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Ein grünerer und gesünderer Pausenplatz

Kinder tummeln sich auf dem Pausenplatz wie die Vögel in den Ästen über ihnen. Vögel und das Naturschutzgebiet Grande Cariçaie am Neuenburgersee waren die Inspiration für die Neugestaltung des Pausenplatzes der Primarschule La Villette in Yverdon-les-Bains. Der in die Jahre gekommene Multisportplatz und der Asphalt wurden durch Holzhäuschen für die Kinder, Obstbäume, eine Wasserstelle und einen modernisierten Multisportplatz ersetzt. Ist der Pausenplatz jetzt schöner? Sicherlich. Doch der wahre Mehrwert liegt woanders: «Die Vielfalt der Räume und Spielmöglichkeiten fördern die Entwicklung der Kinder», sagt Carmen Tanner, Stadträtin für Stadtplanung, Personalwesen und Nachhaltigkeit. «Ausserdem werden beispielsweise das Gleichgewicht oder die Motorik gefördert.» Die Politikerin verweist auf aktuelle Studien, die gezeigt haben, dass der Zugang zu Grünflächen die Gedächtnisleistung und die Aufmerksamkeit von Kindern verbessert. Und wie sieht es mit den Auswirkungen auf die Chancengleichheit aus? War der Multisportplatz bisher den Jungs und dem Fussball vorbehalten, wird nun die Aktivität des Tages vor jeder Pause mit einer von den Kindern erdachten Methode zufällig bestimmt. «Dieser Platz ist nun für alle zugänglich, ohne Unterscheidung oder Diskriminierung», freut sich Carmen Tanner, Vize-Stadtpräsidentin von Yverdon. Und das ist nicht die einzige Verbesserung, die sich eingestellt hat. Da der Platz im Herzen eines Wohnquartiers liegt, kam es bisher aufgrund der Lärmbelästigung zu Spannungen. «Die Bälle prallten gegen die Wand hinter dem Tor und jeder Aufprall hallte in allen umliegenden Gebäuden wider.» Heute ist die betreffende Wand mit Klettergriffen versehen, die eine neue Aktivität ermöglichen. «Zudem wurde ein Ballfangzaun angebracht. So gibt es keine Störung mehr!» «Der Multisportplatz ist nun für alle zugänglich, ohne Unterscheidung oder Diskriminierung.» Carmen Tanner, Vize-Stadtpräsidentin, Yverdon-les-Bains (VD) Das Projekt wurde übrigens partizipativ umgesetzt. Anwohnende, Schulkinder, Lehrpersonen sowie Hausmeisterinnen und Hausmeister wurden einbezogen. Dieses Engagement hält an. «Die Kinder und Jugendlichen, die nach der Schule hier spielen, haben eine partizipative Pflege des Platzes organisiert», berichtet Carmen Tanner. «So bleibt der Pausenplatz sauberer und wird besser respektiert als zuvor, weil sich alle verantwortlich fühlen.» Ein Pausenplatz ist zwar ein Pausenplatz, aber auch ein öffentlicher Raum. Diese und andere Neugestaltungen tragen dieser Tatsache Rechnung. «Wir haben hier die gleichen Kriterien zugrunde gelegt wie für andere öffentliche Räume, das heisst, es muss mindestens einer der folgenden Schwerpunkte vorhanden sein: Kultur, Sport, Zusammenhalt oder Natur», erklärt die Politikerin. «Für diesen Platz standen Natur und Sport im Vordergrund. Die Anlagen und Spielgeräte wurden so konzipiert, dass sie zum Bewegen einladen. Ausserdem wurde der Platz an verschiedenen Stellen und auf unterschiedliche Weise begrünt.» Es gibt nun mehr Natur und Räume, in denen man sich austoben kann oder die den Zusammenhalt zwischen den Schulkindern stärken. All dies trägt zur Stärkung der körperlichen und psychischen Gesundheit dieser jungen Menschen bei. Carmen Tanner macht keinen Hehl daraus, dass sie eine noch stärkere Begrünung befürwortet hätte. «Aber es ist ein erster Schritt. Wir befinden uns in einer Übergangs- und Sensibilisierungsphase – nicht nur in Yverdon – zwischen komplett asphaltierten und vielleicht in Zukunft komplett begrünten Pausenplätzen!» Unter der sengenden Sonne, aber im Schatten der auf dem Platz gepflanzten Bäume, betont sie: «Bäume und Grünflächen bilden einen natürlichen Schutz gegen die Wärmeinseln, die diese Plätze darstellen. Die Frage der Begrünung wird sich immer mehr stellen...» Josefin De Pietro, Lara Gross Etter

Blatten: eine Gemeinde im Exil

In der Gemeindekanzlei Wiler (VS) sind derzeit zwei Gemeindeverwaltungen untergebracht: jene von Wiler selbst und jene vom zerstörten Nachbardorf Blatten. An einer Tür im ersten Stock sind die Öffnungszeiten der Blattner Gemeindeverwaltung angeschlagen. Im Flur hängen Schwarz-Weiss-Fotografien von Bewohnerinnen und Bewohnern des Lötschentals in der wilden Bergwelt. Einige der fotografierten Orte gibt es heute so nicht mehr. Der Bergsturz vom 28. Mai hat einen grossen Teil von Blatten zerstört, Hunderte Bewohnerinnen und Bewohner haben ihr Zuhause verloren, eine Person ihr Leben. Der Bergsturz hat das Dorf und somit den Gemeindepräsidenten in den Fokus der Öffentlichkeit katapultiert. Matthias Bellwald arbeitet seither fast rund um die Uhr – für die «Schweizer Gemeinde» kann er sich 30 Minuten Zeit nehmen, bevor es weiter zum nächsten Termin geht. Die Fragen beantwortet er routiniert, und im Gespräch wird deutlich: Der Gemeindepräsident blickt nach vorne. «Ab der ersten Minute nach dem Bergsturz war klar: Wir werden das Dorf wieder herrichten», sagt er. Und fügt an: «Wir sind hier in einem der reichsten und innovativsten Länder der Welt, mit einem hohen Bildungsniveau – wo, wenn nicht hier, können wir ein 300-Seelen-Dorf wieder aufbauen? Das muss zu schaffen sein.» Überwältigt sei er von der Unterstützung aus der ganzen Schweiz, sagt Matthias Bellwald weiter. «Diese Hilfsbereitschaft aus allen Landesteilen haben wir Blattnerinnen und Blattner nicht erwartet.» Mehrere Millionen Franken haben Bund, Kantone, Privatpersonen und auch zahlreiche Gemeinden gespendet. Allein über die Patenschaft für Berggemeinden kamen elf Millionen Franken zusammen. «Diese Hilfsbereitschaft aus allen Landesteilen haben wir Blattnerinnen und Blattner nicht erwartet.» Matthias Bellwand, Gemeindepräsident Blatten (VS) Besonders gross ist die Solidarität im Lötschental selbst, wo rund 80 Prozent der Blattnerinnen und Blattner provisorisch untergekommen sind. Die Gemeinde Wiler hat der Gemeindeverwaltung Blatten den ersten Stock für die Einrichtung der Gemeindekanzlei und einen eigenen Anschlagskasten zur Verfügung gestellt. Bei der Evakuation von Blatten blieb der Gemeindeverwaltung keine Zeit, um Material in Sicherheit zu bringen. Projektordner, Infrastruktur, das Archiv: Alles wurde durch die Felsmassen zerstört. «Wir sind zum Glück digital gut unterwegs, sodass uns immerhin die digitalen Daten weiterhin zur Verfügung stehen», sagt Matthias Bellwald. Derzeit könne die Gemeindeverwaltung ihre Aufgaben wahrnehmen. Hinzu kommen nun aber zahlreiche weitere Aufgaben: Die neue Raumplanung, die Verwaltung der Spendengelder, Wohnraum schaffen bis zur Rückkehr, eine neue landwirtschaftliche Zuteilung, die Herstellung der Basisinfrastruktur und natürlich die Planung des Wiederaufbaus. Derzeit hat die Gemeinde eine zusätzliche Stelle in der Verwaltung ausgeschrieben. Vieles stemmt der Gemeinderat selbst. «Ein Gemeinderatskollege und ich sind pensioniert – wir zwei arbeiten nun quasi Vollzeit», sagt Matthias Bellwald. Die anderen Ratsmitglieder arbeiten voll neben ihrem Mandat und übernehmen nach Mass weitere Zusatzaufgaben. «Als ich gewählt wurde, habe ich ‹Ja› zu diesem Amt gesagt. Jetzt nehme ich diese Verantwortung auch mit bestem Wissen und Gewissen wahr, denn es ist eine sehr sinnvolle Arbeit», sagt Matthias Bellwald. «Klar rechnet man als Gemeindepräsident nicht damit, aber so ein Jahrtausendereignis kann jeden treffen.» Den Wiederaufbau muss die Gemeinde immerhin nicht ganz allein bewältigen. Im Sommer wurde in Zusammenarbeit mit dem Kanton eine strategische Wiederaufbaugruppe zusammengestellt und damit die Organisation des Wiederaufbaus aufgegleist. Matthias Bellwald betont, dass nicht ganz Blatten zerstört wurde: Einige Gebäude am Dorfrand sowie die Weiler Weissenried und Eisten sind noch intakt. Diese hätten durchaus Entwicklungspotenzial, so Bellwald. «Aber der Hauptfokus liegt am Aufbau des neuen Blatten im Perimeter des ehemaligen Dorfes.» Matthias Bellwald betont auch: Die Gemeinde Blatten gibt es noch. Die Häuser, das Dorf seien zwar zerstört – doch das Territorium, die Alpen und die Weiler bestehen weiterhin. «Und das Wichtigste: Die Bevölkerung lebt, sie ist zwar im Exil und in einer unglaublich schwierigen Lage, aber sie ist da.» Die Vereine sind weiterhin aktiv: Der Kirchenchor probt, die Musikgesellschaft erstellt eine Roadmap für ihr Weiterbestehen, und die Grenadiere sind daran, neue Uniformen zu organisieren und den Herrgottstag 2026 zu planen. «Wir Blattnerinnen und Blattner begegnen uns in den Dörfern, wir sind nicht allein mit dieser riesigen Herausforderung», sagt Matthias Bellwald. «Wir lieben die Berge und dieses Tal. Den Wiederaufbau Blatten leisten wir unter anderem für die nächsten Generationen – und für das ganze Tal.» Nadja Sutter

Recycling klar & einfach – Infomaterial für Ihre Gemeinde oder Sammelstelle

Die Gemeinde Dübendorf ist mit rund 32’000 Einwohnerinnen und Einwohnern die viertgrösste Gemeinde im Kanton Zürich und Partner Swiss Recycle der ersten Stunde. Im Interview erzählt Roland Keller, Leiter Recycling & Entsorgung, was Dübendorf an Swiss Recycle schätzt und warum sich die Partnerschaft für sie lohnt. Wir sind schon immer im Austausch mit Swiss Recycle und machten stets positive Erfahrungen. Die Zusammenarbeit mit Swiss Recycle ist gut und wir erhalten immer schnelle Rückmeldungen, die uns sehr weiterhelfen. Als dann die Information über die neue Partnerschaft kam, war für uns klar: Wir wollen Swiss Recycle unterstützen und weiterhin von den professionellen Dienstleistungen profitieren. Die Toolbox war für uns nebst der guten langjährigen Zusammenarbeit ein Grund für die Partnerschaft. Wir nutzen die Toolbox regelmässig. Zum einen im Bereich Sensibilisierung, da sie nützliche druckfertige Dokumente beinhaltet, die wir an unserer Sammelstelle gut einsetzen können; wie Plakate und Flyer, die wir einfach downloaden und für unsere Bedürfnisse einsetzen können, ohne dass wir selbst etwas gestalten müssen. Wir schätzen aber auch den freien Zugriff zu allen Webinaren. So können wir uns und unsere Mitarbeitenden mit kleinem Aufwand auf dem neusten Stand halten. Wie beispielsweise mit dem Webinar über Brandverhütung auf Sammelstellen; oder mit Informationen der verschiedenen Recycling-Systeme, die in der Toolbox leicht aufzufinden sind. Durch die langjährige Zusammenarbeit kennen wir die Mitarbeitenden von Swiss Recycle persönlich und sie uns. So erhalten wir bei Fragen individuelle Antworten und Lösungen, da sie unsere Strukturen kennen. Das ermöglicht einen guten Austausch, sei es bei telefonischen Anfragen oder bei einem persönlichen Treffen an einem Kongress oder Workshop. Die Mitarbeitenden von Swiss Recycle kennen zudem die Herausforderungen und Sorgen der Gemeinden, da sie an der Basis sind und am Puls der Zeit. So können unkomplizierte und pragmatische Lösungen gefunden werden, was uns den Alltag natürlich sehr erleichtert. Sicher allen Gemeinden, die eine eigene Sammelstelle betreiben, da durch die Partnerschaft und den engen Austausch mit Swiss Recycle gute Lösungen für individuelle Probleme gefunden werden können. Zudem können wie erwähnt druckfertige Informationsmaterialien genutzt werden, was einem die Sensibilisierung bei der Bevölkerung enorm erleichtert und den eigenen Aufwand klein hält. Aber auch bei anderen Fragen rund um die Entsorgung und Kreislaufwirtschaft kann Swiss Recycle Unterstützung bieten – dadurch lohnt sich die Partnerschaft für jede Gemeinde, die ihre Separatsammlung und Kreislaufwirtschaft optimieren will. Swiss Recycle

Das Horwer Seeufer im Spagat zwischen Mensch und Natur

Horw am Vierwaldstättersee: Die Luzerner Gemeinde schmiegt sich an eine Bucht und an eine Halbinsel und hat so viel Seeanstoss wie wenige andere Gemeinden. Was viel Lebensqualität für die Einwohnerinnen und Einwohner bedeutet, heisst auch viel Arbeit für die Gemeinde. Denn das Seeufer muss unterhalten werden, gerade wenn es an Strassen anschliesst. Einer, der sich in den letzten Jahren intensiv mit dem Horwer Seeufer beschäftigt hat, ist Silas Wobmann. Er ist der stellvertretende Leiter Tiefbau bei der Gemeinde Horw und zeichnet sich zuständig für die Sanierungsprojekte entlang des Seeufers. Wir treffen ihn an einem milden Sommertag beim Seehotel Sternen, direkt neben dem Naturschutzgebiet Steinibachried. Er blickt aber in die andere Richtung, zur Winkelbadi. Auf dem Abschnitt zwischen dem Seehotel und der Winkelbadi hat die Gemeinde in den letzten Jahren viel für die Biodiversität getan. Die Strasse sowie die Ufermauer mussten alters- und zustandsbedingt saniert werden. Zudem sollte die Strasse breiter werden, damit Spaziergänger, Velofahrerinnen und Autos mehr Platz erhalten. Die alte Ufermauer wurde stehen gelassen, die neue weiter in den See hinein gebaut, wie Silas Wobmann erklärt. Schüttungen mit grossen Steinen vor der Mauer schützen sie vor Erosionen. Vor den Steinen ragen einige Schilfstauden aus dem Wasser, weitere Steine liegen einige Meter vom Ufer entfernt im Wasser, sie bilden sogenannte Buhnen. Darauf sind Wurzelstöcke platziert, und einige Pflanzen beginnen zaghaft aus diesen Buhnen zu wachsen: Vor allem Weiden, aber da und dort auch andere Wildgehölze. Blässhühner schwimmen zwischen dem Schilf. Und wer ganz genau hinschaut, entdeckt in Ufernähe kleine Fische. «Es sieht alles etwas wild aus, aber das ist gewollt», sagt Silas Wobmann. «Wir haben die Grundlagen geschaffen, damit die Natur Natur sein kann.» Einige Weiden und einzelne Schatten spendende Bäume seien gepflanzt worden, ansonsten war die Gemeinde aber zurückhaltend: «Es wächst, was hier wachsen kann und auch überlebt», erklärt Silas Wobmann, der vor seiner Tätigkeit für die Gemeinde als Bauführer bei einem Gartenbauunternehmen gearbeitet hat. «Horw fördert die Biodiversität, weil sie als Gemeinde eine Vorbildfunktion hat.» Silas Wobmann, stv. Leiter Tiefbau, Gemeinde Horw (LU) Aber nicht nur die Natur erhält hier ihren Platz: Entlang des Ufers haben auch die Menschen Platz zum Flanieren. «Wir wollten die Strasse gestalten – wie eine Art Promenade», erklärt Silas Wobmann. Das Trottoir ist auf der gleichen Höhe wie die Strasse, ohne Bordsteinkante, hebt sich aber farblich ab: Dort ist der Asphalt heller. «Der hellgraue Asphalt heizt sich weniger schnell auf.» Das Sternenmätteli neben dem Seehotel hat die Gemeinde Anfang Jahr umgestaltet. Der kleine Badeplatz erhielt eine Rampe, die es auch gehbehinderten Personen erlaubt, direkt zum See zu gelangen. Allerdings hatte die Gemeinde die Rechnung ohne die Seeströmung gemacht: Im Frühling verlagerte sich der neue Sand bis weit auf die Rampe. Das freut die Kinder wie auch die Enten – aber weniger die gehbehinderten Personen. «Das ist natürlich nicht ideal. Wir analysieren diese Situation und werden im Winter Massnahmen ergreifen», so Silas Wobmann. Silas Wobmann geht dem Seeufer entlang bis zur Winkelbadi und zeigt auf den Boden: Eine helle, überdeckte Rinne führt über das Trottoir und die Strasse bis zum Wald auf der anderen Strassenseite. Es handelt sich nicht etwa um eine Entwässerungsrinne, sondern einen Klimatunnel für Amphibien. Im Frühjahr machen sich diese auf den Weg vom Wald zum See, um zu laichen, und im Sommer kehren die Jungtiere zurück in den Wald. Die Strasse ist dabei ein gefährliches Hindernis für die Tiere – im Tunnel sind sie geschützt. «Wir führen derzeit ein Monitoring durch, um zu überprüfen, wie er genutzt wird», sagt Silas Wobmann. Rund eineinhalb Millionen Franken hat die Sanierung dieses Uferabschnittes gekostet. Die Gemeinde erhielt vom Bund Subventionen für die Revitalisierungsmassnahmen in der Höhe von etwas mehr als 10 Prozent des Gesamtbetrages. «Horw fördert die Biodiversität, weil sie als Gemeinde eine Vorbildfunktion hat», sagt Silas Wobmann. Die Biodiversität im Zuge von Strassensanierungen aufzuwerten, gelingt in der Gemeinde gut. «Wir sind ein kleines Team, was hilft, bei Sanierungen den Überblick zu behalten und Synergien zu nutzen», erklärt Silas Wobmann. Am Seeufer arbeitete die Gemeinde zudem mit erfahrenen Ingenieuren sowie Experten für Amphibien und Reptilien zusammen. «Das nötige Fachwissen abzuholen, ist zentral, damit man Massnahmen umsetzt, die wirklich Wirkung zeigen.» Sein eigener Hintergrund als gelernter Landschaftsgärtner und -bauzeichner hilft ihm dabei ebenfalls. Und nicht zuletzt lernt die Gemeinde von ihren eigenen Projekten: Beim Seeacher erstellte die Gemeinde vor drei Jahren die ersten Buhnen am Seeufer. «Wir haben dann realisiert, dass wir die Steininseln näher beieinander platzieren müssen, damit Schilf und Sträucher wachsen können», erklärt Silas Wobmann. Dies hat man in den Jahren darauf umgesetzt – und tatsächlich wächst das Schilf nun besser. Nadja Sutter

Die Natur hat auch in Siedlungen Platz

Bereits zum zweiten Mal hat der Kanton Aargau den Naturpreis im Rahmen der Vernetzungsplattform Natur 2030 vergeben. Passend zum vorgegebenen Thema «Biodiversität und Klimaanpassung» wurden 29 Projekte eingereicht, vier kamen in die engere Auswahl, gewonnen hat die Stadt Zofingen mit zwei beispielhaften Strassenaufwertungen. «Ausschlaggebend für den Sieg ist die gelungene Kombination von Klimaanpassung mit Beschattung sowie von zukunftsfähigem Wassermanagement mit der Förderung der Biodiversität», teilte der Kanton mit. Mit dem Gewinn des kantonalen Naturpreises erhält die Stadt Zofingen zweckgebunden für naturnahe Projekte 15 000 Franken. Robert Weishaupt, Stadtrat von Zofingen, dazu: «Der Sieg zeigt auf, dass die Natur in der Siedlung Platz hat. Der Preis motiviert uns, mehr solche Projekte umzusetzen.» Bei beiden Projekten wurde die Bevölkerung von Anfang an in einem partizipativen Prozess miteinbezogen. «Wir bezogen die Anwohnenden mit ein, da Quartierstrassen primär ihnen dienen», sagt Jonas Stöckli, Projektleiter Tiefbau von Zofingen. Das Mitspracherecht der Bevölkerung diene nicht nur der Identifikation mit den Projekten, sondern reduziere auch Einsprachen, sodass die Umsetzung zeitnah erfolgen könne. «Wir bezogen die Anwohnenden mit ein, da Quartierstrassen primär ihnen dienen.» Jonas Stöckli, Projektleiter Tiefbau, Zofingen (AG) Mitte August dieses Jahr begannen die ausgezeichneten Arbeiten an der Oberen Mühlemattstrasse. Die ursprünglich als Kantonsstrasse vorgesehene 11,5 Meter breite Strasse wird infolge Werkleitungsarbeiten erneuert. Sie war völlig überdimensioniert und wird deshalb auf 5,2 Meter verschmälert, entsiegelt und begrünt. Um herauszufinden, wie die freien Flächen genutzt werden sollen, hat der Stadtrat in einem zweijährigen Prozess gemeinsam mit interessierten Anwohnenden das Quartierentwicklungsprojekt «Mer gstaute öisi Stross!» umgesetzt. Resultat des partizipativen Prozesses ist eine Begegnungszone mit Tempo 20, wo Fussgängerinnen und Fussgänger auf der gesamten Strassenfläche vortrittsberechtigt sind. Die nicht mehr benötigten Trottoirs werden entsiegelt. Die so frei werdende, rund 1300 Quadratmeter grosse Fläche wird naturnah bepflanzt. In den rund sechs Meter breiten Grünstreifen entstehen Blumenwiesen und Ruderalflächen. Bäume sowie einheimische Sträucher fördern die Biodiversität und kühlen künftig die Umgebung ab. In den entstehenden Freiflächen werden eine Pétanque-Bahn, ein Kindererlebnisweg, ein Quartierplatz, sechs bewirtschaftete öffentliche Parkplätze, zwei behindertengerechte Bushaltestellen und eine unterirdische Entsorgungsstelle realisiert, schreibt die Stadt Zofingen auf ihrer Website. Um Garagen und Keller umliegender Privatgrundstücke vor Oberflächenwasser zu schützen, kann Regenwasser nach der Aufwertung in Mulden und Tiefbeete fliessen – typische Schwammstadtelemente. «Beim Projektstart war uns der Begriff Schwammstadt noch nicht bekannt. Aufgrund des Hochwasserereignisses im Jahr 2017 waren aber die Entkoppelung der Strassenentwässerung von der Kanalisation und das Versickern des Strassenabwassers bereits angedacht», sagt Jonas Stöckli. Im Agglomerationsprogramm des Bundes sind Gelder für Verkehrsinfrastrukturmassnahmen vorhanden. «In Zofingen wird damit der Rückbau beziehungsweise die Entsiegelung und Begrünung der Oberen Mühlemattstrasse mitfinanziert», sagt Tobias Vogel vom Agglomerationsprogramm AareLand. Die andere ausgezeichnete Aufwertung beim Eisengrubenweg ist seit zwei Jahren abgeschlossen. Das Ressort Tiefbau der Gemeinde nutzte Werkleitungsarbeiten, um in einer Tempo-30-Zone rund 600 Quadratmeter Strassenraum zu entsiegeln und zu verschmälern. Auch hier durfte die Bevölkerung mitreden: In einem Online-Voting stimmten 72 Prozent der Teilnehmenden für die Grünste von fünf Varianten. So wurde auf einer Länge von 300 Metern ein zwei Meter breiter Grünstreifen angelegt. In den zehn Pflanzinseln gedeihen nun 21 standortgerechte und klimaresistente Bäume wie Traubeneichen und Winterlinden. Die Strasse wurde von siebeneinhalb Meter auf etwas unter fünfeinhalb Meter verschmälert. Die neu geschaffenen Grünflächen nehmen nun Regenwasser von oben und von der Strasse auf. Somit wird die Kanalisation – insbesondere bei Starkniederschlägen – entlastet. «Die vergangenen Starkniederschläge zeigten, dass das Schwammstadtprinzip funktioniert», sagt Jonas Stöckli. Sarah C. Sidler

Grünräume: die Oasen der Gemeinden

Grünräume im Siedlungsgebiet sind immer auch Orte für Pausen: Sitzbänke stehen dort, Spazierwege führen hindurch, sie laden ein zum Verweilen und Innehalten. Im Grünen atmen die Menschen durch – und die Natur erhält ihren Platz. Im besten Fall erfüllen Grünräume aber noch viele weitere Aufgaben: In Schwammstädten halten sie bei heftigen Regenfällen Wasser zurück, was Überschwemmungen verhindert und das Wasser speichert, das eben diese Grünräume nährt. Grünflächen können bei richtiger Gestaltung die Biodiversität fördern und in den heissen Sommermonaten zur Abkühlung beitragen. Zudem können sie Menschen motivieren, sich mehr zu bewegen, zum Beispiel auf Pausenplätzen und in Pärken. Damit Grünräume all diese Funktionen erfüllen können, müssen sie gut geplant und gepflegt werden. Hier sind die Gemeinden am Zug. In dieser Ausgabe stellen wir diverse gute Beispiele vor: Von der grünen Umgestaltung einer Quartierstrasse in Zofingen (AG) über das Seeufer in Horw (LU), das nach der Sanierung wilder, aber auch lebendiger geworden ist, bis hin zur Neugestaltung eines Pausenplatzes in Yverdon-les-Bains (VD). Wir wünschen eine anregende Lektüre! «Damit Grünräume all ihre Funktionen erfüllen können, müssen sie gut geplant und gepflegt werden.» Nadja Sutter, Chefredaktorin «Schweizer Gemeinde» Nadja Sutter

Porrentruy: Natur als Mittel gegen die Hitze in der Stadt

Laut der Klima-Risikoanalyse des Bafu zählen Hitzewellen bis 2060 zu den zentralen Risiken für die Schweiz, insbesondere für Kinder, ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen. Im Rahmen eines Pilotprojekts hat Porrentruy (JU) innovative Massnahmen zur Klimaanpassung und Förderung der Biodiversität entwickelt. Ziel war es, öffentliche Räume ökologisch aufzuwerten, insbesondere an Orten, die von gefährdeten Gruppen frequentiert werden. Der kommunale Leitplan «Natur in der Stadt» legt dazu konkrete Richtlinien für die Gestaltung von resilienten Grünflächen fest. Durch die Auswahl klimaresistenter einheimischer Bäume und die Integration der Massnahmen in städtebauliche Instrumente wird eine nachhaltige Umsetzung gewährleistet. Die Bevölkerung wurde regelmässig informiert und konnte sich beteiligen. Der Ansatz von Porrentruy dient anderen Gemeinden als pragmatisches Beispiel für eine effektive Klimaanpassung. Mehr Informationen: Förderprogramm Anpassung an den Klimawandel – Adapt+ Guirec Gicquel

Dialogformat für lebendige Gemeinden

Die Schweiz gilt als Willensnation. Trotz unterschiedlicher Sprachen und Herkünfte gelingt das Zusammenleben in Quartieren, Gemeinden und Städten. Doch in Zeiten der Polarisierung bröckeln die Verbundenheit und die Solidarität auch in der Schweiz. Aktuelle Studien zeigen, dass eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung den Zusammenhalt in unserem Land als schwach oder eher schwach beurteilt. Das Migros-Kulturprozent fördert zahlreiche Initiativen und Projekte, die den sozialen Zusammenhalt und eine nachhaltige Gesellschaft stärken. Eines seiner Förderangebote auf regionaler Ebene heisst Projektraum. Es führt Menschen zusammen, die sich für ihre Stadt, ihr Dorf oder ihr Quartier einsetzen. Gemeinsam diskutieren, hinterfragen und entwickeln sie an einem Workshop konkrete Projekte und Ideen, die das Zusammenleben fördern. «Solche lokalen Initiativen sind der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält», sagt Sandro Hodel, Themen- und Projektleiter Soziales bei der Direktion Gesellschaft und Kultur beim Migros-Genossenschafts-Bund. An einem Projektraum teilnehmen kann jede und jeder – entweder als Projektmacherin oder Projektmacher oder als Mitdenkerin oder Mitdenker. Erstere wollen ein lokales Projekt umsetzen oder tun dies bereits, sie stellen ihre Idee und ihre Fragestellung im Workshop vor. Letztere denken mit, bringen sich ein und helfen in Kleingruppen, neue Lösungsansätze zu finden. «Projekträume leben von den unterschiedlichen Hintergründen, Erfahrungen und Kompetenzen der Teilnehmenden», sagt Sandro Hodel. Wichtig: Im Projektraum werden keine neuen Vorhaben initiiert, es werden bestehende Ideen und Projekte beraten. Ziel ist es, dass die Projektmacherinnen und Projektmacher aufgrund der Rückmeldungen und Tipps einen Schritt weiterkommen und neue Kontakte knüpfen. Damit ein Projektraum stattfinden kann, braucht es mindestens drei lokale Projekte und 15 Teilnehmende, die mitdenken und mitdiskutieren. «Solche lokalen Initiativen sind der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält.» Sandro Hodel, Themen- und Projektleiter Soziales, Direktion Gesellschaft und Kultur, Migros-Genossenschafts-Bund Nach einer Pilotphase im Herbst 2023 hat das Migros-Kulturprozent das Förderangebot Soziales im vergangenen Jahr auf- und ausgebaut. Im ersten Durchführungszyklus, der bis Ende 2025 dauert, finden Projekträume in elf Gemeinden und kleineren Städten in der Deutschschweiz, der Westschweiz und im Tessin statt. In den zwölf bereits durchgeführten Projekträumen arbeiteten rund 260 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an 56 Projekten. Der Fokus der Projekte liegt auf der Förderung des sozialen Zusammenhalts, auf Begegnung und Dialog sowie auf freiwilligem Engagement. So diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Wetzikon (ZH) Möglichkeiten, um den Stadtgarten Färberwiese weiter als Gemeinschaftsgarten zu nutzen. In Kriens (LU) suchte der «Verein zusammen» Ideen, um mittels Theaterprojekten oder Fotoausstellungen der einheimischen Bevölkerung die Perspektiven von Zugewanderten näherzubringen. Und in Glarus stellte eine Gruppe ihr Vorhaben zur Diskussion, den historischen «Hänggiturm» in Ennenda, in dem auch das Anna Göldi Museum untergebracht ist, als Kultur- und Begegnungsort für alle zu öffnen. In Kreuzlingen (TG) stiess der Projektraum im Herbst 2023 auf derart grossen Anklang, dass die Gemeinde unter dem Namen Projektschmiede im Frühjahr 2025 bereits eine zweite Auflage organisierte. «Die Rückmeldungen vom ersten Anlass waren eindeutig», sagt Zeljka Blank-Antakli, die Integrationsdelegierte der Gemeinde. «Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten nicht nur wertvolle Inputs für ihre Projekte, sondern nahmen auch Motivation und konkrete nächste Schritte mit.» Auch für die Gemeinde lohne sich ein solches Mitwirkungsangebot, ergänzt der zuständige Stadtrat Daniel Moos: «Die Projektschmiede baut Vertrauen auf: Menschen erleben, dass ihre Ideen ernst genommen werden. Zudem ist es für uns eine Chance, nah an den Bedürfnissen der Bevölkerung zu bleiben und Entwicklungen früh zu erkennen.» Die diskutierten Projekte, etwa Ideen für einen lebendigen Dorfplatz, werden nun von Verwaltung, Politik und Bürgerschaft gemeinsam weiterbearbeitet. Das Migros-Kulturprozent bietet nach der Durchführung eines Projektraums weiterführende Unterstützung: Die Möglichkeiten reichen von kostenlosen Coachings über finanzielle Projektbeiträge bis zur Förderung eines zusätzlichen Vernetzungsanlasses. Denn am Ende sollen die gemeinsam geschmiedeten Projektideen mehr als bloss ein Schrittchen weiterkommen: Sie sollen zu leben beginnen. Simon Koechlin

Mehr Biodiversität in der Stadt

Grünflächen zu erhalten, zu pflegen und vor allem zu entwickeln, ist nicht einfach für eine Gemeinde: Es kostet Zeit, Energie, Arbeit und Geld. Im Jahr 2021 beschloss die Gemeinde Grandson (VD), ihren kommunalen Energie- und Klimaplan (PECC) gemäss den Empfehlungen des Kantons Waadt zu erstellen. Seitdem wurden mehrere Massnahmen zugunsten der Natur in der Stadt durchgeführt, darunter unter anderem: die Anlage eines Gemeinschaftsgartens, die Begrünung des Friedhofs, die Sanierung eines alten Obstgartens, die Überarbeitung der Vorschriften zum Schutz des Baumbestands und dessen Inventarisierung, die Bepflanzung und Begrünung öffentlicher Flächen sowie die Verwertung von aus dem Hafen entfernten Wasserpflanzen zu Biogas. Privateigentümer werden ermutigt, Massnahmen wie die Erhaltung alter Bäume oder Baumstümpfe, das Beschneiden statt Fällen von Bäumen und das Anpflanzen einheimischer Hecken zu fördern. Diese Neuerungen erfordern eine regelmässige Kommunikation und Aufklärung des Gemeindepersonals sowie der Bürgerinnen und Bürger. Gewohnheiten und Praktiken sind schwer zu ändern, daher bleiben Information und Dialog das Mittel der Wahl, um die Akzeptanz einer nachhaltigen Vision bei allen zu fördern. Was gibt es Schöneres, als kühle, schattige Spielplätze zu geniessen, unter einem Baum zu sitzen, um den See zu bewundern und sich auszuruhen, Schmetterlinge und Bienen zu beobachten, die in der Nähe von Blumenbeeten Nektar sammeln. Ja, das hat seinen Preis, aber was für ein Vergnügen und was für ein Gewinn für die Lebensqualität, für die Gesundheit und für die Artenvielfalt! Nathalie Gigandet

Schutz vor Starkregen und Überschwemmung

Gebäudeschäden durch Naturgefahren haben sich während der letzten Jahre mehr als verdoppelt. Dabei sind Überschwemmungen für über einen Drittel der Schäden verantwortlich. Die klimabedingt immer häufigeren und intensiveren Starkregenereignisse und die heutige Bauweise tragen wesentlich zur Erhöhung der Gebäudeschäden bei. Gewitter können jederzeit und überall grosse Niederschlagsmengen bringen und enorme Schäden verursachen. Dabei sind über die Hälfte aller Überschwemmungsschäden nicht auf ausufernde Flüsse, Bäche und Seen, sondern auf Oberflächenabfluss zurückzuführen. Das zeigte sich auch in der Gemeinde Nottwil (LU) im Sommer 2024. Die Wassermassen liefen über Hänge und Wiesen ab und richteten in mehreren Wohnquartieren grossen Schaden an. Das Wasser drang über undichte Türen und Fenster, Lichtschächte und Lüftungsöffnungen sowie über Treppenabgänge in die Gebäude ein. Dabei wurden vor allem ebenerdige Wohnungen, Keller, Tiefgaragen und Einstellhallen überschwemmt. Die Gesamtschadensumme beläuft sich auf 2,7 Millionen Franken. Um Schäden zu verringern oder zu vermeiden, sollten Gebäude möglichst wetterfest und schadensicher gebaut und unterhalten werden. Starkregenereignisse treten in der gesamten Schweiz auf. Es geht also nicht nur darum, Bauten in Gewässernähe vor Hochwasser zu schützen. Rund zwei Drittel aller Gebäude sind auch potenziell von Oberflächenabfluss betroffen. Die Kenntnis der Abflusswege von Regenwasser ist deshalb für die Planung und Umsetzung von Schutzmassnahmen entscheidend. Die Gefährdungskarte Oberflächenabfluss zeigt schweizweit mögliche Abflusswege und überschwemmte Bereiche im Fall eines Gewitters auf. Mittels Eingabe des Gebäudestandorts kann mit dem Naturgefahren-Check auf www.schutz-vor-naturgefahren.ch die lokale Gefährdung für alle Naturgefahren abgerufen werden. Die Plattform greift dabei unter anderem auf die kantonalen Hochwasser-Gefahrenkarten sowie die Gefährdungskarte Oberflächenabfluss zu und liefert eine umfassende Übersicht zur Gefährdung am Standort. Zusätzlich werden zur Situation passende Empfehlungen für Schutzmassnahmen aufgeführt. Ein zuverlässiger Hochwasserschutz setzt auf den permanenten Schutz sämtlicher Gebäudeöffnungen im überschwemmungsgefährdeten Bereich, wobei man auch Lüftungsöffnungen oder Leitungsdurchführungen nicht vergessen darf. Frühzeitig in der Planung berücksichtigt, lässt sich bei einer Gefährdung durch Hochwasser oder Oberflächenabfluss die Höhenlage des Erdgeschosses und der Gebäudeöffnungen so wählen, dass ein zuverlässiger Schutz erreicht wird. Liegen sämtliche Fenster, Türen, Lichtschächte und Lüftungsöffnungen über der maximalen Überschwemmungshöhe, ist ein permanenter Schutz möglich. Ausserdem lässt sich das Terrain um das Gebäude herum so gestalten, dass Wasser schadlos um das eigene und benachbarte Gebäude abfliessen kann. Der Blick über Parzellengrenzen hinaus ist deshalb ein wichtiger Bestandteil bei der Planung und minimiert die Nachbargefährdung. Dies gilt besonders beim Schutz vor Überflutung von gefährdeten Punkten wie Garageneinfahrten, Zugängen und sonstigen Öffnungen. Keller und Untergeschosse sind besonders häufig von Überschwemmungen betroffen. Um Schäden zu minimieren, reicht es schon aus, wenn im Keller Gegenstände und technische Installationen erhöht platziert werden. Dadurch gelangt das Wasser langsamer an wertvolle Dinge. Bei einer Überschwemmung ist aber Vorsicht geboten. Es kann gefährlich sein, im Keller etwas retten zu wollen. Das eintretende Wasser kann unter Strom stehen, wenn etwa ein Stromanschluss oder ein Verteilerschrank im Keller bereits unter Wasser steht. Ausserdem können Türen schon bei einem geringen Wasserstand von etwa 20 Zentimetern wegen des Wasserdrucks kaum mehr geöffnet werden. Am grössten ist der Handlungsspielraum für Schutzmassnahmen bei Neubauten. Doch auch bestehende Gebäude lassen sich mit einfachen Massnahmen schützen. Nach dem Ereignis in der Gemeinde Nottwil haben die betroffenen Eigentümerinnen und Eigentümer diverse Massnahmen umgesetzt, darunter erhöhte Lichtschächte und Lüftungsöffnungen sowie Schutzmauern. Eine kleine Anhöhe vor der Garageneinfahrt kann bereits ausreichen, um bei Starkregen eine Überschwemmung der Garage zu verhindern und ist permanent wirksam. Mit einer guten Planung lassen sich Schutzmassnahmen nahtlos in die Umgebung einfügen, ohne das Gesamtbild zu stören. Weitere Informationen: www.schutz-vor-naturgefahren.ch Lukas Weibel

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