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«Die Möglichkeiten der Digitalisierung sind beinahe unbegrenzt»

Illnau-Effretikon ist seit dem Zusammenschluss mit Kyburg flächenmässig eine der grössten Gemeinden im Kanton Zürich. Das Zuhause von rund 18000 Einwohnerinnen und Einwohnern liegt am Fusse des Zürcher Oberlandes - eingebettet zwischen den Agglomerationen der Städte Zürich und Winterthur. Aufgrund ihrer zentralen Lage ist die Stadt durch den Öffentlichen Verkehr und einen Autobahnanschluss bestens erschlossen. Man ist schnell da und auch schnell fort – ein idealer Ausgangspunkt für mobile Menschen. Die Stadt ist geprägt von Unterschieden: Stadt und Land, Tradition und Fortschritt, Jung und Alt, Einheimische und Zugezogene. Diese Spannungsfelder miteinander zu verbinden, sie zu nutzen und an ihnen zu wachsen ist unsere Herausforderung. Das Stadtzentrum von Effretikon befindet sich in einer Transformation. Hier werden in den nächsten Jahren einige Neubauprojekte rund um den Bahnhof realisiert und der Stadt ein neues Gesicht verpassen. 230 Mitarbeitende erbringen Dienstleistungen für die Bevölkerung in den Abteilungen Präsidiales, Bildung, Gesellschaft, Hochbau, Sicherheit und Tiefbau, wozu auch der Unterhaltsbetrieb zählt. Der siebenköpfige Stadtrat hat die Digitalisierung von Prozessen und Dienstleistungen in seiner Legislaturplanung verankert. Er misst dem Bestreben, mit den Entwicklungen Schritt zu halten und da und dort auch Pionierarbeit zu leisten, hohes Gewicht bei. So zielen denn auch verschiedene Digitalisierungsprojekte auf diversen Ebenen alle in dieselbe Richtung. Viele Vorhaben betreffen die gesamte Stadtverwaltung, andere nur spezifische Abteilungen oder Teilbereiche. Bei der Abteilung Tiefbau sind nebst dem Unterhaltsbetrieb die Bereiche Forstbetrieb, Entsorgung und Umwelt, Wasserversorgung, und die Siedlungsentwässerung mit Abwasserreinigungsanlage ARA angesiedelt. Zur Kommunikation nutzen sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen personalisierten Mailaccount – mobiles Arbeiten ist mit einem sicherheitsverschlüsselten Fernzugriff auf die «ILEF-Plattform» von überall her möglich. Sämtliche Mitarbeiter des Unterhaltsbetriebes verfügen über ein Smartphone. Die Bearbeitung von Aufträgen, E-Mails und Terminen von unterwegs wird so zum Kinderspiel. Ehrlicherweise muss hier aber angefügt werden, dass nicht alle Mitarbeiter die Möglichkeiten voll ausnutzen. Die Stadt nutzt seit Längerem ein eigenes Geografisches Informationssystem «GIS». Diese Datensammlung erstreckt sich über verschiedene Themen: vom vermeintlich trivialen «Ortsplan» über die Zuteilung der Grabfelder auf dem Friedhof, den Standorten der Abfalleimer bis hin zum Inventar schützenswerter Objekte. Insbesondere die Bereiche Wasserversorgung, Siedlungsentwässerung und die Unterhaltsgenossenschaft nutzen das elektronische Planwerk für deren Leitungskataster. Das GIS ist für den Unterhaltsbetrieb zu einem unverzichtbaren Werkzeug geworden. Die Plandarstellungen lassen sich in verschiedenen Ebenen mit mehr oder weniger Informationen generieren – auch als Luftaufnahme. Diese Grundlagen werden in die Auftrags-Informationen für die Mitarbeitenden integriert. Das Auffinden von Schächten, deren genaue Vermassung usw. fallen so besonders leicht. Die Wasserversorgung verfügt seit längerer Zeit über ein GPS-Messgerät, das zur Einmessung von Leitungen wertvolle Dienste leistet. Aufgrund der positiven Erfahrungen hat der Unterhaltsbetrieb entschieden, sich diese Technologie ebenso zu Nutzen zu machen, beispielsweise um nicht-dokumentierte Schächte und Leitungen punktgenau zu erfassen. Die GPS-Technologie bildet dabei ein unverzichtbares Instrument, um überdeckte Schächte oder Grenzpunkte aufzufinden. Dass die gewonnenen Daten danach im GIS abgelegt oder ergänzt werden, stellt die logische Folge dar. Die Mitarbeitenden der Wasserversorgung haben einen weiteren Schritt zur Arbeitswelt 4.0 vollzogen. Sie erfassen und dokumentieren Daten vor Ort bei den Baustellen und auf Kontrollrundgängen mobil mittels Tablets, wo sie direkt auf sämtliche Hilfsmittel, insbesondere das GIS, oder das QS zugreifen können. Die integrierte Kamera ermöglicht die akkurate Dokumentation. Die anfängliche Skepsis der Mitarbeitenden ist der Freude über die beinahe unbegrenzten Möglichkeiten gewichen. Auch im Unterhaltsbetrieb sollen aufgrund der positiven Erfahrungen die Mitarbeitenden künftig mit Tablets ausgestattet werden. Die Auftragsdisposition und Dokumentation der Arbeiten soll mittelfristig ohne Papier und medienbruchfrei erfolgen. Aktuell beschäftigt sich der Unterhaltsbetrieb mit der Erfassung sämtlicher im öffentlichen Raum bestehenden Bäume. Die GPS-Technologie ist dabei unverzichtbar. Zur Erstellung eines Bauminventars soll dazu im GIS eine sogenannte «Fachschale» eröffnet werden. Hier werden Standorte und nötige Informationen zu den Bäumen hinterlegt, was die Arbeit für den Unterhalt wesentlich erleichtert. In einer weiteren Phase sollen das öffentliche Mobiliar bzw. Ausstattungen (Sitzbänke, usw.) ebenso im GIS erfasst werden. Zu den hinterlegten Daten können beliebig Auswertungen und Übersichten für die Arbeitsplanung oder statistische Auswertung erzeugt werden. Die klassische gedruckte Excel-Liste wird dann ausgedient haben. Die verschiedenen Betriebsgebäude und Standorte verfügen über ein ausgeklügeltes elektronisches Schliess-System zur Zutrittssteuerung. Die entsprechenden Berechtigungen werden dabei zentral verwaltet. Ein Klick in der Datenbank genügt, um Zutritte temporär zu gewähren oder auch zu entziehen – das erweist sich insbesondere beim Verlust von entsprechenden Zutrittsschlüsseln als praktisch. Die Mitarbeitenden der Abteilung Tiefbau erfassen seit über zehn Jahren ihre Arbeitszeit in einem spezifischen Zeitwirtschafts- und Rapportsystem an zentralen Arbeitsstationen oder via Terminals. Dabei werden die Einsätze auf individuellen und vordefinierten Leistungsarten und Projekten verbucht (z.B. «Manuelle Strassenreinigung», «Reservoir Reinigung», usw.). Die projektbezogene Verbuchung erlaubt es, Aufwendungen für externe Partner direkt aus der Datenbank zu filtern und in Kombination mit hinterlegten Stundenansätzen Dritten in Rechnung zu stellen (z.B. Winterdienst für Kanton Zürich, Aufwendungen für Veranstaltungen, usw.). Während des letzten Jahres stattete der Unterhaltsbetrieb sämtliche öffentliche Abfallbehälter mit einem sogenannten «NFC-Tag» aus. Die «Near Field Communication» (NFC, zu deutsch Nahfeldkommunikation) stellt im Rahmen eines internationalen Übertragungsstandards den drahtlosen Austausch von Daten über kurze Distanzen sicher. Diese Vorrichtung sorgt für die vereinfachte Aktualisierung der Datenbank via Mobil auf eine Cloudlösung und unterstützt die Mitarbeitenden bei der Protokollierung der Arbeiten bzw. Leerungen. Mit derselben Lösung wird seit letztem Jahr durch die Entsorgung den Füllstand der Unterflursammelstellen überwacht. Messsensoren tasten die Füllmenge ab – das Entleerungs-Intervall wird so optimiert. Beim Winterdienst steht den Einsatzleitern ein meteorologisches Wetter-App, welches Prognosen / Alarmierungen für die Strassenzustände liefert, zu Verfügung. Der Zugriff kann via Mobile oder Workstation erfolgen. Die Daten umfassen auch Messdaten der in der unmittelbaren Umgebung vorhandenen Bodensonden des Kantons Zürich und des Bundesamtes für Strassen ASTRA. Der Zusammenzug dieser Echtzeit-Daten unterstützt dem Einsatzleiter die Entscheidungsfindung beim Einsatz. Das Aufgebot der Mannschaft und der Subunternehmer erfolgen über eine spezifische Alarmierungs-Applikation, die in der Verwaltung durch die verschiedensten Stellen genutzt wird. Der Einsatzleiter kann vordefinierte Gruppen oder Fahrzeuge per Knopfdruck aufbieten. Die Alarmierung, die den klassischen «Telefonalarm» abgelöst hat, bringt eine enorme Zeitersparnis. Der Einsatzleiter kann sich innerhalb Sekunden einen Überblick darüber verschaffen, wer den Alarm quittiert hat. Beim Sportzentrum wird dieselbe App für technische Alarme verwendet. Auch im Stadthaus findet sie für Notfallsituationen Einsatz. Seit einigen Jahren verfügt die Stadt Illnau-Effretikon über eine zentrale Geschäftsverwaltungsapplikation (GEVER). Diese Anwendung stellt die zentrale Datenablage und –Bearbeitung sicher – vom Projektbeginn bis zur Genehmigung durch den Stadtrat bzw. das Parlament. Das Geschäft wird anhand ein und derselben Datenbasis durch sämtliche Instanzen geschleust. Die Mitarbeitenden des Unterhaltsbetriebes nutzen das Programm und legen Werkpläne, Fotos und weitere Informationen zu Strassenbauprojekten, Spielplätzen, usw. darin ab. Die Stadt Illnau-Effretikon konzipiert unter www.ilef.ch eine neue Webseite. Mit der im Frühling geplanten Online-Schaltung wird dabei auch eine Meldeplattform integriert, die es Einwohnerinnen und Einwohner ermöglicht, themengebundene Meldungen direkt der zuständigen Stelle mitzuteilen (defekte Strassen-Leuchten, Verschmutzungen, Vandalen-Schäden, usw.). Die Stadtverwaltung beschäftigt sich aktuell mit einem übergreifenden Projekt zur medienbruchfreien Verarbeitung von Rechnungen: Vom Rechnungseingang bis zur Visierung, Freigabe und Verbuchung soll der Prozess neu vollständig elektronisch erfolgen. Eine Arbeitsgruppe hat dazu die Konzeption neuer Prozesse aufgenommen. Die Digitalisierung schreitet in grossen Schritten voran. An Ideen, wo weitere Optimierungen und Erweiterungen (beispielsweise im GIS) umgesetzt werden können, mangelt es im Unterhaltsbetrieb und auch bei der Stadt Illnau-Effretikon nicht. www.ilef.ch Sascha Gonser

Gemeindeversammlungen: welche Zukunft nach Corona?

Der Bund hat politische Versammlungen der Legislative auf kommunaler Ebene explizit von den Veranstaltungsbeschränkungen ausgenommen (vgl. Art. 6c der «Covid-19-Verordnung besondere Lage» vom 19. Juni 2020). Gemeindeversammlungen können somit im Gegensatz zum ersten Lockdown im Frühling 2020 grundsätzlich durchgeführt werden. Selbstverständlich müssen die dafür notwendigen Schutzkonzepte eingehalten werden. Die Gemeinde Eschlikon TG hat knapp 4500 Einwohnerinnen und Einwohner. An der Gemeindeversammlung am 7. Dezember 2020 nahmen 42 Stimmberechtigte teil. Damit wurde eine Stimmbeteiligung von gerade einmal 1,3 Prozent erreicht, corona-bedingt deutlich tiefer als üblich (4 Prozent). Bei eidgenössischen Abstimmungen an der Urne wird regelmässig eine Stimmbeteiligung von über 45 Prozent erreicht. Die geforderten Schutzmassnahmen und die Angst vor Ansteckungen haben viele Stimmberechtigte davor abgeschreckt, die Gemeindeversammlung zu besuchen. Mit solchen oder ähnlichen Szenarien sind viele andere Gemeinden auch konfrontiert. Ersatz der Gemeindeversammlung durch Urnenabstimmung Aus rechtlicher Sicht muss gewährleistet werden, dass die Gemeindeversammlung so abgehalten werden kann, dass alle Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ihre Rechte ungehindert wahrnehmen können und eine unverfälschte Stimmabgabe möglich bleibt (vgl. Art. 34 Abs. 2 BV). Das bedeutet unter anderem einen Anspruch auf Zugang zu Gemeindeversammlungen*. Niemand darf abgewiesen werden, weil die Raumverhältnisse dies nicht zulassen. Deshalb haben verschiedene Kantone die Möglichkeit geschaffen, die Gemeindeversammlung befristet durch eine Urnenabstimmung zu ersetzen. Die Schweizer Gemeinden mit Gemeindeversammlung haben unterschiedlich auf die kantonalen Verfügungen reagiert. Diejenigen Gemeinden, welche wie Eschlikon (TG) an der Gemeindeversammlung festhielten, waren mit (noch) tieferer Stimmbeteiligung konfrontiert. In Aesch (BL) wiederum wurde im Juni 2020 eine Freiluft-Gemeindeversammlung mit 300 Teilnehmenden durchgeführt. In Jegensdorf (BE) wurde eine Beschwerde gegen die Durchführung der Gemeindeversammlung vom 20. November 2020 eingereicht. Diese wurde vom zuständigen Statthalter aber genauso wie eine andere Beschwerde in Kehrsatz (BE) abgelehnt. Die Begründung: Eine Gemeindeversammlung sei auch in Corona-Zeiten möglich, auch wenn die Stimmbeteiligung tiefer als üblich sei. Wichtig sei, dass keine Hinweise bestehen würden, dass das Schutzkonzept nicht eingehalten worden sei. Viele andere Gemeinden haben von der Ausnahmeregelung Gebrauch gemacht und haben Urnenabstimmungen durchgeführt. Dazu gehören Gemeinden aus ganz verschiedenen Kantonen wie z.B. Berikon (AG), Konolfingen (BE), Silvaplana (GR), Entlebuch (LU), Ennetbürgen (NW), Riedholz (SO). Die meisten erreichten dabei eine höhere Stimmbeteiligung als üblich, wenn auch deutlich tiefer als an eidgenössischen Urnengängen. Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Gemeindeversammlung 80 Prozent der Schweizer Gemeinden verfügen über eine Gemeindeversammlung. Sie stellt das zentrale Element der direkten Demokratie auf kommunaler Ebene dar. Der Anteil der Gemeindeversammlungen hat in der Schweiz in den letzten 25 Jahren nur unwesentlich abgenommen. Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass Gemeinden mit Gemeindeversammlung weniger leistungsfähig sein sollten als Parlamentsgemeinden. Die Wissenschaft hat – soweit ersichtlich – auch keine Antwort auf die Frage, ob eine Vorlage an der Gemeindeversammlung oder an der Urne mehr Unterstützung erhält. Der grosse Unterschied zwischen Gemeindeversammlung und Urnengemeinde besteht in der Stimmbeteiligung. Diese ist in Versammlungsgemeinden schweizweit tief und ist in der letzten Zeit noch weiter zurückgegangen. Sie variiert zwischen knapp über 20 Prozent in den Kleinstgemeinden (bis 250 Einwohner) und zwei bis drei Prozent in den grossen Gemeinden (über 10000 Einwohner). Daneben zeigt sich, dass die jüngeren Einwohnerinnen und Einwohner sowie die Neuzuzüger fast überall untervertreten sind**. Verschiedene kantonale Gemeindegesetze verlangen im Falle einer Urnenabstimmung, dass eine rechtlich verbindliche Vorberatung stattfindet, an welcher die behördliche Vorlage angepasst werden kann (z.B. Art. 20 Abs. 2 Gemeindegesetz GR; § 13 Gemeindeorganisationsgesetz SZ). Eine Informations- bzw. Orientierungsversammlung genügt nicht. Dies ist allerdings nicht in allen Kantonen notwendig. Im Kanton Zürich muss nicht zwingend eine Vorberatung stattfinden und eine Vorlage der Gemeindeexekutive kann direkt an die Urne gebracht werden (vgl. § 16 Abs. 1 Gemeindegesetz ZH). Damit können im legislativen Prozess keine Anpassungen vorgenommen werden. Die Literatur kritisiert dieses Vorgehen und spricht auch von Demokratiedefiziten. Im Falle der Urnenabstimmung erhöht sich die Anforderung an die Ausgestaltung der kommunalen Abstimmungsbotschaft. Dies verlangt das Gebot einer sachlichen und ausgewogenen Information der Stimmberechtigten. Nur so kann die wegfallende Diskussion zumindest teilweise aufgefangen werden. Tiefere Anforderungen gelten für die Orientierungsversammlung, wo keine politisch verbindlichen Entscheide gefällt werden. Hier ist es auch möglich, digitale Gemeindeversammlungen durchzuführen. Qualitative Aufwertung der Gemeindeversammlung Man sollte nun nicht vorschnell die Abschaffung der Gemeindeversammlung fordern. Den Vorteilen der höheren Stimmbeteiligung und der Verhinderung von einseitiger Mobilisierung stehen die Nachteile des Verlusts der Möglichkeit zur Anregung, zur Kritik, zum direkten Gespräch, zur Information und zur Einflussnahme auf den Inhalt der Versammlungsbeschlüsse gegenüber. Die mancherorts überraschenden Abstimmungsresultate sind wahrscheinlich weniger auf die Umstellung per se als vielmehr auf das Aufbrechen eingespielter Abläufe und Strukturen oder den Inhalt der Vorlage zurückzuführen. Es ist davon auszugehen, dass der Anteil der Gemeinden mit Gemeindeversammlung auch nach überstandener Pandemie nicht wesentlich abnehmen wird. Eine Abschaffung ist unpopulär, da dadurch die Mitwirkungsmöglichkeiten der Stimmbevölkerung eingeschränkt werden. Die Bedeutung der Urnenabstimmung für kommunale Vorlagen dürfte trotzdem steigen. Schon heute muss in vielen Versammlungsgemeinden über grössere Ausgaben und auch Änderungen der Gemeindeordnung an der Urne entschieden werden. Orientierungsversammlungen können in Zukunft digital oder hybrid durchgeführt werden, wie dies beispielsweise in Ilanz/Glion (GR) am 20. Januar 2021 für eine Informationsveranstaltung über ein Infrastrukturprojekt bereits umgesetzt wurde. Gemeindepräsidentin Carmelia Maissen spricht von einem «Experiment». «Angesichts der Rahmenbedingungen war es die einzige Lösung, um die Bevölkerung zeitgerecht und umfassend über das Bahnhofsprojekt und die Vorlagen der Ortsplanung zu informieren. Aber ich freue mich darauf, dies wieder vor Publikum tun zu können. Denn es fehlt der direkte Blickkontakt mit den Menschen und auch der Austausch untereinander vor oder nach der Veranstaltung, was mindestens so wichtig ist wie die Präsentation selber. Auch entsteht kaum eine Publikumsdiskussionen, im Chat waren keine Fragen eingegangen. Das Positive ist, dass die interessierten Personen sich die Präsentation anschauen konnten, wann sie Lust und Zeit hatten.» Für die Gemeindeversammlungen sollten zudem qualitative Verbesserungen überlegt werden. Dazu gehört die Möglichkeit des nachträglichen Referendums an der Urne, wie es schon heute fast die Hälfte der Versammlungsgemeinden vorsieht. Dadurch kann die Legitimität der Entscheide nachträglich verbessert werden. Wahlgeschäfte sollten zudem grundsätzlich geheim durchgeführt werden, wozu sich die Urnenabstimmung besser eignet. * Fetz Ursin, Bündner Gemeinderecht, Zürich/Basel/Genf 2020, S. 116 ** vgl. weiterführend Ladner Andreas, Gemeindeversammlung und Gemeindeparlament, Cahier de l’IDHEAP 292/2016, Lausanne 2016 Ursin Fetz

«Gemeinsam werden wir die Aufgabe erfolgreich meistern»

Judith Gerlach: Die Initiative wurde im Rahmen des eGovernment-Pakts zwischen dem Freistaat Bayern und den kommunalen Spitzenverbänden von Gemeinden, Städten, Landkreisen und Bezirken entwickelt. Der Freistaat, die kommunalen Spitzenverbände und die Bayerische Verwaltungsschule (BVS) haben den Grundkurs in Zusammenarbeit konzipiert und organisiert. Seit November 2019 werden die Kurse von der BVS angeboten. Judith Gerlach: Bisher haben an dem Grundkurs Digitallotse 355 kommunale Beschäftigte teilgenommen – trotz der Corona-Pandemie. Judith Gerlach: Das Interesse an den Kursen ist seitens der Kommunen weiterhin groß. Die Bayerische Verwaltungsschule wird Teile des Kurses zukünftig auch als Online-Schulung anbieten, dadurch erwarte ich noch eine deutliche Steigerung der Teilnehmerzahlen. Judith Gerlach: Digitalisierung geht dann gut voran, wenn engagierte Menschen mit dem notwendigen Wissen ausgestattet sind und gut vernetzte Communities bilden. In unseren Kommunen gibt es sehr viele engagierte Menschen – für diese haben wir mit dem Grundkurs zusätzliche Möglichkeiten zur Ausbildung geschaffen. Da unsere Seminare dezentral gestaltet sind und in der Fläche abgehalten werden, befördern sie die lokale Vernetzung der Digitallotsen. Judith Gerlach: Nein, unsere Kommunen gehen das Thema Digitalisierung der Verwaltung engagiert an. Art und Umfang der notwendigen Änderungsprozesse können schon Respekt einflößen – aber gemeinsam werden wir diese Aufgabe erfolgreich meistern. Da der Mensch im Mittelpunkt der Digitalisierung stehen muss, wollen wir auch unsere Beschäftigten im Öffentlichen Dienst von den überwiegenden Vorteilen der Digitalisierung überzeugen. Judith Gerlach: Der Grundkurs richtet sich an kommunale Beschäftigte, die in ihrer Kommune die weitere Digitalisierung der Verwaltung voranbringen sollen. Fachwissen oder sogar Programmierkenntnisse werden nicht vorausgesetzt; solche Grundlagen zu vermitteln, ist ja gerade das Ziel des Kurses. Technisches Verständnis und Interesse an sowie Affinität zu IT-Themen sind natürlich hilfreich. Judith Gerlach: Die Absolventinnen und Absolventen des Grundkurses kennen nach der Teilnahme die rechtlichen Rahmenbedingungen, die digitale Verwaltungsinfrastruktur in Bayern und wissen um die wichtigsten Werkzeuge und Umsetzungshilfen bei der Digitalisierung von Verwaltungsabläufen. Außerdem lernen sie sich untereinander kennen, womit ihnen ein Netzwerk von Digitallotsen bei benachbarten Kommunen zur Verfügung steht. Judith Gerlach: Der Kurs sieht zwar keine Abschlussprüfung vor, allerdings wird durch Fallbeispiele und Übungen sichergestellt, dass die Teilnehmer das im Kurs erworbene Wissen auch praktisch anwenden können. Judith Gerlach: Der Freistaat Bayern übernimmt 80 % der Seminargebühren für eine Teilnehmerin oder einen Teilnehmer pro Kommune. Die restlichen 20 % werden durch die entsendende Kommune getragen. Judith Gerlach: Ich glaube nicht, dass in Bayern die Anforderungen größer oder anders sind als in den restlichen Bundesländern. Zumindest wenn es sich um große Flächenstaaten handelt. Ich meine aber schon erkennen zu können, dass wir in Bayern mit viel Schwung an die Sache gehen. Wir wollen und müssen viele Projekte gleichzeitig zum Laufen bringen. Judith Gerlach: Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft. Mir ist wichtig, dass sie sich zum Guten verändert. Die größte Herausforderung sehe ich deshalb darin, alle Menschen gleichermaßen mitzunehmen – egal ob jung oder alt, ob mit Handicap oder ohne. Ich denke vor dieser großen Aufgabe stehen alle Staaten. Judith Gerlach: Ich halte es immer für sinnvoll, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und sich auszutauschen. Die Schweiz bietet dank ihrer exzellenten Forschungseinrichtungen gerade bei Zukunftstechnologien wie Künstlicher Intelligenz und Quantencomputing für unsere eigenen Wissenschaftler hervorragende Möglichkeiten zum Austausch und zur Kollaboration. Diese Zusammenarbeit findet auch statt, etwa bei gemeinsamen Projekten der ETH Zürich, der Technischen Universität München und dem Helmholtz Zentrum München im Bereich der Zellforschung mittels digitaler Werkzeuge, um nur ein Beispiel aus der Spitzenforschung zu nennen. Die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben letzten Monat ein neues nationales Gesetz zur elektronischen Identifikation abgelehnt. Für das Angebot von digitalen Dienstleistungen der öffentlichen Hand an die Bevölkerung wäre ein gesetzlicher Rahmen von grosser Bedeutung. Wie weit ist Deutschland in diesem Bereich? Judith Gerlach: Bei uns im Freistaat haben wir mit dem Bayerischen E-Government-Gesetz (BayEGovG) bereits 2015 den für die Digitalisierung erforderliche Rechtsrahmen geschaffen. Das BayEGovG wird derzeit novelliert, um den Weiterentwicklungen und der steigenden Bedeutung der Digitalisierung Rechnung zu tragen. Auf Bundesebene ist das Onlinezugangsgesetz der große Treiber für das Angebot von digitalen Dienstleistungen: Bis 2022 sollen alle Verwaltungsleistungen auch elektronisch angeboten werden. Die wichtigsten Verwaltungsleistungen sind in Bayern bereits heute online. Auf Bundesebene ist das Onlinezugangsgesetz der große Treiber für das Angebot von digitalen Dienstleistungen: Bis 2022 sollen alle Verwaltungsleistungen auch elektronisch angeboten werden. Die wichtigsten Verwaltungsleistungen sind in Bayern bereits heute online. Interview: Denise Lachat

Die Akzeptanz für Homeoffice wächst

Die Erfahrungen seit der Covid-19-Pandemie im März 2020 haben die Sicht auf die Arbeit im Homeoffice in den Gemeinden deutlich verändert. So zeigt eine bei den Mitarbeitenden durchgeführte Umfrage, dass vor der Pandemie nur jede dritte Person positiv eingestellt war. Knapp die Hälfte der befragten Mitarbeitenden waren zuvor skeptisch. Nach den gemachten Erfahrungen im Homeoffice sind heute knapp zwei von drei Mitarbeitenden positiv und nur noch sehr wenige sind gegenüber Homeoffice nach wie vor skeptisch. Die Umfrage wurde in der Zeit von Juli bis Dezember 2020 durchgeführt. Auch eine Umfrage von Deloitte* zeigt, dass die Mitarbeitenden grossmehrheitlich in Zukunft zumindest teilweise im Homeoffice arbeiten wollen. Angesichts dieser Ergebnisse gilt es für die Gemeinden, die Chance von Homeoffice zu nutzen, um sich auch als attraktive Arbeitgeberin zu positionieren. Beispielsweise bei der Personalrekrutierung kann in einem grösseren Radius nach Fachkräften gesucht werden, wenn Mitarbeitende nicht jeden Tag vor Ort sein müssen. Zugleich wird die Möglichkeit zumindest anteilsmässig im Homeoffice arbeiten zu können, von Arbeitnehmenden zunehmend nachfragt und als Bedingung gefordert. Laut der Studie bietet Homeoffice die gleichen Vorteile für öffentliche Verwaltungen wie für private Unternehmen. Ein Unterschied besteht jedoch in der Arbeitsorganisation und -kultur der öffentlichen Verwaltungen. Die Verwaltungen sind stark hierarchisch strukturiert und von einer Präsenzkultur geprägt, indem die Vorgesetzten die Arbeitsleistungen basierend auf Anwesenheit und Einsatz vor Ort beurteilen. Die Covid-19-Pandemie hat den Prozess hin zu flexibleren Arbeitsformen beschleunigt und zu einem Umdenken in den öffentlichen Verwaltungen geführt. Die Umfrage zeigt, dass die Arbeitskultur vor der Covid-19-Pandemie wesentlich dazu beitrug, dass die befragten Mitarbeitenden sehr selten im Homeoffice gearbeitet haben. Als Hindernisse für Homeoffice werden das Fehlen einer unterstützenden Kultur (62 Prozent) oder gar eine unpassende Führungs- beziehungsweise Organisationsstruktur (37 Prozent) erlebt. Für mobil-flexible Arbeit ist eine Führungskultur des Vertrauens gegenüber den Mitarbeitenden notwendig. Die Führungspersonen können eine solche Arbeitskultur vorleben und die Mitarbeitenden auf ihrem Weg zu mehr Selbstverantwortung unterstützen und begleiten. Hinsichtlich der Arbeitskultur sind auch die Mitarbeitenden gefragt. So geben rund 40 Prozent der befragten Gemeindemitarbeitenden an, dass sie vor der Covid-19-Pandemie keinen Bedarf für Homeoffice hatten oder 64 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass für die Teamzusammenarbeit räumliche Nähe erforderlich sei. Ebenfalls sehen die Mitarbeitenden in den Gemeinden vor allem den Schalter- beziehungsweise Kundinnenkontakt als Hindernis für Homeoffice (72 Prozent). Des Weiteren fehlte in den Gemeinden vor der Covid-19-Pandemie vielerorts die Infrastruktur wie Laptop, andere Hardware (47 Prozent) oder auch der externe Zugang zum Verwaltungsnetzwerk (36 Prozent), sodass die Mitarbeitenden nicht zuhause arbeiten konnten. Für die Mitarbeiten bestand die grösste Herausforderung in der Zusammenarbeit und dem Austausch im Team. Da Homeoffice für sie eine neue Arbeitsform darstellte, musste die Zusammenarbeit ad hoc neugestaltet und vermehrt auf digitale Kanäle verschoben werden. Trotz der Skepsis, Hürden und Herausforderungen für Homeoffice in den Gemeindeverwaltungen lässt sich aufgrund der Ergebnisse feststellen, dass Gemeindeverwaltungen auf gutem Weg zu einer flexibleren Arbeitsgestaltung sind. Die Umfrage zeigt, dass die Gemeinden in kürzester Zeit ihre Arbeitsweise umgestellt haben und Homeoffice bestens funktioniert hat. Über 80 Prozent der befragten Gemeindemitarbeitenden geben an, dass sie zuhause produktiv und effizient gearbeitet haben. Auch die heute deutlich positivere Einstellung gegenüber Homeoffice zeigt, dass die Mitarbeitenden gute Erfahrungen während diesem Jahr gesammelt haben und die allgemeinen Befürchtungen nicht eintrafen. Die Gemeinden können die gesammelten Erfahrungen im Homeoffice nutzen, um auch in Zukunft Homeoffice zu erlauben und zu fördern. Dafür muss das Vertrauen zu den Mitarbeitenden weiterhin gestärkt und eine Vertrauenskultur geschaffen werden. In einer Vertrauenskultur werden die Gemeindemitarbeitenden über Arbeitsergebnisse anstatt Anwesenheit und Zeitkontrolle geführt. Ausserdem sind eine offene und ehrliche Kommunikation sowie das Teilen von Informationen wichtig. Die Führungspersonen haben hinsichtlich dessen eine wichtige Vorbildfunktion und können die Unternehmenskultur der Gemeinde positiv beeinflussen. Ein Homeoffice-Reglement kann die Rahmenbedingungen wie Gegenstand, Art und Umfang der Arbeit im Homeoffice regeln. Individuelle Abmachungen können überdies in einer Homeoffice-Vereinbarung festgehalten werden. Sie sollen klare Rahmenbedingungen für die Arbeitstage zuhause schaffen und dennoch so offen wie möglich gehalten werden, sodass die Mitarbeitenden die Flexibilität für die individuelle Arbeitsgestaltung nutzen können. Zudem ist es am Anfang hilfreich, wenn Führungspersonen und Mitarbeitende Erwartungen an die Arbeit im Homeoffice gegenseitig klären. So wird erst klar, welche Leistungen erwartet werden oder wie im Homeoffice kommuniziert wird. Dadurch lassen sich Missverständnissen vorbeugen. Für die Zusammenarbeit im Homeoffice sind klare Regeln betreffend Anwesenheit und Erreichbarkeit von Vorteil, indem diese beispielsweise im Kalender eingetragen werden. Umgekehrt können auch Tage organisiert werden, an welchen alle Mitarbeitenden im Büro anwesend sind. So werden auch die Vorteile beider Arbeitsorte gezielt genutzt: Das Homeoffice für ungestörtes, produktives Arbeiten und das Büro für den Austausch. Ein guter Mix zwischen Arbeiten vor Ort und im Homeoffice reduziert dann auch die Herausforderungen von Homeoffice erheblich und führt zu produktivem und effizientem Arbeiten. Im Homeoffice sind neue Kompetenzen wie das so genannte «Boundary Management» oder die selbstständige Gestaltung der Arbeitsaufgaben, -orte und -prozesse gefragt. Sowohl Mitarbeitende als auch Führungspersonen sollen bei Bedarf im Umgang mit Homeoffice befähigt und geschult werden. Homeoffice und mobil-flexibles Arbeiten werden in Zukunft nicht mehr aus dem Arbeitsalltag wegzudenken sein. Es findet auch in Gemeinden ein Umdenken in Hinblick auf die Arbeitskultur und -organisation statt und Gemeinden können nun die gemachten Erfahrungen dafür nutzen. Informationen: Detaillierte Ausführungen zu den Gründen, gemachten Erfahrungen und Herausforderungen im Umgang mit Homeoffice ergänzt mit Zahlen, Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen finden sich im Schlussbericht unter www.hslu.ch/ibr-umfrage-homeoffice * Deloitte-Umfrage: https://tinyurl.com/msbvycn7 Jana Z’Rotz, Leila Gisin, Chantal Magnin

ePublikation für Gemeinden: Erster Praxistest bestanden

E-Government mit vielen Vorteilen: Das Digitale Amtsblatt Schweiz bietet Gemeinden und öffentlich-rechtlichen Institutionen die Online-Plattform ePublikation.ch für die elektronische und hybride Veröffentlichung ihrer amtlichen Mitteilungen und Rechtssammlungen. Die Rechtssicherheit ist dabei auf höchstem Niveau gewährleistet. Dazu Thomas-Peter Binder, Präsident des Vereins Zürcher Gemeindeschreiber und Verwaltungsfachleute (VZGV): «Vor diesem Hintergrund ist das Digitale Amtsblatt Schweiz eine ideale Lösung.» Für die Gemeinden hat ePublikation zudem den Vorteil, dass sie ihre amtlichen Mitteilungen nur ein einziges Mal erfassen müssen und diese elektronisch und gedruckt rechtssicher veröffentlichen können. Bewährt sich ePublikation für Gemeinden in der Praxis? Das zürcherische Ossingen war die erste Gemeinde der Schweiz, die das Digitale Amtsblatt Schweiz online aufgeschaltet und in die Gemeinde-Website integriert hat. Dazu Gemeindeschreiber Sven Fehse: «Da wir keine physischen Aushänge mehr haben, ist das Internet unser amtliches Publikationsorgan. Dabei ist es uns wichtig, dass die Nutzerinnen und Nutzer schnell und einfach an die Informationen kommen.» Die Gemeindeverwaltung bietet auch weitere Online-Services wie eUmzu und eBaugesuche an. Gemäss Sven Fehse bewährt sich dies in der Praxis sehr gut. «ePublikation entlastet uns in der Verwaltung, wir sparen Zeit und Kosten. Das Feedback ist sehr positiv. Die Online-Services funktionieren reibungslos.» Der Aufwand für das Aufschalten des Digitalen Amtsblatts war in Ossingen minimal. Man musste auf der Gemeinde-Website nur den Link hinterlegen. Sven Fehse ist vom Nutzen von ePublikation für Gemeinden überzeugt: «Wir sparen wir in der Verwaltung enorm Zeit. Früher hatten wir inklusive Aushang vier Publikationsorgane zur Veröffentlichung der amtlichen Nachrichten. Heute erfassen wir alles nur noch ein Mal an einem Ort – rechtssicher und fristgemäss.» Die Gemeinde Ossingen publiziert auch ihre Rechtssammlung über das Digitale Amtsblatt Schweiz. Dies vor dem Hintergrund, dass die Gemeinden im Kanton Zürich gesetzlich verpflichtet sind, ihre Verordnungen bis am 1. Januar 2022 in einer systematischen Rechtssammlung online zu veröffentlichen. Eine Gemeinde kann ihre amtlichen Publikationen und ihre Rechtssammlungen über ePublikation.ch auch unabhängig voneinander veröffentlichen. So kann sie zum Beispiel zuerst die kommunalen Rechtssammlungen aufschalten und danach die Publikationsmeldungen. Dies, weil der Wechsel des amtlichen Publikationsorgans eines Gemeinderats- oder sogar Gemeindeversammlungsbeschlusses bedarf. Wichtig dabei: ePublikation will keine Konkurrenz zu den amtlichen Publikationsblättern sein; deshalb wird die hybride Publikation unterstützt. Realisiert wurde das Projekt ePublikation von egovpartner.zh.ch, der Zusammenarbeitsorganisation im Bereich Digitalisierung und E-Government des Kantons Zürich und der Zürcher Städte und Gemeinden. Lukas Steudler, Leiter Geschäftsstelle egovpartner, sagt: «Wir haben die Lösung so designt, dass sie schweizweit von allen Gemeinden und öffentlich-rechtlichen Institutionen genutzt werden kann. Diese müssen einzig sicherstellen, dass bei ihnen die entsprechenden rechtlichen Grundlagen zum Einsatz von ePublikation vorhanden sind oder geschaffen werden.» Auch Christoph Niederberger, Direktor Schweizerischer Gemeindeverband (SGV), ist von den Vorteilen von ePublikation überzeugt: «Der SGV unterstützt das Projekt sehr. Für die Gemeinden ist eine möglichst einfache und sichere digitale Variante für die amtliche Publikation sehr wichtig. Das neue Portal ermöglicht dies.» Wie die Gemeinden profitieren auch die Nutzerinnen und Nutzer. Sie erhalten mit dem Digitalen Amtsblatt Schweiz einen schnellen, direkten und kostenlosen Zugriff auf sämtliche Publikationen aus einer zentralen Quelle. Durch Such- und Filterfunktionen lassen sich Informationen und Online-Abos einfach und individuell zusammenstellen. ePublikation wird laufend weiterentwickelt und soll bis Ende 2023 barrierefrei sein. Als nationaler Träger fungiert der Schweizerische Gemeindeverband SGV mit Unterstützung durch den Schweizerischen Städteverband SSV. Anmeldungen nehmen wir gerne entgegen. Weitere Infos und Kontakt: www.epublikation.ch Kontakt Schweizerischer Gemeindeverband (SGV): Christoph Niederberger, Direktor SGV, christoph.niederberger@chgemeinden.ch Lukas Steudler

«Facebook eignet sich sehr gut für die Behördenkommunikation»

Seit Mai 2018 publiziert die zentrale Kommunikationsstelle der Stadt Winterthur (ZH) über Facebook alles, was die Bevölkerung interessieren könnte – von wichtigen Meldungen bis zu niederschwelligen Videos. Auch die Umweltkommunikation darf nicht fehlen. «Der Stadtrat hat den Umweltschutz als einen politischen Schwerpunkt definiert. Entsprechend präsent ist das Thema auch auf unseren sozialen Medien», betont Peter Weber, Kommunikationsbeauftragter der Stadt Winterthur. Winterthur zählt über 11‘000 Einwohnerinnen und Einwohner. Die Erwartungen von Politik und Bevölkerung an die Kommunikation und digitale Präsenz der sechstgrössten Stadt der Schweiz sind in den letzten Jahren stark gestiegen. «Der Druck von aussen wurde immer grösser. Zudem hatten gewisse Organisationseinheiten bereits eigene Facebook-Accounts und machten damit gute Erfahrungen», so Weber. Bereits seit 2008 informiert die Stadt über Twitter. Die Kommunikation beschränkt sich dort aber grösstenteils auf Medienmitteilungen. «Wir erreichen mit dem Account die typische Twitterbubble aus Journalisten, Gemeinderäten und Personen aus dem Umfeld der Verwaltung.» Der Kanal eigne sich gut für die Krisenkommunikation. Doch es zeigte sich: Twitter allein ist nicht genug. «Heutzutage informieren sich die meisten Leute online, auch auf Social Media. Und es besteht das Bedürfnis, die Stadt auch so zu erreichen und Meinungen, Wünsche und Anliegen mit uns zu teilen.» Wenn in anderen Facebook-Gruppen ohnehin schon über Winterthur diskutiert würde, wieso nicht selbst in die Diskussion einsteigen? Ein weiteres Argument war die Medienkrise: «Der klassische Tages- und Lokaljournalismus steht stark unter Druck. Die Zukunft der Zeitungen ist ungewiss. Wir wussten damals nicht, wie wir die Bevölkerung ohne Lokalzeitung erreichen würden», so Weber. Die zentrale Kommunikationsstelle der Stadt kam schliesslich im Frühling 2018 zur Überzeugung, dass Winterthur ein Facebook-Profil brauche. In einem ersten Schritt fand ein Austausch mit den Kommunikationsverantwortlichen der einzelnen Abteilungen statt. Der Runde Tisch brachte Bedenken zutage, die es auszuräumen galt: > Zeitaufwand: Digitale Präsenz verlangt Ressourcen. «Wir sind alle im Tagesgeschäft stark eingebunden. So stellte sich die Frage, ob wir genug Kapazitäten für die Facebook-Kommunikation hätten», erinnert sich Weber. Deshalb wurde die Aufgabe auf mehrere Personen aufgeteilt, sodass pro Person nur alle paar Wochen ein Beitrag anfällt. «Zudem versuchten wir von Anfang an, uns nicht zu hohe Ziele zu setzen. Es muss nicht täglich ein neuer Beitrag publiziert werden.» > Fehlendes Know-how: Gemeinsame Workshops mit externer Unterstützung, Weiterbildungen wie etwa eine Einführung zu Smartphone-Videos und der Erfahrungsaustausch mit anderen Städten sollten Abhilfe schaffen. > Angst vor Reaktionen: Der Austausch mit Städten, die bereits mehr Social-Media-Erfahrung mitbrachten, wie Luzern, St. Gallen oder Basel, habe dagegen geholfen, so Weber. «Die Rückmeldungen waren durchgehend positiv. Die sozialen Medien sind aus der Kommunikation dieser Städte nicht mehr wegzudenken.» Neben dem Social-Media-Konzept erarbeitete die Kommunikationsstelle für den Fall der Fälle aber auch Richtlinien zum Umgang mit einem möglichen Shitstorm. Die Kerngruppe Social Media startete die viermonatige Pilotphase. Nach einer ersten Besprechung konnten die Beteiligten «einfach mal machen» und Erfahrungen sammeln. Bereits nach kurzer Zeit schlossen sich auch die zwei noch nicht vertretenen Departemente der Kerngruppe an. Ein wichtiger Moment in der Testphase kam im Sommer, als die Stadt an einem Freitagnachmittag so schnell wie möglich ein Feuerverbot kommunizieren musste. «Die Meldung erreichte über Facebook innerhalb von 24 Stunden über 30‘000 Leute – ein Vielfaches unserer eigentlichen Followerzahl», berichtet Weber. Der Kanal hatte die Feuerprobe bestanden. Sowohl in der Testphase als auch in den über zwei Jahren, die seither vergangen sind, konnte die Social-Media-Kerngruppe wichtige Erfahrungen sammeln: > Aufwand gehört dazu: Inhalte auf Facebook ansprechend zu gestalten, ist zeitintensiv; das Bewirtschaften des Kanals und die Moderation von Kommentaren ebenso. Mit dem Entscheid nach der Testphase, den Facebook-Kanal für die städtische Kommunikation weiter zu nutzen, wurden auch zusätzliche Ressourcen (60 Stellenprozent) beantragt – allerdings ohne Erfolg. Das Kernteam führte das Profil vorerst mit den existierenden Kapazitäten weiter. > Leichte Kost: Beiträge, in denen es «mänschelet», kämen immer gut an, berichtet Weber. In Winterthur waren das zum Beispiel Berichte von Feuerwehreinsätzen zur Tierrettung oder Videoporträts von städtischen Mitarbeitenden. «Ob ein Beitrag geteilt wird oder nicht, hat nicht unbedingt damit zu tun, ob wir ihn aus Sicht der Stadt für inhaltlich wichtig halten.» > Aktive Stadt: Wenn Winterthur ein neues, als innovativ wahrgenommenes Angebot lanciere oder auf ein Bedürfnis der Bevölkerung eingehe, dann komme dies auf Social Media immer gut an. Wie zum Beispiel die Mitteilung, dass die Stadtgärtnerei Blumen zum Selberschneiden im Stadtgarten anbiete. > Je konkreter desto besser: Sowohl in der Umweltkommunikation als auch in anderen Bereichen gilt es, abstrakte Themen mit konkreten Inhalten und Beispielen zu schmücken, um sie greifbarer zu machen. «Wenn wir ganz trocken über Littering oder Food Waste berichten, gibt das weniger Rückmeldungen.» > Diskussion erwünscht: Dass kontroverse Themen zu vielen Kommentaren führen, sei normal – und wünschenswert. In Winterthur schalten sich gelegentlich auch Politikerinnen und Politiker ein. «Es darf eine Diskussion geben. So bilden die Facebook-Aktivitäten die politische Debatte ab», ist Weber überzeugt. Zudem komme es gut an, wenn sich die Stadt ebenfalls äussere. So könne unter Umständen mit wenig Aufwand ein guter Dialog stattfinden. > Gezielte Aufbereitung: «Texte, die wir auf Facebook in genau gleicher Form wie auf der Webseite publizieren, oder klassische Medienmitteilungen mit Fotos einer Medienkonferenz beachten die User auf Facebook weniger.» Spezifisch für den Social-Media-Nutzer aufbereitete Videos oder Bildstrecken hingegen kämen gut an, seien aber auch aufwendiger. > Richtiger Zeitpunkt: «Wir merkten, dass wir je nach Situation sensibler kommunizieren müssen, und sind heute empfänglicher für die aktuelle Stimmung der Follower», so Weber. Zu Beginn der Corona-Pandemie machte das Social-Media-Team auf ein Millionen-Bauprojekt aufmerksam. Der Stadt schlugen umgehend emotionale Reaktionen und negatives Feedback entgegen. «Wir mussten eingestehen, dass es ein ungünstiger Zeitpunkt für die Information war, und entschuldigten uns.» Bereits nach einem Tag sei Gras darüber gewachsen. Die sozialen Medien sind eine schnelllebige Welt. Weber ist überzeugt: «Facebook eignet sich sehr gut für die Behördenkommunikation.» Auch wenn die jüngere Bevölkerung kaum mehr auf Facebook anzutreffen sei, erreiche man damit trotzdem ein sehr breites Publikum aus mehreren Altersgruppen und verschiedenen politischen Lagern. Zudem ermöglichen die verschiedenen Beitragsformate kreativen Spielraum - mit Bildern, Videos oder auch Eventseiten. Besonders schätzt Weber die Interaktion, welche die konventionelle Behördenkommunikation nicht bieten kann: «Wir erhalten Kommentare, persönliche Nachrichten, man stellt uns Fragen. Es entsteht ein Dialog mit der Bevölkerung.» Facebook sei mittlerweile ein etablierter Kommunikationskanal der Stadt. Inzwischen wurden auch zusätzliche Stellenprozente bewilligt, sodass ein Ausbau der Aktivitäten möglich wird. Denn die Weiterentwicklung in diesem schnelllebigen Gebiet darf nicht fehlen. Das Ziel: Weitere Kanäle bespielen, um noch mehr Winterthurerinnen und Winterthurer zu erreichen. Im Moment entsteht gerade ein Instagram-Konzept. Infos: www.pusch.ch Remo Bräuchi, Nadine Siegle

Wenn die Urversammlung live im Wohnzimmer stattfindet

Sie konnten erstmals von der Küche, vom Wohn- oder Arbeitszimmer aus an einem wichtigen Gemeindeanlass teilnehmen: Die Einwohnerinnen und Einwohner der Walliser Gemeinden Bitsch, Salgesch und Täsch haben die Möglichkeit erhalten, sich online per Livestream an der Urversammlung ihrer Gemeinde zu beteiligen. Ein Novum in der Schweiz: Neben dem Mut zur Innovation wurde die Idee, diese Gemeindeanlässe auch online zugänglich zu machen, durch die Coronakrise vorangetrieben. Die realisierten Pilotversuche in den drei Gemeinden wurden mit verschiedenen kantonalen ICT-Anbietern umgesetzt. Hauptzweck war es, die Partizipation am Gemeindegeschehen auch jenen Menschen zu ermöglichen, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht persönlich an der Urversammlung teilnehmen konnten. «Die Erfahrungen, die wir mit dem Livestream sammeln konnten, sind vielversprechend. Viele unserer Bürgerinnen und Bürger haben sich den Stream angesehen», sagt Mario Fuchs, Gemeindepräsident von Täsch, in einem ersten Fazit. Insgesamt waren an den drei Urversammlungen, die zwischen dem 28. Januar und dem 25. Februar 2021 stattfanden, jeweils zwischen 40 und 60 Personen aller Altersgruppen zugeschaltet. Bei zwei von drei Anlässen war die Zahl der virtuellen Teilnehmerinnen und Teilnehmer doppelt so hoch wie diejenige der physisch Anwesenden. Eine unter den zugeschalteten Personen durchgeführte Umfrage fällt durchwegs positiv aus. Alle Befragten gaben an, dass sie wieder teilnehmen würden. Die meisten lobten die Innovationsbereitschaft ihrer Gemeinde und nannten das Interesse am neuen Format als wichtigstes Motiv für ihre Teilnahme. Bemängelt wurden hingegen der rein informative Charakter der Übertragung sowie das fehlende Abstimmungsrecht. Um dieses wahrnehmen zu können, bräuchte es allerdings einen politischen Vorstoss zur Anpassung des Gemeindegesetzes. Heute wird für das Quorum noch eine physische Anwesenheit vorausgesetzt . «Die Übertragung von Urversammlungen deckt ein Bedürfnis innerhalb der Bevölkerung ab», ist Edgar Kuonen, Gemeindepräsident von Bitsch, überzeugt. Mit der fortschreitenden Digitalisierung des Alltags müssten künftig auch bei Gemeindeversammlungen neue Wege in Betracht gezogen werden. Das bestätigen die Präsidenten der anderen zwei Gemeinden. Gilles Florey, Gemeindepräsident von Salgesch, dazu: «Die Gemeinden sollten sich stetig weiterentwickeln und die Chancen, welche die Digitalisierung bieten, nutzen. Hierfür haben die durchgeführten Pilotversuche das vorhandene Potential aufgezeigt. Wir wollen nun innerhalb des Projekts weiterverfolgen, in welchem Rahmen die Gemeinden solche Formate in Zukunft mit ansprechender Qualität und tragbaren Kosten umsetzen können.» Bitsch, Salgesch und Täsch nehmen seit Anfang 2020 als Pilotgemeinden am Projekt «Digital Service Center Oberwallis» teil, durch das den lokalen Behörden Unterstützung bei der digitalen Transformation geboten wird. Die Übertragung der Urversammlungen ist eine Massnahme, die aus dem Projekt heraus entstanden ist. Mit dem Aufbau eines Support-Centers sollen die Gemeinden in der Digitalisierung ihrer Verwaltungsaufgaben und Dienstleistungen gefördert werden und eine Ansprechstelle für Fragen rund um digitale Prozesse, Systeme und Systemanwendungen erhalten. Das Projekt wird im Rahmen eines vierjährigen Modellvorhabens des Bundes umgesetzt. Geleitet wird es von der RWO AG, während die fachliche Unterstützung durch den Verein «Myni Gmeind» erfolgt. Kevin Fux

So machen sich die Aargauer Gemeinden fit für Digitales

Die Kraft der Digitalisierung haben wir vor allem im letzten Jahr sehr deutlich zu spüren bekommen. Die Einschränkungen durch die Pandemie gaben der digitalen Transformation nochmals einen wuchtigen Schub nach vorne – zu wuchtig? Prozesse sollen vereinfacht, die Effizienz gesteigert und das Leben erleichtert werden. Es gibt bereits viele private Unternehmen, die diesen Ansatz sehr gut umsetzen können, da es in der Zwischenzeit auch genug Experten auf diesem Gebiet gibt. Doch gilt dies auch für die Behörden, die nicht so unabhängig sein können, die nicht einfach so autonom entscheiden dürfen? Können wir, im sonst bereits unübersichtlich erscheinenden Behördendschungel, mit seinen Zuständigkeiten, komplexen Prozessen und Abläufen, Klarheit schaffen? Wäre es nicht schön für Einwohnerinnen und Einwohner, wenn sie alles, was sie brauchen, an einem Ort fänden? Erinnern Sie diese Fragen auch ein wenig an zwei Freunde, die eigentlich nur einen Passierschein A38 in einer Behörde abholen wollten? Asterix und Obelix in Rom zeigen auf ihre sympathische und zeitlose Weise, was viele unserer Kundinnen und Kunden erlebt haben. Sie rennen von Etage zu Etage, von Schalter zu Schalter, von Formular zu Formular und von einer Aussage zur anderen, haben aber bis fast zum Schluss keinen Schritt vorwärts gemacht. Die Behörde musste überlistet werden, am Schluss auch mit Erfolg! Selbstverständlich ist das überzeichnet. Wohl nur wenige Länder können eine schlankere und effizientere Verwaltung vorweisen als die Schweiz. Springen wir wieder zu den zwei Galliern – denn der (Wildschwein-) Spiess hat sich gedreht! Die digitale Transformation wird die Gesellschaft und Verwaltung in den kommenden Jahren weiterhin massgeblich prägen und beeinflussen. Mit dem digitalen Innovationsprogramm «Fit4Digital» wollen die Aargauer Gemeinden zusammen mit dem Kanton über dessen Programm «SmartAargau» diese Entwicklung aktiv mitgestalten und für ihre Einwohnerinnen und Einwohner und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine moderne und kundenzentrierte Service- und Dienstleistungserbringung realisieren. Mit den drei Hauptaufgabengebieten, der Arbeitsweise intern, den Public Innovators und dem Smart Service Portal verschreibt sich das Vorhaben dem Grundsatz «Digital first» und «Human first». Das Smart Service Portal ist einerseits ein Kundenportal, mit welchem die Einwohnerinnen und Einwohner ihre Verwaltungsleistungen, unabhängig der föderalen Ebene, zentral bestellen und verwalten können. Das kann alles Mögliche sein: das Steuerkonto, Fahrzeugdaten vom Strassenverkehrsamt, Grundbuchinformationen, Services im Heimtier-Bereich oder Informationen zu den Gebühren (Wasser, Abwasser, Energie, etc.). Vorneweg: Das Smart Service Portal wird laufend um Dienstleistungen erweitert und wird somit nie fertig sein. Andererseits ist es eine Prozessmaschine, die die kommunalen Verwaltungsleistungen automatisiert abwickeln und die dafür benötigten Daten aus den unterschiedlichen Datenbanken verknüpfen kann. Es nutzt also verschiedenen Seiten. Auf der einen Seite können die Einwohnerinnen und Einwohner ihre Verwaltungsleistungen zentral an einem Ort zu jeder Uhrzeit beziehen, auf der anderen Seite wird die Verwaltung entlastet und kann die vorhandenen Ressourcen effizienter einsetzen. Es kann also alles auf einem Webportal bezogen werden. Ich denke, Obelix hätte Freude daran, denn so hätten er und Asterix sich das Treppensteigen sparen können. Das Smart Service Portal ist nicht nur ein Kundenportal, sondern vernetzt auch die kommunale Verwaltung, was wiederum die interne Arbeitsweise verändert. Unabhängig von Staatsebene, Departement oder Abteilung können Daten und Informationen bezogen, vernetzt und entweder der Kundin direkt ausgeben oder einem Verwaltungsmitarbeiter für die weitere Bearbeitung zur Verfügung gestellt werden. Die Verwaltungsprozesse können also vom Smart Service Portal bis in die Verwaltung End-to-End abgewickelt werden. Davon hätte der Präfekt (oberster Verwaltungsbeamter) im Haus, das Verrückte macht, nur träumen können! Die Public Innovators sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Aargauer Gemeinden, die sich in verschiedenen Bereichen des öffentlichen Sektors bestens auskennen. Gemeinsam und geleitet von einer Reihe von Grundsätzen wollen sie die öffentlichen Dienstleistungen verbessern und ihre Arbeitsweise der Entwicklung anpassen. Dabei liegt der Fokus nicht bei der IT-Infrastruktur, sondern vielmehr bei der Weiterentwicklung der Arbeitskultur und dem Überdenken bzw. Überarbeiten von Kunden- und Verwaltungsprozessen. Betroffene werden zu Beteiligten gemacht, damit nicht nur die Bedürfnisse von Kundinnen und Kunden berücksichtigt werden, sondern auch die der Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter. Gerade sie sind entscheidend, damit die Verwaltung auch künftig als moderne Arbeitgeberin wahrgenommen wird. Bereits haben sich gegen 80 kommunale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den verschiedensten Fachbereichen angemeldet, die bei der künftigen Ausgestaltung der Services mithelfen wollen. Die Aufwendungen werden mittels des «Digitalisierungs-Fünflibers» über einen Zeitraum von vier Jahren getragen. Dabei leisten die Gemeinden und der Kanton je die Hälfte der Kosten, entweder als finanzieller Beitrag oder als Sachleistungen. Die Zusammenarbeit zwischen den föderalen Ebenen basiert auf einer Rahmenvereinbarung. Obwohl der Kostenbeitrag für die Gemeinden nicht gesetzlich geregelt ist, haben rund 80 % der Gemeinden den Kostenbeitrag von 2,50 Franken geleistet. Eine tolle Unterstützung der Gemeinden für die Schaffung des kundenzentrierten Smart Service Portal im Kanton Aargau.Dasselbe Vorgehen soll auch im Kanton Luzern verankert werden. Die Strub & Partner GmbH bezieht im Rahmen ihres Publis Public Info Service Mandats seit Beginn der E-Government-Zusammenarbeit im Kanton Aargau (2013) die kommunalen Bedürfnisse in die Umsetzung von E-Government-Lösungen mit ein. Gérald Strub

wir-bringens.ch: So wird in Burgdorf eingekauft

9.20 Uhr in Burgdorf: Ein Mann knüpft in einem Supermarkt zwei Einkaufstaschen mit aufgeklebten QR-Codes zu, klebt an beide einen Lieferschein mit der Adresse und dem Namen der Empfänger und stellt die Tüten in ein Regal. «Ich habe für meine Schwiegereltern eingekauft und gebe die Taschen nun dem Hauslieferdienst mit», erklärt er. Er kauft zwar gerne für sie ein, doch nicht immer hat er Zeit, die Einkäufe auch selber vorbeizubringen. Dass er dies dem Lieferdienst der Stiftung intact überlassen kann, bezeichnet er darum als grosse Erleichterung. «Meine Schwiegereltern haben ein Abonnement für den Hauslieferdienst von intact, so habe ich auch mit der Bezahlung dieses Angebotes nichts zu tun.» Kaum ist der Schwiegersohn mit seinen eigenen Einkäufen auf seinem Velo entschwunden, betritt ein Mann mit Velohelm und einer Jacke mit rotem Logo den Laden. «Oj», entschlüpft es ihm spontan, als er die schwere Tasche aus dem Regal hievt. Er arbeitet für die Stiftung intact im Rahmen eines Programms zur Arbeitsmarktintegration derzeit als Kurier für den Hauslieferdienst. Zwei Einkaufstaschen oder maximal 20 Kilo sind das Maximum einer Lieferung. Der Kurier scannt die Taschen ein, sie werden neu auf der App «viaVelo» mit einem QR-Code erfasst und lösen nach und nach den Lieferschein ab. Anschliessend bringt der Kurier sie im Anhänger seines E-Bikes in die Zentrale beim Bahnhof Burgdorf. Er ist als «Zubringer» unterwegs. Während seiner Schicht, die insgesamt acht Arbeitsstunden am Tag umfasst, holen er und seine Kollegen zwischen 110 und 200 Taschen in den Partnergeschäften des Hauslieferdienstes ab. Dazu gehören Grossisten wie Coop und Migros und auch Detailhändler in Burgdorf, beispielsweise Apotheken. Immer öfter transportiert der Hauslieferdienst auch Einkäufe, die in Hofläden der Region getätigt wurden. Rund 40 Verkaufsstellen sind Partner von intact. 10 Uhr: Die Zentrale des Heimlieferdienstes gleicht einem Taubenschlag: Die einen bringen als Zubringer ihre Taschen, scannen deren QR-Codes und stellen sie dann in das Regal der Wohnzone, in welcher die Ware ausgeliefert werden muss. Der Umschlagplatz ist Teil der Mobilitätszentrale der Stiftung intact. Hier werden ebenfalls parkierte Kunden-Fahrräder bewacht sowie die Angebote Renta Bike und Mobility-Autos betreut. Unter dem gleichen Dach sind auch Büro- und Aufenthaltsräume sowie ein Laden mit Produkten, welche die Stiftung intact herstellt, untergebracht. «Ist das alles?», wird in der zugigen Halle wiederholt gefragt. Es gilt, die Anhänger möglichst gut zu füllen und damit die Zahl der Fahrten zu reduzieren. Pro Monat sind es rund 2000 Lieferungen in Burgdorf und Umgebung. Im Jahr werden rund 500 bis 600 Haushalte angefahren. Corona hat die Zahlen erhöhft: Es werden rund 15 Prozent mehr Taschen ausgeliefert als in den Vorjahren. Patrick Tinner, Leiter der Mobilitätszentrale Burgdorf, sagt: «Wir helfen den Programm-Teilnehmenden, fit für den ersten Arbeitsmarkt zu werden. Wir trainieren mit marktnahen Dienstleistungen und aktueller Infrastruktur, wie die App viaVelo oder E-Bikes.» Patrick Tinner sowie der Arbeitsagoge Yves Bichsel sind auch selbst immer wieder einmal als Kuriere unterwegs: Nicht nur zur Unterstützung und Begleitung, sondern auch, wenn wegen Ausfällen «Not am Mann» ist (90 Prozent der Velo-Kuriere in Burgdorf sind Männer). Die Kuriere müssen allerdings wetterfest und fit sein, auch wenn sie mit E-Bikes unterwegs sind. Immerhin legen sie zwischen 20 und 70 Kilometer pro Arbeitstag zurück, und das Emmental hat bekanntermassen viele Hügel. Die Stiftung intact hat Leistungsverträge mit der öffentlichen Hand. Diese ermöglichen die Einstellung von agogisch geschultem Personal zur Begleitung der Teilnehmenden. Denn durch den Beitrag der Kunden und Läden alleine könnte dieser Hauslieferdienst nicht finanziert werden. Tinner sagt: «Ein Velo-Kurierdienst, der innerhalb einer Stadt tätig ist, muss für eine Lieferung mindestens 14 Franken erhalten, um selbsttragend zu sein. Wir erhalten pro Lieferung aber nur 6 Franken». Yves Bichsel, der in der Mobilitätszentrale von intact bereits seinen Zivildienst geleistet hat, drängt zur Eile: Die Taschen müssen innerhalb von zwei Stunden bei den Besitzerinnen und Besitzern abgeliefert werden, und heute ist er selbst im Einsatz. Ein Blick in die App und auf das Navi: und los geht es. Es regnet, Yves Bichsel legt auf dem E-Bike einen Zacken zu. Um 10.35 Uhr klingelt der Kurier unten an der Eingangstüre, der Summton ertönt, im ersten Stock öffnet sich die Wohnungstür. «Danke, dass Sie da sind», begrüsst die Frau den Kurier. Sie stützt sich auf einen Rollator. «Wo darf ich die Taschen hinstellen?», fragt Yves Bichsel. Doch schon kommt der Ehemann und nimmt Bichsel die leichtere der beiden Taschen ab. Bichsel nutzt die Gelegenheit und zeigt dem 86-Jährigen die «viaVelo»-App. Seine Frau sag: «Wir hatten nie ein Auto. Und auch wenn wir zentral wohnen, gönnen wir uns seite langem den Luxus, uns schwere Lasten nach Hause liefern zu lassen. Dass mein Schwiegersohn, der für uns die Einkäufe erledigt, die schweren Taschen nicht auch noch schleppen muss, erleichtert es uns, seine Hilfe annehmen zu können.» Und d ass sie so auch noch Menschen bei der Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt helfen können, erlebt das Ehepaar als zusätzlichen Gewinn. Zudem sei der Einkaufsdienst dank den Velo-Kurieren auch umweltfreundlich. Apropos Umweltfreundlichkeit: «Die Kuriere nehmen auch unsere Recyclingabfälle mit, das ist so praktisch.» Kurier Yves Bichsel verabschiedet sich, das Paar hält den Schwiegersohn umgehend per WhatsApp auf dem Laufenden: «Alles da, danke»! Susanna Fricke-Michel

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