kosten für den Spezialsack zu hoch und die prozentuale Wiederverwertung des gemischten Haushaltkunstoffs zu gering. «Echte Alternativen zu gemischten Kunststoffen fehlen aktuell, haben entweder Tücken oder eine ungünstige Ökobilanz.» Reto Gruber, Dienststellenleiter Grün und Werkbetrieb, Stadt Chur (GR) Trotzdem legt die Stadt grossen Wert auf das Sammeln und Recycling von Materialien. Dazu zählen auch reine Kunststoffe wie Hohlkörper von beispielsweise Milch- und Waschmittelbehältern, wie es der Detailhandel vormacht. «Diese Stoffe haben eine sehr hohe Wiederverwertungsquote», sagt Gruber. Sie können bei der städtischen Multisammelstelle abgegeben werden. «Echte Alternativen zu gemischten Kunststoffen fehlen aktuell, haben entweder Tücken oder eine ungünstige Ökobilanz.» Eine mögliche Lösung sei aber im Zuge der Kreislaufwirtschaft bei Swissrecycling in Sicht, wo in Zusammenarbeit mit den Inverkehrbringern und weiteren Städten eine vorgezogene Recyclinggebühr analog dem PET- und Glasrecycling diskutiert werde, so Gruber. Diese Lösung erachtet er als ökonomischer und ökologischer. Auch weil aus dem im Abfall gelandeten, nicht recyclingfähigen Kunststoff Fernwärme generiert werde. In anderen Regionen der Ostschweiz wird ebenfalls mehrheitlich auf Sammelstellen in Entsorgungsanlagen gesetzt. So wie im St. Galler Rheintal. Hier sind die Gemeinden dem Zweckverband Kehrichtverwertung Rheintal (KVR) angeschlossen, und viele Entsorgungsfragen werden gemeinsam geregelt. Auch jene des Kunststoffs. «Wir haben in Entsorgungsanlagen verschiedener Gemeinden wie Altstätten und Au Sammelstellen für Kunststoffabfälle eingerichtet», sagt Boris Schedler, Geschäftsführer des KVR. Diese würden gut genutzt und man sehe aktuell auch keinen Grund, etwas daran zu ändern. Im Gegensatz zum Kehricht oder Grüngut setze man beim Kunststoff auf das Bringprinzip, wie bei den PET-Flaschen oder den Batterien. Ähnlich sieht es im Kanton Appenzell Innerrhoden aus, wo der Kanton beziehungsweise das Amt für Umwelt für das Abfallwesen zuständig ist. «Bei uns können Kunststoffabfälle gratis im Ökohof in Appenzell entsorgt werden», sagt Heike Summer, Leiterin Amt für Umwelt des Kantons Appenzell Innerrhoden. Ein anderes System einzuführen, wie etwa den Kuh-Bag, sei derzeit nicht in Planung. Marion Loher

Mümliswil-Ramiswil: Eine Gemeinde blüht auf

Seit diesem Frühling erstrahlt die Umgebung beim Schulhaus Brühl in Mümliswil (SO) in einer beeindruckenden Farbenpracht. Der einst akkurat gemähte Rasen vor dem Schulhaus hat sich in einen vielfältigen Lebensraum verwandelt. Bienen sammeln eifrig Nektar, während Vögel in den frisch gepflanzten Sträuchern ein neues Zuhause finden. Die Fläche ist Teil des Projekts «Natur im Siedlungsraum» des Naturparks Thal, das in den letzten drei Jahren über 30 Grünflächen in den Thaler Dörfern ökologisch aufgewertet und so die Natur zurück ins Dorf gebracht hat. Der schleichende Verlust von Lebensräumen, oft durch Steingärten und den Einsatz gebietsfremder Pflanzen, stellt eine erhebliche Bedrohung für viele Tierarten in der Schweiz dar. Sie ist oft sogar grösser als der Klimawandel. Hier bietet der Siedlungsraum ein ungenutztes Potenzial für die Artenvielfalt. Mümliswil-Ramiswil und der Naturpark Thal tragen zur Bewältigung globaler Herausforderungen bei. Sie bieten mit dem Projekt durch die Umgestaltung unbebauter Flächen wie Parkanlagen und Gärten einen konkreten, lokalen Ansatz. «Der Nutzen für die Biodiversität steht und fällt mit dem Unterhalt.» Kurt Bloch, Gemeindepräsident von Mümliswil-Ramiswil (SO) Das Projekt erfährt breite Unterstützung innerhalb der Gemeinde. Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Fachexperten, Werkhof, Gebäudewart und Schulen, unterstützt es aktiv. «Der Nutzen für die Biodiversität steht und fällt mit dem Unterhalt», betont Kurt Bloch, Gemeindepräsident von Mümliswil-Ramiswil. Durch eine Umstellung auf naturnahe Pflege könnten sogar die Unterhaltskosten teilweise reduziert werden. Die Kommunikation der Vorhaben spielt eine entscheidende Rolle, da die neu gestalteten Flächen Zeit benötigen, um sich voll zu entwickeln. Durch regelmässige Updates im Gemeindeblatt und auf Infotafeln wird die Bevölkerung über den Fortschritt des Projekts informiert und eingebunden. Das Ziel der Biodiversitätsförderung, das von der Gemeinde vorgelebt wird, soll sich auch in den Privatgärten widerspiegeln. Patrick Zellweger, Projektleiter beim Naturpark Thal, möchte Gartenbesitzerinnen und -besitzer ermutigen und aufklären: «Privatgärten haben ein riesiges Potenzial für die Artenvielfalt. Wir möchten aufzeigen, dass auch naturnahe Gärten und Grünflächen, die auf den ersten Blick wild erscheinen, einen besonderen Wert haben.» Der Naturpark Thal fördert solche Gärten und zertifiziert sie. «Wir möchten aufzeigen, dass auch naturnahe Gärten und Grünflächen, die auf den ersten Blick wild erscheinen, einen besonderen Wert haben.» Patrick Zellweger, Projektleiter Naturpark Thal Die Biodiversität wird auch in der Schule in Mümliswil-Ramiswil thematisiert. Das Schulareal beim Schulhaus Rank verwandelt sich in einen Lern- und Lebensort für nachhaltige Entwicklung. Die Schülerinnen und Schüler nahmen aktiv an der Planung teil und brachten ihre Ideen zur Förderung der Natur ein. Zusammen mit Freiwilligen aus dem Dorf haben die Schüler ihre Ideen, zum Beispiel Kräutergarten, Hecken und Weidenhäuser, umgesetzt. Auch der Friedhof des Dorfes erfährt eine naturnahe Gestaltung, indem das Projekt gebietsfremde Ziersträucher durch einheimische ersetzt und Rasenflächen in Blühflächen umwandelt. In den drei Jahren, die das Projekt läuft, wurden zahlreiche Grünflächen ökologisch aufgewertet. Die naturnah gestalteten Grünflächen werden von der Natur sofort als Lebensraum akzeptiert, und sie macht sich im Dorf wieder bemerkbarer. Man hört bei der Blumenwiese die Insekten summen, und Schmetterlinge findet man wieder häufiger im Dorf. Dieses Projekt zeigt, dass mit lokalem Engagement und einer durchdachten Planung ein bedeutender Beitrag zum Erhalt der Biodiversität geleistet werden kann, und es dient als inspirierendes Beispiel für andere Gemeinden, ähnliche Initiativen zu starten. Weitere Informationen und einen Leitfaden zum Projekt finden Sie auf www.naturparkthal.ch/nis . Fabian Blaha

Gewässerschutz auf Baustellen und die Rolle der Gemeinden

Werden Betonkübel gewaschen oder wird Regenwasser aus Baugruben abgepumpt, muss das Wasser gemäss der Gewässerschutzgesetzgebung behandelt werden (siehe Kasten). In der Regel beaufsichtigen Gemeinden die Baustellentätigkeit und die fachgerechte Behandlung und Ableitung des Baustellenabwassers. Sie tragen durch regelmässige Beratungen und Kontrollen auf der Baustelle wesentlich zum Schutz der Gewässer, der Kanalisation und der Kläranlage bei. Damit sorgen die Gemeinden dafür, dass die Installationen zur Vorbehandlung des Baustellenabwassers dem Stand der Technik entsprechen und fachgerecht betrieben werden. Dazu gehören ein richtig angeschlossenes und dimensioniertes Absetzbecken, eine vollautomatische Neutralisationsanlage und deren regelmässige Wartung und Kontrolle durch die Bauleitung. «Da uns auf der Gemeinde das nötige Fachwissen fehlt, haben wir den Bewilligungsprozess und die Kontrollen der Baustellenentwässerung an unsere externe Fachstelle ausgelagert», sagt Nina Bertschi, Verfahrensleiterin Hochbau der Stadt Bülach. Qualifiziertes Personal für die Baustellenentwässerung zu finden, ist gerade für kleinere Gemeinden schwierig. Deshalb installierten St. Galler Gemeinden 2018 die Geschäftsstelle Umweltschutz auf Baustellen. Sie kontrolliert effizient und fachgerecht alle relevanten Bereiche der Bauausführung (Aushub, Baumaschinen, Betankungsanlagen, Betoneinbau mit Absetzbecken und Neutralisation, Hinterfüllung, Lärmschutz, Abfälle usw.). «Besonders die periodischen Kontrollen auf allen relevanten Baustellen haben sich bewährt», stellt Ernst Michel, Leiter der Geschäftsstelle Umweltschutz auf Baustellen, zufrieden fest. Die Unternehmen des Hoch- und Tiefbaus seien gut aufgestellt und hätten viel in neue Maschinenparks und die Ausbildung investiert. «Unsere Kontrollen identifizierten auch schwarze Schafe. Das zeigt, dass unsere interkommunale Lösung effizient und wirksam ist.» Derzeit werden 62 von 75 Gemeinden mit total 340 000 Einwohnerinnen und Einwohnern betreut. Die Finanzierung erfolgt mit einem jährlichen Beitrag von 30 Rappen pro Einwohner. «Mit diesem Betrag lässt sich die Fachstelle tatkräftig und ganzheitlich betreiben», sagt Ernst Michel. Gemäss Statistik der kantonalen Gewässerschutzfachstellen sind mangelhafte Baustellenentwässerungen eine der häufigsten Ursachen von Gewässerverschmutzungen in der Schweiz. Oft führen diese zum Einsatz von Feuerwehr, Polizei und Schadendienst des zuständigen Amtes. Ein Gewässer oder auch die Kanalisation von den schlammigen Rückständen zu befreien, ist sehr aufwendig und teuer. Ein Schaden kann rasch mehrere 10 000 Franken kosten. Hinzu kommen schlechte Presse, Ärger und Imageverlust bei der Bevölkerung. Nicht zuletzt lassen sich tote Fische, Krebse und Kleinstlebewesen nicht mehr zum Leben erwecken. In einem Baustellenentwässerungskonzept beschreibt die Baufirma oder der Planer die vorgesehenen Massnahmen im Umgang mit dem Baustellenabwasser und wassergefährdenden Flüssigkeiten wie Schalungsöl oder Betonzusatzchemikalien. Ohne diese Grundlage sollte ein Bauprojekt gar nicht freigegeben werden. «Mit dem Entwässerungskonzept können wir frühzeitig die Weichen für eine sichere und umweltfreundliche Baustellenentwässerung stellen», sagt Nina Bertschi. «Zudem kann die Gemeinde das Konzept als Grundlage für Baustellenkontrollen und -beratungen verwenden.» Für Schäden haftbar ist die Bauherrschaft, weshalb sie idealerweise das Konzept in der Ausschreibung verlangt. Bei einem Trennsystem werden Regen- und Schmutzabwasser getrennt abgeleitet. Die Praxis zeigt, dass es gerade bei Trennsystemen oft zu Falscheinleitungen in Regenabwasserleitungen oder gar eingedolte Gewässer kommt. Gibt es kein Entwässerungskonzept, kennen die Verantwortlichen das System nicht und nutzen einfach den nächstgelegenen Schacht für die Abwassereinleitung. Die Gewässerverschmutzung ist damit vorprogrammiert. Der Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute (VSA) setzt sich für saubere und lebendige Gewässer ein. Ein Anliegen, das auch der Schweizerische Verband Kommunale Infrastruktur (SVKI) unterstützt. Mit Ausbildungen und Merkblättern bietet der VSA kommunalen Fachkräften und Bauunternehmen Unterstützung für eine korrekte Ausführung und einen gesetzeskonformen Vollzug im Bereich Baustellenentwässerung. Eine weitere, schweizweit gültige Hilfe ist die SIA-Norm 431 (2022). Sie erklärt ausführlich verschiedenste Aspekte und zeigt technische Hilfsmittel und Lösungswege für die korrekte Baustellenentwässerung auf. Informationen und Hilfsmittel: https://vsa.ch/publikationen-produkte/ https://vsa.ch/fachbereiche -cc/industrie-gewerbe https://www.sia.ch/de/dienstleistungen/normen/ https://www.kvu.ch/de/themen/luft?dossier=241 Heinz Benz, Marcel Straumann, Ernst Michel, Nadine Czekalski, Paul Sicher

Über Speeddating zur Gebäudesanierung

Kann die Sanierungsrate erhöht werden, wenn Gemeinden auf die Unterstützung von Fachleuten für energetische Sanierung zurückgreifen? Dieser Frage ging ein Forschungsprojekt der Beratungsunternehmen Intep – Integrale Planung GmbH (Zürich) und Weinmann Energies S. A. (Echallens) nach. «In unserem Projekt ging es insbesondere um die Frage, mit welchen Formen von Kommunikation und Partizipation sich Eigentümerinnen und Eigentümer von Einfamilienhäusern zu einer Sanierung bewegen lassen», sagt Projektleiter Christian Schmid. «Diese weichen Faktoren sind zentral, denn erst wenn diese Bereitschaft zu einer Sanierung besteht, kann die technische Aufgabe, ein Sanierungskonzept zu erstellen, überhaupt angepackt werden.» Ziel des Projekts war die Entwicklung und praktische Erprobung eines Prozesses, mit dem Gemeinden Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer zu einer Sanierung bewegen können. Der sogenannte SAN-CH-Prozess basiert auf einem Vorgehen, das die Energieforschung Stadt Zürich entwickelt hat und im vorliegenden Projekt zu einer Mustervorlage für alle Schweizer Gemeinden weiterentwickelt werden sollte. Die Arbeiten wurden unter anderem vom Bundesamt für Energie unterstützt. Der SAN-CH-Prozess umfasst fünf Schritte: Erstens ermittelt die Gemeinde durch Auswertung von Registern und weiteren Informationsquellen Gebäude mit grossem Sanierungsbedarf. Zweitens sucht die Gemeinde Sanierungssachverständige (Energieberaterinnen und Energieberater, Architektinnen und Architekten, Fachpersonen von Energieversorgern, Bauunternehmen oder Heizungs-/Lüftungs-/Klimafirmen) und motiviert sie für eine unentgeltliche Mitarbeit bei einer Sanierungsberatung. Im dritten Schritt fragt die Gemeinde Eigentümerinnen und Eigentümer besonders sanierungsbedürftiger Liegenschaften schriftlich wegen der Teilnahme an einem Vermittlungsanlass zur Sanierungsberatung an. Der Vermittlungsanlass – Schritt vier – besteht aus einem fünfminütigen Speeddating-Kennenlerngespräch zwischen der Gebäudeeigentümerin oder dem Gebäudeeigentümer und einer Sanierungsberaterin oder einem Sanierungsberater, gegebenenfalls unterstützt durch sachkundige Gemeindevertreterinnen oder Gemeindevertreter. Wenn sich der Eigentümer oder die Eigentümerin und die Sanierungsberaterin oder der Sanierungsberater inhaltlich und persönlich verstehen, erarbeiten sie im fünften Schritt ein energetisches Sanierungsgrobkonzept, das anschliessend umgesetzt wird. Der SAN-CH-Prozess wurde in fünf Schweizer Gemeinden von Januar 2021 bis Juni 2023 testweise umgesetzt. Mit dabei waren die Städte Baden (AG) und Winterthur (ZH), die Gemeinde Glarus sowie die beiden Genfer Vorortsgemeinden Bernex und Confignon – finanziell unterstützt durch die Stadt Baden, die Gemeinde Glarus, den Kanton Genf und die Stadtwerke Winterthur. Das Vorgehen bei der Umsetzung des Prozesses wurde jeweils den lokalen Besonderheiten angepasst. Ziel war, Erfahrungen zu gewinnen, die auf andere Gemeinden und Städte übertragbar sind. Die Projektteams in den fünf beteiligten Gemeinden identifizierten insgesamt rund 3000 stark sanierungsbedürftige Gebäude und luden deren Eigentümerinnen bzw. Eigentümer zu einem Vermittlungsanlass ein. 242 Hauseigentümer (acht Prozent) folgten der Einladung. Als diese einige Monate nach dem Vermittlungsanlass befragt wurden, hatte gut jeder Zehnte ein Sanierungsprojekt in Angriff genommen. Unter dem Strich entschied sich somit rund ein Prozent der kontaktierten Personen für eine energetische Sanierung. Vor diesem Hintergrund bescheinigen die Studienautorinnen und -autoren dem SAN-CH-Prozess im Projektschlussbericht eine positive Wirkung: «Eigentümerinnen und Eigentümer, die mit Fachleuten vernetzt waren, haben deutlich häufiger ein Sanierungsanliegen vorangetrieben als solche ohne diese Vernetzung.» Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben verschiedene Hemmnisse identifiziert, die der Umsetzung von Sanierungen bisher entgegenstehen und die künftig mit geeigneten Massnahmen überwunden werden könnten: • Da die Sanierungsbereitschaft bei den Eigentümerinnen und Eigentümern unterschiedlich stark ausgeprägt ist, sollte darauf geachtet werden, dass Informationsangebote und die ausgewählten Sanierungsfachleute auf den jeweiligen Stand der Sanierungsbereitschaft zugeschnitten sind. • Um Enttäuschung und Frustration bei Eigentümerinnen und Eigentümern zu vermeiden, sollte in der Projektkommunikation «eine gute Balance zwischen Aktivierung und Anerkennung der Schwierigkeiten» gefunden werden, wie das SAN-CH-Team festhält. • Städte und Gemeinden, die einen SAN-CH-Prozess durchführen, müssen sich mit dem Umstand auseinandersetzen, dass Eigentümerinnen und Eigentümer Behörden wie Bewilligungsbehörden oder die Denkmalpflege mitunter als Verhinderer wahrnehmen. • Die bestehenden Energieberatungen decken die Bedürfnisse der Eigentümerinnen und Eigentümer bei Abklärung und Vorplanung von Sanierungen noch nicht wie gewünscht ab. Neue Fördermodelle unter Einbezug bezahlter Sanierungsfachleute könnten weiterhelfen. • Wenn die Adressdaten von Gebäuden mit hohem Sanierungsbedarf nicht verfügbar sind, müssen gegebenenfalls alternative Wege gefunden werden, um Personen mit sanierungsbedürftigen Gebäuden anzusprechen. Für Gemeinden, die den SAN-CH-Prozess durchführen wollen, hat das Projektteam einen Leitfaden unter dem Titel «Sanieren beschleunigen – Leitfaden für eine höhere Sanierungsrate» erarbeitet. «Wir möchten die Gemeinden ermutigen, solche Prozesse durchzuführen und sich damit als Akteure für nachhaltige Entwicklung zu profilieren», sagt Christian Schmid. Dieser Ansatz habe gegenüber allgemeinen Infoveranstaltungen den Vorteil, dass sich Eigentümerinnen und Eigentümer mit einer grundsätzlichen Sanierungsbereitschaft bei ihren individuellen Bedürfnissen abholen liessen und Sanierungsfachleute frühzeitig miteinbezogen werden könnten, hält Schmid fest. Informationen: Das Dokument «Sanieren beschleunigen – Leitfaden für eine höhere Sanierungsrate» ist verfügbar unter: https://intep.com/wp-content/uploads/2023/10/4362_08_31015_BFE_SAN-CH_Sanieren-beschleunigen_Leitfaden-Gemeinden-und-Staedte.pdf Der Schlussbericht zum Projekt «Fachleute für energetische Sanierung als Sanierungstreiber in der Schweiz» (SAN-CH) ist abrufbar unter: https://www.aramis.admin.ch/Grunddaten/?ProjectID=48266 . Auskünfte zum Projekt erteilen Nadège Vetterli (nadege.vetterli@anex.ch), externe Leiterin des BFE-Forschungsprogramms Gebäude und Städte, und Intep-Projektleiter Christian Schmid (schmid@intep.com). Weitere Fachbeiträge über Forschungs-, Pilot-, Demonstrations- und Leuchtturmprojekte im Bereich Gebäude und Städte finden Sie unter www.bfe.admin.ch/ec-gebaeude . Benedikt Vogel

Kehrichttrennung ist gut, Vermeidung noch besser

Das Sammeln und Entsorgen von Haushaltsabfällen ist eine wichtige Aufgabe für alle Gemeinden. In den letzten Jahren wurden grosse Anstrengungen unternommen, um die Kehrichtbewirtschaftung effizienter und umweltverträglicher zu gestalten. Anstatt alle Abfälle in einen Container oder einen Sack zu werfen und später zu entsorgen, hat sich die getrennte Abfallsammlung mit anschliessendem Recycling durchgesetzt. Für Materialien wie Glas, Papier, Metall, Aluminium und Kunststoff (insbesondere PET-Flaschen) gibt es fast überall Sammelcontainer. Nur was nach dieser Trennung übrig bleibt, kommt in die Abfallsäcke, die in allen Tessiner Gemeinden gesetzlich vorgeschrieben sind. Es gilt das Verursacherprinzip: Wer mehr Abfall produziert, muss mehr bezahlen. Die Gemeinden versuchen, die Bürgerinnen und Bürger auch mit wirtschaftlichen Argumenten zur Abfalltrennung zu motivieren. In Locarno wurde zum Beispiel der Slogan «Sauberes Locarno: Je mehr ich trenne, desto weniger zahle ich» lanciert. Leider ist der Abfallberg aber immer noch sehr hoch. Obwohl die Schweizerinnen und Schweizer Weltmeister in der getrennten Müllsammlung sind, stehen sie mit einer Produktion von rund 700 Kilogramm Abfall pro Jahr und Kopf weltweit immer noch an der Spitze der Abfallproduzenten. Eine Trendwende wäre wünschenswert. Deshalb hat der Konsumentenverband der italienischen Schweiz (ACSI) ein Projekt lanciert, das über die getrennte Sammlung von Abfällen hinausgeht und dazu beitragen soll, die Abfallproduktion zu vermeiden und damit das Problem an der Wurzel zu packen. Je weniger Abfall wir erzeugen, desto weniger Abfall müssen wir trennen und entsorgen. Die Stadt Mendrisio war zunächst als Pilotgemeinde beteiligt. Im April 2021 formulierte die damalige ACSI-Generalsekretärin Laura Regazzoni Meli im Leitartikel des ACSI-Magazins «La Borsa della spesa» das Projekt: «Die ACSI schlägt nun vor, einen weiteren Schritt zu machen und die Prinzipien der Zero-Waste-Bewegung ins Tessin zu bringen.» Was bedeutet Zero Waste? Das Projekt sieht verschiedene Aktivitäten vor: vom Coaching von Familien oder Einpersonenhaushalten, die sich freiwillig zur Abfallvermeidung verpflichten, über Treffen mit der Bevölkerung; von der Sensibilisierung von Ladenbesitzern, um den Verkauf von nicht verpackten Lebensmitteln zu fördern, bis hin zum Dialog mit Gastronomen, um Lebensmittelabfälle zu reduzieren, und zum Dialog mit Organisatoren, um auch bei Veranstaltungen weniger Abfälle zu generieren. Diese Strategie wird auch von Zero Waste Switzerland (zerowasteswitzerland.ch) propagiert. Die neue Devise lautet: Nein sagen und verzichten. «Sagen wir Nein zu Wegwerfprodukten – etwa dem Strohhalm an der Bar, Werbeprospekten, die wir nicht lesen, oder Plastiksäckchen für Waren – und verzichten wir auf das, was wir nicht brauchen – das x-te Paar Schuhe oder das neueste Gadget, das am Ende in einer Schublade vergessen wird», so die ACSI. Alles ist leicht gesagt, aber die Anwendung dieser Grundsätze ist nicht so einfach. Dies zeigte die Konsumentensendung «Patti chiari» des Fernsehsenders RSI, die ihre Folge vom 11. Februar 2022 der Initiative Zero Waste widmete und dabei auch zwei Familien aus Mendrisio, die am Coaching teilnahmen, bei ihren Bemühungen um Abfallvermeidung begleitete. Insgesamt hat ein Dutzend Familien in Mendrisio an dem Coachingprojekt teilgenommen. Für Gabriele Martinenghi vom Bauamt Mendrisio (UTC), Abteilung Umwelt, sind die bisherigen Erfahrungen gleichwohl positiv. In Zusammenarbeit mit der ACSI wurden verschiedene Infoveranstaltungen und mehrere Reparaturcafés organisiert, in denen die Bürger beschädigte Gegenstände zur Reparatur bringen können. Eine grössere Herausforderung stellt laut Martinenghi die Arbeit mit Familien im Bereich des Coachings dar, da ein Engagement über einen längeren Zeitraum nötig ist, was etwa regelmässige Treffen an Samstagen erfordert. Das Engagement der Stadt Mendrisio ist finanziell nicht aufwendig und beläuft sich auf einige Tausend Franken pro Jahr, erfordert aber Zeit und Einsatz seitens des zuständigen Amtes. So werden beispielsweise Händler, Gastronomen, Take-away-Betriebe oder Veranstaltungsorganisatoren kontaktiert, um Abfälle zu reduzieren. Einige Fortschritte sind bereits sichtbar. Während des berühmten Traubenfestes wurden zum Beispiel Einwegbecher vermieden und durch wiederverwendbare Trinkgefässe ersetzt, für die ein Pfand von zwei Franken erhoben wurde. Mendrisio hat es vorgemacht, nun haben sich auch die Gemeinden Balerna, Chiasso und Lumino mit Informationsabenden, zum Teil auch mit Familiencoachings dem Projekt «Zero Waste» angeschlossen. Alberto Benzoni, Gemeinderat von Balerna, sagt: «Als Vorsteher des Umweltdepartements war ich schon immer sensibel für das Thema Abfalltrennung und -entsorgung. Ich habe in unserer Gemeinde die Trennung und das Recycling von Kunststoffen sowie die Sammlung und das Recycling von organischen Küchenabfällen eingeführt. Darüber hinaus war es mein Ziel, Feste und Veranstaltungen nachhaltiger zu gestalten.» Mit seiner Familie nimmt er selbst am Coachingprogramm teil: «Ich tue dies aus Neugierde, um das ACSI-Programm aus erster Hand kennenzulernen.» Die Gemeinde Lumino hat sich laut ihrem Gemeindeschreiber Floriano Righetti dem Projekt angeschlossen, «weil die Kreislaufwirtschaft und die Abfallentsorgung ein zentrales Thema in der heutigen Gesellschaft sind». Da das Projekt gerade erst begonnen habe, werde es aber erst am Ende des Zyklus möglich sein, eine umfassende Gesamtbilanz zu ziehen. «Es ist nicht einfach, in einer Gesellschaft und Geschäftswelt, die so viele verpackte Produkte produziert, gegen den Strom zu schwimmen.» Viola Ferdani, Koordinatorin Programm «Comune Zero rifiuti», ACSI Bei der ACSI ist Viola Ferdani als Koordinatorin für das Programm «Comune Zero rifiuti» zuständig. Nach den ersten Jahren zieht sie eine positive Bilanz, betont aber: «Es ist nicht einfach, in einer Gesellschaft und Geschäftswelt, die so viele verpackte Produkte produziert, gegen den Strom zu schwimmen.» Sie ist aber sehr froh, dass zumindest drei Migros-Filialen im Tessin nun unverpackte Produkte anbieten. Viola Ferdani räumt auch ein, dass die Familien, die am Coaching teilnehmen, oft schon für das Thema der Abfallvermeidung sensibilisiert sind: «Aber auch die, die schon sensibilisiert sind, können sich noch verbessern.» Gerhard Lob

  • 1
  • Abos
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Mediadaten
  • PDF-Archiv
  • Cookies
© Schweizerischer Gemeindeverband
  • Home
  • Suche
  • Archiv
  • Abos
  • Firmenverzeichnis
  • Mediadaten
  • Datenschutz
  • Impressum
Schliessen