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Cybersicherheit: viele Schweizer Gemeinden akut gefährdet

621 Gemeinden – knapp 30 Prozent aller Schweizer Kommunen – haben an der Gemeindeumfrage 2025 vom Verein «Myni Gmeind» und vom Schweizerischen Gemeindeverband (SGV) teilgenommen. Das entspricht einer erfreulichen Zunahme von 3,3 Prozentpunkten gegenüber 2024. Im Zentrum der diesjährigen Erhebung standen die aktuelle Sicherheitslage und der Bedarf nach externer Unterstützung im Bereich Daten- und Cybersicherheit. Die hohe Beteiligung liefert ein aussagekräftiges Bild der tatsächlichen Situation. Und dieses Bild ist in vielen Bereichen alarmierend. Schon die Übersicht über die eigenen IT-Systeme – das sogenannte Inventar – fehlt in vielen Gemeinden. Ohne Inventar ist aber nicht klar, welche Systeme existieren, wo sie liegen, wie sie genutzt werden – und wie sie geschützt werden sollten (siehe Abb. 1). Auch bei den Sicherheitsvorgaben zeigt sich ein durchzogenes Bild: Rund 40 Prozent der Gemeinden verfügen über keine oder nur unklare Vorgaben zur Cybersicherheit. Und wo es Vorgaben gibt, ist unklar, inwieweit sie auch strategisch auf die effektiven Bedürfnisse der Gemeinde ausgerichtet sind oder bloss allgemeine Minimalstandards abdecken (siehe Abb. 2). Insgesamt dürften die Vorgaben zur Cybersicherheit keine genügende Basis darstellen. Noch kritischer ist die Lage bei den Notfallplänen. Zwar verfügen etwas mehr als die Hälfte der Gemeinden über standardisierte oder optimierte Lösungen (siehe Abb. 3). Doch gerade für systemrelevante Infrastrukturen – wie die Versorgung mit Wasser, Strom oder Verwaltungsleistungen – braucht es belastbare und getestete Pläne, die auch im Krisenfall funktionieren. Viele Gemeinden wären vermutlich nur bedingt in der Lage, auf schwerwiegende technische Probleme und Cyberangriffe adäquat zu reagieren. Beim Risikomanagement ist die Lage ähnlich: Nur knapp die Hälfte der Gemeinden arbeitet mit standardisierten oder optimierten Verfahren (siehe Abb. 4). Doch wer Risiken nicht systematisch analysiert, kann auch keine präventiven Massnahmen treffen. Diese Fähigkeit dürfte bei den vorhandenen Lösungen nicht immer gegeben sein. Ein weiterer Schwachpunkt: die Schulungen. In der Deutsch- und Westschweiz verfügen rund 50 Prozent der Gemeinden über ein entsprechendes Schulungsangebot, im Tessin sind es gerade mal 21 Prozent – bei allerdings kleiner Fallzahl. Damit fehlt vielen Mitarbeitenden das nötige Wissen und Verständnis, um sicherheitsbewusst zu handeln (siehe Abb. 5). Neben der Inventarfrage muss insbesondere die Situation in Bezug auf die Schulungen als ungenügend beurteilt werden. Entsprechend hoch ist der ungedeckte externe Unterstützungsbedarf: 46 Prozent der befragten Gemeinden wünschen sich «eher grosse» oder «grosse» Unterstützung durch externe Fachpersonen. Am meisten Bedarf wird bei den Themen Risikomanagement (59,5%), Cybersicherheitsvorgaben (59,0%), Schulung (58,8%) und Notfallpläne (58,1%) gesehen. Damit stehen die gleichen Themen im Fokus wie bei der Beurteilung der Ist-Situation. Es ist positiv zu bewerten, dass der Unterstützungsbedarf durch externe Sicherheitsexpertinnen anerkannt wird. Weil Gemeinden nicht immer über eigene Spezialisten im Bereich Daten- und Cybersicherheit verfügen, stellt sich jedoch auch bei den bestehenden Zusammenarbeitsvereinbarungen die Frage, inwieweit diese sicherheitsadäquat ausgestaltet sind. Im besten Fall sind die Gemeinden dennoch einigermassen gut geschützt: Die Systeme wurden weitgehend verschont, grössere Angriffe blieben offensichtlich aus. Im schlechteren Fall war bisher einfach etwas Glück im Spiel, und wir sitzen auf einem digitalen Pulverfass. Die Verantwortlichen sind sich dessen aber möglicherweise nicht immer bewusst, weil sie entweder nicht über die nötigen Informationen oder über genügend Kompetenzen verfügen. Sonst wäre kaum zu erklären, weshalb viele Gemeinden wichtige Aspekte der Cybersicherheit nicht (ganz) im Griff haben oder Schwachstellen bisher nicht schliessen konnten. Angesichts der gesellschaftlichen Relevanz des Themas und der spezifischen Rahmenbedingung im Milizsystem stellt sich die Frage, inwieweit technische und gesetzlich vorgeschriebene Standards helfen könnten, flächendeckend mehr Sicherheit zu gewährleisten. Joachim Tillessen

Festhütte Schweiz

Der Sommer ist die Zeit der Anlässe. Vom Dorffest übers Open-Air-Kino bis hin zu Sportveranstaltungen: In vielen Gemeinden geht die Post ab. Spass und Unterhaltung für die Besucherinnen und Besucher – das bedeutet auch immer viel Engagement von Freiwilligen und natürlich von den Gemeinden. Einige Gemeinden und Städte dürften diesen Sommer noch viel mehr zu tun haben als sonst, denn sie sind Schauplatz von diversen Grossveranstaltungen. Den Auftakt machte im Mai Basel mit dem Eurovision Song Contest, daraufhin steht Lausanne im Scheinwerferlicht, wo zum Zeitpunkt der Publikation dieses Hefts das eidgenössische Turnfest stattfindet. Wenig später, Anfang Juli, wird zur Fussball-Europameisterschaft der Frauen angepfiffen. Den fulminanten Abschluss markiert schliesslich das eidgenössische Schwing- und Älplerfest, das Ende August erstmals im Kanton Glarus zu Besuch ist. Wir beleuchten in diesem Heft einzelne dieser Grossanlässe näher und fragen, was sie für die Standortgemeinden bedeuten. Wir beleuchten aber auch damit verwandte Fragen, zum Beispiel, wie Locarno mit den diversen Veranstaltungen auf seiner begehrten Piazza Grande umgeht oder wie die Gemeinde Nidau Feuerwerk am Seeufer handhabt. Wir wünschen viel Spass bei der Lektüre! «Spass und Unterhaltung bedeutet auch immer viel Engagement von Freiwilligen und Gemeinden.» Nadja Sutter, Chefredaktorin «Schweizer Gemeinde» Nadja Sutter

Die digitale Souveränität ist auch eine Frage der lokalen Verwaltung

Digitale Souveränität ist die Fähigkeit, die Kontrolle über die eigene Infrastruktur, die eigenen Systeme und Daten zu behalten. Für die Schweizer Gemeinden bedeutet dies nicht, alles selbst zu machen, sondern informierte Entscheidungen zu treffen. Wer beispielsweise ein kostenloses Tool aus den USA nutzt, setzt seinen Datenaustausch potenziell ausländischen Gesetzen aus (wie dem Cloud Act). Wer seine Dokumente in einer ISO-zertifizierten Schweizer Cloud speichert, behält die bessere Kontrolle über seine digitale Umgebung. Digitale Souveränität tangiert auch die Resilienz. Eine Gemeinde, die vollständig von einem einzigen Anbieter abhängig ist, verliert ihren Handlungsspielraum. Wenn sie hingegen offene Formate, dokumentierte Schnittstellen und ein Hosting in der Schweiz verlangt, bewahrt sie sich ihre Handlungsfähigkeit. Die Frage der digitalen Souveränität stellt sich noch stärker bei Diensten, die man als wesentlich bezeichnen kann – wie bei der digitalen Identität oder dem Gesundheitswesen. Diese Infrastrukturen nutzen die Menschen im Alltag. Werden sie durch private Strukturen gesteuert, ohne ausreichenden Kontrollspielraum für die öffentliche Verwaltung, so lässt dies Bedenken aufkommen. Der Bund selbst hat dies erkannt, indem er die Wichtigkeit einer souveränen e-ID bekräftigt. Digitale Souveränität heisst, langfristig die Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit zu gewährleisten sowie sich technologischen Entwicklungen anpassen zu können. Für die Gemeinden bedeutet dies, die Kontrolle über ihre Tools zu behalten, bei Bedarf den Anbieter zu wechseln und die Daten der Einwohnerinnen und Einwohner zu schützen. Grégory Grin

Mehr Natur mitten im Dorf

Was entsteht, wenn sich eine engagierte Gemeinde und eine erfahrene Naturschutzorganisation zusammenschliessen? In Sevelen (SG) ist das Resultat ein naturnaher Bachlauf, der das Ortszentrum aufwertet, neuen Lebensraum schafft und nicht nur für viele Kinder zum Lieblingsplatz geworden ist. Der stark verbaute Sevelerbach lief über Jahrzehnte schnurgerade durch das Dorfzentrum. Die Ausgangslage für eine Aufwertung war günstig: Die Gemeinde pflegt gute Beziehungen zum mehrheitlichen Grundeigentümer einer Bachseite, mit dem sie rasch einen Nutzungsvertrag abschliessen konnte. Weitere Parzellen gehören der Gemeinde selbst. Dies half, um konstruktiv mit den Anwohnenden der anderen Bachseite zu verhandeln, die dem Projekt mehrheitlich positiv gegenüberstanden. «So entstand die Idee, die baulichen Entwicklungen mit einer ökologischen Aufwertung des Bachabschnitts zu verbinden», erinnert sich die Gemeinderätin Ursula Wunder Novotny. «Wenn man die Chance hat, mitten im Dorf einen Bach zu revitalisieren, sollte man sie nutzen.» Ursula Wunder Novotny, Gemeinderätin Sevelen (SG) Bereits zu Beginn des Projekts spielte «Lebendiger Dorfbach», ein Projekt der Umweltorganisation Aqua Viva, eine entscheidende Rolle. Es finanzierte die Vorstudie, den ersten Schritt von der Idee zur konkreten Planung. Zudem unterstützte Aqua Viva die Gemeinde fachlich während des gesamten Prozesses. «Für uns war es das erste Revitalisierungsprojekt – da war es Gold wert, einen erfahrenen Partner an der Seite zu haben», betont Thomas Sturzenegger, der das Projekt mit der Übergabe des Ressorts für Umwelt von Ursula Wunder Novotny übernommen hatte. Gerade bei komplexen Fragen, etwa in der Zusammenarbeit mit kantonalen Stellen, war die Expertise von Aqua Viva zentral. Hinzu kam die kommunikative Begleitung mit Infotafeln und regelmässigen Foto- und Videoaufnahmen. Dadurch wurde die lokale Bevölkerung informiert und das Projekt über die Gemeinde hinaus sichtbar gemacht. «Ich habe als neuer Gemeinderat enorm von dieser Unterstützung profitiert», sagt Thomas Sturzenegger. «Man merkt, dass da Menschen mit Herzblut und Erfahrung am Werk sind.» Die Revitalisierung des rund 300 Meter langen Abschnitts kostete insgesamt rund 750 000 Franken inklusive Planungsleistungen durch das Ingenieurbüro. Rund 35 Prozent der Kosten wurden durch Bundesmittel gedeckt. Weitere Beiträge kamen von Dritten, den Rest trug die Gemeinde. Die Organisation vor Ort lag bei der Umwelt- und Naturschutzkommission Sevelen. Von der Idee bis zur Umsetzung vergingen rund fünf Jahre, geprägt von vielen Gesprächen, Abklärungen und auch Rückschlägen. «Gerade die Zusammenarbeit mit kantonalen Behörden war zeitintensiv», so Ursula Wunder Novotny. «Manchmal fühlte es sich an wie ein ständiges Auf und Ab – auf ein Ja folgte ein Problem, dann wieder ein Fortschritt. Aber rückblickend hat es sich gelohnt.» «Für uns war es das erste Revitalisierungsprojekt – da war es Gold wert, einen erfahrenen Partner an der Seite zu haben.» Thomas Sturzenegger, Gemeinderat Sevelen (SG) Kiesinseln, Strömungsvielfalt und Sträucher machen aus dem früher monotonen Kanal einen naturnahen Wasserlauf – genau zwischen zwei Schulhäusern. «Wir wollten auch einen ausserschulischen Lernort schaffen», erklärt die ehemalige Präsidentin der Umwelt- und Naturschutzkommission. Und dieser wird genutzt: Spaziergänger, spielende Kinder und Schulklassen beleben den neuen Uferraum. «Bilder wie diese gab es früher nicht», sagt Thomas Sturzenegger. «Ein kleines Naherholungsgebiet mitten im Dorf – das ist in unserer Region einzigartig.» Aqua Viva begleitet das Projekt nach der baulichen Umsetzung weiter – mit einer ökologischen Erfolgskontrolle. «Es geht uns nicht nur um einen optisch schöneren Bach», erklärt der Gewässerökologe Dominic Tinner, Projektleiter von «Lebendiger Dorfbach», «sondern um ein funktionierendes Ökosystem, von dem Mensch und Natur langfristig profitieren.» Auch in der Bevölkerung kam die Aufwertung gut an, kritische Stimmen blieben klar in der Minderheit. «Ich bin stolz, dass wir gemeinsam mit den Anwohnerinnen und Anwohnern diese Aufwertung realisieren konnten», so Thomas Sturzenegger. «Viele wollten der Natur wieder mehr Raum geben – das war entscheidend.» Rückblickend würden Ursula Wunder Novotny und Thomas Sturzenegger anderen Gemeinden ein ähnliches Projekt uneingeschränkt empfehlen. «Die grösste Herausforderung ist meist nicht das Geld – sondern die Einbindung aller Beteiligten», betont Ursula Wunder Novotny. Dafür brauche es Zeit, Geduld und eine Vision. «Wenn man die Chance hat, mitten im Dorf einen Bach zu revitalisieren, sollte man sie nutzen.» Dominic Tinner, Jana Tischer

Traditionen erhalten und entwickeln

Früher haben Schulkinder selbstverständlich und mit Freude auf der Strasse Schoggitaler und Abzeichen von Hilfswerken verkauft. Und kurz vor den Sommerferien brachten sie jeweils das 1.-August-Abzeichen unter die Leute. Heute scheinen solche gemeinnützigen Aktionen zur Mitfinanzierung von Schulreisen mit dem Schulbetrieb inkompatibel zu sein oder werden gar als Kinderarbeit verpönt. Glücklicherweise sind heute die Schweizerische Post sowie Tourismusbüros, Hotels und Bäckereien bereit, die 1.-August-Abzeichen zu vertreiben. Der Erlös der 1.-August-Abzeichen geht an die Stiftung Pro Patria. Diese unterstützt seit 1909 Renovationen von historischen bedeutsamen Bauwerken in der Schweiz. Und seit 1923 kreiert und vertreibt Pro Patria das 1.-August-Abzeichen, um damit ihre Fördertätigkeit zu finanzieren. In der Deutschschweiz fördert Pro Patria aktuell die Renovation folgender Bauwerke: Kapelle Schloss Wyher in Ettiswil LU, Ruine Palas in Bad Ragaz SG, Pfahlbaubahnhof in Twann BE, Fabrikantenhaus in Schwellbrunn AR, Amtshaus Meienberg in Sins AG, Tanzsaal im Waldhaus von Lützelflüh BE, Burgkapelle St. Verena und Mauritius in Bad Zurzach, Kapuzinerhospiz in Heiligkreuz LU, Ständerhaus in Buus BL, Gasthaus Rössli in Trogen AR, Fassadenmalerei im Haus Antener in Solothurn, Reformierte Dorfkirche in Münchenstein BL, Jugendburg Rotberg in Metzerlen SO, Wandbild im Brüttelenbad BE, Kaskadentreppe in Erlach BE, ein Bauernhaus in Otelfingen ZH, Heimatmuseum Rheinwald, Turm in Halten SO, Schlachtbild in Murten sowie der Audiowalk in der Nagli Winterthur. In der Suisse Romande unterstützt Pro Patria weitere Renovationsprojekte: die Claires Maisons in Lausanne VD, das Bauernhaus Joray in Belprahon BE, mehrere Brunnen in der Region Haute Ajoie und in Le Pâquier im Val-de-Ruz, die Gîte El Jire in Montpreveyres VD und in die Katholische Kirche von Miécourt JU. In der rätoromanischen Schweiz förderte Pro Patria die Renovation der Chesa Torel in Guarda und im Hotel Scaletta in S-Chanf. Und im Tessin leistet Pro Patria Beiträge für die Renovationen der Kirche in Villa Luganese, der Casa Soldati in Vernate, der Foci dal lago in Sonogno, der Capella Mausoleo in Cernesio-Figino und des Saumwegs in Roveredo. Pro Patria fördert im Moment auch die Gesamtsanierung vom Haus zur Treib, die in diesen Wochen beginnt und bis 2027 dauern wird. Das einzigartige Baudenkmal am Vierwaldstättersee, das wie das Rütli in der Urner Gemeinde Seelisberg liegt, gehörte für mehrere Generationen zu den Spitzenreitern unter den Schulreise-Destinationen. Die Orte der Alten Eidgenossenschaft hielten im Haus zur Treib über 70 Tagsatzungen ab. Nun stehen Anpassungen im Küchen- und Sanitärbereich sowie eine Auffrischung der Umgebung samt Hafenanlage an. Auch wird die Erdölheizung durch eine Grundwasserwärmepumpe ersetzt. Neben dem materiellen Kulturerbe fördert Pro Patria auch immaterielle Kulturgüter, zu welchen lebendige Bräuche und Traditionen zählen. Das Bundesamt für Kultur führt eine Liste von mehr als 200 lebendigen Traditionen. Diese Liste umfasst: künstlerische, sportliche und religiöse Bräuche wie Alphorn, Alpfahrten und Alpsegen, Feldschiessen, Hornussen, Jassen, Kuhkämpfe, Schwingen, Sternsingen und Volksmusik; historische Anlässe wie Albanifest, Älplerchilbi, Escalade, Fasnacht, Fête des Vignerons, Landsgemeinden, Prozessionen, Sechseläuten, Stierenmärkte, Unspunnen, Wallfahrten und Zibelemärit; lokale kulinarische, handwerkliche und landwirtschaftliche Fertigkeiten wie Bauernmalerei, Fondue, Köhlern, Maskenschnitzen, Musikspieldosen, Stickerei, Trachtenschneiderei und Wildheuen; Erinnerung an reale und fiktive Figuren wie Anna Göldi, Heidi, Mani Matter und Schellenursli. Das Pflegen von Traditionen wird gerne belächelt oder gar als Gegenwartsverweigerung kleingemacht. Fakt ist, dass sich der Mensch und die Gesellschaft umso leichter und angstfreier für Neues öffnen und sich weiterentwickeln, je tiefer sie in ihrer Geschichte und Kultur verwurzelt sind. «Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers», schrieb der französische Politiker Jean Jaurès. Traditionen bilden die Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft und tragen Werte an künftige Generationen weiter. Traditionen schaffen ein Gefühl der Zugehörigkeit und bringen Menschen in einer stark individualisierten Gesellschaft zusammen. Traditionen fördern die kulturelle Vielfalt und das Verständnis zwischen verschiedenen Gruppen und Kulturen. Und Traditionen helfen, soziale und kulturelle, politische und wirtschaftliche Herausforderungen zu bewältigen und fragwürdigen Tendenzen kritisch zu begegnen. In der aktuellen globalen Situation ist gerade diese Fähigkeit nötiger denn je. Lukas Niederberger

Hochglanz verblasst – Kultur bleibt

Heute Morgen öffnete ich einen Brief mit der Einladung zu einem lokalen Kulturanlass – das Schweizer Fernsehen wird (wieder einmal) zu Gast sein. Gleichzeitig stechen mir auf dem Weg zu Sitzungen am Bahnhof St. Gallen immer wieder grosse Plakate ins Auge: Unsere Kulturveranstalter machen gemeinsam Werbung – und zeigen Präsenz, weit über die Gemeindegrenze hinaus. Dank Kultur ist unser «Städtli» in den sozialen Medien omnipräsent. Lichtensteig gilt als Kulturzentrum der Region – und das, obwohl wir weniger als ein Prozent unseres Gemeindebudgets direkt für Kultur ausgeben. Der Schlüssel? Eine starke, eigenverantwortliche Kulturszene. Von den Jazztagen über das «Rathaus für Kultur» bis zum «Chössi-Theater»: Unsere Organisationen leisten Herausragendes – mit wenig Geld, aber mit viel Herzblut, Kreativität und Freiwilligenarbeit. Sie schreiben Gesuche, bauen Netzwerke, organisieren Veranstaltungen – und schaffen Erlebnisse, die verbinden. Die Wirkung dieser Kulturprojekte ist weit über unsere Gemeindegrenzen hinaus spürbar: Sie schaffen Identität, ziehen Besuchende an, füllen Medienseiten – und bereichern unser Leben spürbar. Kultur ist Standortförderung, Gesellschaftsbildung und Zukunftsarbeit in einem. Statt in glänzende Imagehefte und teure Inserate sollten wir noch stärker in diese lebendige Kultur investieren. Denn was unsere Gemeinde ausmacht, ist nicht die Papierstärke einer Broschüre, sondern die Strahlkraft unserer Kulturmenschen. Wer das erkannt hat, investiert nicht in Werbung – sondern in Wirkung. Mathias Müller

Respekt-Kampagne in Reinach: grosser Effekt mit kleinem Aufwand

«Die Leute haben sich zum Teil gar nicht mehr gespürt», sagt Thomas Sauter, Geschäftsleiter der Baselbieter Gemeinde Reinach. Wüste Beschimpfungen mussten die Mitarbeitenden des Stadtbüros in den letzten Monaten über sich ergehen lassen, gar Drohungen im Stile von «Wartet nur – ich komme zurück, und dann werdet ihr schon sehen!» Thomas Sauter fügt an: «Wir beobachten schon länger, dass die Reizbarkeit der Bevölkerung zugenommen hat, besonders aber seit der Coronapandemie.» Kritik an den Behörden habe es zwar schon immer gegeben und werde es immer geben – die Hemmschwelle für Beschimpfungen und Drohungen sei aber deutlich gesunken. In Reinach traten Anfang 2025 zwei Massnahmen in Kraft, die diese Reizbarkeit der Bevölkerung offenbar noch erhöhten. Einerseits führte die Gemeinde eine neue Parkplatzbewirtschaftung ein, und andererseits wurde die Grünabfuhr kostenpflichtig. Daraufhin war die Situation für die Angestellten des Stadtbüros – in anderen Gemeinden ist das die Einwohnerkontrolle – nicht mehr auszuhalten. «Wir schulen die Mitarbeitenden für den Umgang mit schwierigen Kundinnen und Kunden, aber die Beschimpfungen erreichten ein unerträgliches Mass», so Thomas Sauter. Die Gemeinde hat selbstverständlich ein Sicherheitsdispositiv, und die Mitarbeitenden können in brenzligen Situationen oder bei medizinischen Notfällen einen Notfallknopf drücken, wodurch sie stillen Alarm auslösen und ein Interventionsteam aufbieten können. Doch der Gemeinde war klar: Es braucht mehr Prävention. Denn: «So macht die Arbeit keine Freude mehr – diese Anfeindungen machen etwas mit den Mitarbeitenden, das lässt einen nicht kalt», sagt Thomas Sauter. Zum Schutz der Mitarbeitenden musste etwas geschehen. Eine Gruppe Gemeindeangestellter setzte sich zusammen, um Lösungen zu finden. «Einige kreative Mitarbeitende aus der Kommunikation haben die Idee entwickelt und selbst umgesetzt», erzählt Thomas Sauter. Die Kampagne hat die Gemeinde denn auch kaum etwas gekostet ausser einige Arbeitsstunden und die Kopien der Plakate. Diese Plakate haben zum Beispiel die Aufschrift «Anstand steht Ihnen am Besten», «Wir sind nicht Ihr Sündenbock» oder ganz einfach «Respekt!» und den Zusatz «Danke, dass Sie uns nicht bedrohen». Die Gemeinde hat sie im Stadtbüro und auch bei der Schulverwaltung aufgehängt. «Wir möchten mit den Plakaten Bewusstsein dafür schaffen, dass die Mitarbeitenden des Stadtbüros auch Menschen sind», sagt Thomas Sauter. Die Plakatkampagne, die Ende März gestartet wurde, zeigt Erfolg. «Wir erhalten sehr viele positive Reaktionen», so der Geschäftsleiter. «Einige Personen kommen und fragen ganz verwundert, ob es denn wirklich so schlimm sei.» Und wenn es doch zu einer unangenehmen Situation komme, helfe ein Verweis auf die Plakate, um das Ganze zu entschärfen. «Wenn die Leute nur einen Moment innehalten und das Plakat lesen, bevor sie die Mitarbeitenden ansprechen, hilft das bereits.» Die Kampagne entlaste die Mitarbeitenden sichtlich. Sie zeige ihnen aber auch die Wertschätzung ihres Arbeitgebers: «Wir haben die Sorgen der Mitarbeitenden ernst genommen und in Zusammenarbeit mit ihnen innert kurzer Zeit Massnahmen umgesetzt.» «Wir haben die Sorgen der Mitarbeitenden ernst genommen und in Zusammenarbeit mit ihnen innert kurzer Zeit Massnahmen umgesetzt.» Thomas Sauter, Geschäftsleiter von Reinach (BL) Die Kampagne weckte Aufmerksamkeit über Reinach hinaus, sogar das nationale Radio berichtete, und in den sozialen Medien entstanden Diskussionen. Thomas Sauter erhielt auch einige Rückmeldungen aus anderen Gemeinden. «Wir haben mit dieser Kampagne wohl den Zeitgeist getroffen», sagt Sauter, angesprochen auf das grosse Echo. Beschimpfungen und Drohungen seien leider in vielen Gemeinden ein bekanntes Phänomen. Er rät diesen, genau das gleiche zu tun wie Reinach. «Wir haben mit wenig Aufwand eine sehr positive Entwicklung auslösen können.» Sauter würde sich sogar freuen, wenn die Idee aus Reinach kopiert werden würde. Reinach selbst lässt die Plakate denn auch vorerst hängen. Es gibt sogar Ideen, diese auf eine generelle Kampagne für mehr Respekt im ganzen Dorf auszuweiten. «Wir von der Gemeindeverwaltung sind nicht die einzigen, die beschimpft werden – sondern zum Beispiel auch das Gesundheitspersonal.» Auch der Schweizerische Gemeindeverband setzt sich für mehr Respekt im Umgang mit Behörden ein. So nahm er beispielsweise Ende 2023 an einem runden Tisch zum Thema «Hate Speech» teil, organisiert von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider. Nadja Sutter

Der Sommer kann kommen: Die Mobilfunk-Container stehen bereit

Der Sommer steht vor der Tür und damit beginnt auch die Zeit des Jahres, in der vor allem im Freien grosse Menschenmengen zu unterschiedlichsten Aktivitäten aufeinandertreffen. Da kommt es schon mal vor, dass die bestehende Infrastruktur nicht ausreicht. Mobilfunk-Container sind hierbei ein wichtiges Hilfsmittel. Diese Anlagen kommen häufig bei Grossveranstaltungen, in Notfallsituationen oder in Gebieten mit hoher Nachfrage zum Einsatz, bei der die bestehende Infrastruktur an ihre Grenzen stösst, um den Bedarf zu decken. Die Mobilfunk-Container, welche die zusätzliche Kapazität ermöglichen, sind mit der neuesten Technologie ausgestattet und unterstützen auch 5G. Typische Einsatzgebiete dieser Container sind: 1. Notfall- und Katastrophenhilfeeinsätze: Im Falle von Naturkatastrophen oder anderen Notfällen, bei denen die Infrastruktur beschädigt ist, kann Swisscom Mobilfunk-Container einsetzen, um schnell wieder Mobilfunkdienste in der betroffenen Region zur Verfügung zu stellen. 2. Baustellen: Bei grossen Bauprojekten kann es notwendig sein, die Mobilfunkabdeckung zu verbessern, um die Sicherheitskommunikation und die Verbindung der Arbeitenden zu gewährleisten. Diese temporären Mobilfunkversorgungen können hier helfen, eine stabile Kommunikation sicherzustellen. 3. Veranstaltungen: Mobilfunk-Container werden häufig bei grossen Veranstaltungen wie Musikfestivals, Sportevents oder Messen eingesetzt, um eine zuverlässige Mobilfunkversorgung zu gewährleisten. Dies, damit tausende von Besuchern gleichzeitig auf das Mobilfunknetz zugreifen können. Swisscom arbeitet kontinuierlich daran, die Netzabdeckung in der Schweiz zu verbessern und setzt innovative Technologien ein, um auf veränderte Anforderungen zu reagieren. Weitere Informationen zu Netzthemen für Gemeinden findet ihr in unseren Swisscom News: https://www.swisscom.ch/de/about/netz/gemeinden Direktkontakt für Gemeinden: meine.gemeinde@swisscom.com Anna Katharina Gasser

Feuerwerksverbot: die pragmatische Lösung von Nidau

Der 1. August rückt näher – und damit die Zeit der Feuerwerke. Sofern es das Wetter zulässt und der Sommer nicht zu trocken ist, werden zahlreiche Feuerwerksbegeisterte ihre Knallkörper abbrennen. Während sich die einen darüber freuen, stört es andere. Besonders Tierfreunde fürchten 1. August und Silvester, versetzt das Knallen doch regelmässig Haus- und Wildtiere in Panik. Zeit also, Feuerwerke ganz zu verbieten? Das fordert die Feuerwerksinitiative, die derzeit auf Bundesebene diskutiert wird. Sie will den Verkauf und die Verwendung von lauten Feuerwerkskörpern für Private verbieten. Kantone könnten aber für Veranstaltungen wie eben 1.-August-Feiern Ausnahmebewilligungen erteilen. Der Bundesrat empfahl die Initiative im Oktober 2024 zur Ablehnung, derzeit wird sie in den Kommissionen von National- und Ständerat diskutiert. Für Sandra Hess, Stadtpräsidentin von Nidau (BE) und Vorstandsmitglied des Schweizerischen Gemeindeverbands, ist ein Verbot unnötig. Denn: «Die Gemeinden können diese Frage gut selbst regeln», sagt sie und fügt an: «In vielen Gemeinden und Städten hat die Bevölkerung bereits entschieden, wie sie den Umgang mit Feuerwerk handhaben will.» So auch in Nidau: Seit 2006 sind Feuerwerke grundsätzlich nur noch am 31. Juli, am 1. August und an Neujahr erlaubt. Ausnahmen können bewilligt werden, seit der Einführung der Regelung gingen allerdings keine Anfragen diesbezüglich ein. «Die Gemeinden können die Feuerwerksfrage gut selbst regeln.» Sandra Hess, Stadtpräsidentin von Nidau (BE) In der Stadt am Bielersee kam es nach der Expo.02 zum Verbot, erinnert sich Sandra Hess. Das Nidauer Seeufer wurde mit der Landesausstellung zum beliebten Eventort. Am 31. Juli wurde jeweils ein grosses und beliebtes Feuerwerk in der Seebucht gezündet, das Tausende Besucherinnen und Besucher anzog. Aber besonders die Zahl privater Feiern nahm zu. «Im Sommer wurde gefühlt an jedem Wochenende Feuerwerk gezündet, und die Bevölkerung begann sich über die Lärmbelastung zu beschweren», sagt Sandra Hess. Ein Vorstoss im Stadtrat forderte eine klare Regelung für das Abbrennen von Feuerwerk. Das kommunale Polizeireglement wurde in der Folge angepasst. Aus der Bevölkerung sind die Rückmeldungen positiv, und auch die Erfahrungen der Gemeinde sind gut. Sandra Hess fügt hinzu: «Allerdings muss man jedes Jahr breit informieren und konsequent kontrollieren.» An neuralgischen Punkten werden für die Kontrollen private Sicherheitsdienste eingesetzt, und die Polizei patrouilliert an Orten, an denen illegale Feuerwerkszündungen bekannt sind. Besonders kurz nach Einführung der Regelung wurden private Veranstalter verwarnt und auch gebüsst – das legte sich aber rasch, wie Sandra Hess sagt. «Heute haben wir es vereinzelt mit Knallkörpern zu tun, die Jugendliche zünden. Diese zu erwischen, ist sehr schwer.» Die Gemeinde führt regelmässig Informations- und Sensibilisierungskampagnen durch. «Es geht ja nicht nur um Lärm, sondern auch um Brandschutz, Littering und korrekte Entsorgung», sagt Sandra Hess. Sandra Hess zieht ein positives Fazit des Feuerwerksverbots in Nidau – und weiss, dass eigenständige Regelungen auch anderswo gut funktionieren, zum Beispiel in der Stadt Bern. Klar sei es möglich, dass es eine Nachbargemeinde anders handhabe und dann doch Feuerwerkslärm zu hören sei. «Aber diese Frage stellt sich bei jedem Thema, das nicht auf eine Gemeinde eingegrenzt werden kann. Das legitimiert nicht, den Gemeinden die Entscheidungskompetenz wegzunehmen.» Über solche Themen oder eben Vorstösse wie die Feuerwerksinitiative passiere das aber schleichend. Es gehe nicht darum, was ein nationales Verbot für eine Gemeinde bedeuten würde, sondern darum, dass man der Bevölkerung in der Gemeinde nicht zutraue, das Heft selbst in die Hand zu nehmen. «Das stört mich massiv. Und das halte ich für gefährlich für den Zusammenhalt und das Zugehörigkeitsgefühl in der Gemeinde. Wer sich zugehörig fühlt, übernimmt auch Verantwortung», sagt Sandra Hess. «Deshalb ist mir die Gemeindeautonomie sehr wichtig. Auch dann, wenn es um Feuerwerk geht.» Nadja Sutter

Eidgenössisches Turnfest: eine grosse Herausforderung

Vom 12. bis 22. Juni findet in Lausanne das Eidgenössische Turnfest statt. Während zweier Wochenende ist die Hauptstadt des Kantons Waadt nicht nur olympische Hauptstadt, sondern auch Schweizer Turnhauptstadt. «Die Stadtverwaltung wollte zusammen mit ihren Partnern, dem Kanton Waadt und Gymvaud, ein Ereignis organisieren, das die Menschen zusammenbringt», erklärt Émilie Moeschler, Stadträtin und Leiterin der Direktion für Sport und sozialen Zusammenhalt. Damit das Fest ein Fest für alle ist, haben das Organisationskomitee und die Stadt beschlossen, dass Lausanne 2025 nicht nur an einem Standort, sondern in der ganzen Stadt stattfinden wird. Eine enorme logistische Herausforderung, da Sicherheit, Zugänglichkeit, Sauberkeit des öffentlichen Raums und auch die Versorgung mit Wasser und Strom gewährleistet werden muss. Seit 2023 setzen Teams der Stadt alles daran, dass dieses Fest ein Erfolg wird. Mélanie Blanc

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