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Bioprodukte aus der stadteigenen Küche

Die steigende Nachfrage nach Mittagstischen stellt viele Gemeinden und Städte vor die Herausforderung, eine grosse Anzahl von Menüs gleichzeitig bereitstellen zu müssen. So auch in den 14 Bieler Tagesschulen und den 6 Kindertagesstätten, die bis Ende letzten Jahres durch mehrere stadteigene Kleinküchen sowie einen Grossanbieter aus einem anderen Kanton mit Essen versorgt wurden. «Da unsere bestehende Kücheninfrastruktur ausgeschöpft war, mussten wir auf einen externen Caterer zurückgreifen. Als dessen Leistungsvertrag verlängert werden sollte, kam es zu einer politischen Debatte, die sich um den Transportweg, eine lokale Produktion mit regionalen Lebensmitteln und den Einsatz von Einwegverpackungen drehte», erklärt Emanuel Amrein, Generalsekretär der Bieler Direktion Bildung, Kultur und Sport. Aus dieser Diskussion heraus entstand die Gemeindeinitiative «Für eine gesunde Ernährung», die eine nachhaltige und ausgewogene Verpflegung in den städtischen Betreuungsstrukturen forderte. Daraufhin arbeitete der Gemeinderat unter Einbezug der Initiantinnen und Initianten ein entsprechendes Reglement aus, das vom Parlament verabschiedet wurde. Um dem gesetzlichen Auftrag zu entsprechen, entwickelte die Stadt das Label «Gesunde Ernährung», das für ein nachhaltiges Ernährungssystem und strenge Vorgaben steht. Seit Anfang 2023 verwenden die Bieler Mittagstische nur noch frische, vorwiegend saisonale und heimische Bioprodukte, die in einem Umkreis von höchstens 35 Kilometern eingekauft werden. Somit sind die Transportwege kurz, und die Zusammenarbeit mit regionalen Bioproduzenten und -lieferanten wird gestärkt. «Als Grossabnehmer bringen wir Bewegung in Betriebe, die sich bereits mit Umstellungsgedanken getragen haben und nun einen Absatzmarkt sehen», beschreibt Amrein die Auswirkungen des Projekts. Stehen ausnahmsweise Produkte aus dem globalen Süden wie etwa Bananen auf dem Menüplan, so sind diese mit dem Fairtrade-Label Max Havelaar zertifiziert. Auf bedrohte Fischarten und solche, die mit zerstörerischen Methoden gefangen werden, verzichtet man ganz. Nach erfolgter Ausschreibung entschied sich die Bieler Regierung für eine stadteigene Produktion der Mittagstischmenüs im Alterszentrum Redern, da dessen Küche ohnehin renoviert werden musste. Nun werden dort zentral 270 000 Mahlzeiten pro Jahr im Cook-and-Chill-Verfahren zubereitet. Hierfür wird das Essen auf herkömmliche Weise gekocht und anschliessend innerhalb von 90 Minuten direkt auf eine Temperatur von unter 4 °C gekühlt. Dadurch bleiben die Zutaten frisch und knackig, und die Menüs sind ohne Qualitätsverlust lagerbar. Alle zwei bis drei Tage werden die Mahlzeiten in Mehrweggebinden mit einem Elektrofahrzeug an die verschiedenen Schul- und Kitastandorte geliefert. Dort bereitet sie das jeweilige Küchenteam unmittelbar vor dem Essen in einem Steamer auf. Das vermeidet Warmhaltezeiten, und die Nährstoffe bleiben dank der schonenden Zubereitung erhalten. Aufgrund der zentralen Produktion und der effizienten Prozesse liege der Mahlzeitenpreis für die Kinder, der politisch festgelegt werde, bei acht Franken und damit im selben Bereich wie zuvor, so Amrein. «Die Betriebskosten für die Stadt sind bis anhin ebenfalls gleichgeblieben, obwohl wir durch die strengen Vorgaben des Reglements beim Wareneinkauf ein höheres Risiko tragen.» Entscheidend sei, dass keine Querfinanzierung zwischen dem Budget des Alterszentrums und dem der Mittagstische erfolge. Die gemeinsame Produktionsküche müsse sich über den Mahlzeitenpreis tragen können. «Steigen die Waren-, Energie- und Personalkosten weiter, muss der Menüpreis jedoch irgendwann angepasst werden», führt der Generalsekretär weiter aus. «Die Betriebskosten für die Stadt sind bis anhin ebenfalls gleichgeblieben, obwohl wir durch die strengen Vorgaben des Reglements beim Wareneinkauf ein höheres Risiko tragen.» Emanuel Amrein, Generalsekretär der Bieler Direktion Bildung, Kultur und Sport Die Menüpläne sind auf die jeweilige Altersgruppe abgestimmt. Die Kinder erhalten pro Woche zwei vegetarische Gerichte, einmal Fleisch oder Geflügel, einmal Fisch sowie mindestens zweimal Salat und ein Dessert. Zu den Fleisch- und Fischgerichten wird jeweils eine vegetarische Alternative angeboten. Eine ausgewogene Mahlzeit enthält entweder Gemüse oder Salat und ein proteinreiches Lebensmittel wie Eier, Milchprodukte, Fleisch, Fisch oder Tofu sowie ein stärkehaltiges Lebensmittel wie Kartoffeln, Getreide oder Hülsenfrüchte. Zucker und Salz werden nur in geringen Mengen verwendet. Mindestens einmal im Jahr überprüft eine externe Stelle die Qualität des Essens. Dies schreibt das Reglement vor. «Die ‹Gesunde Ernährung› ist von den Eltern und Kindern sehr positiv aufgenommen worden», resümiert Amrein. «Natürlich gab es Mahlzeiten, die nicht so gut angekommen sind, wie etwa der Linsenauflauf. Dort haben wir die Menüpläne in Absprache mit der Küche leicht angepasst.» In der Summe fänden es die Kinder cool, dass ihr Essen nun von einer Produktionsküche in Biel stamme. Nur bei den Mittagstisch-Standorten, die bisher über eine eigene Küche verfügten, habe es eine «Trauerphase» gegeben, in der es zu Rückfragen gekommen sei. «An unserer Schule, die zuvor durch den externen Caterer beliefert wurde, war die Einführung der ‹Gesunden Ernährung› mit einer deutlichen Qualitätssteigerung verbunden», ergänzt Manuel Boss, Leiter der Tagesschule Battenberg. Zudem falle durch die kurzen Kommunikationswege nur wenig Food Waste an. «Natürlich haben manche Kinder zu Beginn neugierig nachgefragt, warum nun weniger Fleisch auf dem Menüplan steht, aber insgesamt haben sie sehr offen auf die neuen Gerichte reagiert.» Yvonne Kiefer-Glomme

Die Stadt Martigny setzt sich für ihre Jugend ein

Die Initiative «Kinderfreundliche Gemeinde» (KFG) von Unicef Schweiz und Liechtenstein richtet sich an alle Gemeinden, die Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt ihrer Gemeindeentwicklung stellen möchten. Grundlage bildet dabei die UN-Konvention über die Rechte des Kindes, kurz Kinderrechtskonvention, die mittels der Initiative KFG auf kommunaler Ebene umgesetzt werden soll, insbesondere im Rahmen bestehender Gesetze, Vorschriften, Budgets und Programme. Das Ziel? Das Lebensumfeld, in dem Kinder und Jugendliche aufwachsen, zu verbessern und die Partizipation von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Denn jedes Kind soll sein Potenzial bestmöglich entfalten können. Die Initiative, die 2006 in der Schweiz lanciert wurde, wird mittlerweile in über 60 Städten und Gemeinden unterschiedlicher Grössen und Sprachregionen umgesetzt. Mehrere Kantone unterstützen die Initiative wie auch teilnehmende Gemeinden ausserdem zusätzlich. Der Prozess zur Zertifizierung besteht aus mehreren Schritten, die für alle Gemeinden obligatorisch sind, jedoch an die individuellen Gemeindegegebenheiten angepasst werden können. Am Anfang steht eine erste Standortbestimmung sämtlicher bestehender Leistungen und Angebote für Kinder und Jugendliche in der Gemeinde. In einem zweiten Schritt werden Kinder und Jugendliche direkt befragt. Sie erhalten die Gelegenheit, ihre Bedürfnisse zu äussern und Verbesserungsvorschläge für ihre Gemeinde einzubringen. Auf Basis der in beiden Etappen erhobenen Informationen wird ein Aktionsplan mit konkreten Massnahmen ausgearbeitet. Nach erfolgreicher Evaluation und positivem Kommissionsentscheid wird den Gemeinden von Unicef Schweiz und Liechtenstein das Label «Kinderfreundliche Gemeinde» verliehen. Durch regelmässige Neubewertungen können die erreichten Erfolge gemessen und alle vier Jahre neue Schwerpunkte definiert werden. Die Stadt Martigny (VS) wurde im Frühling 2021 mit diesem Label ausgezeichnet. Es macht den gemeinsamen Effort der verschiedenen Dienststellen sichtbar, damit der Schutz, die Förderung und die Partizipation von Kindern und Jugendlichen in Martigny bei der Stadtentwicklung eine besondere Bedeutung erhalten. So wurde ein Aktionsplan mit zehn Massnahmen ausgearbeitet, die Martigny bis 2024 umsetzen möchte. Mit diesem Plan unterstreicht die Stadt ihre Absicht, eine kommunale Kinder- und Jugendpolitik zu entwickeln. Gleichzeitig soll damit aber auch die Zusammenarbeit und Koordination zwischen den verschiedenen Dienststellen und Institutionen gestärkt werden. Martigny setzt sich ausserdem dafür ein, dass die Sichtweisen von Kindern und Jugendlichen in der kommunalen Politik berücksichtigt werden. Sämtliche Verwaltungsbereiche sowie das Vereinsnetz von Martigny bemühen sich um ein gemeinsames Ziel: die systematische Verankerung von Kriterien, welche die Integration von Kindern und Jugendlichen stärken. Seit März 2021 fördert die Stadt Martigny verstärkt die Beteiligung von Jugendlichen an Projekten, die sie direkt betreffen. Beispiele dafür sind das Jugendforum oder der gemeinschaftliche Aktionsplan Anime ton quartier (Belebe dein Quartier) . Im Jahr 2022 nahmen 70 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 12 und 25 Jahren am Jugendforum teil. Sie nutzten die Plattform, sich frei zu äussern und Verbesserungsvorschläge zu machen. Das Treffen stärkte das Verständnis für die Herausforderungen, die Bedürfnisse und die Erwartungen dieser Bevölkerungsgruppe und baute gleichzeitig eine Brücke zwischen Politik und Jugend der Stadt. Als Folge dieser Veranstaltung wurde die Jugend von Martigny (Jeunesse de Martigny) gegründet, ebenso wie die Gruppe Espace pour jeunes alternatif et participatif (EJAP) mit der Unterstützung des Freizeit- und Kulturzentrums von Martigny (CLCM). Die Initiative «Anime ton quartier» hat sich ausserdem zu einem generationenübergreifenden Projekt entwickelt, wobei insbesondere die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in jedem Quartier im Mittelpunkt steht. Im Herzen des Quartiers La Moya beispielsweise haben Jugendliche bei der Umgestaltung des Sportplatzes mitgewirkt. Sie haben den Stadtwerken von Martigny spezifische Anliegen zukommen lassen, zum Beispiel den Austausch des Basketballkorbs oder die Erneuerung eines Brunnens. Jugendliche sind auch Teil bestimmter kommunaler Kommissionen. Indem Martigny die Vorschläge der Jugendlichen anhört, kann die Stadt deren Erwartungen besser verstehen. Bei den jüngeren Kindern war das Ziel, mit der Unterstützung von ihren Eltern eine umfassende Bildung zu fördern. Dieser Prozess hat die Schaffung von Synergien zwischen dem Kleinkinderverband Association de la petite enfance , der Mütter- und Väterberatung, der Fachstelle für Integration und weiteren Dienststellen der Stadt ermöglicht. Dieser Bereich ist weniger sektoral gegliedert und wurde deshalb von allen Akteurinnen und Akteuren der Stadt mitgetragen. Im Zentrum der Bemühungen stand jedoch vor allem der Zugang aller Kinder zu den Angeboten der familienergänzenden Betreuungseinrichtungen. So hat beispielsweise die Association de la petite enfance ein neues Konzept für die Aufnahme von Kindern mit einer Behinderung in ihren Einrichtungen erarbeitet. Das Label «Kinderfreundliche Gemeinde» hat damit die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteurinnen und Akteuren gestärkt sowie Synergien und sektorenübergreifende Kooperationen gefördert. Dieser strukturierte Vorgang ermöglicht es der Stadt, die Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen ebenso wie die ihrer Eltern kontinuierlich zu verbessern. Die konsequente Umsetzung des Aktionsplans sensibilisiert alle Akteurinnen und Akteure für Kinder und Jugendliche und unterstützt die Umsetzung der Kinderrechtskonvention. Ausserdem wird so das Engagement der Stadt zur Förderung der Rechte von Kindern und Jugendlichen tagtäglich erlebbar. Informationen: www.unicef.ch Céline Roduit Arlettaz, Christelle Reynard, Audrey Monbaron

Das Tessin hat eigene Lernstuben geschaffen

Wie verfasse ich einen Lebenslauf oder ein Bewerbungsschreiben für eine Arbeitsstelle? Wie bereite ich mich auf ein Vorstellungsgespräch vor? Welche Informationen bietet ein Mietvertrag? Das sind einige der Fragen, die von Menschen gestellt werden, die es nicht gewohnt sind, sich in der Arbeitswelt zurechtzufinden, die Mühe haben, einen Onlinefragebogen auszufüllen oder juristisches Fachvokabular zu verstehen. Genau für solche Personen wurden im Tessin drei Lerneinrichtungen geschaffen, sogenannte Lernstuben. Dort können sie lernen, einen Computer zu benutzen, Dokumente auszudrucken; sie können Zeitungen mit Stellenanzeigen konsultieren und auch einen Kaffee trinken. Vorbild dafür sind die Zürcher Lernstuben; im Tessin heisst die Initiative «Caffè APPrendo» und ist eine der Massnahmen des kantonalen Programms zur Förderung und Erhaltung der Grundkompetenzen von Erwachsenen (2021–2024), das vom kantonalen Erziehungsdepartement (DECS) gefördert wird. Derzeit gibt es drei «Caffè APPrendo» im Tessin. In Mendrisio ist die Lernstube in der Bibliothek und im Kulturzentrum «La Filanda» untergebracht, in Bellinzona im Berufsberatungszentrum «Città dei mestieri della Svizzera italiana», in Lugano befindet sich der «Spazio lavoro e formazione» (Raum für Arbeit und Ausbildung) in Pregassona in einem städtischen Gebäude. «Dieses Angebot war für uns eine natürliche Weiterentwicklung unseres Dienstes LuganoNetwork», sagt die Verantwortliche Monica Aliprandi. LuganoNetwork ist ein seit 2009 aktiver Arbeits- und Praktikumsvermittlungsdienst der Stadt, der Arbeitsuchenden hilft, mit Unternehmen, Organisationen und Verbänden in der Region in Kontakt zu treten. «Bei den Aktivitäten von LuganoNetwork haben wir festgestellt, dass einige unserer Nutzerinnen und Nutzer ein niedriges Bildungsniveau haben und Unterstützung bei der Arbeitssuche benötigen», meint Aliprandi. So entstand im August 2020 der «Spazio lavoro e formazione». Zwei Berater sind hier beschäftigt mit zusammen 180 Stellenprozenten. Die Räumlichkeiten von «Spazio lavoro e formazione» befinden sich im Erdgeschoss des Gebäudes, mit einem separaten Eingang von der Strasse aus. Die Einrichtung ist einfach und funktionell. In einer Ecke steht eine Kaffeemaschine, in einer anderen Ecke kann man Zeitungen lesen. Der Raum ist mit vier PC-Arbeitsplätzen ausgestattet, die an einen einzigen Drucker angeschlossen sind. Schreibtische, PCs und Drucker stehen all jenen zur Verfügung, die keinen eigenen Computer besitzen. Als wir eintreten, sind die beiden Berater des Zentrums in ein Gespräch mit den Nutzern vertieft, auf dem Tisch liegen ein Laptop und ein Handy. Das Zentrum, das sich an die Einwohner der Stadt Lugano richtet, kann unangemeldet besucht werden und ist an Wochentagen zu festen Zeiten geöffnet. Die Nutzer können auch eine persönliche Beratung in Anspruch nehmen, für die ein Termin vereinbart werden muss. «Es ist eine grosse Genugtuung, Menschen, die ihre Kompetenzen verbessern wollen, um in einem wettbewerbsorientierten und anspruchsvollen Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein, zu helfen, ihren Berufsweg zu finden», erklären Paola Leray und Stefano Vittone. Die beiden Berater führen auch halbtägige Kurse zu den verschiedensten Themen der Berufswelt durch. Einige Beispiele: «Grundlegende Informationstechnologie für die Arbeitssuche», «Von der Fähigkeit, Schwierigkeiten zu überwinden», «Wie präsentiere ich mich?». Ein Workshop zum «Digitalen Bürger» mit zehn Halbtagen ist kostenpflichtig (150 Franken), alle anderen Kurse mit einer Höchstteilnehmerzahl von zehn Personen sind kostenlos. Ein Blick auf das Programm für die erste Hälfte des Jahres 2024 zeigt, dass die Stadt Lugano grossen Wert auf die Entwicklung der digitalen Kompetenzen ihrer Bürgerinnen und Bürger legt. «Dieses Ziel findet sich auch in den strategischen Leitlinien der Stadt wieder», betont Monica Aliprandi. Es gibt immer wieder neue Interessenten für das Zentrum, und die Kurse sind sehr beliebt. Die meisten Nutzerinnen und Nutzer sind zwischen 39 und 55 Jahre alt. Im Jahr 2023 wurden 743 Beratungen durchgeführt, etwa 15 pro Woche, und 39 Schulungen mit insgesamt 258 Stunden abgehalten. Luganos «Caffè APPrendo» muss nicht viel Werbung machen, um bekannt zu werden. «Es gibt zwar Info-Flyer, aber die meisten Leute kommen durch Mund-zu-Mund-Propaganda zu uns», meint Monica Aliprandi. «Spazio lavoro e formazione» ist eine Dienstleistung der Stadt Lugano, wird aber auch vom Kanton Tessin sowie von der Eidgenossenschaft über Beiträge zur Förderung der Grundkompetenzen von Erwachsenen finanziert. Francesca Di Nardo, Inspektorin für Erwachsenenweiterbildung beim Amt für Weiterbildung und Innovation der Abteilung Berufsbildung des Tessiner Erziehungsdepartements (DECS), erklärt: «Unser Amt hat diese Lernstuben umgehend gefördert; sie sind Teil des kantonalen Programms zur Förderung und Erhaltung der Grundkompetenzen Erwachsener 2021–2024; dieses Programm zielt darauf ab, die Bildungsmassnahmen im Bereich der Grundkompetenzen Erwachsener zu stärken.» Die Lernstube von Lugano ist nach der «Città dei mestieri della Svizzera italiana» in Bellinzona und «La Filanda» in Mendrisio die jüngste Einrichtung im Tessin, die dem Konzept von «Caffè APPrendo» entspricht. «Unser Amt hat diese Lernstuben umgehend gefördert; sie sind Teil des kantonalen Programms zur Förderung und Erhaltung der Grundkompetenzen Erwachsener 2021–2024.» Francesca Di Nardo, Inspektorin für Erwachsenenweiterbildung beim Amt für Weiterbildung und Innovation des Kantons Tessin Obwohl die drei Zentren nicht identisch sind, genügen sie gemeinsamen Kriterien. Sie bieten Unterstützung in einem einladenden und informellen Rahmen. Der Kanton hat Richtlinien («linee guida») für diese Art von Lernstuben ausgearbeitet. Dort heisst es unter anderem: «In den Caffè APPrendo werden strukturierte Kurse und Workshops angeboten, aber auch niederschwellige Angebote und informelle Momente, die die Zielgruppen bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt, in Hinsicht auf Weiterbildungsangebote sowie Aktivitäten des täglichen Lebens angemessen unterstützen.» Um einen geeigneten Kurs zu finden, gibt es eine Website ( www.meglio-adesso.ch ), aber auch eine telefonische Hotline (0800 47 47). Gerhard Lob

Gemeinden als Motor der nachhaltigen Entwicklung

Julien Rousseau, Brand Director Sustainability Days: Nachhaltigkeit ist in aller Munde und lässt sich als Fokus überall wiederfinden – sei es in der Wirtschaft, der Wissenschaft oder bei der öffentlichen Hand. Mit den Sustainability Days hat die Messe Basel eine Plattform ins Leben gerufen, die sich mit diesem Thema speziell in den Bereichen Sustainable Economy, Smart City und Umwelttechnik befasst. Sie bringt Fachverantwortliche verschiedener Branchen zusammen, die die Zukunft aktiv nachhaltiger mitgestalten wollen. Eine Kernzielgruppe: Städte und Gemeinden. Eben diese spielen eine zentrale Rolle bei nachhaltiger Entwicklung, müssen sie sich doch zum Beispiel Herausforderungen des Klimawandels, zunehmender Ressourcenknappheit und wachsenden Verkehrsströmen stellen. Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen für Gemeinden beim Thema Nachhaltigkeit? Hannes Germann, Präsident Schweizerischer Gemeindeverband: Gemeinden und Städte sind mit ihrer Nähe zur Bevölkerung ein zentraler Motor, wenn es um die nachhaltige Entwicklung geht. Sie können Richtlinien erlassen oder Anreizprogramme schaffen und verfügen dadurch über einen wichtigen Hebel. Eine der grossen Herausforderungen ist die ganzheitliche Sicht des Themas Nachhaltigkeit über die drei Bereiche Wirtschaft, Soziales und Umwelt. Dazu braucht es eine transversale Zusammenarbeit, die mehrere Verwaltungsbereiche miteinbezieht. Diese ganzheitliche Sicht braucht mehr Zeit und mehr Ressourcen, ist aber langfristig nachhaltiger und günstiger. Dies den Entscheidungsträgern und auch der Bevölkerung zu vermitteln, kann schwierig sein. «Eine der grossen Herausforderungen ist die ganzheitliche Sicht des Themas Nachhaltigkeit über die drei Bereiche Wirtschaft, Soziales und Umwelt.» Hannes Germann, Präsident Schweizerischer Gemeindeverband Julien Rousseau: Das kann ich mir vorstellen. Und dennoch bleibt das Thema Nachhaltigkeit neben der Digitalisierung das wohl stärkste Querschnittsthema und nachhaltiges Handeln nicht nur eine ethische Verpflichtung, sondern auch eine strategische Notwendigkeit im Hinblick auf die aktuellen Herausforderungen. Eine interdisziplinäre Vernetzung kann hier zahlreiche Vorteile für Gemeinden bieten: von einer ganzheitlichen Problemlösung über effiziente Ressourcennutzung bis hin zu einem Wissensaustausch zwischen verschiedenen Experten. Hannes Germann: Ein Lösungsansatz wäre, die Nachhaltigkeit nicht als Ziel, sondern als Mittel zu sehen, um aktuellen Herausforderungen zu begegnen sowie zukünftige Problemstellungen zu antizipieren. Derzeit gibt es viele Initiativen im Bereich der Nachhaltigkeit, die auf Gemeinden zielen; Tagungen, Weiterbildungen, aber auch Hilfsmittel wie Guides. Diese Initiativen fördern den Austausch zwischen Gemeinden in der ganzen Schweiz – und sind ein Motor für die Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor. Julien Rousseau: Letzteres beobachten wir auch bei den Teilnehmenden der Sustainability Days. Ein Fokusthema der Veranstaltung, das vor allem im Rahmen intelligenter Gemeinden und Städte und der Zusammenarbeit der beiden Sektoren eine wichtige Rolle einnimmt, ist die Mobilität mit ihren verschiedenen Facetten – sei es Elektromobilität, Verkehrsmanagement oder der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Diverse Entwicklungen tragen dazu bei, dass sich in den letzten Jahren vor allem der Trend hin zur E-Mobilität beschleunigt hat. Hannes Germann: Gute Beispiele für den Einsatz von E-Mobilität in den Gemeinden gibt es viele. Zahlreiche Gemeinden setzen beim Ersatz von Kommunalfahrzeugen auf E-Mobilität. Die Technik macht hier jedes Jahr grosse Fortschritte. Die Lösungen sind aber oft kostenintensiv, gerade die Ladestationen. Der Schweizerische Gemeindeverband setzt sich auf nationaler Ebene dafür ein, dass die Gemeinden hier Unterstützung des Bundes erhalten. Zahlreiche Gemeinden bieten ihrerseits Finanzhilfen für Private an, die Ladestationen einrichten möchten. Die Gemeinden gehen aber zum Beispiel auch beim Thema Gebäudesanierung als gute Beispiele voran. Sie haben als öffentliche Behörden eine klare Vorbildfunktion und setzen bei der Sanierung der gemeindeeigenen Gebäude auf nachhaltige Lösungen. Gebäudesanierungen sind deshalb so zentral, weil damit ein substanzieller Energiesparbeitrag geleistet werden kann. Viele Gemeinden lassen ihre Bemühungen überdies zertifizieren, zum Beispiel durch das Label «Energiestadt» – einen Titel, den bereits mehr als 600 Gemeinden und Städte mit Stolz tragen. «Mit ihrem direkten Einfluss auf die Lebensqualität der Bewohner und gleichzeitigem Beitrag zu globalen Umweltzielen ist die nachhaltige Entwicklung auf lokaler Ebene entscheidend.» Julien Rousseau, Brand Director Sustainability Days Julien Rousseau: Diese Beispiele zeigen einmal mehr, dass Gemeinden durch ihre Entscheidungen und Massnahmen eine Vorreiterrolle für nachhaltiges Handeln übernehmen können. Mit ihrem direkten Einfluss auf die Lebensqualität der Bewohner und gleichzeitigem Beitrag zu globalen Umweltzielen ist die nachhaltige Entwicklung auf lokaler Ebene entscheidend. Damit dies gelingen kann, sind Wissenstransfer und Synergien enorm wertvoll. Wir sind davon überzeugt, dass die Sustainability Days Gemeindevertretern mit Best-Practice-Beispielen sowie konkreten Lösungen viele Benefits bieten. Sie können sich sowohl disziplinär als auch interdisziplinär vernetzen und so in einen spannenden Austausch gehen. Wir freuen uns, dass auch Sie Teil des Kongresses sein und interessante Einblicke in das Thema Nachhaltigkeit in Gemeinden geben werden. Julien Rousseau, Hannes Germann

Wie die Gemeinde am Lebensende unterstützen kann

Die meisten Menschen möchten am Lebensende bis zuletzt zu Hause bleiben. Für die wenigsten Menschen geht der Wunsch jedoch in Erfüllung. Knapp ein Viertel der Bevölkerung verstirbt zu Hause, für die meisten sind Pflegeheim oder Spital die letzten Stationen. Es ist in der Regel das Verdienst von Angehörigen, dass man noch etwas länger zu Hause bleiben kann. Sie begleiten, betreuen und manchmal pflegen sie auch. Angehörige brauchen ihrerseits Unterstützung, denn sie erleben die Tätigkeit zwar als erfüllend, aber auch als belastend. Sie sind auf Hilfe in der Nachbarschaft, im Freundeskreis und von Fachpersonen angewiesen, damit sie trotz Belastung gesund bleiben. Auch die Gemeinde kann einen wichtigen Beitrag leisten. Die mitfühlende Gemeinde oder auf Englisch Compassionate City ist ein ausländisches Modell, das erklärt, wie gemeinschaftliche Sorge am Lebensende in Gemeinden und Städten gestaltet werden kann. Grundgedanke ist, dass Sterben, Tod und Trauer Themen sind, die nicht ausschliesslich an spezialisierte Einrichtungen wie Pflegeheime oder Spitäler delegiert werden können. Sie gehören mitten ins Leben und mitten in die Gesellschaft. Studien zufolge verbringen Menschen am Lebensende tatsächlich die meiste Zeit mit ihrer Familie, mit Menschen aus der Nachbarschaft oder aus dem Freundeskreis, mit den Haustieren oder alleine. Die Compassionate City fokussiert deshalb auf das Zusammenspiel von Fachpersonen und Laien, damit sich formelle und informelle Hilfen geschickt ergänzen und so schwerkranke Menschen und ihre Angehörigen in ihrem Umfeld gut aufgehoben sind. Besser bekannt als Compassionate Cities sind in der Schweiz Caring Communities oder Sorgende Gemeinschaften. Beide Modelle betonen, wie wichtig es für Menschen in Krisen ist, bei Bedarf auf eine Vielzahl von Organisationen und Personen zählen zu dürfen. Im Gegensatz zu den Caring Communities, welche die gesamte Lebensspanne im Blick haben, befassen sich Compassionate Cities jedoch ganz gezielt mit dem letzten Lebensabschnitt. Inspiriert vom Gedanken der Compassionate City, kamen in der Stadt Bern vor ein paar Jahren Organisationen der spezialisierten Palliative Care, der Kirchen, der Stadtverwaltung und der Hochschulen zusammen. Es entstanden das Netzwerk «Bärn treit» und eine Charta für ein gemeinsam getragenes Lebensende. Man vernetzt professionelle Organisationen und Freiwillige und führt regelmässig öffentliche Veranstaltungen durch, die Gespräche über das Lebensende anregen. Die Bevölkerung zu sensibilisieren und alle Lebensbereiche in einer Gemeinde zu involvieren, von spezialisierten Organisationen über die Verwaltung bis hin zu Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern oder Schulen, ist das erklärte Ziel von «Bärn treit». In der Schweiz wie in Europa sind die meisten Menschen im hohen Alter, wenn sie in die letzte Lebensphase kommen. Möchte man ermöglichen, dass diese selbstbestimmt gestaltet werden kann, braucht es eine Alterspolitik, die das Lebensende explizit aufgreift. Die Unterstützung von betreuenden Angehörigen ist dabei ein zentrales Handlungsfeld, jedoch nicht das einzige, wie der Blick in bestehende Altersleitbilder verrät. Die Gemeinden im Berner Oberaargau etwa haben in ihrem Altersleitbild ein Ziel zum Lebensende verankert. Darin ist festgehalten, dass es eine Anlaufstelle braucht, dass Angebote der Palliative Care in der Bevölkerung bekannt zu machen und dass Merkblätter und Checklisten für die Vorsorge und Todesfallregelung zu erarbeiten sind. Auch wenn Menschen meist im hohen Alter sterben, so sind Sterben, Tod und Trauer doch Themen, die alle Altersschichten betreffen. Aus dieser Überzeugung heraus entstand in der Stadt Zürich das Festival «Hallo Tod». Das Festival will den Tod mitten ins Leben holen und einladen, der eigenen Vergänglichkeit kreativ zu begegnen. Initiiert wurde es vom Verein Kulturbande, einem Netzwerk von Zürcher Kunst- und Kulturschaffenden. Bereits zweimal durchgeführt, fanden während mehrerer Tage kulturelle Veranstaltungen zum Lebensende statt. Die Sozial- und die Kulturpolitik der Stadt Zürich unterstützten das Festival, viele Menschen besuchten es, Radio, Fernsehen und Zeitungen berichteten ausführlich darüber. Die drei genannten Beispiele aus Bern, Oberaargau und Zürich zeigen, dass vielfältige Wege beschritten werden, um Menschen am Lebensende zu unterstützen und die Endlichkeit ins öffentliche Bewusstsein zu tragen. In der Kultur- oder Bildungspolitik, im Gemein- und Sozialwesen, am Arbeitsplatz und in der Schule können wertvolle Beiträge geleistet werden, dass es den Menschen im letzten Abschnitt so gut wie möglich geht. Die Gemeinde, die unterschiedliche Politikbereiche in vielfältiger Weise koordiniert, kann einen wertvollen Beitrag für ein gutes Lebensende leisten. Claudia Michel

Künstliche Intelligenz in den Gemeindeverwaltungen

Künstliche Intelligenz ist die Fähigkeit von Computern, Aufgaben zu übernehmen, die früher menschliche Intelligenz benötigt haben. KI ist lernfähig, kann Sachverhalte abwägen und ist fähig Entscheidungen zu treffen sowie Muster zu erkennen. Heute wird KI oftmals im Bereich der Datenauswertung, im Onlinesupportbereich oder als Übersetzungsdienst angewendet. Weshalb polarisiert KI dermassen? Der Umstand, dass KI Aufgaben übernimmt, die bisher nur wir Menschen ausführen konnten, und auch dass KI selbstständig entscheiden kann, löst ein gewisses Unbehagen aus. In der Entwicklung von künstlicher Intelligenz ist es deshalb wichtig, sich mit ethischen und rechtlichen Überlegungen in Bezug auf Verantwortlichkeit, Transparenz und gesellschaftliche Auswirkungen auseinanderzusetzen. Wer sich dieser neuen Technologie verweigert, ist jedoch schlecht beraten. Mit welchen Neuerungen dürfen die Gemeindeverwaltungen in Bezug auf KI zeitnah rechnen? Es wird wohl keinen IT-Lieferanten geben, der sich nicht mit KI auseinandersetzt. Strub & Partner arbeitet mit Technologiepartnern zum Beispiel an einem Assistenten, der in der Lage ist, Inhalte aus einem durch die Gemeinde definierten Container von Reglementen, Verordnungen und Weisungen zusammenzufassen und zu übersetzen. Durch die Einbindung in die Gemeindewebsite können so Anfragen von Einwohnerinnen und Einwohnern rasch und korrekt beantwortet werden. Ein weiteres Projekt ist ein Finanztool, das Finanzdaten basierend auf der Rechnungslegung HRM2 analysieren und Optimierungsvorschläge unterbreiten kann. Beide Beispiele würden den Gemeindeverwaltungen helfen, die vorhandenen Ressourcen noch effizienter einzusetzen. Und wie kann KI bereits heute in der Gemeindeverwaltung eingesetzt werden? Durch die online kostenlos zur Verfügung gestellten KI-Chatbots wie ChatGPT 3.5 oder Bing-Chat hat jeder die Möglichkeit, sie bereits heute einzusetzen. Da wir nicht wissen, wie und wo Daten gespeichert und weiterverwendet werden, ist hier wichtig, nur anonymisierte oder bereits öffentlich zugängliche Daten einzugeben. Trotzdem bleibt das Einsatzspektrum enorm gross, hier ein paar Beispiele: – Medienmitteilung oder Management Summary zu einer politischen Vorlage verfassen lassen – Studien oder Bericht auf Kernaussagen untersuchen lassen – Vorschlag für einen Stellenbeschrieb oder ein Stelleninserat schreiben lassen Wie beim Einsatz von anderen Technologien und Informationsquellen ist es auch bei der Verwendung von KI wichtig, Daten und Informationen kritisch zu hinterfragen und zu plausibilisieren. Beachtet man diese Regel und auch die datenschutzspezifischen Anforderungen, kann KI die Arbeit der Gemeindeverwaltungen bereits heute deutlich erleichtern, und wir dürfen gespannt sein, was noch alles auf uns zukommt. Informationen: www.digitale-gemeinde.com Gérald Strub

Der Ex-Hooligan und die Familienbegleitung

Ronnie Hollenstein, Familienbegleiter bei Vorsa – Soziale Arbeit vor Ort –, trifft nach zwei Jahren einen ehemaligen jugendlichen Klienten wieder. Er hat ihn damals beim Ausstieg aus der gewalttätigen Hooliganszene unterstützt. Als Flavio* 14 Jahre alt war, brummte die Kesb ihm eine Familienbegleitung auf. Grund: Er fehlte in der Schule immer wieder unentschuldigt und hatte im Klassenlager einen Lehrer bedroht. Flavio sah Ronnie Hollenstein zum ersten Mal, als er ihm im Büro der Kesb gegenübersass. Hollenstein ist Familiencoach bei Vorsa, er begleitet belastete Familien, vor allem mit jugendlichen Kindern, in ihrem Zuhause. Der 19-Jährige Flavio erinnert sich: «Ich lehnte diese Massnahme ab, hatte gar keinen Bock drauf. Ich war wütend, dass ich da sein musste. Überhaupt war ich in dieser Zeit vor allem eines: wütend.» Mit einer jüngeren Schwester wuchs Flavio bei der alleinerziehenden Mutter in Rapperswil (SG) auf, die Eltern lebten schon lange getrennt. Flavio fühlte sich allein, hatte kaum Freunde, die Schule hasste er, seit er in der Oberstufe war. Mit der Mutter verstand er sich nicht gut, heute denkt er, dass sie psychische Probleme hat. Als er eines Tages mit seinem Vater einen Fussballmatch des FC Basel besuchte, wusste er: Das ist es. Sie sassen auf der normalen Tribüne, und sein Blick wanderte immer wieder hinüber zum Fansektor. Was dort abging – die Fangesänge, die geschwenkten Fahnen, die illegalen Feuerwerke –, das gefiel ihm. Bald fuhr der Teenager allein nach Basel und ins Stadion, und er fand dort überraschend schnell Anschluss. «Ich fand dort Kollegen, die ebenso wütend waren wie ich», sagt Flavio. Der Teenager war fasziniert von den Hooligans, die sich nach den Spielen mit den gegnerischen Fans prügelten, die versuchten, die Fahnen der gegnerischen Ultras zu klauen, und die sich mit der Polizei ein Katz-und-Maus-Spiel lieferten. Der 14-Jährige himmelte die erwachsenen Hooligans an, die unter der Woche ein normales Leben mit seriösen Jobs führten und am Wochenende gegen andere Hooligans kämpften. «Mir gefiel dieser Lebensstil, und mir gefiel, wie aggressiv und kalt sie waren.» Die regelmässigen Fahrten in die entfernte Stadt finanzierte sich der Jugendliche mit einer eigenen Geschäftsidee. Er liess in Polen Kleber mit Sprüchen wie «All Cops Are Bastards» («Alle Bullen sind Mistkerle») produzieren und verkaufte sie online. In der Hooliganszene fand Flavio, was er zu Hause vermisst hatte: klare Strukturen, feste Regeln – die Hooligans verhalten sich nach einem Ehrenkodex –, Vorbilder und Freunde, die füreinander einstanden. Er fand dort eine Ersatzfamilie. Zurück in der Heimatstadt und in der verhassten Schule gab er mit seinem neuen Hooliganimage an. «Diese Neuigkeit machte schnell die Runde. Alle in der Schule hatten Angst vor mir.» Es war ein aufregendes Leben, das ihn beflügelte, bis etwas Einschneidendes passierte. Nach einem Spiel, bei dem die Stimmung unter den Fans sehr aufgeheizt war, duellierten Flavio und seine Kollegen sich mit gegnerischen Fans. Zufällig stand ein ziviler Kastenwagen der Polizei in der Nähe. Beamte in Vollmontur verfolgten die Hooligantruppe, die in einen Park rannte, wo die Jugendlichen illegale Gegenstände versteckten, die sie bei sich trugen. In der Aufregung bemerkte Flavio nicht, dass er immer noch Sprengstoff bei sich hatte. Er wurde verhaftet und sass zwei Stunden im Untersuchungsgefängnis. «Das ist mir eingefahren. Mir wurde schliesslich nur ein Verstoss gegen das Sprengstoffgesetz vorgeworfen. Von der Schlägerei war gar nicht die Rede.» Flavio musste trotzdem bei der Jugendanwältin antraben. Diese gab ihm noch einmal eine Chance, sich zu bessern. Sie sagte, sie spüre bei ihm keine kriminelle Energie, und zog den Strafantrag zurück. Ronnie Hollenstein besuchte den 14-Jährigen einmal pro Woche zu Hause in seinem düsteren Jugendzimmer, das vollgepflastert war mit Flaggen, Stickern, Graffiti. Sprüche wie «Wir sind das Volk» oder «Fickt die Polizei» gefielen dem Sozialarbeiter gar nicht, wie er erzählt. «Auch wenn Flavio ziemlich ernsthaft bei der Sache war, seine Probleme zu lösen: In diesem Zimmer konnte er nicht gesund werden. Dieses aggressiv-frustrierende Klima hätte ihn immer wieder runtergezogen.» Die zwei Stunden U-Haft sassen dem jungen Mann immer noch in den Knochen. Er wusste, dass er erneut mit dem Gesetz in Konflikt käme, wenn er die Fussballspiele weiterhin besuchte. Deshalb beschloss er, sich nach und nach aus der Hooliganszene zurückzuziehen. Wenn die Kollegen ihn fragten, weshalb er nicht an den Match komme, hatte er jetzt die Ausrede, er müsse arbeiten. Flavio hatte nämlich eine Lehre begonnen, zu der auch Einsätze am Wochenende gehörten. In dieser Zeit beschlossen er und sein Sozialarbeiter, dass Flavios Zimmer einen neuen Anstrich nötig hat. Schweren Herzens entfernte Flavio alle Sticker und Fahnen von der Wand. Gemeinsam strichen sie das Zimmer neu. Ronnie Hollenstein ist heute noch begeistert, wenn er von dieser Aktion erzählt. Er sagt lachend zu Flavio: «Weisst du eigentlich, wie gern ich das Logo deines Fussballclubs übermalt habe?» Die Farbe, Grau mit 3-D-Effekt wie Stein, hatten sie gemeinsam in einem Fachgeschäft ausgesucht. *Name und Wohnort des Protagonisten und wenige andere Details wurden verändert, damit keine Rückschlüsse auf die echte Person gezogen werden können. Sabine Arnold

Klimaschutz: Gebäude als Teil der Lösung

Die Kunst des zukunftsfähigen Bauens liegt darin, ein Gebäude zu schaffen, das Komfort und Schutz vor den Auswirkungen des Klimawandels für seine Bewohnenden bietet und zugleich das volle Potenzial für Klimaschutz am Gebäude ausschöpft. Also ein Gebäude, das die CO 2 -Emissionen im Bau und in der Betriebsphase reduziert, viel erneuerbare Energie selbst produziert, hocheffizient ist und den Kontext mitdenkt, sei das in Richtung Mobilität oder in Bezug auf die Umgebung. Gleichzeitig schützt es die Bewohnerinnen und Nutzer vor Sommerhitze und vor schlechter Innenraumluft durch optimalen Hitzeschutz und den regelmässigen automatischen Luftaustausch. Die Schweizer Gebäudelabels, zu denen Minergie als ältester und am weitesten verbreiteter Schweizer Baustandard gehört, haben 2023 ihre Kräfte gebündelt, das Angebot harmonisiert und die einzelnen Standards angepasst. Das heisst: Es gibt einheitliche Grundlagen für Energie- und Klimaberechnungen, strengere Anforderungen bei den Minergie-Baustandards sowie beim Zusatz ECO und Anpassungen und Vereinfachungen beim SNBS-Hochbau (SNBS steht für Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz). Neu ist, dass die Anforderungen von Minergie und des SNBS auch auf Arealebene übertragen werden können. Grundlage aller Label ist neu der GEAK. Der GEAK, der Gebäudeenergieausweis der Kantone, fokussiert auf die Sanierung. Er erlaubt eine umfassende Beurteilung des energetischen Zustands eines Gebäudes in drei Skalen mit den Klassen A–G und mithilfe des GEAK Plus die Planung einer Sanierung. Die Minergie -Baustandards definieren mit derselben Methodik anspruchsvolle Anforderungen zu Energie- und Treibhausgasemissionen und ergänzen diese um Komfortaspekte wie Raumluft und Hitzeschutz und eine umfassende Qualitätssicherung. Bei der Anpassung der Minergie-Baustandards stechen vier Massnahmen heraus: die konsequente Ausnutzung des Solarpotenzials, die Minimierung der Treibhausgasemissionen in der Erstellung, ein zukunftsfähiger Hitzeschutz plus ein fossilfreier und effizienter Betrieb. Die Minergie-Baustandards werden mit dem Zusatz ECO um eine besonders gesunde, kreislauffähige und klimafreundliche Bauweise ergänzt. Mit dem SNBS -Hochbau werden Gebäude in allen Dimensionen der Nachhaltigkeit (Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt) geprüft und zertifiziert. Neu können die bekannten Qualitäten des SNBS-Hochbau auch auf Ebene Areal als SNBS-Areal zertifiziert werden. Bei den entsprechenden Kriterien handelt es sich um Aspekte, deren Thematisierung sich bei Einzelgebäuden oft nicht lohnt, die aber in Arealen entscheidend zu deren Nachhaltigkeit beitragen. Das Minergie-Areal orientiert sich an denselben Zielen wie die Minergie-Baustandards, bezieht dabei aber auch die Aussenräume ein. Im Unterschied zum SNBS-Areal sind die einzelnen Gebäude zur Sicherstellung des überdurchschnittlichen Komforts ebenfalls zu zertifizieren. Beim Minergie-Areal kommen Vorgaben an das Arealmanagement, die klimaangepasste Gestaltung des Aussenraums und Anreize zu einer klimafreundlichen Mobilität zum Tragen. Damit soll auf einem Minergie-Areal eine besonders hohe Lebensqualität sichergestellt werden. Wie ein zukunftsfähiges und klimafreundliches Gebäude aussieht, zeigt zum Beispiel der Gewerbepark Fegeren. Dieses Minergie-P-zertifizierte, nachhaltige Kraftwerk wurde so konzipiert, dass es im Betrieb keine CO 2 -Emissionen verursacht. Neben der sehr gut isolierten Gebäudehülle wird die gesamte Gebäudetechnik für das Lüften, Heizen und Kühlen komplett mit erneuerbarer Energie betrieben. Der Verbrauch wird stetig überwacht und analysiert. Die Grundstruktur besteht aus einem Betonkern mit einer Hybridfassade aus Holzelementen, die mit Fotovoltaikmodulen verkleidet sind. Der Verwaltungsbau wurde in einer einfachen Grundstruktur konzipiert, sodass Flächen jederzeit anders genutzt werden können. Zusammen mit den Fotovoltaikanlagen auf dem Dach und den Solarcarports für die Elektromobile erzeugt die Fotovoltaikfassade einen Grossteil der Energie für das Gebäude. Die Wärme- und Kälteerzeugung wird CO 2 -neutral und effizient mit einer Wärmepumpe und Grundwasser betrieben. Die 80 Ladestationen für Elektroautos werden über den Energiemanager so gesteuert, dass die Autos mit selbst produziertem Fotovoltaikstrom geladen werden. Das Energiemanagement erledigt auch das Lastmanagement, das dafür sorgt, dass keine Lastspitzen auftreten (Peakshaving). Ohne klimafreundliche Gebäude erreicht die Schweiz die Energie- und Klimaziele nicht. Die über 55 000 Minergie-Gebäude und die inzwischen fast 200 SNBS-Projekte in der Schweiz zeigen, dass sich Effizienz, Klimaschutz, Komfort und Nachhaltigkeit verbinden lassen. Indem nach Minergie statt nach gesetzlicher Mindestanforderung gebaut wurde, haben die Minergie-Gebäude in den letzten 25 Jahren über 12,5 Mio. Tonnen CO 2 eingespart, bei gleichzeitig höherem Komfort: Die Nutzerinnen und Nutzer von Minergie-Gebäuden erleben viermal weniger Hitzestunden als in einem herkömmlichen Innenraum. Der SNBS-Standard hat in den letzten Jahren bewirkt, dass die umfassende Nachhaltigkeit von Gebäuden nun konkretisiert und quantifiziert werden kann. Andreas Meyer Primavesi

Rollsportanlagen: eine runde Sache für Gemeinden

Ein Jugendlicher rollt mit seinem Brett hin und her, gewinnt so an Schwung, dass er oben an der Kante der Halfpipe wenden kann. Rasant geht es wieder hinab und herauf, oben dreht er in der Luft, greift dabei ans Brett und erntet spontan Applaus von den Zuschauern. Der Skatepark von Lyss (BE) ist genauso wie jener des Nachbardorfs Busswil seit Jahren beliebt. Beide Parks wurden von der Gemeinde vor einem Jahr für insgesamt rund 90 000 Franken saniert, wie Seline Vils, Sportkoordinatorin von Lyss, erklärt. Für den Unterhalt der Anlagen seien jährlich 1500 Franken budgetiert. Damit noch nicht genug: Lyss hat auch einen mobilen Pumptrack. Hier trainieren vor allem Bikerinnen und Biker. Der Standort der Anlage wechselt, sie wird auch an andere Gemeinden vermietet. Die Kinder- und Jugendfachstelle hat durch Befragungen festgestellt, dass ein grosser Bedarf nach Bewegung, Sport und öffentlichen Aufenthaltsräumen besteht. Die Rollsportanlagen wurden durch verschiedene Gremien wie die Begleitgruppe Spielplatz und die Fachgruppe Sport und Freizeit koordiniert. Da die Skateparks und der Pumptrack zu Schul- und Sportanlagen gehören, mussten keine Baugesuche gestellt werden. «Es besteht kein Trägerverein», sagt Seline Vils, «aber es gibt Verhaltensregeln.» Zu denen gehören unter anderem die Betriebszeiten und der Hinweis, dass die Anlagen auf eigene Gefahr benutzt werden, die Gemeinde jegliche Haftung ablehnt. Ein Helm ist Pflicht, weitere Schutzausrüstungen wie Knieschoner werden empfohlen. Motorisierte Fahrzeuge sind verboten. «Es gibt kaum Schwierigkeiten», berichtet die Sportkoordinatorin Vils, «ausser den gewohnten Herausforderungen wie Lärm, Müll und Vandalismus.» «Zukünftig sollen auf der Skateanlage Kurse angeboten werden, damit noch eine intensivere Nutzung möglich wird.» Seline Vils, Sportkoordinatorin Lyss (BE) Die Anlagen würden rege benutzt und seien auch bei Skatern ausserhalb von Lyss beliebt. «Zukünftig sollen auf der Skateanlage Kurse angeboten werden, damit noch eine intensivere Nutzung möglich wird», sagt Seline Vils. Bewirtschaftet werde sie weiterhin durch die Kinder- und Jugendfachstelle Lyss beziehungsweise durch Jugendgruppen. «Es ist ein spannendes Neben- und Miteinander», fasst die Sportkoordinatorin zusammen. Auch dank diesen Angeboten hat Lyss seit 2013 das Unicef-Label «Kinderfreundliche Gemeinde». Der Skatepark von Kirchberg bei Burgdorf (BE) liegt am Rande der Sportanlage, gleich neben der Autobahn. Die Regionale Kinder- und Jugendarbeit Kakerlak hat mehr als ein Auge darauf, wie die Co-Stellenleiterin Raja Cardinaux erklärt: «Bei der aufsuchenden Jugendarbeit gehen wir jeweils beim Skatepark vorbei und unterhalten uns mit den Nutzerinnen und Nutzern. Wir nehmen ihre Anliegen, Ideen und Wünsche wahr und versuchen, diese umzusetzen.» Eine Folge davon ist, dass Kakarlak den mobilen Pumptrack vom Kompetenzzentrum Sport des Kantons Bern für vier Wochen mietet. Im Tarif von 1000 Franken exklusive Mehrwertsteuer sind der Transport sowie der Auf- und Abbau inbegriffen. Beim Einrichten und Aufräumen müssen jeweils drei bis vier Personen der Mietpartei mithelfen. «Der Unterhalt kostet bis auf den Auf- und Abbau nichts. Wir nutzen unsere Arbeitszeit», erklärt die Co-Stellenleiterin. Die Jugendarbeit und die Schule finanzieren das vierwöchige Angebot gemeinsam. Zunächst mussten sie einen geeigneten Standort finden: «Der Platz sollte eine genügend grosse Fläche aufweisen, mindestens 20×10 Meter gross sein und einen flachen Untergrund haben wie etwa ein Teer- oder Hartplatz und er sollte von einem Lastwagen befahren werden können.» Der mobile Pumptrack wird bereits zum dritten Mal nach Kirchberg kommen. Daher weiss die Kinder- und Jugendarbeiterin, dass dieses Angebot sehr beliebt ist. Der Skatepark Meiringen (BE) ist eine Indooranlage. Nach langer Suche nach einem Standort konnte sie im November 2013 im ehemaligen Ölwehrmagazin der Gemeinde eröffnet werden. Vorangetrieben wurde das Projekt durch die Jugendarbeit Meiringen-Brienz sowie die beharrlichen jungen Menschen aus der Snowboard- und Skaterszene der Region. Es wurde der Trägerverein Dedicated Freestyle Club gegründet. Deren heutiger Präsident Alex Rufibach erinnert sich: «Als sich 2010 die Umnutzung des Ölwehrmagazins der Gemeinde Meiringen abzeichnete, wurde mit einem spezialisierten Unternehmen die Parkanlage geplant, die konkrete Finanzierung eingeholt und der Bewilligungsprozess eingeleitet.» Die Kosten von rund 300 000 Franken wurden durch die öffentliche Hand und durch zahlreiche Gönnerbeiträge finanziert. Zudem steuerten die Projektinitianten einen stattlichen Teil an Eigenleistungen bei. Der Skatepark wird nach wie vor vom Dedicated Freestyle Club ehrenamtlich betrieben. «Die Gemeinde Meiringen stellt das Gebäude unentgeltlich zur Verfügung, private Sponsoren leisten jährliche Beiträge, und das Team des Tenniscenters Meiringen übernimmt die tägliche Öffnung und Schliessung der Anlage. So können wir rund 360 Tage im Jahr offen haben», sagt Alex Rufibach. Während der Öffnungszeiten sei die Halle nicht bewartet. «Wir setzen auf die Ehrlichkeit der Besuchenden, was sehr gut funktioniert.» Aus den rund 1000 bis 1200 Eintritten pro Jahr sowie den Sponsorenbeiträgen und den Jahresbeiträgen der Vereinsmitglieder würden denn auch der laufende Unterhalt und alle weiteren Kosten finanziert. Entgegen der anfänglichen Ängste und Bedenken der Behörden und Anwohner seien bisher praktisch keine Meldungen über Lärmbelästigung oder andere Emissionen durch die Besuchenden der Anlage eingegangen. «Wir setzen auf die Ehrlichkeit der Besuchenden, was sehr gut funktioniert.» Alex Rufibach, Skatepark Meiringen (BE) Der Park ist als Indooranlage nach wie vor ein einzigartiges Angebot im Raum zwischen Bern und Luzern, und entsprechend ist auch das Einzugsgebiet der Besuchenden. Zudem ist er laut Alex Rufibach bei einheimischen Kindern und Familien beliebt und bietet Touristen ein Schlechtwetterangebot; mit der Gästekarte ist der Eintritt gratis. Susanna Fricke-Michel

Ausgewogene und nachhaltige Mahlzeiten für Kinder

Gregory Pellissier: Die Gemeinde Marly hat 2021 eine zentrale Küche eingerichtet, um ausgewogene und nachhaltige Mahlzeiten für die betreuten Kinder in den kommunalen Einrichtungen zuzubereiten. Von Anfang an war es unser Ziel, diesen Ansatz durch das Label aufzuwerten. Das Label Fourchette verte – Ama terra wurde sofort übernommen, und im Jahr 2023 haben wir die Charta «Cuisinons Notre Région» unterzeichnet. Derzeit versorgen wir eine Kinderkrippe und zwei schulergänzende Betreuungsangebote mit insgesamt 200 Mahlzeiten pro Tag. Im Laufe des Jahres 2024 werden wir eine weitere Kindertagesstätte und die Lieferung von Mahlzeiten für das Gemeindepersonal hinzufügen. Die Gemeinde hat heute fast 10 000 Einwohner und wächst stetig. Jan Descloux: Uns sind die Nachhaltigkeit der Mahlzeiten und die Unterstützung der regionalen Wirtschaft sehr wichtig. Die meisten Lebensmittel, die wir verwenden, stammen aus der Region Freiburg und sind grösstenteils biologisch. Zum Beispiel sind alle Mehle und das Gemüse, das wir verwenden, biologisch und regional. Ausserdem legen wir grossen Wert auf die Schulung des Geschmackssinns: Wir möchten, dass die Kinder neue Geschmacksrichtungen in verschiedenen Formen entdecken können. Da das Auge mitisst, spielt auch die Präsentation auf dem Teller eine grosse Rolle. Gregory Pellissier: Unser Küchenchef Jan Descloux wird ab Februar 2024 von einem Mitarbeiter unterstützt. Ausserdem soll unsere Küche inklusiv sein. Die Gemeinde hat den Verein «De toutes nos forces» beauftragt, der Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit bietet, sich beruflich zu integrieren. Diese Personen arbeiten jeden Tag in der Küche und liefern die Mahlzeiten aus. Jan Descloux: Eine wichtige Herausforderung, der wir uns stellen, ist die Ausbildung der Personen, die die Kinder begleiten, ihnen das Essen servieren und mit ihnen essen. Diese Personen spielen eine wesentliche Rolle dabei, wie die Kinder die Mahlzeiten bewerten: Sie sind Vorbilder. Was die Nachhaltigkeit betrifft, so ist die Lebensmittelverschwendung eine ständige Herausforderung. Durch den Einkauf in der Umgebung konnten wir bereits einen Grossteil der Plastikverpackungen ersetzen, indem wir, wenn möglich, unverpacktes Obst und Gemüse sowie wiederverwendbare Glasbehälter für Milch und Joghurt bevorzugen. Wir arbeiten auch mit dem Verein «Frütile» zusammen, der unverkauftes Obst zu Konfitüre verwertet. Bei der Menüplanung wird alles genau berechnet, um Verschwendung zu vermeiden. Falls doch einmal Essen übrig bleibt, wird es eingefroren und in einem anderen Menü wiederverwertet. Wir prüfen auch weitere Optionen, um die Verschwendung weiter zu reduzieren. Die letzte Herausforderung, mit der wir konfrontiert sind, sind die steigenden Kosten für Lebensmittel, Strom und andere Ressourcen, die sich auf die Menüpreise auswirken. Aktuell belaufen sich die Selbstkosten für eine unserer Mahlzeiten auf etwa vier Franken. Gregory Pellissier: Wir ermutigen alle Gemeinden, diesen Schritt zu wagen. Er bringt nicht nur grosse Zufriedenheit, sondern wird auch von der Bevölkerung geschätzt. Es kostet zwar Energie, diesen Prozess in Gang zu setzen, aber wenn er einmal etabliert ist, zeigt sich, dass er sehr effizient ist. Unsere Gemeinde ist dafür ein gutes Beispiel. Es lohnt sich, sich für eine ausgewogene und nachhaltige Ernährung einzusetzen, denn sie ist für das Wohlbefinden der Kinder von grundlegender Bedeutung. Für manche Kinder ist das Essen in unseren Einrichtungen die einzige gesunde und ausgewogene Mahlzeit. Es handelt sich also um ein besonderes und wichtiges Angebot. Elisa Domeniconi

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