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Freiwilligenarbeit abschaffen?

Kürzlich sass ich am Stadtstrandkiosk beim Flötzli an der Thur in Lichtensteig. Die Stimmung war entspannt, der Apéro unkompliziert. Und doch: Viel Arbeit steckt dahinter. Freiwillige haben diesen Ort angestossen. Seit zehn Jahren betreiben und entwickeln sie den Park auf dem ungenutzten Fussballfeld weiter. Ehrenamtlich, verlässlich, mit Herzblut. Zeitgut Toggenburg entstand in Lichtensteig. Über 700 Menschen haben 50 000 freiwillige Stunden geleistet. Und doch höre ich von Vereinen, wie schwierig es ist, Vorstände zu besetzen. Ist das ein Widerspruch? Ich glaube nicht. Die Menschen haben nicht aufgehört, sich zu engagieren. Aber sie prüfen genauer, wofür sie Zeit einsetzen. Sie wollen Wirkung sehen, Gemeinschaft erleben und nicht zuerst in Sitzungen und Pflichten landen. Hier sind Gemeinden gefordert. Wir sagen gern, wie wichtig Vereine sind. Im Alltag machen wir es ihnen manchmal zu schwer. Ein Formular zu viel, eine vorschnelle Absage, ein fehlender Raum – und schon bleibt eine Idee liegen. Freiwilligenarbeit lässt sich nicht verordnen. Aber wir können sie erleichtern: einen Raum öffnen, Bewilligungen vereinfachen, Anlässe bewerben und bei Ärger den Kopf hinhalten. Vor allem sollten wir öfter fragen: Wie könnte es gehen? Nicht jede Idee braucht ein Reglement. Manchmal braucht es Vertrauen, einen Schlüssel oder jemanden, der sagt: «Kommt, wir probieren es.» Lichtensteig lebt von Menschen, die anpacken. Unsere Aufgabe ist nicht, alles selbst zu machen. Sie ist, dafür zu sorgen, dass andere ins Machen kommen. Freiwilligenarbeit abschaffen? Nein. Aber jene Hürden schon, die verhindern, dass Menschen Ja sagen. Mathias Müller

Die Gratwanderung der Verdichtung

Die Verdichtung des Siedlungsraums im Jahr 2026 in einer mittelgrossen Gemeinde mit einem reichen historischen Erbe ist eine Gratwanderung und eine Aufgabe, die einen langen Atem erfordert. Wie lassen sich unter anderem eine gute soziale Durchmischung, eine gesunde Umwelt und Landschaft, ein Service public sowie eine touristische Attraktivität erhalten und gewährleisten? Die Herausforderungen, die sich stellen – die Bewahrung dieses Kulturerbes, der Erhalt grüner Lungen, majestätischer Bäume und generationenübergreifender Begegnungsorte, die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, der Unterhalt bestehender Infrastrukturen und deren Weiterentwicklung –, stehen im Zentrum der Überlegungen, Strategien und Projekte einer Gemeindebehörde. Die Verdichtung ist dabei ein integraler Bestandteil ihres Auftrags. Eine Legislaturperiode ist kurz im Leben der Raumplanung einer Gemeinde. Und doch müssen in dieser Zeit Entscheide getroffen werden, im Einklang mit den geltenden Gesetzen, wie sie vom Volk gewollt sind. Politische Weichenstellungen sind notwendig, um nicht nur der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger, ihrer Lebensqualität und ihrer Gesundheit gerecht zu werden, sondern auch die Entwicklung eines Quartierplans oder die Gestaltung eines Dorfplatzes beispielsweise in der Nähe eines Schlosses zu ermöglichen. Die grosse Herausforderung einer Legislatur besteht darin, bedeutende langfristige Projekte über einen derart kurzen Zeitraum hinweg zu begleiten und zu unterstützen – mit besonderer Aufmerksamkeit und offenem Ohr, denn öffentliche Interessen treffen unweigerlich auf private und persönliche Interessen. Auch wenn diese Aufgabe anspruchsvoll ist: Ist es nicht genau diese Herausforderung, die jene motiviert und begeistert, die sich für dieses öffentliche Amt engagieren? Nathalie Gigandet

Stadt oder (Hitze-)Insel?

Auf globaler Ebene ist die Temperatur in Städten im Durchschnitt um 6,4 Grad höher. Verantwortlich dafür sind vor allem die Oberflächen: künstlich, versiegelt und oft dunkel. Zudem setzt die von Gebäuden, Industrie und Verkehr verbrauchte Energie Restwärme frei, Gebäude wirken als Windbarrieren, und die Luftverschmutzung verstärkt den Effekt zusätzlich. Und die Situation wird sich weiter verschärfen: Laut einem Simulationsmodell der ETH Zürich wird London im Jahr 2050 klimatisch ähnlich wie Barcelona sein, Paris wie Istanbul, Bern wie San Marino und Zürich wie Mailand. Und Locarno? Es wäre schön, wenn Locarno Locarno bliebe. Aber wie? Durch Abkühlung. Verschiedene Forscherinnen und Forscher sind sich einig: Man muss möglichst viele Bäume pflanzen und so viele Flächen wie möglich wasserdurchlässig gestalten. Dieses Konzept heisst «Schwammstadt». In Locarno werden im Rahmen der geplanten Aufwertungsprojekte für die öffentlichen Räume im Stadtzentrum über 300 neue Bäume gepflanzt. Nicht wie in Seoul, wo 16 Millionen gepflanzt wurden, aber immerhin ein Anfang. Ausserdem werden die Beläge aufgehellt und wasserdurchlässiger gestaltet. Mittlerweile ist jedes öffentliche Bauprojekt auf diese Ziele ausgerichtet. Und die Privaten? Neben dem Versuch, über die Raumplanung entsprechende Leitlinien vorzugeben, haben wir kürzlich kommunale Fördermassnahmen eingeführt. Sie unterstützen private Projekte zur Begrünung von Fassaden und Flachdächern, zur Beschattung von Aufenthalts- und Verkehrsflächen, zur Schaffung von Wasserflächen, zur Umwandlung versiegelter Flächen sowie zum Aufbau eines flächendeckenden Netzes von Wasserstellen. Ob es funktionieren wird? Das werden wir im Jahr 2050 sehen. Nicola Pini

Spielplätze als Treffpunkt für alle Generationen

Wann ist ein guter Spielplatz ein guter Spielplatz? Für mich ist die Antwort klar: Ein Spielplatz ist dann attraktiv, wenn sich dort alle wohlfühlen – Kinder genauso wie Jugendliche, Eltern, Seniorinnen und Senioren oder einfach Menschen, die eine Pause vom Alltag suchen. Denn: Spielen verbindet. Ob Grosseltern mit ihren Enkeln, Kinder, die sofort miteinander ins Spiel finden, Gleichaltrige oder neue Bekanntschaften, die wie von selbst entstehen. Gemeinsam spielen ist der Motor von starken Beziehungen und engen Freundschaften, die oft ein Leben lang halten. Beziehungen, die auch dann tragen, wenn es im Leben gerade mal schwierig wird. Die Stadt Uster hat das gesellschaftliche Potenzial von Spielplätzen bereits vor Jahren erkannt. Genau darum entstehen unsere Spielplätze auch nicht einfach am Reissbrett. Kinder und Familien werden aktiv einbezogen – ihre Wünsche, Ideen und Bedürfnisse fliessen direkt in die Planung ein. Die städtische Kinder- und Jugendarbeit, Lehrpersonen sowie die Fachbereiche Stadtraum, Natur und Schulraumplanung arbeiten dabei eng zusammen. So entstehen Orte, die wirklich gebraucht und gerne genutzt werden. Meine persönliche Überzeugung: Die besten Spielplätze sind längst nicht jene mit den meisten Spielgeräten. Vielmehr sind es Orte, an denen man so richtig schmutzig werden und seine Fähigkeiten mit allen Sinnen erproben kann. Gleichzeitig sollen sie so gestaltet sein, dass sich auch Kinder und Erwachsene mit Behinderungen hindernisfrei bewegen können. Nur wenn die Spielplätze von Quartiervereinen, Freizeitorganisationen und der Schule gleichermassen bespielt werden, entstehen neue Lieblingsplätze für alle. Uster ist eben eine Stadt für alle! Barbara Thalmann

Sich für seine Gemeinde engagieren: eine verrückte Idee?

Vor zehn Jahren hat mich eine Nachbarin angesprochen: «Hätten Sie nicht Lust, für den Gemeinderat zu kandidieren?» War das wirklich an mich gerichtet? Wie konnte sie mich in der Exekutive meiner Gemeinde sehen? Wie konnte sie sich vorstellen, dass ich dazu in der Lage wäre und vor allem die Zeit dafür hätte? Mich für meine Werte, meine Ideen und meine Überzeugungen tagtäglich einzusetzen, ja, aber für meine Gemeinde? Welche verrückte Idee kam mir da in den Kopf? Ich habe zugestimmt, Ja gesagt, und vor allem wurde ich gewählt! Der feierliche Akt der Amtsvereidigung liess mich zweifeln und erinnerte mich an die Ernsthaftigkeit der Aufgabe. Ich hatte keine Ahnung, welche faszinierende und aufregende Welt ich da entdecken würde. Ich machte mich mit viel Energie, Hingabe und Herzblut an die Aufgabe, erkannte im Laufe der Zeit die Verantwortung und fand ein Gleichgewicht zwischen Privatleben, Familie und Beruf – dabei immer im Hinterkopf, dass mir Menschen, die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde, ihr Vertrauen geschenkt haben. Schnell wurde ich in einen Strudel aus Reglementen, Gesetzen, Sitzungen und Kommissionen hineingezogen, musste Dossiers, Stellungnahmen, Rechnungen und Budgets studieren, auf Anfragen aus verschiedensten Bereichen antworten, weit entfernt von meinem eigentlichen Beruf als Pflegefachfrau! Ja, das braucht Zeit, Energie und einige Opfer, aber es schenkt einem viele bereichernde und schöne Begegnungen, und es ist letztlich das, was unsere Milizdemokratie am Leben erhält. Wenn ein Nachbar Sie eines Tages anspricht: Verlassen Sie Ihre Komfortzone, wagen Sie es, und gehen Sie das Risiko ein! Das Abenteuer lohnt sich! Nathalie Gigandet

Ausgejammert – Arbeitskräftemangel ist eine Chance

Fachkräftemangel? Ja. Aber statt zu klagen, frage ich mich: Was können wir tun? Der Mangel ist real – aber kein Schicksal. Er ist eine Einladung, neu zu denken. Es fehlt längst nicht nur an Fachkräften, sondern an Arbeitskräften generell – in der Pflege, im Gewerbe, in der Verwaltung. Das ist kein Problem, das ist eine Chance. Zuerst einmal für unsere Sozialämter, mehr Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Und eine Chance für jene, die bislang zu schlechten Bedingungen gearbeitet haben, nun aber bessere Perspektiven erhalten. Natürlich ist es auch für Verwaltungen, Werkhöfe und öffentliche Betriebe schwieriger geworden, passende Mitarbeitende zu finden. Doch es gibt Wege: über Lehrstellen, Weiterbildungen und mutige Quereinstiege. Bei uns arbeitet heute eine ehemalige Zimmerin in der Buchhaltung – sie hat sich das nötige Know-how Schritt für Schritt angeeignet. Unsere Bauverwaltung wird in Co-Leitung von zwei Müttern geführt – Fachkräfte, die wir ohne flexibles Modell kaum gewonnen hätten. Und unsere Ratsschreiberin? Sie studiert nebenbei. Klar, das braucht Koordination. Aber genau darin liegt die Chance: Neue Modelle schaffen Lösungen – und oft mehr Qualität, Motivation und Teamgeist. Was es braucht? Eine klare Strategie. Mehr Flexibilität, mehr Zutrauen, mehr Mut. Teilzeit, Jobsharing, Potenzial statt Perfektion. Wenn wir bestehende Strukturen hinterfragen, entstehen Lösungen – und Chancen für alle. 2026 ist für mich das Jahr des Perspektivwechsels. Wir könnten jammern – oder wir können gestalten. Und wir haben uns entschieden: Wir haben ausgejammert. Mathias Müller

Das Doppelleben eines Stadtpräsidenten

Stadtpräsident zu sein, heisst, ständig zwischen sehr unterschiedlichen Welten zu pendeln. Auf einer Seite ist da die Bürgernähe: täglich den Einwohnerinnen und Einwohnern zuhören und ihre konkreten Bedürfnisse wahrnehmen. Das Gesicht der Autorität und der von anderen getroffenen Entscheidungen zu sein. Da gibt es die Probleme des Boccia-Clubs und des lauten Kanaldeckels, die einem erzählt werden, wenn man zwischen einem Arbeitstermin und der Sitzung im Rathaus einkaufen geht. Auf der anderen Seite gibt es Anlässe, die einen auf eine grössere, vielleicht sogar internationale Bühne katapultieren. Wenn man Glück hat – so wie ich –, wird man wenige Monate vor dem Hundert-Jahr-Jubiläum der Verträge von Locarno (einem Abkommen, das ein Jahrzehnt des Friedens und der Zusammenarbeit in Europa garantierte) Stadtpräsident von Locarno. Und so findet man sich in der Locarno Suite im Foreign, Commonwealth & Development Office in London wieder, wo man vor der Aussenministerin des Vereinigten Königreichs eine Rede hält! In diesem Zusammenhang bedeutete Stadtpräsident von Locarno zu sein, ein Stück europäischer Geschichte mitzubringen und an den Wert des Dialogs, des Friedens und der kollektiven Verantwortung zu erinnern. Wenn man hingegen Pech hat, wird man von einer Tragödie heimgesucht, und die Welt blickt deshalb auf einen. Ob man nun verantwortlich ist oder nicht, ändert nichts daran, dass man sich der Situation stellen und sie bewältigen muss. Ich bin mir immer mehr bewusst, dass diese Rolle grosse Verantwortung, aber auch grosse Vielseitigkeit mit sich bringt: in der Region verwurzelt zu bleiben, ohne die Welt um sich herum zu vergessen, und dies im steten Bewusstsein, dass die Tage eines Stadtpräsidenten nie einem einheitlichen Ablauf folgen, sondern durch ständige Zwischenfälle unterbrochen werden. In diesem Sinne: Viel Glück! Nicola Pini

Chance für ein lebendiges Stadtzentrum nutzen!

Wenn ich heute durch Uster gehe, spüre und sehe ich, wie sehr sich das Gesicht unserer Stadt verändert hat. Im Zentrum sind innert Kürze Häuser in die Höhe geschossen, neue Orte, Plätze und Grünräume entstanden. Das Zentrum von Uster wird dichter, urbaner – und vielfältiger. Gerade deshalb ist es mir ein grosses Anliegen, dass wir öffentlichen Begegnungsorten eine besondere Aufmerksamkeit schenken, sie mit Sorgfalt gestalten. Aus diesem Grund freue ich mich ganz besonders über unser angelaufenes Projekt «Attraktives Stadtzentrum». Zusammen mit dem Gewerbe haben wir viele offene Fragen diskutiert und Lösungen gesucht. Die Mitwirkenden brachten Ideen ein, die in die Pläne eingeflossen sind. Ein starkes Zusammenspiel! Selbstverständlich bleiben strittige Punkte, das gehört zu einem so gewichtigen Schlüsselprojekt. Uster ist beileibe nicht die einzige Stadt, die vor der Frage steht, wie ihr Zentrum ein lebendiger Anziehungspunkt bleibt oder gar zu einem neuen Treffpunkt wird. Ich erinnere mich, wie hoch die Wogen gingen, als in Zürich der Limmatquai verkehrsfrei werden sollte. Sind die Läden und Restaurants überlebensfähig, wenn nicht mehr vor der Eingangstür parkiert werden kann? Sie sind es! Ich freue mich, dass wir in Uster nun ein ausgereiftes Projekt haben, ein Herzstück in Form einer Flanierzone, in der sich alle gerne aufhalten, um sich auf einen Schwatz einzulassen, einen Kaffee zu trinken oder einzukaufen. Dabei krempeln wir nicht ganz Uster um. Wir behalten die Gesamtentwicklung unserer Stadt im Blick, nutzen aber die Chance, die ein lebendiges Zentrum allen Ustermerinnen und Ustermern bietet. Barbara Thalmann

Die Macherinnen und Macher unserer Schweiz 

Ich bewundere Kolleginnen und Kollegen, die ihre Gemeinden prägen. Oft frage ich mich: Wie würde ich agieren, stünde ich in Ernen, Blatten oder St. Moritz? In Ernen trägt der Gemeindepräsident Verantwortung fürs Dorf und zugleich fürs Musikdorf – Kultur als Chefsache, seit vielen Jahren erfolgreich. In Blatten, vom Bergsturz verschüttet, wird schon die Rückkehr 2026 geplant – der Gemeindepräsident führt mit Mut und Klarheit durch eine existenzielle Krise und wehrt Zweifel an der Zukunft der Bergdörfer ab. In St. Moritz zeigt der Präsident, was es heisst, weltmännisch und authentisch zu führen – mit Kreativität, Innovationskraft, Ausstrahlung und im Einklang mit seinem Ort. Ich leide und fiebere mit, weil ich weiss: Die grossen Fragen werden nicht in Sitzungssälen bei Bund und Kantonen gelöst, sondern draussen, wo Strassen geräumt, Schulhäuser gestrichen und Brunnen repariert werden. Es gibt klare Entscheide und unmittelbare Verantwortung – immer mit dem direkten Blick in die Augen der Bevölkerung. Und dahinter steckt schlicht enorm viel Arbeit. Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten sind Brückenbauer – zwischen Verwaltung und Bevölkerung, zwischen Alltag und Zukunft. Sie sind Anpackerinnen und Anpacker – sie warten nicht, bis andere liefern. Sie handeln: konkret, greifbar, mutig, fürsorglich. Sie sind Vorbilder – unaufgeregt, aber mit grosser Wirkung. Und sie sind Vermarkterinnen und Vermarkter – sie erzählen die Geschichten ihrer Orte, machen Identität sichtbar und geben Strahlkraft nach aussen. Es gibt keinen schöneren Beruf. Hier zeigt sich, was unsere Demokratie stark macht – nah, menschlich, wirksam. Mathias Müller

Die schwierige Balance zwischen Events und Alltag

Ich schreibe diese Zeilen in Erinnerung an den Sommer, an die Emotionen einer gerade zu Ende gegangenen Jahreszeit. In den letzten Monaten war Locarno Gastgeber vieler Veranstaltungen: des Filmfestivals, Moon&Stars, Luci e Ombre, Notte Bianca und viele andere. Als Stadt legen wir grossen Wert auf diese Events und tun alles, um sie auf lokaler und internationaler Ebene zum Strahlen zu bringen. Denn sie sind positiv, nicht nur in kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht; sie schaffen Räume für Zusammenkunft, Offenheit, Vitalität, Reflexion, Spass und Austausch. Natürlich bringen diese Veranstaltungen für diejenigen, die in der Stadt leben oder arbeiten, auch Unannehmlichkeiten mit sich, und deshalb bedanke ich mich immer wieder bei Menschen und Unternehmen für ihre Geduld und Flexibilität und für ihr Verständnis. Als Gemeinderat versuchen wir kontinuierlich, eine Balance zwischen den grossen Events und dem Alltag zu finden. Dies, um sowohl der lokalen Bevölkerung als auch den Besucherinnen und Besuchern Unterhaltung zu bieten, für einige Wochen eine internationale Hauptstadt des Films und der Kultur zu werden und gleichzeitig die Lebensqualität zu bewahren, die uns zu einer der schönsten Gemeinden macht, in denen man im Tessin leben kann, wie eine kürzlich durchgeführte Studie eines Bankinstituts bestätigt. Diese Rolle führt uns manchmal dazu, schwierige Entscheidungen zu treffen und die Rolle des «Bösen» zu spielen: Wir werden von den Veranstaltern als zu streng, von manchen Bewohnerinnen und Bewohnern jedoch als zu nachgiebig wahrgenommen. Dennoch glaube ich, dass dieses Nebeneinander verschiedener Perspektiven Teil unserer Aufgabe und in gewisser Weise unvermeidlich ist … Oder irre ich mich? Nicola Pini

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