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  • Susanne Rutz, Projektleiterin Energie und Klima, Pusch, und Olivia Guler, Leiterin Kommunikation, Stiftung KliK 1
  • Susanne Rutz, Projektleiterin Energie und Klima, Nadine Siegle, Projektleiterin Kommunikation 1
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  • 10 | 2021 18
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Der weisse Stock und der öffentliche Verkehr

Wenn jemand wenig oder gar nichts sieht, sind alltägliche Dinge wie die richtige Haltestelle aufzufinden, die Fahrgastinformationen abzurufen und in die richtige Buslinie einzusteigen Herausforderungen, die viel Konzentration, Energie und Selbstvertrauen erfordern. Werden die Haltestellen hindernisfrei gestaltet und die Massnahmen richtig angewendet, dann ermöglichen sie Menschen mit Sehbehinderung eine selbständige Mobilität. Gut lesbare Schriften und eine ausgewogene Beleuchtung sind ausserdem für alle Fahrgäste wichtig. Hindernisfreie Bushaltestellen zu erstellen, ist Aufgabe der Strasseneigentümer, das heisst der Gemeinden und Kantone. Während in den letzten Jahren der Entwicklung von Lösungen für hohe Haltekanten viel Aufmerksamkeit geschenkt worden ist, besteht bei der hindernisfreien Ausstattung für sehbehinderte Menschen noch Nachholbedarf. Das Bundesrecht hat für die Anpassung von Haltestellen im Behindertengesetz eine Frist bis Ende 2023 festgelegt. Was es zu erfüllen gilt, wird insbesondere in der Verordnung für die behindertengerechte Gestaltung des öffentlichen Verkehrs sowie in den einschlägigen Normen, z.B. der SN 640 075 «Hindernisfreier Verkehrsraum», geregelt. Und was können Gemeinden tun, um ihre Haltestellen sehbehindertengerecht zu gestalten? Von zentraler Bedeutung ist, an den Haltestellen eine aufgeräumte und einheitliche Situation zu schaffen, so dass sich Betroffene, wenn sie das Liniennetz kennen, mit Hilfe des weissen Stocks auch an jenen Haltestellen orientieren können, die sie nicht täglich nutzen. Das Zusammenspiel weniger Faktoren führt ans Ziel: Abfahrtsanzeige, taktil-visuelle Einstiegsmarkierung und Witterungsschutz einheitlich positioniert, keine Hindernisse auf Wegen, bei Bedarf einzelne Sicherheitsmarkierungen. Als Beispiel für eine gelungene Umsetzung steht der Dornacherplatz in Solothurn: Das weisse Aufmerksamkeitsfeld markiert für Menschen mit Sehbehinderung die Einstiegsstelle an der vordersten Türe des Busses. So warten sie also immer am richtigen Ort. Sobald das Fahrzeug an dieser Stelle hält, kann der Chauffeur angesprochen werden, um zu bestätigen, ob er das gewünschte Fahrziel ansteuert. Am dynamischen Fahrgastanzeiger können sie die Information über die nachfolgenden Busse selbständig über den gelben «Text-to-speech» – Taster abrufen. Muss jedoch länger auf einen Bus gewartet werden, ist auch die Wartehalle dank dem Betonsockel gut ertastbar. Der helle Sockel, der im Kontrast zum Belag steht, ist für Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit visuell gut erkennbar und ersetzt damit die kontrastreiche Markierung, die sonst als Aufprallschutz an den Glaswänden erforderlich wäre. Die für Menschen mit Sehbehinderung erforderlichen Massnahmen sind für unsere hochentwickelte Gesellschaft nachhaltig und zumutbar. Und sie sind einfach umzusetzen. Merkblatt «Hindernisfreie Architektur» : https://hindernisfreie-architektur.ch/normen_publikationen/merkblatt-150-rollstuhlgerechte-ladeplaetze Eva Schmidt

So fördert Innerschwyz private Ladestationen

In vielen Städten und Gemeinden existieren bereits öffentlich zugängliche Parkplätze mit Ladestationen für Elektroautos. Es ist aber davon auszugehen, dass Elektrofahrzeuge in Zukunft vor allem zuhause und am Arbeitsplatz – dort, wo sie am längsten stehen – geladen werden. «Die Ausrüstung von Gebäuden mit der passenden Ladeinfrastruktur leistet deshalb einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg der Elektromobilität», betont Walter Tresch, Bezirksammann des Bezirks Schwyz und Vorsteher der Energie-Region Innerschwyz. «Es ist schliesslich nicht sehr praktisch, wenn man ein Elektroauto besitzt, es aber zuhause nicht laden kann.» Die Energie-Region Innerschwyz ist ein Zusammenschluss aus sieben Gemeinden, dem Bezirk und Kanton Schwyz sowie den drei Energieversorgern EBS Energie AG, Gemeindewerke Arth und EWS AG. Gemeinsam führen sie unter der Federführung des Bezirks Schwyz, der das Energiestadt-Label trägt, Energieprojekte durch. Um die Elektromobilität zu fördern und den Ausbau der Ladeinfrastruktur in der Region anzukurbeln, hat die Energie-Region kürzlich den «E-MobilitätsCheck» lanciert. Das Beratungsangebot zeigt Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümern die individuell passende Ladelösung und ein sinnvolles Vorgehen für deren Ausbau auf. Das Angebot richtet sich ausdrücklich an Personen oder Unternehmen, die voraussichtlich mehrere Ladestationen benötigen werden. Die Rede ist beispielsweise von Mehrfamilienhäusern, Überbauungen, Einkaufszentren oder Hotels. «In Einfamilienhäusern ist es relativ einfach, eine Steckdose für das Elektroauto einzubauen.» Sobald aber mehrere Ladepunkte gebraucht würden, sei es wichtig, den Ausbau von Anfang an richtig aufzugleisen, erklärt Tresch. «Die grösseren Herausforderungen liegen bei Einstellhallen, Parkplätzen, Tiefgaragen oder Parkhäusern.» Reicht die vorhandene Kapazität? Der «E-MobilitätsCheck» beinhaltet eine Begehung der Liegenschaft, bei der die Bedürfnisse und Möglichkeiten vor Ort abgeklärt werden. Zudem muss die generelle Eignung des Gebäudes geprüft und die Ausbaustufe gemäss Merkblatt SIA 2060 ermittelt werden. Der Check legt dabei mehrere Schwerpunkte: · Kapazität: Betrachtet wird die im Gebäude schon vorhandene Kapazität des Netzanschlusses. Da diese begrenzt ist, muss sie optimal genutzt oder allenfalls ausgebaut werden. · Ausbaufähigkeit: «Üblicherweise ist der Bedarf an Ladeinfrastruktur zu Beginn moderat. Es ist ein steigender Prozess», weiss Tresch. In einem Mehrfamilienhaus kauft zunächst eine Partei ein Elektroauto oder E-Bike. Später kommen weitere Fahrzeuge bei den Nachbarinnen und Nachbarn hinzu, und mehr Ladestationen sind gefragt. «Die Infrastruktur muss mit dieser Veränderung mitwachsen können und kostengünstig skalierbar sein.» · Kostenaufteilung: Die Kosten sollen fair verteilt werden, zum einen diejenigen für den Ausbau der Ladestationen, zum anderen aber auch die Kosten für die Nutzung und den Stromverbrauch. «Dafür muss die Ladeenergie gemessen und individuell, je nach Fahrzeug oder Ladestation, zugewiesen und entsprechend abgerechnet werden können.» · Sicherheit: Da Elektrofahrzeuge mit hoher Leistung geladen werden, muss die Sicherheit der Elektroinstallation den geltenden Vorschriften entsprechen. Als Ergebnis des «E-MobilitätsChecks» erhalten die Kundinnen und Kunden einen Kurzbericht in Form eines Grundlagenpapiers, das unter anderem ein Konzept für den Ausbau, eine Kostenschätzung und Empfehlungen für das weitere Vorgehen enthält. Es soll den Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümern als Grundlage dienen, um anschliessend eine Offerte für den Ausbau der Ladestationen einzuholen. «Der Check ist keine Offerte. Er soll lediglich dabei unterstützen, die weiteren Schritte einzuleiten», betont Tresch. Weil der Bezirk Schwyz federführend ist und die Energieversorgungsunternehmen (EVU) der Region die Hauptakteure des Angebots sind, seien bewusst keine weiter gehenden Beratungen enthalten. «Es soll nicht der Anschein entstehen, dass unsere EVU nach der Durchführung des Checks alle Aufträge erhalten. Nach der Beratung können die Personen oder Unternehmen ihre bekannte Elektroinstallationsfirma damit beauftragen und das Grundlagenpapier als Basis übergeben.» Der «E-MobilitätsCheck» kostet 450 Franken, wovon die auftraggebenden Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer lediglich 150 Franken bezahlen. Zu diesem Vorzugspreis kann der Check pro Liegenschaft einmal bezogen werden. Der Bezirk Schwyz steuert pro Beratung 150 Franken bei, die restlichen Kosten übernehmen die EVU, welche die Abklärungen durchführen, als Eigenleistung. «Mit diesem attraktiven Preis möchten wir Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer dazu motivieren, ihre Optionen auch einmal unverbindlich abzuklären und sich damit zu befassen, was in ihrer Liegenschaft in Sachen Ladeinfrastruktur möglich wäre.» Susanne Rutz, Projektleiterin Energie und Klima, Nadine Siegle, Projektleiterin Kommunikation

Ein Auto fährt für alle im Dorf 

Der private Individualverkehr nimmt in der Schweiz weiterhin zu, laut dem Bundesamt für Statistik von 2000 bis 2019 um stolze 30 Prozent. Aber es findet langsam ein Umdenken statt. Mehr und mehr Menschen, auch in ländlicheren Teilen der Schweiz, möchten auf ein eigenes Auto verzichten. Das kann zum Problem werden, etwa wenn der öffentliche Verkehr ungenügend ausgebaut ist. Verschiedene Projekte, Vereine und Unternehmen nehmen sich des Themas an, zwei von ihnen sind «mybuxi «und «Sponti-Car». Während «Sponti-Car» aus Hombrechtikon im Kanton Zürich in seinen Partnergemeinden elektrische Autos in einem Carsharing anbietet, konzentriert sich «mybuxi» mit Sitz in Liebefeld im Kanton Bern auf elektrisch betriebene Rufbusse, um in den erschlossenen Regionen Einzelfahren zu reduzieren. Viele ländliche Gegenden wissen, dass ein Bedarf an Mobilitätsalternativen vorhanden ist, sich die Menschen in der Praxis aber erst daran herantasten müssen. «Grundsätzlich schätzen wir in Mosnang das Bewährte und Funktionierende. Ab und zu wagen wir aber auch Neues, Einzigartiges, mit offenem Ausgang», sagt Max Gmür, Präsident der Energiekommission aus dem st.gallischen Mosnang. Es brauche neben dem Bedarf auch Mut und Geduld, wenn man neue Mobilitätskonzepte in einer Gemeinde etablieren möchte. Aber wie können solche Konzepte konkret aussehen? «Sponti-Car» ist ein Carsharingdienst. Seit 2016 buchen Nutzerinnen und Nutzer über eine App den Wagen ihrer Gemeinde und holen ihn vor Ort am Standplatz ab. Die Nutzung wird im Anschluss an die Fahrt individuell abgerechnet. In diesem Jahr lancierte «Sponti-Car» aber zusätzlich das Projekt «Ein Dorf, ein Auto»: Teilnehmende Gemeinden können so ihren Einwohnerinnen und Einwohnern ein Kontingent an Fahrstunden anbieten. «Eine enge Zusammenarbeit mit den Gemeindeverwaltungen ist Teil des Konzepts», sagt Mark Ritzmann, Geschäftsführer von «Sponti-Car». Die Gemeinden stellen den Standplatz inklusive Stromanschluss zur Verfügung. «Sponti-Car» kümmert sich um den Rest, von der Reinigung der Fahrzeuge übers Buchungssystem bis zur Abrechnung. Laut Ritzmann werden die «Sponti-Car»-Autos häufig von Angestellten der Gemeindeverwaltung genutzt, das Angebot richtet sich aber an alle Einwohnerinnen und Einwohner eines Dorfes. Rund 35 Gemeinden in der Deutschschweiz und in Liechtenstein nutzen zurzeit «Sponti-Car», im Pandemiejahr 2020 kamen mehr als 230’000 elektrisch gefahrene Kilometer zusammen. «Gemeinsam haben wir mit den Gemeinden über 65 Tonnen CO₂ eingespart und zusammen mit myclimate kompensiert», so Ritzmann. Anstelle des Individualverkehrs zielt «mybuxi» mit seinen Rufbussen auf einen Fahrdienst ab. Der Name setzt sich aus «Bus» und «Taxi» zusammen, erklärt der Geschäftsführer Andreas Kronawitter. «Man bestellt es wie ein Taxi, aber fährt zusammen wie im Bus.» Der Verkehr habe mit einem Drittel einen hohen Anteil am CO₂-Ausstoss und am Energieverbrauch der Schweiz; drei Viertel davon gingen aufs Privatauto zurück. «mybuxi» möchte den öffentlichen Verkehr mit seinem Fahrdienst ergänzen, Fahrten zusammenlegen und so den Einsatz von Privatautos reduzieren. Gestartet wurde das Projekt im April 2019 in Herzogenbuchsee, es folgte die Erschliessung des Emmentals und ab Juli der Gotthardregion. Der Betrieb in Ostermundigen-Stettlen musste wegen der Pandemie temporär eingestellt werden, aber Kronawitter hofft, bis 2025 die Schweiz flächendeckend bedienen zu können. Gebucht werden die Fahrten über eine App, seit der Gründung hat «mybuxi» mehr als 60 000 Passagiere befördert – ausser im Emmental immer in elektrischen Bussen. Anders als «Sponti-Car» ist «mybuxi» nicht aufgrund der Infrastruktur auf eine enge Zusammenarbeit mit Gemeinden angewiesen. Es gibt zum Beispiel keine beschilderten Haltestellen. Die öffentliche Hand spiele aber mit Gemeindebeiträgen eine Rolle bei der Finanzierung des Projekts. Rund die Hälfte soll laut Kronawitter durch Ticketverkäufe gedeckt werden, die Gemeindebeiträge dürften maximal 20–25 Prozent ausmachen. Im Gegenzug erhalten die Gemeinden die Möglichkeit, ihre Ideen und Wünsche in Steuerungssitzungen einzubringen. «Es ist wichtig, dass die Gemeinden mit uns an einem Tisch satzen», sagt Kronawitter. «Wir kennen dann ihre Anliegen und können gemeinsam die besten Lösungen finden.» Corona hat es beiden Projekten schwerer gemacht, neue Interessenten zu finden. Menschen fühlten sich eventuell unwohl, ein Auto mit Unbekannten zu teilen, vermutet Mark Ritzmann. Andreas Kronawitter bemerkte einen Rückgang der Buchungen aufgrund der Homeofficepflicht. Seit Juni treffen wieder vermehrt Anfragen von Gemeinden ein. Bis die Bevölkerung das Konzept vollständig akzeptiere, brauche es einige Zeit. Er empfiehlt deshalb einen Pilotbetrieb von zwei Jahren Dauer. Dass der Mobilitätswandel Zeit benötigt, denkt auch Max Gmür. Im laufenden Jahr endet die dreijährige Pilotphase für «Sponti-Car» in Mosnang. Es sei nicht schlecht gelaufen, habe aber noch nicht den gewünschten Erfolg gezeigt. Statt den Vertrag auslaufen zu lassen, ging seine Gemeinde einen Schritt weiter: Mosnang offeriert seit Juli allen Einwohnerinnen und Einwohnern zwölf Gratisstunden mit dem E-Auto. Gmür erhofft sich so, das Carsharing im Dorf populärer zu machen. «Zumindest die zwölf Gratisstunden wird sich ja niemand entgehen lassen wollen», sagt Gmür und lacht. Informationen: www.bybuxi.ch; www.sponti-car.ch Sascha Erni

«Wenn alle gemeinsam an einem Strick ziehen, wird es eine gute Sache»

Robins Noten waren hervorragend. Im Herbst 2019 zeigte sich klar, dass der 11-jährige Bub es von der Mittelstufe Untersiggenthal in die Bezirksschule nach Turgi schaffen würde – von der dreigliedrigen Oberstufe im Kanton Aargau, ist die Bezirksschule derjenige Schultyp mit den höchsten Anforderungen. Doch nach anfänglicher Freude folgte schnell die Ernüchterung – Robin ist aufgrund einer Muskelerkrankung auf den Elektrorollstuhl angewiesen. Viele Unterrichtszimmer in Turgi waren nicht hindernisfrei zugänglich. In dieser Situation wandte sich die Gemeinde Turgi an die Abteilung Bauen von Procap Schweiz. Procap berät als grösste Selbsthilfeorganisation für Menschen mit Behinderung betroffene Personen und Behörden in solch schwierigen Situationen. Die Bauberater von Procap entwickelten in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Turgi eine Lösung, die teilweise von der IV mitfinanziert werden konnte. Die realisierten beiden Vertikallifte ermöglichen es Robin nicht nur, die Schule zu besuchen, sondern bieten auch viele weitere Synergien, wie nachfolgende Interviews zeigen: Urs Wilhelm: Das integrative Schulmodell gibt es bei uns bereits seit dem Jahr 2000. Heute wird der Begriff jedoch nicht mehr verwendet, weil er die Andersartigkeit betont. Seit 2020 sprechen wir nur noch von Regelschule und Sonderschule. Die Regelschule ist der Normalfall für alle zu Beschulenden, auch für Schülerinnen und Schüler mit körperlicher, sensorieller und kognitiver Einschränkung. Die Schulung und Förderung von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung hat Auswirkungen darauf, wie der Unterricht und der Schulbetrieb organisiert werden müssen, auch in Zusammenarbeit mit Fachpersonen. Wichtig für einen Erfolg ist die Einstellung der Lehrpersonen, allenfalls muss die Schulleitung daran arbeiten. Im Aargau gibt es einen behinderungsspezifischen Beratungs- und Begleitdienst für Schülerinnen und Schüler. Der Kanton hat dazu eine Leistungsvereinbarung mit der Organisation ZEKA, die als Bindeglied zwischen Schule und Schülern sowie Eltern funktioniert. Für die bauliche Infrastruktur der Regelschulen sind die Gemeinden verantwortlich. Das Leben besteht nicht nur aus Beruf und Schule, sondern beinhaltet auch Freundschaften, soziale Teilhabe und gesellschaftliche Einbindung. Ein ausgewogenes Verhältnis ist hierbei wichtig für die emotionale Entwicklung junger Menschen. Eine Schule in gewohnter Umgebung besuchen zu können, kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Es ist uns klar, dass viele ältere Schulhäuser nach anderen Richtlinien gebaut worden sind, entsprechend den damaligen pädagogischen Lehren und basierend auf den gesellschaftlichen Auffassungen und technischen Standards. Es ist darum wichtig, dass sich die Gemeinden mit der Bewirtschaftung und Entwicklung ihrer baulichen Infrastruktur auseinandersetzen, um im Fall der Einschulung eines Kindes mit Behinderungen bereit zu sein. Markus Schneider und Adrian Schoop: Im Frühling 2019 hat unsere Schulleitung vom ZEKA erfahren, dass Robin im Sommer 2020 aus der Nachbargemeinde Untersiggenthal in die Bezirksschule nach Turgi kommen möchte und auf einen Elektrorollstuhl angewiesen ist. Deshalb hatten wir nur wenig Zeit, uns darauf einzustellen. Es standen in der Region drei Bezirksschulen zur Disposition. Die meisten Schülerinnen und Schüler der Bezirksschule aus Untersiggenthal gehen nach Turgi, somit war es auch der Wunsch der Eltern, dass Robin mit seinen Klassenkameraden nach Turgi kommt. Unser Schulhaus ist eine dreigeschossige Anlage aus den siebziger Jahren mit rollstuhlgängigem Erdgeschosszugang, die Geschossverbindungen ins UG und OG bestanden jedoch ausschliesslich aus Treppen. Das Schulhaus in Obersiggenthal hatte zwar einen Warenlift, es wäre jedoch eine aufwendige Umrüstung auf Personentransport nötig gewesen, und Wettingen ist zwar rollstuhlgängig, jedoch am weitesten entfernt. Für uns war nicht vorstellbar, dass man Robin nur wegen des Rollstuhls als einzigen Schüler aus Untersiggenthal nach Wettingen schicken würde, und somit suchten wir eine Lösung bei uns in Turgi. «Entscheidend sind eine klare Kommunikation und Transparenz zwischen Eltern, Lehrern und Behörden». Adrian Schoop, Gemeindeammann von Turgi Entscheidend sind eine klare Kommunikation und Transparenz zwischen Eltern, Lehrern und Behörden. Wenn alle gemeinsam an einem Strick ziehen, wird es eine gute Sache. Für unsere kleine Gemeinde war die grösste Herausforderung die kurzfristige Finanzierung. Thomas Fritschy: Im Spätsommer 2019 wurde ich von der Schulleitung orientiert, dass im August 2020 ein Schüler aus Untersiggenthal in die Bezirksschule eintreten soll. Ich wusste, dass das Schulhaus nicht rollstuhlgängig ist. Mein erster Gedanke deshalb: Wie gehen wir jetzt vor? Ich habe darum umgehend die Bauberatungsstelle von Procap kontaktiert. Ich kenne die Fachstelle aus meiner Tätigkeit als Bauverwalter und weiss, dass die Architektinnen und Architekten von Procap sehr gut Bescheid über bauliche Anpassungen für Menschen mit Behinderung wissen. Die Architektin von Procap hat uns vor Ort die verschiedenen Varianten von Treppenliften und Vertikalliften erklärt. Mit Treppenliften hatte ich bereits Erfahrung aus meiner vorhergehenden Tätigkeit und wusste, dass diese für Materialtransporte nicht geeignet sind. In der Offertphase mit dem Liftbauer hat sich gezeigt, dass Vertikalplattformlifte viele Vorteile haben und in unserem Fall nur unwesentlich mehr kosten: Sie fahren schneller, jegliche Transporte für Personen und Material sind möglich, und der Personendurchgang auf der Treppe wird nicht eingeschränkt. Procap hat die Abklärung mit der IV koordiniert, worauf die SVA Aargau Anfang 2020 einen Kostenbeitrag für zwei Treppenlifte gutsprechen konnte. Den nicht budgetierten Mehrpreis konnten wir mittels Gemeinderatsbeschluss ins laufende Budget integrieren. Wichtig war auch, dass Procap uns einen erfahrenen Architekten für den Umbau empfehlen konnte – wir sind für solche Dinge zu wenig spezialisiert. Als Liegenschaftsverantwortlicher der Gemeinde sollte man frühzeitig wissen, wo bauliche Massnahmen erforderlich sind. Im Idealfall kennt man den zukünftigen Schüler bereits mehrere Jahre vorher. Der Worst Case hingegen ist, wenn eine Familie kurzfristig zuzieht und ein Kind im Rollstuhl zur Einschulung anmeldet. Das grösste Problem für mich war die nicht geplante, kurzfristige Finanzierung. Hier sollte der Kanton den Gemeinden mehr Hilfestellung leisten, etwa mit einem Ausgleichsfonds. Dann könnten Gemeinden unkompliziert Geld beziehen und die Rückzahlungen ins zukünftige Budget aufnehmen. Es ist zudem wichtig, dass bei Neubauten, Umbauprojekten und Gebäudeanalysen dem hindernisfreien Bauen Beachtung geschenkt wird. Hier kann ich den Beizug von Procap als Partner empfehlen, denn mit dieser Hilfe können Situationen richtig analysiert und zweckmässige Umsetzungen konzipiert werden. Fabian Schwitter: Ich kenne Treppenlifte und bin davon nicht begeistert. Sie fahren langsam und sind nur für sitzende Personen geeignet. Robin hätte zirka drei Minuten gebraucht, um ein Geschoss zu überwinden. Eine zu lange Zeit, um in kurzen Pausen die Schulzimmer zu wechseln. Der Einbau von Vertikalliften war in diesem Fall mein Wunsch, die grossen Treppenaugen waren für diese Lösung prädestiniert. Ich war bereits an der ersten Sitzung dabei. So konnte ich meine Vorstellungen einbringen. Die Lifte laufen sehr gut. Robin kann dank der automatischen Türen und einer Steuerung am Rollstuhl die Anlage selbstständig benutzen. Der Vertikallift dient auch unserem Hausdienst. Früher mussten wir zu zweit die Reinigungsmaschine hochtragen. Heute kann eine Person diese transportieren, dadurch wird unsere Arbeit rationeller. Und dasselbe gilt natürlich auch für anderen Warentransport. Nein. Für uns alle ist es die optimale Lösung. Procap betreibt direkt oder in Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen in jedem Kanton eine Bauberatungsstelle. Remo Petri

Das Klassenzimmer der Zukunft an der Swissdidac Bern

Die Swissdidac Bern präsentiert auch 2021 eine attraktive Themenvielfalt. Das Spannungsfeld zwischen analog und digital bildet den roten Faden der Bildungsfachmesse und zieht sich konsequent durch alle Ausstellungsbereiche. Neben den bewährten Bereichen wie MINT, Lehr- und Lernmitteln, Spielen, Multimedia, Gesundheit, Musik und Sport, Robotik, früher Förderung, Schreiben und Gestalten sowie den Raumkonzepten, stehen weitere neue Bereiche für Start-ups, Klassenfahrten und Kleinverlage im Fokus. Als Wissens-, Netzwerk- und Dialogplattform sowie als relevanteste Bildungsfachmesse der Schweiz verbindet die Swissdidac Bern die Akteurinnen und Akteure der Bildungswelt. An der Swissdidac Bern werden unter anderem spannende Raumkonzepte fürs Klassenzimmer der Zukunft präsentiert, die beispielsweise die Stadt Luzern kennt. Im Sinne einer Bildungsoffensive wird die Stadt Luzern in den kommenden Jahren mehrere Schulhäuser neu bauen, erweitern oder sanieren. So auch das Schulhaus Staffeln, das letztes Jahr erneuert wurde. Auf der gesamten Fläche bilden drei Gebäude ein Ensemble. Die Primarschule mit ihren 24 Klassenzimmern und Nebenräumen ist in sechs pädagogische Einheiten gegliedert. Eine Einheit besteht jeweils aus vier Klassenzimmern und zwei Gruppenräumen. Nach einer umfassenden Evaluation hat sich die Stadt entschieden, am Mobiliarstandard von Novex-Möbelbau festzuhalten. Die Funktionalität, die Stabilität, die Kombinierbarkeit und nicht zuletzt auch das Produktdesign haben sich im anspruchsvollen Primar- und Sekundarschulalltag bewährt. In allen Klassenzimmern kam im Schulhaus Staffeln ein flexibler Raumteiler konsequent zum Einsatz. Ein weiteres Highlight ist der Schiebetürschrank mit emaillierter und magnetischer Oberfläche. Er bietet nicht nur Stauraummöglichkeit, sondern kann gleichzeitig auch als Whiteboard genutzt werden. Swissdidac Bern

Das «Internet of Things» hilft beim Energiesparen im Alltag

Ein bisschen bedauerlich ist es ja schon. Bis vor einem Jahr schaute der freundliche Herr alle sechs Monate herein, um im Keller den Wasserzähler abzulesen. Der Ablauf war stets derselbe: «Schon wieder? Ja, gell! Wie die Zeit vergeht.» Man staunte also und lachte, hielt einen Schwatz, tauschte das Neueste aus, und wäre er nicht immer unter Zeitdruck gewesen, hätte man wohl auch den einen oder anderen Kaffee angeboten. Dann wurde der Wasserzähler durch ein Funkmodell ersetzt. Mobile Zählerfernauslesung. Nun braucht der freundliche Herr nur mehr in Zählernähe vorbeizurollen in seinem Fahrzeug, schon fliegen ihm die Verbrauchsdaten entgegen. Und kurz darauf flattert dann die Rechnung ins Haus. Was der Empfänger als «ein bisschen bedauerlich» empfindet, ist für den Wasserversorger praktisch. Denn es spart Zeit, Arbeitsaufwand und Kosten. Wie oft musste der freundliche Herr früher zwei-, ja dreimal klingeln, bevor er mich auch tatsächlich zuhause erwischte? Zähler aus der Ferne auszulesen ist nur ein kleiner Schritt auf dem Weg zur Smart City, der intelligenten Stadt. In ihr wird, was immer offline war, mit dem Internet verbunden und so Teil von einem gigantischen Netzwerk. Das vereinfacht nicht nur Gewisses immanent (siehe Ablesung Wasserzähler), es hat auch direkten Einfluss auf den Verbrauch. Denn es hat sich gezeigt, dass Endnutzer, die ihren Stromverbrauch per App verfolgen und ihrem Wasserverbrauch in Echtzeit auf den Fersen sind, automatisch sparsamer mit den Ressourcen umgehen. Die Kaffeemaschine, die per Smartphone-App vom Bett aus vorgeheizt wird, damit nach der Dusche eine Minute mehr fürs Schlürfen bleibt, mag den Eindruck einer Spielerei erwecken. Doch wer mag heute auf die Kaffeemaschine verzichten? Die war einst auch Spielerei. «Internet of Things» lautet das Stichwort, oder kurz: IoT. Das IoT vernetzt traditionell analoge Dinge mit dem Internet und damit also mit dem Nutzer und der Nutzerin. Lichtschalter, Rollläden, Bodenheizung, Alarmanlage, Türschloss. Und die Heizung. Gerade sie birgt ein besonders grosses Potenzial, gerade dann, wenn man um den Betrieb öffentlicher Gebäude denkt, Gemeindeverwaltungen, Schulen, Turnhallen. Nicht nur, weil der Abwart am Sonntagabend von zuhause aus die Temperatur rechtzeitig für den Unterrichtsbeginn am Montagmorgen von zuhause aus hochregeln kann. Sondern vor allem, weil sich eine Heizung so effizienter betreiben lässt; weil sich die Raumtemperatur überhaupt per Fernbedienung regeln lässt; und weil diese stets auf dem Smartphone, dem Tablet oder dem Computer zugänglich ist. Beispiel Ferienwohnung: Mit dem Telebutler etwa lässt sich die Heizung von zuhause aus fernsteuern. Die Telebutler-Anbieterin Cadec AG mit Sitz in Worb stellt Heizkostenersparnisse von bis zu 50 Prozent in Aussicht. Das gilt natürlich entsprechend auch für die CO 2 -Emissionen. Bei geschätzten 420000 Zweitwohnungen in der Schweiz ergäbe sich daraus ein enormes Einsparpotenzial. Zweitwohnungen stehen nämlich gemäss der Stiftung myclimate, die Klimaprojekte fördert, durchschnittlich während 300 Tagen im Jahr leer. Ausserdem befinden sie sich vorwiegend in Berggebieten mit langen Heizperioden. Bei Abwesenheit regeln die Eigentümer die Raumtemperatur gewöhnlich nur um wenige Grad herab. Gemäss myclimate wären Absenkungen bis zu einer Raumtemperatur von zwölf Grad problemlos möglich. Pro Jahr winken Kosteneinsparungen von 400 Franken. Einen anderen Ansatz verfolgt der Energy Valve der Hinwiler Firma Belimo. Der Energy Valve ist ein eigentliches Ventil, das bei unveränderter Raumtemperatur den Energieverbrauch mindert. Und weniger Energie bedeutet in der Schweiz noch immer vorwiegend: weniger Heizöl und also weniger CO 2 . Wie aber hilft da ein Ventil? Im Heizsystem eines mehrstöckigen Gebäudes sollte eigentlich ein Regelventil dafür sorgen, dass der Wasserdurchfluss dynamisch geregelt wird. Das wird in der Praxis allerdings selten gemacht. Ganz im Gegenteil: «Der statische hydraulische Abgleich wird immer auf 100 Prozent Volllast ausgelegt; eine Situation, die in der Realität sehr selten auftritt.» Das sagt Rony Riedo, Belimo-Verkaufsleiter in der Schweiz. Jedes Mal, wenn jemand am Temperaturregler eines Radiators dreht, schaltet sich der Energy Valve ein, um den Wasserdurchfluss zu optimieren, was zu einer Energieeinsparung durch eine Steigerung der Effizienz führt. Hier kommt IoT ins Spiel. Die Ventile der Belimo sind nämlich smart. Ihre Daten fliessen in einer Cloud zusammen. Hier zeigt anschliessend etwa ein Monitoring auf, wo die Wärme in einem Gebäude hinfliesst, und wo sie allenfalls verschwendet wird. Dadurch lassen sich wiederum Verbräuche optimieren. Während die meisten Angebote auf dem Markt mit Abonnementsgebühren verknüpft sind, ist diese Dienstleistung bei Belimo kostenlos. «Ausserdem sind Daten», sagt deren Business Development Manager Daniel Senn, «matchentscheidend für eine erfolgreiche Betriebsoptimierung.» Damit hat das Unternehmen den zweiten Platz des von der Swisscom ausgelobten «IoT Climate Award» 2021 errungen. Ein autonomes Energiemanagement bietet die Cleveron AG im bernischen Stettlen an. Ihre Sensoren messen die Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftqualität in allen Räumen und erkennen dabei sogar die An- oder Abwesenheit von Personen. Daraus erstellt das System Modelle und passt die Raumtemperatur den Gewohnheiten der Bewohner an. Wenn Herr Müller also gewöhnlich zwischen acht und 18 Uhr unterwegs ist, regelt das System die Temperatur herunter und für seine Rückkehr rechtzeitig wieder hoch. Für den einzelnen Tag mag das nicht den grossen Unterschied machen. Aber für einen Monat, den Winter, das ganze Jahr über schon. Und es gibt viele Herren Müller. So kommt es, dass Cleveron mit einem Ersparnispotenzial an CO 2 -Emissionen von 30 Prozent kalkuliert. Besonders in Schulen sieht das Startup grosses Potenzial. Ihr Ziel ist es, das System bis 2023 in 1000 Schweizer Schulen zu integrieren und so zehn Millionen Tonnen CO 2 einzusparen. Hier kommt wiederum die Messung der Luftqualität zum Tragen, die ja in pandemischen Zeiten nicht belanglos ist. Eine dieser Schulen ist die Kronenwiese in Adliswil (ZH). Im Gebäude mit rund 5700 Quadratmetern Nutzfläche wurden 81 Thermostate und 20 Sensoren von Cleveron installiert. Damit wird nun die Temperatur in 33 Räumen separat reguliert. Von Tag 1 an sparte die Schule so 15 Prozent Heizenergie ein. Einbezogene Wetterprognosen und Algorithmen erstellen Modelle, wodurch das System Nutzungsgewohnheiten für jeden einzelnen Raum erstellt. «So werden gezielt nur jene Räume beheizt, die auch Wärme zum jeweiligen Zeitpunkt benötigen», sagt Andreas Kunz, Projektleiter Liegenschaften der Stadt Adliswil. Diese hat dafür übrigens den Innovationspreis 2020 des Schweizerischen Verbands für kommunale Infrastruktur gewonnen. Ein weiteres Beispiel einer smarten Heizlösung mit zünftig Einsparpotenzial kommt aus dem freiburgischen Givisiez. Dort ist die Ecco2 Solutions AG zuhause. Das Unternehmen berechnet den Heizenergiebedarf aufgrund lokaler Wetterprognosen. Stündlich werden diese Wetterdaten per Internet an die Temperaturregler der angehängten Heizsysteme geliefert. Die reagieren entsprechend und senken den Heizenergiebedarf um bis zu 20 Prozent, und das selbst bei älteren Gebäuden. Neben den IoT-Lösungen für den Gebäudebereich schreitet die Entwicklung neuer Anwendungen rasch voran. Um Infrastrukturen smart zu machen und so Ressourcen zu schonen. Ob mit einer effizienteren und also nachhaltigeren Wasser-, Strom- und Wärmeversorgung; mit Tools für einen effizienteren Betrieb von Fahrzeugflotten oder Maschinenparks; oder mit Lösungen, um die Stadtentwicklung datenbasiert voranzutreiben. Weitere Informationen: https://www.cadec.ch https://www.belimo.com/de https://cleveron.ch https://www.ecco2.ch Lucas Huber

Energiewende: Transparenz dank dem Energiereporter

Die seit April 2021 aufgeschaltete Plattform zeigt ausgewählte Indikatoren mit starkem Energiebezug, die laufend aktualisiert werden. So kann die interessierte Nutzerin oder der interessierte Nutzer den Ausnutzungsgrad von Elektroautos, Solarstrom oder die Installation von Heizungen mit erneuerbarer Energie in der Wohngemeinde im Zeitverlauf beobachten und sogar mit anderen Gemeinden vergleichen. Das regt zu Diskussionen und konkreten Verhaltensänderungen an. Der Energiereporter zeigt somit konkret, wie Digitalisierung im Energiesektor einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten kann. Das erklärte Ziel der digitalen Plattform ist es, mehr Transparenz bei der Entwicklung der Schweizer Energiezukunft zu schaffen und die Bevölkerung zur Transformation des Energiesystems zu sensibilisieren. Mit der neu geschaffenen Informationsgrundlage können so Handlungsbedarf aufgedeckt und unterstützende Aktionen in den so wichtigen dezentralen Strukturen initiiert werden. Das Bundesamt für Energie (BFE) beobachtet laufend die aktuellen Entwicklungen im Schweizer Energiesystem, bei der Digitalisierung und der Innovation. Es arbeitet kontinuierlich an digitalen Innovationen und der Verbesserung von Datenverfügbarkeit, um die nachhaltige Energiezukunft der Schweiz zu unterstützen. Der Energiereporter ist ausdrücklich an Städte und Gemeinden gerichtet, welche als kleinste politisch handlungsfähige Einheiten am nächsten bei ihren Bewohnern und Bewohnerinnen sind und so direkt aktiv werden können. Ab sofort werden sie durch den Energiereporter mit den aktuellsten Informationen versorgt, so dass die Transformation des Schweizer Energiesystems auf lokaler Ebene weiter Fahrt aufnehmen kann. Die Plattform Energie Reporter steht den Schweizer Gemeinden und der interessierten Öffentlichkeit in drei Landessprachen zur Verfügung. Informationen: https://www.energieschweiz.ch/tools/energiereporter https://energiereporter.energyapps.ch Matthias David Galus

Geothermie : Davos nutzt die Wärme aus dem Grundwasser  

Mit dem Bau von thermischen Netzen schaffen Gemeinden eine wichtige Infrastruktur. Gemäss dem «Weissbuch Fernwärme» des Verbands Fernwärme Schweiz (VFS) wäre es möglich, bis 2050 rund 38 Prozent des Wärmebedarfs über thermische Netze abzudecken. Heute beliefern die fast1000 thermischen Netze der Schweiz, gemäss dem Faktenblatt von EnergieSchweiz, sechs bis acht Prozent des Bedarfs mit Wärme. Ein interessantes Beispiel bietet Davos. Die Bündner Gemeinde mit rund 12600 Einwohnern und Einwohnerinnen setzt mit ihrer energiepolitischen Strategie auf eine verstärkte Förderung und Nutzung von einheimischen, erneuerbaren Energien sowie auf eine kontinuierliche Erhöhung der Energieeffizienz. Im Interview berichtet Simi Valär, Landrat und Departementsvorsteher Hochbauamt, Energie und Umweltschutz, von den Erfahrungen der Gemeinde, welche die Möglichkeit einer geothermischen Nutzung (siehe Kasten) sorgfältig untersuchen liess: Simi Valär: Für die Gemeinde stellte das Projekt sowohl organisatorisch als auch finanziell eine grosse Herausforderung dar. Organisatorisch gesehen war die Gemeinde in der angenehmen Lage, über eine Fachstelle Umwelt zu verfügen, welche nicht nur das Projekt über die gesamte Dauer organisatorisch geleitet und koordiniert hat, sondern auch für das zuständige Departement und die Exekutive die notwenigen Beschlüsse vorbereitet hat. Die Investitionen und Abklärungen – insbesondere im Zusammenhang mit der Nutzung des Fels- oder Kluftaquifers (mitteltiefe Geothermie) waren sehr aufwendig und auch kostspielig. Die Gemeinde war hier auf eine fachliche und finanzielle Unterstützung durch den Bund und den Kanton angewiesen. Valär: Auch bei der Nutzung der Geothermie muss die Nachhaltigkeit berücksichtigt werden. Grundsätzlich kann nicht mehr Wärme oder Wasser entnommen werden, als nachfliesst. Dies erfordert eine möglichst gute Bilanzierung sowie ein Monitoring. Um Nutzungskonflikte zu vermeiden, müssen bestehende Anlagen geschützt werden. Dies gilt insbesondere dort, wo bereits viele Erdwärmesonden existieren oder im Abstrombereich von Grundwasserrückgaben. Valär: Klimaschutz und Klimaanpassung werden auch in Davos - unabhängig von der politischen Amtszeit – eine Herausforderung bleiben. Die Gemeinde hat in Zusammenhang mit der Nutzung der Geothermie verschiedene Grundlagen erarbeitet, die heute und auch den zukünftigen Amtsträgern zur Verfügung stehen. Mit der Überarbeitung des Grundwassermodells und dem daraus abgeleiteten Nutzungskonzept für die untiefe und mitteltiefe Geothermie sowie mit einer im letzten Jahr erstellten thermischen Modellierung hat die Gemeinde das Projekt weiter vorangetrieben und fortschrittliche Planungsgrundlagen für die Zukunft geschaffen. Valär: Die geologische Situation ist nicht überall gleich. Nicht jede Gemeinde hat einen geothermisch nutzbaren Fels- bzw. Kluftaquifer im Untergrund. Aber für diejenigen Gemeinden, welche ihr Wärmenutzungspotenzial dort vermuten und dies abklären möchten, haben wir im Auftrag des Bundesamtes für Energie (BFE) unsere Erkenntnisse in einer Fallstudie zum Geothermieprojekt Davos zusammengestellt. Darin sind alle angewandten Methoden zur Erkundung, Erschliessung und Nutzung des Kluftaquifers aufgeführt und bewertet. Davos baut Wärmeverbünde nicht selber, das macht die EWD Elektrizitätswerk Davos AG (EWD AG), welche schweizweit tätig ist. Die Gemeinde ist jedoch mit Gemeindebauten an deren Wärmeverbünde angeschlossen. Was für Erfahrungen haben Sie mit dem Anschluss an Wärmenetze gemacht? Valär: Die Erfahrungen sind sehr positiv. Wärmenetze aufgebaut aus Grundwasserwärmenutzung liefern saubere und erneuerbare Energie. Die Zusammenarbeit mit der EWD AG als Wärmelieferant funktioniert bestens. Weil die Anschaffungskosten für Heizungsanlagen mit Grundwasser oder Erdwärme relativ hoch sein können, bietet das Energiecontracting hier eine gute Alternative, insbesondere auch für private Haushalte. Die Liquidität kann geschont werden und Wartungskosten werden vom Wärmelieferanten übernommen. Eine lange Lebensdauer der Heizungsanlage und ein störungsfreier Betrieb kann so gesichert werden. Informationen: *Quelle: Studie Weissbuch «Fernwärme Schweiz VFS Strategie», erwähnt in energeia plus – Magazin des Bundesamts für Energie BFE **Quelle: Faktenblatt Thermische Netze, EnergieSchweiz, 2021, S.5 Schlussbericht, Fallstudie Geothermieprojekt Davos www.waermeverbuende.klik.ch/kontakt Gemeindetagung: www.pusch.ch/fuer-gemeinden/energie-und-klima Susanne Rutz, Projektleiterin Energie und Klima, Pusch, und Olivia Guler, Leiterin Kommunikation, Stiftung KliK

Winterthur sucht den Kontakt zu Hausbesitzern mit Ölheizung

Heinz Wiher, Stadt Winterthur, und Stefan Brägger, Stadtwerk Winterthur, erklären im Interview die Methode und weshalb sie anderen Gemeinden empfehlen, ein sol-ches Programm ebenfalls einzuführen. Heinz Wiher: Die Stadt Winterthur hat eine Pionierrolle in der Heizungsersatzberatung. Die in Winterthur kos-tenlose Impulsberatung zielte zu Beginn auf den Ersatz der Ölheizung, um den Anteil fossiler Energie zur Be-heizung von Gebäuden zu reduzieren. Per 2020 hat Energie Schweiz das nationale Programm «Erneuerbar heizen» ins Leben gerufen, das auch von den Erfahrungen der Stadt Winterthur profitiert. Stefan Brägger: Weil «Erneuerbar heizen» auch Gas- und Elektroheizungen umfasst, erweiterten wir unsere eigene Beratung. Die Daten für Gas- und Elektroheizungen sind bei Stadtwerk Winterthur vorhanden und liegen in unserer Verantwortung. Mit diesem Vorgehen war die Gewährung des Datenschutzes ohne weitere Regelungen möglich. Wiher: Die Planung, Bewilligung und Realisierung einer Heizung, die auf erneuerbaren Energieträgern basiert, braucht mehr Vorlaufzeit als ein Eins-zu-eins-Ersatz der bestehenden Heizung. Man muss sich zuerst einen Überblick verschaffen: Welche Vorschriften gelten? Sind Erdsonden erlaubt? Ist ein Wärmenetz geplant? Welche Lösung passt zu meinem Haus? Was kostet mich die Heizung, und kann ich Fördergelder beziehen? Um die Energie- und Klimaziele der Stadt Winterthur zu erreichen, ist ein rascher Wechsel auf Heizsysteme mit erneuerbaren Energieträgern notwendig. Die Impulsberatung ist ein sehr effizientes Mittel, um diesen Prozess zu beschleunigen. Brägger: Durch das direkte Anschreiben der relevantesten Zielgruppen für den Heizungsersatz ist diese Vorge-hensweise sehr effizient und zielgerichtet. Gut informierte Hauseigentümer bereiten sich auf den möglichen Heizungsersatz vor und warten nicht, bis die alte Heizung aussteigt. Das bewirkt den vermehrten Einsatz von nicht-fossilen Heizsystemen. Die Erfolgskontrolle der Beratungsdienstleistung zeigt, dass nach der Beratung nur noch jede fünfte Ölfeuerung wieder durch ein identisches System ersetzt wurde – eine Erfolgsgeschichte. Wir gehen davon aus, dass die aktive Bewerbung des Themas einen Schub für die ganze Branche bewirkt. Die Meldungen aus der Heizungsbranche über volle Auftragsbücher bestätigen dies. Wiher: Aufgrund der klimapolitischen Herausforderungen und der gesetzlichen Anpassungen dazu wird das Thema Heizungsersatz weiter an Relevanz gewinnen. Zur Erreichung der zeitlich sehr ehrgeizigen Klimaziele der Stadt leisten die Beratungsaktivitäten beim Heizungsersatz einen relevanten Beitrag. Wiher: Die Energiefachstelle schreibt Besitzerinnen und Besitzer von Ölheizungen (älter als zehn Jahre) an und bietet eine kostenlose Heizungsersatzberatung an. Im Durchschnitt melden sich danach 21 Prozent bei uns. Beim Besuch vor Ort wird den Kundinnen und Kunden ein umfassender Überblick zu Themen wie technischen und regulatorischen Optionen für den Heizungsersatz, zu finanziellen Aspekten und zum Bewilligungsverfahren vermittelt. Die Kundschaft erhält die ausgefüllte Checkliste der Impulsberatung mit allen besprochenen Themen, und wir bieten auch Unterstützung bei der Vergabe des Auftrages. Brägger: Stadtwerk Winterthur macht dasselbe ergänzend bei Besitzerinnen und Besitzern von älteren Gas- und Elektroheizungen. Wir informieren sie über das Programm «Erneuerbar heizen» und die kantonalen Förderun-gen. Über die Website des Programms finden sie dann die Impulsberaterinnen und Impulsberater. Im Bereich der Gasheizungen ist die Nachfrage nach Impulsberatungen «Erneuerbar heizen» hoch. Wiher: Die überwiegende Mehrheit der Reaktionen der Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer ist sehr positiv. Durch das Gespräch vor Ort wird ein Vertrauensverhältnis geschaffen. Die Energiefachstelle ist eine kompetente Dienstleisterin, die neutral beraten kann, weil sie weder Energie noch Heizsysteme verkaufen will. Die Produkte von «Erneuerbar heizen» werden erfolgreich eingesetzt und unterstützen den schlanken Beratungsprozess. Wiher: Es ist ein sehr effizientes Mittel, um einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele zu leisten. Die Gemeinde ist eine neutrale Beraterin, sie kennt die regulatorischen Vorschriften sowie den Aus- und Rückbauplan der Wärme- und Gasnetze. Sie schafft auch Arbeitsplätze beim lokalen Gewerbe. Ich empfehle allen Gemeinden, sofort mitzumachen. Denn: Die Gemeinde weiss dank der Feuerungskontrolle, wo die alten Öl- und Gasheizungen sind. Diese Zielgruppe kann so gezielt angeschrieben werden. Brägger: Das sehe ich gleich, der Aufbau eines Programms sollte zeitnah beginnen und beworben werden. Jede eins-zu-eins ersetzte fossile Heizung ist ein klimapolitischer Verlust von 15 bis 20 Jahren. Mehr Informationen: erneuerbarheizen.ch/impulsberatung Stefan Glantschnig

Bellach heizt mit Schnitzeln aus dem eigenen Wald

Inmitten des Kantons Solothurn, zwischen der Aare und den grossen Wäldern, liegt die Gemeinde Bellach mit ihren 5200 Einwohnern und Einwohnerinnen. Bellach wollte einen Schritt in eine nachhaltige Zukunft machen und sich von den Ölheizungen verabschieden. Ein Teil der Lösung sollte dabei der 161 Hektar grosse Wald sein, der im Besitz der Bürgergemeinde ist. Bis September 2021 war Bellach noch im Besitz von fünf grossen Ölkesseln, die mehrere Bauten in der Gemeinde beheizt haben. Da die Ölheizungen ersetzt werden mussten und bei einigen Bauten energetische Sanierungen praktisch unmöglich waren, entschied sich die Gemeinde, den nächsten Schritt zu gehen und sich von den fossilen Heizungen zu trennen. Eine CO₂-neutrale Heizlösung sollte her, und da die Bürgergemeinde eine grosse Fläche Wald besitzt, setzte man auf eine Lösung, die es erlaubt, diesen Umstand in das Projekt zu integrieren: Eine Heizzentrale mit Hackschnitzel. Jedes Jahr erntet die Bürgergemeinde knapp tausend Kubikmeter Hackschnitzeln aus ihrem eigenen Wald. So viel würde die Heizzentrale brauchen, um den Bedarf von knapp 700 Megawatt Wärme zu decken. Der Einsatz von Holz für die Erzeugung von Raum- und Prozesswärme stieg von 1990 bis 2019 um 62 Prozent an. Betrachtet man den gesamten schweizerischen Wärmebedarf, macht Holzenergie jedoch nur etwa 12 Prozent aus. Mit den aktuell verfügbaren und nachwachsenden Ressourcen wäre jedoch ein Anteil von über 20 Prozent möglich. Denn im Schweizer Wald wachsen jährlich rund zehn Millionen Kubikmeter Holz – ein grosser Teil davon bleibt ungenutzt. Vom Überangebot an Holz wird nur gut die Hälfte als Energieholz eingesetzt. Diese Heizlösung ist somit auch ein grosser Beitrag zu einer klimaneutralen Schweiz, da beim Verbrennen von Holz nicht mehr CO₂ freigesetzt wird, als wenn es ungenutzt liegen bleibt. Aufgrund der hohen Kosten stellte sich die zunächst geplante unterirdische Heizzentrale beim Schulhaus als nicht umsetzbar heraus. Neue Lösungen wurden gesucht, und man entschied sich, eine oberirdische Zentrale aus vier Beton-containern an einem zentralen Standort in der Gemeinde zu bauen. Damit sie sich optisch gut integriert, wurde sie mit feingliedrigen Holzlatten verschalt. Eine kreative Umsetzung ermöglichte es, nebst den beiden Heizkesseln drei Wärmespeicher mit je 4000 Litern Wasser sowie ein Holzschnitzelsilo zu installieren. Eine Erfolg versprechende Lösung, welche auch noch eine Augenweide ist. Mit einer 400 Meter langen Rohrleitung können nun das Schulhaus mit dem zugehörigen Pavillon, der Kindergarten, die katholische Kirche, die Aufbahrungshalle, das Feuerwehrmagazin und das Gemeindehaus inklusive der Poststelle mit erneuerbarer Raumwärme versorgt werden. Um einen effizienten Betrieb zu ermöglichen und sich dem saisonal stark schwankenden Raumwärmebedarf anzupassen, werden je nach Bedarf die Heizaggregate und die Speicher zu- oder abgeschaltet. Sowohl der Gemeindepräsident Fritz Lehmann als auch der Präsident der Bürgergemeinde Bellach, Beat Heiniger, sind über das gemeinsamen Projekt sehr erfreut: Eine ökologische 330-Kilowatt-Holzheizung ersetze gleich fünf Ölkessel, wodurch jährlich fast 61 000 Liter Heizöl weniger verbrannt würden und die lokale Energie-Ressource Holz genutzt werden könne. Dies bedeute auch 100 Tonnen weniger CO₂-Ausstoss pro Jahr. Das sei ein Meilenstein für die Gemeinde. Langfristige Wärmelieferverträge zwischen der Einwohner- und der Bürgergemeinde garantieren, dass für die Bürgergemeinde als Betreiberin der Anlage eine hohe Investitionssicherheit gewährleistet ist. Informationen: www.ezs.ch/opti-town www.klimapraemie.ch Rahel Roth und Lisa Mathys

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