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Digitale Mitwirkung: eine Liebe auf den zweiten Klick

Es müssen nicht immer physische Veranstaltungen durchgeführt werden, um die Bandbreite der Kompromisse auszuloten. Im Internetzeitalter kann jede Gemeinde-Website eine Mitwirkungsmöglichkeit bereithalten, über die sich die Bevölkerung Tag und Nacht einbringen kann. Noch nutzen es nicht alle. Die Verzögerungen ähneln dem Eintritt ins Webzeitalter, als nicht alle Gemeinden sofort ihre eigene Website erstellten. Doch allmählich nimmt die Zahl jener, die hier ihre Liebe zur Innovation – quasi auf den zweiten Klick – erleben und nun damit nicht nur experimentieren, sondern auch gute Erfahrungen machen, eindeutig zu. Einer, der bereits Erfahrung hat, ist beispielsweise André Guyer, der Gemeindepräsident von Aesch im Kanton Zürich: «Wir sind eine Gemeinde mit einem sehr starken Wachstum, und es geht darum, die Zuziehenden zu integrieren.» Da viele tagsüber auswärts sind und nur an Abenden und an Wochenenden die Vorzüge der attraktiven Wohngemeinde nutzen, sei es manchmal schwierig, diese Personen überhaupt zu erreichen. Die traditionellen Informationsveranstaltungen würden oft von den gleichen Personengruppen genutzt. «Wenn wir allen ermöglichen wollen, sich einzubringen, müssen wir neue Wege beschreiten», urteilt Guyer, der privat eine Firma führt, die Unternehmen zur Digitalisierung berät. So wurde bei der letzten Revision der Bau- und Zonenordnung eine digitale Vernehmlassung mithilfe des E-Mitwirkungstools von Konova AG aufgesetzt. Die Vorlage war im Internet zur Stellungnahme aufgeschaltet. André Guyer ist erfreut über das Resultat: «Wir haben viele Rückmeldungen erhalten, die wir auch zur Verbesserung des Vorhabens einsetzen konnten.» An der Gemeindeversammlung ging die Vorlage dann auch ganz schlank über die Bühne. «Es geht darum, die Zuziehenden möglichst gut zu integrieren.» André Guyer, Gemeindepräsident Aesch ZH In der Stadt Sursee (LU) setzt man ebenfalls auf Onlinepartizipation. Wie Christian Hodel, Kommunikationsverantwortlicher der Stadt Sursee, berichtet, läuft zurzeit die Ausschreibungsfrist für Projekte zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Die Stadt hat dafür 20 000 Franken bereitgestellt. Wer Ideen im öffentlichen Interesse hat und bereit ist, diese umzusetzen, kann sein Projekt im Rahmen eines «partizipativen Budgets» über ein Onlinetool einreichen. In einer ersten Auflage 2024 wurden 12 eingereichte Vorhaben in einen Onlineabstimmungsprozess gegeben. So entstanden unter anderem ein Pétanque-Platz und ein Gratismittagstisch für Jung und Alt. In der Gemeinde Schwyz (SZ) hat Gemeindepräsident Peppino Beffa eine veritable digitale Landsgemeinde durchgeführt. Der Gemeinde gehe es zwar gut, wie er auf Anfrage erklärt, aber man wollte die Zukunft nicht aus den Augen verlieren. «Deshalb haben wir unsere künftige Zentrumsentwicklung zur Diskussion gestellt.» Eine Gegenüberstellung von Ideen wurde gestartet. Zuerst formulierte der Gemeinderat ein paar Hypothesen. Diese wurden in ein spezielles Onlinetool der Firma BrainE4 eingespeist. Teilnehmenden wurden jeweils zwei Thesen zugeteilt, die sie gegeneinander abwägen konnten. Das Einbringen neuer Ideen war an dieser Stelle auch möglich. Das Tool erlaubt den Vergleich von Ideen, schafft eine Rangliste der Topideen und liefert auch einen ausführlichen Auswertungsbericht. Breite Kreise hätten mitgemacht und sich teilweise mehrmals in die Debatte eingeschaltet, berichtet Beffa. Einen anderen Weg hat Benjamin Pipa eingeschlagen. Der Citymanager in Olten (SO) führte eine Passantenumfrage durch, die sowohl eine Strassenumfrage als auch ein Onlinetool einschloss. Einige Gemeinden nutzen auch die App Crossiety, um Befragungen der Bevölkerung zu bewerben. So konnte sich die Bevölkerung in Engelberg (OW) zum Fahrplan des öffentlichen Verkehrs vernehmen lassen. Und selbstverständlich werden da und dort auch Umfragen mit Tools wie Surveymonkey oder Findmind durchgeführt. Wobei es hier einiges zu beachten gilt (vgl. Kasten). Noch sind nicht alle Gemeinden auf den Zug der digitalen Mitwirkung aufgesprungen. Ebikon (LU) beispielsweise verzichtet bewusst: «Die Stimmberechtigten haben einen Einwohnerrat eingeführt», sagt Anian Heierli, Kommunikationsverantwortlicher der Gemeinde. «Dieses Parlament wird von der Bevölkerung gewählt und bringt sich bei der Erarbeitung von Vorlagen ein.» Doch immer mehr Gemeinden entdecken quasi auf den zweiten Klick ihre Liebe zum Internet, weil sie merken, dass der Einbezug die Arbeit der Verwaltung effizienter macht. Bruno Hofer

Neuer Verein will junge Menschen für die Gemeindepolitik begeistern

Gemeindepolitik ist nicht das, womit sich eine Mehrheit der Generation Z in ihrer Freizeit beschäftigt. Im Gegenteil, der Gemeindemonitor der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat gezeigt, dass das Durchschnittsalter in Schweizer Gemeinderäten 54 Jahre beträgt. Dennoch haben sich einige junge Studierende der Berner Hochschule der Künste (HKB) letztes Jahr dem Thema angenommen – warum? «Wir haben uns gefragt, wo wir in unserer globalisierten Welt etwas bewegen können», sagt Simon Rauber, einer der Gründer des Vereins. «Zudem wurden damals gerade die Resultate des Gemeindemonitors zum Alter von Gemeinderatsmitgliedern publik, und in den Medien wurde der Amtszwang für Gemeindeämter diskutiert.» Seine Kollegin Milena Ambauen ergänzt: «Die Gemeindepolitik ist eine riesige Chance für junge Menschen, etwas zu bewirken.» «Die Gemeindepolitik ist eine riesige Chance für junge Menschen, etwas zu bewirken.» Milena Ambauen, Geschäftsstelle «Generation Gemeinderat» Das Projekt entstand im Rahmen ihres Studiums der Politischen Kommunikation an der HKB. Die Gruppe entwickelte ein Kartenspiel, das jungen Menschen zwischen 16 und 35 auf humorvolle Weise Informationen zur Gemeindepolitik vermitteln soll. Zudem veranstalteten sie einen Netzwerkanlass in Biel, wo sich junge Gemeinderätinnen und Gemeinderäte mit jungen Interessierten austauschten. Rund 80 Personen kamen – und zahlreiche Medienschaffende. «Dass ein Beitrag im «10 vor 10» dazukam, macht uns schon stolz», sagt Simon Rauber. Auch das Kartenspiel ist beliebt, und vor allem Lehrpersonen kommen mit grossem Interesse auf den Verein zu. Nach dem Beginn als Studienprojekt hat sich der Verein «Generation Gemeinderat» professionalisiert und seit Anfang Jahr eine Geschäftsstelle aufgebaut. Zu Simon Rauber und Milena Ambauen aus dem Pilotprojekt sind mit Silja Elsener und Konradin Franzini zwei neue Projektleitende dazugekommen. Sie möchten Gemeinden bei der Suche nach jungem Nachwuchs für Ämter und Kommissionen unterstützen. Aktuell seien sie noch in der Konzeptionsphase, sagen die vier. Doch Ideen haben sie viele. So möchten sie etwa Gemeinden bei der Feier für die Jungbürgerinnen und Jungbürger unterstützen. In St. Gallen haben sie das bereits getan. «Wir haben ein Quiz durchgeführt, bei dem es attraktive Preise zu gewinnen gab, und mit verschiedenen Aktionen den jungen Menschen die Gemeindepolitik niederschwellig nähergebracht», sagt Milena Ambauen. «Junge für die Gemeindepolitik zu begeistern, braucht Zeit, mit einem Anlass allein ist es meist nicht getan.» Simon Rauber, Geschäftsstelle «Generation Gemeinderat» Zudem ist der Verein in Gesprächen mit der Gemeinde Laupen (BE) für ein längerfristiges Projekt namens «Road to Gemeinderat», wie Simon Rauber ergänzt. «Junge für die Gemeindepolitik zu begeistern, braucht Zeit, mit einem Anlass allein ist es meist nicht getan. Deshalb möchten wir in Zusammenarbeit mit der Gemeinde mehrere Massnahmen ausprobieren und umsetzen.» Ziel sei es, das Konzept anschliessend auch in anderen Gemeinden umzusetzen. Geplant ist auch eine Informationsplattform, die in einfacher Sprache Informationen zur Gemeindepolitik und zu einer Kandidatur erklären soll. Zudem wollen sie eine Vernetzungsplattform aufbauen, die junge Gemeinderatsmitglieder und Interessierte zusammenbringen soll. Silja Elsener ergänzt: «Uns ist es wichtig, dass wir möglichst niederschwellig informieren und eine zugängliche Sprache nutzen, sodass sich junge Interessierte aufgehoben fühlen.» Der Verein will sowohl jungen Menschen konkret einen Weg aufzeigen, wie sie sich engagieren können, als auch die Gemeinden dabei unterstützen, junge Menschen gezielter anzusprechen. «Uns ist es wichtig, dass wir möglichst niederschwellig informieren und eine zugängliche Sprache nutzen.» Silja Elsener, Geschäftsstelle «Generation Gemeinderat» Ein Vorstandsmitglied des Vereins ist selbst in einem Gemeinderat tätig, und Simon Rauber von der Geschäftsstelle hat in seiner Gemeinde eine junge Liste gegründet, die Anfang März erstmals an der Wahl für das Gemeindeparlament teilnahm. Der junge Verein betont: Um die Jungen in einer Gemeinde zu erreichen, gibt es nicht eine einfache Lösung, sondern es braucht eine umfassende Strategie und einen klaren Willen für den Einbezug der Jugend. Konradin Franzini: «Wichtig sind flexible Strukturen, die eine Teilhabe auf Gemeindeebene auch möglich machen, wenn man zum Beispiel in einer anderen Stadt studiert.» So sei es möglich, den Kontakt zu halten. Denn viele Junge würden sich gerne in ihrer Heimatgemeinde engagieren. Simon Rauber ergänzt: «Es braucht einen echten Dialog. Wenn Jugendliche befragt werden, ist es wichtig, dass ihre Ideen ernst genommen und weiterverfolgt werden.» «Wichtig sind flexible Strukturen, die eine Teilhabe auf Gemeindeebene auch möglich machen, wenn man zum Beispiel in einer anderen Stadt studiert.» Konradin Franzini, Geschäftsstelle «Generation Gemeinderat» Der Verein «Generation Gemeinderat» möchte seinen Teil dazu beitragen, indem er das Selbstbewusstsein der jungen Generation stärkt. Denn viele Jüngere trauen sich ein Amt nicht zu. Daher auch der Slogan des Vereins: «Du chasch das imfau oh» – «Du kannst das übrigens auch». Nadja Sutter

Walliser Gemeinden professionalisieren Personalsuche

Das Wallis erlebt einen Boom: In den letzten Jahren sind zahlreiche neue Fachkräfte in den Gebirgskanton gezogen. Das spüren die Gemeinden bei der Personalsuche, wie Joachim Rausis, Präsident der Antenne Région Valais Romand sowie Gemeindepräsident von Orsières sagt. Die Antenne Région Valais Romand ist ein Kompetenzzentrum im Dienste der französischsprachigen Walliser Gemeinden und fungiert als Schnittstelle zwischen Gemeinden und Kanton. «Der Boom ist an sich erfreulich, er sorgt für mehr Ressourcen in den Gemeinden», sagt Joachim Rausis. Gleichzeitig bedeute die aktuelle Situation aber auch, dass die Gemeinden mit der Privatwirtschaft um die Fachkräfte konkurrenzierten – und gerade in sehr spezialisierten Positionen gebe es bei der Entlöhnung grosse Unterschiede. Ein weiterer Faktor, den das Wallis zum Spezialfall macht, ist seine periphere Lage. «Im Mittelland oder auch der Genferseeregion sind die Menschen mobiler. Ins Wallis zu ziehen für die Arbeit ist ein grösserer Schritt», sagt Joachim Rausis. Besonders die Gemeinden in den Seitentälern, die im Winter nur mit einem 4x4-Fahrzeug erreichbar sind, hätten da einen Nachteil. Das Wallis und seine Gemeinden haben die Problematik erkannt und sind aktiv geworden. Seit einigen Jahren berät die Plattform «Valais4you» Menschen, die neu ins Wallis ziehen. Sie bietet praktische Infos für Neuzuzüger und hebt die Vorteile eines Lebens im Gebirgskanton hervor. Florence Gessler, Fachspezialistin für Wirtschafts- und Tourismuspolitik bei der Antenne Région Valais Romand, beobachtet zudem, dass viele Gemeinden in den letzten Jahren die Personalsuche professionalisiert haben: «Auch immer mehr kleine Gemeinden haben heute spezialisierte HR-Verantwortliche.» Das bestätigt auch eine Umfrage der «Schweizer Gemeinde» bei den Gemeinden Savièse und Riddes sowie der Stadt Sion. Die Personalverantwortlichen aller drei Gemeinden schreiben, dass sie zwar momentan genug Personal finden, dafür aber grössere Anstrengungen unternehmen müssen – und nicht selten Absagen in letzter Minute erhalten. Besonders schwierig sei die Suche in technischen Berufen, in der Kinderbetreuung sowie bei sehr spezialisierten Posten. Sie alle betonen, wie wichtig es ist, dass Gemeinden in ihre Personalrekrutierung investieren. «Wir streben eine reelle Professionalisierung der Funktion HR in der Gemeinde an. Es geht nicht mehr nur darum, sich einfach um die Löhne zu kümmern, sondern den Menschen ins Zentrum zu stellen», schreibt Lorena Steiner-Conti, HR-Verantwortliche der Gemeinde Riddes. «Gemeinden müssen in der aktuellen Situation ihre Praktiken anpassen und proaktiv in der Kommunikation werden», schreibt Sévérine Stalder, HR-Verantwortliche von Savièse. Die befragten Gemeinden bieten ihren Angestellten flexible Arbeitsmodelle und Weiterbildungsmöglichkeiten an, und versuchen ein angenehmes Arbeitsklima zu schaffen, indem sie die Arbeit ihrer Angestellten wertschätzen und eine klare Kommunikation pflegen. Die Gemeinde Riddes setzt dazu auch auf die Ausbildung und Begleitung der Kader. Seit Anfang 2026 haben die Angestellten dort zudem die Möglichkeit, eine externe Vertrauensperson zu kontaktieren – dies zusätzlich zu den bestehenden internen Strukturen. Die Stadt Sion nennt ähnliche Massnahmen, und hat ihr Personalreglement überarbeitet. Zudem investiert sie auch in das Image der Stadt als Arbeitgeberin. Sie hat Videos gedreht, in denen sie die verschiedenen Berufe bei der Stadt vorstellt. «Wir haben dazu sehr positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten, aber auch von unseren Mitarbeitenden, die sehr stolz waren, ihre jeweiligen Berufe zeigen zu können», schreibt Ludovic Bruchez, Dienstchef des Bereichs HR. Sion setzt auch auf Videos auf Social Media, um junge Leute für eine Ausbildung oder eine Stelle bei der Stadt zu motivieren. Proaktiv zu kommunizieren, heisst auch, die Vorteile der Arbeit bei einer Gemeinde hervorzuheben: Dazu gehört laut den Befragten nicht nur die Sicherheit der Stelle, sondern vor allem die sinnstiftende Arbeit für die Bevölkerung. «Mit einfachen und kostengünstigen Aktionen ist es möglich, viel zu tun, um die Marke der Gemeinde als Arbeitgeberin zu stärken», ist Ludovic Bruchez überzeugt. Joachim Rausis aus Orsières fügt an: «Als Gemeinden in einem peripheren Kanton haben wir keine Wahl, wir müssen aktiv etwas tun für unsere Attraktivität als Arbeitgeberinnen.» Nadja Sutter

CEO-Betrug: Wie sich Gemeinden davor schützen können

Aufgrund ihrer Öffentlichkeit und der Verfügbarkeit vielfältiger Informationen auf den Gemeinde-Websites sind Gemeinden ein attraktives Ziel für CEO-Betrugsversuche. Beim CEO-Betrug geben sich Kriminelle typischerweise per E-Mail als Führungsperson aus – beispielsweise als Chefin, als Abteilungsleitende oder als Gemeindepräsident. CEO-Betrug findet aber nicht nur via E-Mail statt. Auch über WhatsApp oder Telefon werden die Betrugsversuche mittlerweile getätigt. Ziel ist es, Mitarbeitende der Finanzabteilung gezielt so zu manipulieren und unter Druck zu setzen, dass diese Finanztransaktionen auslösen oder Geschenkkarten beschaffen. Der Finanztransfer endet jedoch nicht an der korrekten Stelle, sondern bei den Betrügern. Das BACS empfiehlt als Schutz vor CEO-Betrug, bei Zahlungsanfragen klare Kompetenzregelungen und konsequente Prozesse zu definieren, sowohl für Mitarbeitende im Finanzbereich als auch für Führungskräfte. Bei Unsicherheiten sollte man die Anfrage über einen separaten und bekannten Kommunikationskanal verifizieren. Zahlungsfreigaben im Vieraugenprinzip und regelmässige Schulungen zu Betrug und Social Engineering sind weitere wirksame Schutzmassnahmen, ebenso wie die konsequente Nutzung der E-Mail-Signatur und ein robuster Spamfilter. Publizieren Sie ausserdem möglichst keine internen Informationen auf der Website der Gemeinde. Sollten Sie trotz präventiver Massnahmen eine Zahlung getätigt haben, wenden Sie sich umgehend an die Bank, über die Sie die Zahlung getätigt haben. Allenfalls hat diese noch die Möglichkeit, die Zahlung zu stoppen. Zusätzlich empfiehlt das BACS, sich an die verantwortliche Kantonspolizei zu wenden und Strafanzeige zu erstatten. Identifizierte und erfolgte CEO-Betrugsversuche können auf freiwilliger Basis dem BACS gemeldet werden unter: https://www.report.ncsc.admin.ch/de/ Auf der Website des BACS finden Sie weitere Informationen zum Thema CEO-Betrug sowie zu anderen Cyberbedrohungen. Kilian Cuche

Sich für seine Gemeinde engagieren: eine verrückte Idee?

Vor zehn Jahren hat mich eine Nachbarin angesprochen: «Hätten Sie nicht Lust, für den Gemeinderat zu kandidieren?» War das wirklich an mich gerichtet? Wie konnte sie mich in der Exekutive meiner Gemeinde sehen? Wie konnte sie sich vorstellen, dass ich dazu in der Lage wäre und vor allem die Zeit dafür hätte? Mich für meine Werte, meine Ideen und meine Überzeugungen tagtäglich einzusetzen, ja, aber für meine Gemeinde? Welche verrückte Idee kam mir da in den Kopf? Ich habe zugestimmt, Ja gesagt, und vor allem wurde ich gewählt! Der feierliche Akt der Amtsvereidigung liess mich zweifeln und erinnerte mich an die Ernsthaftigkeit der Aufgabe. Ich hatte keine Ahnung, welche faszinierende und aufregende Welt ich da entdecken würde. Ich machte mich mit viel Energie, Hingabe und Herzblut an die Aufgabe, erkannte im Laufe der Zeit die Verantwortung und fand ein Gleichgewicht zwischen Privatleben, Familie und Beruf – dabei immer im Hinterkopf, dass mir Menschen, die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde, ihr Vertrauen geschenkt haben. Schnell wurde ich in einen Strudel aus Reglementen, Gesetzen, Sitzungen und Kommissionen hineingezogen, musste Dossiers, Stellungnahmen, Rechnungen und Budgets studieren, auf Anfragen aus verschiedensten Bereichen antworten, weit entfernt von meinem eigentlichen Beruf als Pflegefachfrau! Ja, das braucht Zeit, Energie und einige Opfer, aber es schenkt einem viele bereichernde und schöne Begegnungen, und es ist letztlich das, was unsere Milizdemokratie am Leben erhält. Wenn ein Nachbar Sie eines Tages anspricht: Verlassen Sie Ihre Komfortzone, wagen Sie es, und gehen Sie das Risiko ein! Das Abenteuer lohnt sich! Nathalie Gigandet

Gemeinden als Arbeitgeber: ein Potenzial, das es zu nutzen gilt

Sind Sie in Ihrer Gemeinde auch vom Fachkräftemangel betroffen oder haben Mühe, genügend Leute für ein Engagement in der Exekutive oder in Kommissionen zu finden? Fest steht: Die Gemeinden sind wichtige Lehrbetriebe und bieten in verschiedenen Bereichen eine vielseitige Arbeit und berufliche Perspektiven an. Für viele ist ein politisches Engagement in der Gemeinde das schönste Amt, das man ausüben kann. Trotz der grossen Verantwortung kann man die Gemeinde aktiv mitgestalten und das Leben der Einwohnerinnen und Einwohner massgeblich prägen. Im Wettbewerb um qualifizierte Fachleute wie auch bei der Besetzung politischer Ämter gilt es, «out of the box» zu denken und neue Wege zu gehen. Neben attraktiveren Arbeitsbedingungen und gezielter Nachwuchsförderung, etwa mit modernen Stellenausschreibungen und praxisnahen Weiterbildungen, bieten auch neue Arbeitsmodelle für die Verwaltung grosse Chancen. Lesen Sie in dieser Ausgabe, wie der Verein «Generation Gemeinderat» das Selbstbewusstsein junger Menschen stärken und sie für die Gemeindepolitik begeistern will. Oder was die Berner und Tessiner Gemeinden unternehmen, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben. Dass man auch erfolgreich im Kadertandem auf operativer und strategischer Ebene unterwegs sein kann, zeigt der Erfahrungsbericht der Gemeinde Hitzkirch (LU). Lassen Sie sich mitreissen! «Im Wettbewerb um qualifizierte Fachleute wie auch bei der Besetzung politischer Ämter gilt es, «out of the box» zu denken und neue Wege zu gehen.» Claudia Kratochvil-Hametner, Direktorin Schweizerischer Gemeindeverband Claudia Kratochvil-Hametner

Zollikofen hat Richtlinien für den Einsatz von KI festgelegt

«Wir haben festgestellt, dass einige Mitarbeitende die künstliche Intelligenz bereits nutzen – andere aber noch Berührungsängste haben», erinnert sich Stefan Sutter, Gemeindeschreiber von Zollikofen (BE). Das war der Anstoss für die Einführung von KI-Richtlinien in der Gemeinde, die schliesslich im September 2025 in Kraft traten. «Ich glaube, sie kamen genau zum richtigen Zeitpunkt.» Gerade weil zwar einige digitalaffine Mitarbeitende das neue digitale Werkzeug bereits für sich entdeckt hatten, KI aber noch nicht breit genutzt wurde. Für ihr Merkblatt orientierte sich die Gemeinde an einer Vorlage des Vereins Myni Gmeind, einem Partner des Schweizerischen Gemeindeverbands, aber auch an anderen Richtlinien. «Eine Person aus der Verwaltung hat einen ersten Entwurf gemacht, den die Abteilungsleitenden dann überarbeitet und schliesslich verabschiedet haben», sagt Stefan Sutter. «Wir haben die Richtlinien bewusst pragmatisch und relativ kurz gehalten. Ein zu ausführliches Dokument mit x Seiten wird eher nicht gelesen.» Die Richtlinien haben nun auf einer Doppelseite Platz, unter dem Titel «Merkblatt: Verantwortungsvoller Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI)». Sie sind klar und präzise formuliert, benennen zulässige und nicht zulässige Anwendungen. Auch der Datenschutz und ethische Grundsätze werden angesprochen. So wird beispielsweise erwähnt, dass personenbezogene Daten nicht in KI-Systeme eingegeben werden dürfen, Resultate einer KI immer sorgfältig geprüft werden müssen und KI als Werkzeug zwar unterstützen kann, aber keine rechtsverbindlichen Entscheidungen treffen darf. «Entscheidungen müssen immer von Menschen getroffen werden», sagt Stefan Sutter. Konkrete KI-Tools, deren Nutzung erlaubt ist, sind im Merkblatt nicht festgehalten. «Die KI entwickelt sich wahnsinnig schnell – würden wir konkrete Tools nennen, müssten wir das Merkblatt alle paar Monate oder sogar Wochen aktualisieren. Das wollten wir nicht», erklärt Stefan Sutter. Grundsätzlich arbeite man in der Gemeindeverwaltung mit Copilot, das in Microsoft Office 365 ohnehin integriert sei. Auch die Nutzung von Gratisversionen anderer Tools sei erlaubt. Mit dem Verfassen und Verschicken des Merkblatts ist es aber nicht getan – das sagt Stefan Sutter klar. Die Mitarbeitenden müssten sensibilisiert werden. Die Gemeinde Zollikofen hat deshalb im November einen Halbtages-Workshop zum Thema KI im Rahmen einer internen Weiterbildungsreihe organisiert. Knapp die Hälfte der rund 60 Mitarbeitenden auf der Gemeindeverwaltung nahm an dem freiwilligen Kurs teil. «Die Rückmeldungen waren sehr positiv», erinnert sich der Gemeindeschreiber. Viele Mitarbeitende hätten dadurch Berührungsängste abbauen und einen besseren Umgang mit dem Werkzeug KI erlernen können. Die Gemeinde hat keinen Mechanismus, um zu kontrollieren, ob die Richtlinien eingehalten werden. «Wir setzen auf Eigenverantwortung und Sensibilisierung», sagt der Gemeindeschreiber. Er rät anderen Gemeinden, die ebenfalls Richtlinien einführen wollen, Vorlagen nicht nur zu kopieren, sondern diese auf die Gegebenheiten in der eigenen Gemeinde anzupassen. Zudem empfiehlt er eine Weiterbildung für die Mitarbeitenden parallel zur Einführung der Richtlinien, so wie es Zollikofen gemacht hat. «Die künstliche Intelligenz ist keine Zukunftsmusik mehr, sie ist in der öffentlichen Verwaltung angekommen.» Stefan Sutter, Gemeindeschreiber Zollikofen (BE) Stefan Sutter nutzt die KI auch selbst, zum Beispiel zum Verbessern von Texten, als Ideenlieferant oder zur Recherche. Er hat aber auch selbst realisiert, wo die Grenzen der neuen Technologie liegen: Bei der Recherche stimmen die Ergebnisse teils nur bedingt. «Eine genaue Überprüfung der Ergebnisse ist in jedem Fall notwendig», sagt er. «Die künstliche Intelligenz ist keine Zukunftsmusik mehr, sie ist in der öffentlichen Verwaltung angekommen», fügt der Gemeindeschreiber hinzu. «Die Gemeinden als Arbeitgeber haben eine Verantwortung, sich damit zu befassen. Wir arbeiten mit sensiblen Bevölkerungsdaten und müssen sicherstellen, dass verantwortungsbewusst damit umgegangen wird.» Denn dass die KI von den Mitarbeitenden gebraucht wird, sei längst Realität. Der Gemeindeschreiber sieht die neue Technologie als Werkzeug, das die Effizienz steigern kann, sofern es richtig eingesetzt wird. «Die Zeit, die dadurch frei wird, können wir für unsere Kernaufgaben nutzen, wie den Kontakt mit der Bevölkerung.» Nadja Sutter

Schweizer Cloud-Plattform macht KI für Schulen zugänglich

Viele Kinder nutzen heute zu Hause ChatGPT, Copilot oder andere KI-Tools, obwohl sie erst ab 16 Jahren einen eigenen Account besitzen dürften. Doch dies liegt in der Verantwortung ihrer Eltern. Schulen hingegen sind verpflichtet, personenbezogene Daten von Schülerinnen und Schülern zu schützen, wenn sie im Unterricht künstliche Intelligenz einsetzen. Um dies zu gewährleisten, nutzt die Primarschule Feldbrunnen-St.Niklaus (SO) die KI-Anwendungen der Schweizer Cloud-Plattform Hazu. Diese entspricht dem Schweizer Datenschutzgesetz und der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), da keine Rückschlüsse auf die Namen und die IP-Adressen der Kinder möglich sind. Zudem werden sämtliche Nutzerdaten ausschliesslich in der Schweiz gehostet und nicht für das Training der KI-Modelle verwendet. «Auf der Hazu-Plattform können die Lehrpersonen zwischen verschiedenen KI-Modellen auswählen und bei Bedarf künftig eines davon als KI-Assistent für die Schülerinnen und Schüler ab der dritten Klasse freischalten», erklärt Juna Steiner, pädagogische ICT-Support-Verantwortliche (PICTS) der Primarschule Feldbrunnen. So könnten die Kinder mit der Unterstützung der KI etwa einen Vortrag vorbereiten, ohne dass ihnen diese alles vorgibt. Es lässt sich jeweils nur ein KI-Lerncoach aktivieren. Da die Hazu-Plattform als Onlineversion verfügbar ist, können die Schülerinnen und Schüler auch zu Hause darauf arbeiten. Bisher nutzt die Primarschule die Plattform jedoch nur auf Schulleitungs- und Lehrpersonenebene. Dazu hat sie im Sommer 2025 ein Pilotjahr mit Hazu gestartet, an dem acht der zwölf Lehrpersonen mitarbeiten und im Rahmen dessen sie an mehreren Weiterbildungen teilnehmen. Das Pilotprojekt wird von der Gemeinde unterstützt und finanziell getragen. Ein zusätzlicher Vorteil der Hazu-Plattform besteht darin, dass ihr KI-Assistent den Lehrplan 21 hinterlegt hat. Dies entlastet die Lehrpersonen bei der Unterrichtsvorbereitung. Wenn Schülerinnen und Schüler etwa einen Lernfilm zum Stromkreislauf erstellen sollen, kann die Hazu-KI mit einem Klick abgleichen, welche Kompetenzen dadurch erworben werden und ob Querverbindungen zu anderen Fächern bestehen. «Das gibt den Lehrpersonen mehr Sicherheit. Anderenfalls müssten sie sehr aufwendig für jedes Thema im Lehrplan heraussuchen, welche der 363 Fachkompetenzen damit gestärkt werden», betont Rebekka Vetsch, die Schulleiterin der Primarschule Feldbrunnen. Zudem bietet die Hazu-Plattform eigene Vorschläge für projektbasiertes Arbeiten an. So kann der Unterricht abwechslungsreicher und das Lernen motivierender gestaltet werden. «Bisher wurden die Lernziele nicht kompetenzorientiert, sondern an den offiziellen Lehrmitteln entlang geplant. Nun kann die Jahres-, Quartals-, Semester- und Projektplanung ebenso unabhängig von diesen erstellt werden, auf Wunsch auch altersdurchmischt und fächerverbindend», ergänzt Christine Trachsler, Schulleiterin der Primarschule Bonstetten (ZH). An ihrer Schule arbeiten die beiden Lehrkräfte der altersdurchmischten Mittelstufenklassen seit Januar 2025 mit der neuen Plattform. Die Stiftung Mercator Schweiz unterstützt dieses Pilotprojekt mit einer Medienpädagogin bis zum Sommer 2026. «Der KI-Assistent ermöglicht personalisierte Lerninhalte anstatt einheitlicher Übungsblätter für alle.» Juna Steiner, pädagogische ICT-Support-Verantwortliche der Primarschule Feldbrunnen Bereits durchgeführte Unterrichtsprojekte lassen sich beispielsweise in Form von PDF-Dateien, Videos und Sprachnotizen der Kinder in Hazu hochladen und mit dem Lehrplan 21 verbinden. Der KI-Assistent analysiert dann, welche Lernziele eines Themas bereits abgedeckt sind und welche Kompetenzen noch gefördert werden sollten. So können die Leistungen einer gesamten Klasse, aber auch jedes einzelnen Kindes kompetenzorientiert beurteilt werden. Die Ergebnisse in den einzelnen Fächern lassen sich in Form einer Spidergrafik, eines Kuchen- oder eines Balkendiagramms darstellen. «Diese Visualisierungen bilden die Lernprozesse der Kinder stets transparent in Bezug auf den Lehrplan 21 ab und eignen sich gut für Elterngespräche», betont Melanie Schweizer, eine der PICTS der Primarschule Bonstetten. «Das hat auch unsere Schulpflege überzeugt.» Wird zu jedem Kind ein Steckbrief in Hazu angelegt, dann kann mithilfe des KI-Assistenten die Aufgabenstellung gezielt an seinen individuellen Lernstand und seine Interessen angepasst werden. «Das ermöglicht eine Unterrichtsgestaltung mit personalisierten Lerninhalten, anstatt dass wie bisher alle Kinder zur gleichen Zeit am selben Übungsblatt arbeiten», resümiert Juna Steiner. Yvonne Kiefer-Glomme

Rechenzentrum als Chance und Herausforderung für Gemeinden

Roger Paillard: Ich habe 2020 zum ersten Mal davon gehört, als ich noch Gemeinderat war. Der damalige Gemeindepräsident hat uns bei einer Sitzung informiert, dass eine Firma auf einem seit Längerem brachliegenden Grundstück ein Rechenzentrum bauen will. Wir haben das damals so zur Kenntnis genommen und uns nicht gross Gedanken darüber gemacht. Ich gehe davon aus, dass die Verfügbarkeit eines geeigneten Grundstücks eine grosse Rolle gespielt hat. Zudem habe ich gehört, dass Beringen in der Nähe einer bedeutsamen Datenleitung quer durch Europa liegt. Die Schweiz ist ja aufgrund der hohen Sicherheit und der politischen Stabilität allgemein ein beliebter Standort für Rechenzentren. Es handelte sich um einen privaten Grundstückskauf, daher konnten wir nur aus Sicht der Raumplanung beurteilen, ob das geplante Gebäude punkto äusserer Abmessungen zonenkonform ist. Das Projekt selbst musste vom Kanton geprüft und bewilligt werden. Nicht zuletzt wegen des enormen Jahresstrombedarfs des Rechenzentrums – er beträgt bis zu 75 Prozent des Gesamtstrombedarfs des Kantons – wurde das Projekt auch im Kantonsrat diskutiert. Der Kanton hat dann bezüglich der Effizienz des Rechenzentrums Vorgaben gemacht. Uns war es wichtig, aktiv zum Projekt kommunizieren zu können. So haben wir zum Beispiel 2023 den jährlich stattfindenden Wirtschaftsapéro dem Projekt gewidmet. Weiter hat die SP-Ortspartei eine Podiumsdiskussion dazu durchgeführt. Nebst Vertretern von Gemeinde und Bauherrschaft waren dort auch der Kanton sowie Fachleute von Hochschulen präsent und konnten ihre Haltung darlegen. Wichtig war, dass sich die Bevölkerung informieren und ihre Bedenken äussern konnte. Die Stromversorgung lief über den Verteilnetzbetreiber, da waren wir nicht direkt beteiligt. Es wurde auf jeden Fall ein neues Unterwerk beim Rechenzentrum gebaut. Der Wasserbedarf wurde zum Thema, als man bei der Überarbeitung des Kühlkonzepts deutlich mehr Wasser zur Kühlung eingerechnet hat. Dieses Volumen mussten wir genauer regeln. Wir haben zusammen mit dem Versorger SH Power einen Wasserliefervertrag mit dem Betreiber des Rechenzentrums abgeschlossen. Darin ist genau definiert, wie viel Wasser wir ans Rechenzentrum liefern können. Wird mehr Wasser benötigt, muss der Betreiber eine Strafzahlung leisten. Und: Die Versorgungssicherheit der Gemeinde hat stets Vorrang. Der Kanton hat eine Machbarkeitsstudie durchführen lassen, um zu prüfen, wie die Abwärme eingesetzt werden kann. Klar ist, dass wir in Beringen einen Teil davon für das lokale Fernwärmenetz verwenden wollen – schliesslich ist die Abwärme eine kostengünstige und umweltschonende Energiequelle. Allerdings bleiben immer noch beträchtliche Mengen übrig. Derzeit laufen Abklärungen, ob die Stadt Schaffhausen ebenfalls Abwärme beziehen kann. Immerhin hat der Betreiber in einer Absichtserklärung dargelegt, dass er die Abwärme kostenlos zur Verfügung stellen wird. Übrigens wurde die gesetzliche Grundlage im Mai 2025 durch die Annahme des neuen kantonalen Energiegesetzes dahingehend angepasst, dass derart grosse Energieverbraucher künftig nachweisen müssen, was sie mit der Abwärme machen. «Grosse Energieverbraucher müssen im Kanton Schaffhausen künftig nachweisen, was sie mit der Abwärme machen.» Roger Paillard, Gemeindepräsident Beringen (SH) Es hat sich gelohnt, positiv auf die Betreiber zuzugehen und ihr Projekt nicht zu verurteilen. Dann war es sehr wichtig, dass wir zugeben konnten, dass wir uns mit vielen Aspekten dieses Projekts nicht auskennen. Es war richtig, dass wir uns Unterstützung geholt haben und uns haben beraten lassen. Wichtig ist sicher auch, dass man rasch den Kanton ins Boot holt und allenfalls auch das Bundesamt für Energie. Remo Bürgi

«Jede Gemeinde sollte sich mit KI beschäftigen»

Die meisten Gemeinden sind in dieser Frage noch nicht besonders weit. Das gilt gerade für kleinere Gemeinden mit wenig Ressourcen. Aktiver sind die grossen Städte, etwa Zürich. Jede Gemeinde sollte sich mit dem Thema KI beschäftigen – ob sie diese dann auch einsetzt, ist eine andere Frage. Im Beispiel dieser Gemeinde würde ich empfehlen, dass die Gemeindeschreiberin mit ihrem Team eine Weiterbildung zum Thema besucht. Es ist zentral, dass auch kleine Gemeinden versuchen, KI zu verstehen. Nur wer die Risiken und Gefahren kennt, kann die Chancen der Technologie nutzen. Die KI kann zum Beispiel in der Kommunikation mit der Bevölkerung unterstützen. Sie kann helfen, Texte besser und verständlicher zu formulieren, zum Beispiel Beiträge für die Website, Informationsschreiben oder Medienmitteilungen. Die KI kann keine Verantwortung übernehmen. Man kann sie als Hilfsmittel einsetzen, muss die Resultate jedoch immer überprüfen. Die Kontrolle muss beim Menschen bleiben, denn die Haftung dafür bleibt es auch. Beim Datenschutz müssen Gemeinden besonders vorsichtig sein – Personendaten, die sie verwalten, gehören der Bevölkerung. Wer Daten in eine KI einspeist, macht sie zumindest theoretisch öffentlich. Diese können bei Suchanfragen anderer Personen wieder auftauchen oder bei Google indexiert werden. Personendaten müssen immer anonymisiert werden, und sensible Dokumente dürfen auf keinen Fall in KI-Tools hochgeladen werden. «Nur wer die Risiken und Gefahren kennt, kann die Chancen der künstlichen Intelligenz nutzen.» Reto Vogt, Journalist und KI-Experte Ich halte das für sinnvoll. Mit Richtlinien allein ist es aber nicht getan. Die Mitarbeitenden müssen die Regeln gut kennen und für die Risiken sensibilisiert werden. Wenn das Thema KI in der Gemeindeverwaltung nicht angesprochen wird, besteht die Gefahr, dass Mitarbeitende private KI-Tools auf eigene Faust nutzen und sorglos mit Personendaten umgehen. Wie bereits angesprochen, können KI-Programme helfen, Texte besser zu schreiben. Auch KI-Chatbots auf der Gemeindewebsite können bei der Kommunikation mit der Bevölkerung helfen. Diese kann über die Chatbots Informationen in verschiedenen Sprachen konsultieren. Idealerweise können diese nur auf von der Gemeinde vorgegebene Daten zugreifen und nicht das ganze Internet durchsuchen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die KI frei erfundene Informationen wiedergibt. Das schadet dem Image der Gemeinde und wirkt nicht vertrauenswürdig. Auf welche Informationen ein Chatbot zugreift, kann man übrigens einfach testen, indem man ihm eine Frage stellt, die nichts mit der Gemeinde zu tun hat, und zum Beispiel ein Rezept für einen Schoggikuchen verlangt. Es gibt keine offiziellen Regeln. Ich halte es so: Wenn ein ganzer Text von einem KI-Tool erstellt oder ein Bild von KI generiert wird, dann muss das gekennzeichnet werden. Wenn KI aber als Hilfsmittel eingesetzt wird, um einen bestehenden Text zu verbessern, muss das nicht deklariert werden. Ich empfehle, die Haltung der Gemeinde zum Umgang mit KI auf der Website zu veröffentlichen. Gegenüber Anbietern von KI-Tools sollten Gemeinden zunächst kritisch sein und die richtigen Fragen stellen: Wo werden die Daten verarbeitet, in der Schweiz oder im Ausland? Was ist der Mehrwert des Tools? Welches Sprachmodell steckt dahinter, und wie unterscheidet es sich beispielsweise von ChatGPT? Gibt es Referenzen von anderen Gemeinden? Zudem nie einen Mehrjahresvertrag abschliessen, sondern zunächst eine Testphase von etwa sechs Monaten durchführen. Generell möchte ich Gemeinden raten, sich gut zu überlegen, ob die KI wirklich das richtige Tool für die Aufgabe ist oder ob es andere Möglichkeiten gibt. Ich stelle fest, dass KI nun oft eingesetzt wird, weil man Angst hat, «etwas zu verpassen». KI kann hilfreich sein, falsch angewendet sind die Risiken jedoch sehr hoch. Reto Vogt wird zum Thema KI in Gemeindeverwaltungen am 18. März im Rahmen der vom SGV und dem MAZ organisierten Tagung für Gemeindekommunikation referieren. Die Tagung ist ausgebucht. Nadja Sutter

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